Dave Made a Maze

Blu-ray Review

Pandastorm Pictures, 30.05.2019

OT: Dave Made a Maze

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Wo ist Dave?

Kleines Arthouse-Meisterwerk mit Anarcho-Touch.

Inhalt

Das hatte Annie nicht erwartet

Als Annie nach Hause kommt, staunt sie nicht schlecht. Kaum einen Meter von der Wohnungstür erwartet sie ein Pappkartongebilde, auf dem das Wort „Enter“ steht. Und irgendwo aus der Tiefe dieses Pappe-Haufens hört sie die Stimme ihres Freundes Dave. Er habe ein Labyrinth gebaut und, wie er zugeben muss, sich darin verirrt. Während Annie das Ganze für einen Scherz hält, entgegnet Dave, dass es von Innen viel größer ist. Ein Wackeln ihrerseits an den Kartons verursacht gar ein mittelschweres Beben für Dave. Weil er so hart an diesem Kunstwerk gearbeitet hat, will er nicht, dass Annie und hinzugerufene Freunde die Kartons abbauen. Es bleibt ihnen also keine Wahl, als auch hinein zu gehen. Kaum ist das geschehen, kommen sie aus dem Staunen kaum raus. Denn tatsächlich eröffnet sich ein komplett neuer Kosmos. Allerdings auch einer, der mit bösen Fallen gespickt ist und gruselige Wesen beinhaltet. Ob sie Dave finden? Oder findet sich Dave wenigstens selbst?

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Im Inneren wirkt das Labyrinth viel größer

Bill Watterson ist eigentlich Schauspieler. Als solchen kennt man ihn aus Filmen wie American Bistro oder Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel. Doch es gibt da diese verrückte Geschichte aus seiner Kindheit, die ihn irgendwie nicht mehr losließ. So war es, dass er als Kind eine respektable Burg aus Kartons und Gegenständen baute und bei der Heimkehr der Mutter keinen Mucks von sich gab – natürlich sehr zum Ärger der Frau Mama.
Wenn man so will, basiert Dave Made a Maze also auf wahren Begebenheiten – also quasi ein autobiografischer Film. Natürlich hat Watterson seine Grundidee mit Co-Autor Steven Sears ein wenig ausgeschmückt. Herausgekommen ist dabei ein herrlich verschrobener Independent-Film, der auf zahlreichen Festivals prämiert wurde und vor schrägen Ideen nur so strotzt. Wer an Terry Gilliam, Michel Gondry oder Wes Anderson denkt, der liegt ziemlich richtig. Doch ohne die genannten Filmemacher schlicht zu kopieren, entwickelt er eine ganz eigene Atmosphäre und einen vor allem eigenen Look, um seinen Selbstfindungstrip zu inszenieren.
Mit einer kindlichen Fantasie und einem irren Setdesign (wo ist der Oscar, wenn ihn mal jemand wirklich verdient hat?) zieht er den Zuschauer gleichermaßen wie Annie und die ganzen Freunde in das Karton-Labyrinth.

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Luke, Han, Leia und Chewie wüssten, wie man hier rauskommt

Dabei lässt er sich gut 15 Minuten Zeit, bevor man gemeinsam mit den anderen durch die Öffnung hineingehen darf. Zeit genug, um wirklich zu verdeutlichen, dass Dave nicht einfach zusammen gekauert in einem winzigen Pappkarton sitzt, sondern wirklich ein kleines Universum geschaffen hat. Kaum ist man dann drin, wird man überwältigt von dem, was man hier aus altem Papier und Kartons umgesetzt hat.
Ganz ehrlich: Das ist große Kunst. Und sie weckt das neugierige Kind im Zuschauer. Man möchte mit in diese Räume, möchte auch durch die schwarzen Klaviertasten laufen und mal den Button „Don’t Push“ drücken – wenngleich das für Gordon schmerzhafte Folgen hat.
Apropos schmerzhafte Folgen. Wenn Annie und Gordon mit den beiden Dokufilmern in einer Art Mülldeponie landen, merkt man erstmalig, dass Watterson auch ein echter Fan von Filmzitaten ist. Denn diese Szene ist ganz klar eine Reminiszenz an jene Sequenz, in der Luke, Han Solo, Chewie und Leia in der Müllpresse landen.
Ein bisschen SAW oder Cube schaut mindestens auch noch vorbei, wenn die Fallen zunehmend brutaler werden und auch mal einen der Protagonisten enthaupten (mit überraschendem Ergebnis).

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Der Minotaurus macht Jagd auf die Freunde

Dabei fallen den Machern immer wieder absolut skurrile Ideen ein, um das Ganze eben in Karton oder Papier zu realisieren. Gut, ein bisschen Bindfäden oder rote Farbe gibt’s auch noch. Klar, dass auch der aus dem Hut gezauberte Minotaurus einen Stierkopf aus Karton hat.
Und wenn man denkt, es kann eigentlich nicht noch origineller werden, schiebt Dave Made a Maze auch noch eine Sequenz ein, auf die M. C. Escher stolz gewesen wäre. Nebenbei ein wunderbares Beispiel für das Spiel mit Perspektiven.
Und das war noch nicht alles, wie man nach etwa 32 Minuten zu sehen bekommt. Um aber die Überraschung zu erhalten, sollte sich das jeder selbst anschauen, der auch nur ein bisschen Sinn für Filme weit jenseits des Mainstream hat.
Dem Panoptikum wohnt, wie erwähnt, eine Art Selbstfindungsdrama inne. Dave weiß nicht so Recht, wo sein Leben bis dato war oder wo es hingeht. Im Labyrinth findet er vielleicht die Antwort. Vielleicht bleibt er aber auch in seinem eigenen Kunstwerk weiterhin gefangen und in seiner Kreativität stecken. Was ein wenig schade ist, ist die Tatsache, dass dieser Ansatz ein bisschen verloren geht, je länger der Film dauert. Nach und nach hat man immer mehr das Gefühl, dass „nur“ Raum um Raum, Falle um Falle abgehakt wird. Das ist zwar immer originell und vor allem von Adam Busch als Gordon klasse gespielt, aber etwas mehr Story hätte dem Ganzen durchaus die Krone aufgesetzt.

Bild- und Tonqualität

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Jemand verliert den Kopf

Das Bild der Blu-ray von Dave Made a Maze liegt im ungewohnten Format von 2,00:1 vor. Es ist durchweg sehr rauscharm und ruhig. Die Farben sind sehr natürlich und wunderbar neutral. Die Detailauflösung geht in Ordnung, wobei Close-ups hin und wieder etwas wachsartig geraten sind. Auch bei den Kontrasten hätte es Optimierungsbedarf gegeben – sie bleiben weitgehend flau. Vor allem sobald es ins Labyrinth wechsel.
Akustisch lebt Dave Made a Maze zunächst von der durch den Raum wandernden Stimme Daves. Da er anfänglich versucht, aus dem Labyrinth zu kommen, läuft er darin herum – und damit um den Zuschauer. Bisweilen hört man ihn abwechselnd aus allen Speakern. Die etwas dynamischeren Szenen mit dem Minotaurus liefern dann schon mal etwas Druck, wobei das Geschehen dennoch weitgehend auf die Front bezogen bleibt.

Bonusmaterial

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Alles handgemacht

Im Bonusmaterial von Dave Made a Maze gibt’s zunächst einen Audiokommentar mit Regisseur Watterson und Co-Autor Steven Sears. Dazu gesellen sich ein Bericht vom Slamdance Festival sowie drei wahlweise kommentierte entfernte Szenen und einige Grußbotschaften an das Publikum. Das Hinter-den-Kulissen-Featurette läuft gut 20 Minuten und zeigt, dass die Darsteller durchaus verwundert waren über das Drehbuch.

Fazit

Dave Made a Maze ist ein Beispiel dafür, wie man mit wenig Budget und umso mehr Kreativität einen Film realisieren kann, der den Anarcho-Geist der unabhängigen Filmemacher atmet und sich durch die Filmhistorie zitiert. Das ist visuell absolut herausragend und mehr als liebenswert. Alleine die Story hätte noch etwas gehaltvoller sein dürfen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 60%
Film: 75%

Anbieter: Pandastorm Pictures
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Bill Watterson
Darsteller: Meera Rohit Kumbhani, Nick Thune, Adam Busch, James Urbaniak, Frank Caeti, Scott Narver
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,00:1
Laufzeit: 81
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Pandastorm Pictures)

Trailer zu Dave Made a Maze

Dave Made a Maze | Trailer deutsch german HD | Abenteuer-Komödie

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