Death Race: Anarchy

Blu-ray Review

death race anarchy blu-ray review cover
Universal Pictures, 18.10.2018

OT: Death Race: Beyond Anarchy

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Das Geschwür

Frankenstein ist immer noch unbesiegbar im Todesrennen, oder?

Inhalt

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Immer noch fährt man in Knast die Todesrennen

Frankenstein regiert nach wie vor den Distrikt, um den man seinerzeit eine Mauer zog, um dort ganze Hunderttausendschaften an Verbrechern unterzubringen. In diesem Knast herrschen Chaos und Anarchie – und eben der maskierte Champ des Todesrennens. Weil jüngst ein Einsatz von Polizei-Einsatzkräften zu einem Blutbad führte, will Weyland Corporation, der Betreiber des Gefängnisses, ein für alle Mal für Ruhe sorgen. Doch dafür muss Frankenstein sterben – und das möglichst blutig während des Rennens. Nur so könne sein Status gebrochen und seine Anhänger stillgehalten werden. Um das zu gewährleisten, schickt man Connor in den Knast. Einen speziell ausgebildeten Elite-Soldaten. Der muss sich natürlich erst einmal fürs Todesrennen qualifizieren, wenn er Frankenstein in diesem besiegen und seinen Ruf terminieren will. Und ganz nebenbei besteht die Gefahr, dass man ihn enttarnt …

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Connor soll Frankenstein zur Strecke bringen

2008 etablierte Paul W.S. Anderson mit Death Race (einem frei interpretierten Remake des 1975er Films mit David Carradine) so etwas wie eine Mischung aus Mad Max, Fast & Furious und Die Klapperschlange – in der Hauptrolle seinerzeit: Jason Statham. Der ehemalige britische Turmspringer ist derweil ins Fast-&-Furious-Franchise aufgestiegen, doch die Death-Race-Serie lebt(e) auch ohne ihn weiter. Mit dem zweiten Teil und Death Race: Inferno (2010 und 2013) führte man die Filme mit Luke Goss am Steuer direkt ins Trash-B-Movie-Fach. Das tat dem Erfolg aber keinen Abbruch – im Gegenteil. Genau dort fühlt sich nun auch Death Race: Anarchy pudelwohl. Und dort darf man ihn wohl als „Guilty Pleasure“ verorten. Ernst nehmen sollte und kann man das ohnehin nicht, was man hier sieht. In etwa genauso wild geht es auf der Leinwand zu wie es das „Anarchie“ im Titel landläufig impliziert. Selbst wenn das Konzept „Anarchie“ vom Film kaum verstanden wurde. Wohnt dem politischen Begriff doch eine Abwesenheit von Herrschaft/eines Herrschers inne – Frankenstein führt sich indes eher auf wie ein Diktator.
Wild ist es vor allem in Bezug auf die Gewaltschraube, an der man sicht- und spürbar drehte. Es reicht dem Film schon nach knapp 12 Minuten nicht, eine Truppe von schwer bewaffneten Einsatzkräften durch gefühlt 1000 Schüsse nieder zu strecken. Nein, danach fräst sich auch noch ein gewichtiger Nackedei in Schlachter-Schürze mit einer Kettensäge durch die am Boden liegenden Körper – und das ungeschnitten mit SPIO-Freigabe (keine schwere Jugendgefährdung). Die FSK hätte es vermutlich weniger witzig gefunden.

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Goldberg scheffelt im Hintergrund Millionen mit seinem Wettbüro

In Sachen Gewaltdarstellung wird die Latte also direkt zu Beginn ziemlich hoch gelegt. Auch die Atmosphäre ist packend wie bei den drei Vorgängern. Mit schmuddeligen Bildern aus gesetzslosen Bars und Pubs, die wirken wie der wahr gewordene Traum aus Motoröl und Sex für Fetisch-Freunde; mit trashigen Dialogen wie „Ich will wissen, ob er fickt wie er kämpft“ und dazu mit pumpendem Death-Metal unterlegt, besteht kein Zweifel: Death Race: Anarchy setzt Stil weit über Inhalt. Die Story ist so dünn, dass man sich wundern muss, wie man damit 110 Minuten vollpacken konnte. Dass selbst ein Knäckebrot noch mehr Intelligenz hat als Geschichte und Hintergrund dieses Films, wird vermutlich sogar Hauptdarsteller Zach McGowan wissen. Dessen Körper sieht im Übrigen derart trocken aus, dass er vermutlich in der Vorbereitung nicht viel mehr zu sich genommen hat als das schwedische knäcka. Allerdings wirkt sogar er mit seinem durchtrainierten Body ab und an etwas zu weich. Vor allem im Gegensatz zu seiner „Beifahrer-Schlampe“ Bexie, die Entsicherungsringe von Handgranaten gerne mal zwischen der Zunge lutscht. In deren Gegenwart schrumpfen männliche Geschlechtsteile augenblicklich auf Erbsengröße zusammen. Apropos Geschlechtsteile. Volle frontale Nacktheit ist in Death Race: Anarchy genauso an der Tagesordnung wie harte Action und blutige Konfrontationen. Für amerikanische Verhältnisse ist das hier fast schon ein Fetisch-Porno. Unterbrochen natürlich von viel kaputtem Blech und (fürs Budget) sensationell umgesetzten Stunts – und das gilt für die Körper-Kämpfe genauso wie für die Autorennen im Stock-Car-Stil.
Und weil das alles in allem visuell schön schäbig ist, von absurd-machohaften Dialogen getragen wird und mit Kostümen angereichert wurde, die für die Produktion von Mad Max: Fury Road im B-Ware-Korb gelandet sind, geht das als großer hirnloser Spaß durch.

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Jep, definitiv ein Trashfilm!

Bild- und Tonqualität

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Frankenstein ist noch immer unbesiegt

Das Bild im Format 1,78:1 nutzt teilweise den typischen Look des Franchise. Die Außenszenen mit den Rennen sind nahezu monochrom schwarzweiß. Getragen von einem ziemlich guten Kontrastumfang und einer leichten Körnung wirkt das hübsch schmuddelig und authentisch. In Innenräumen wird’s farbiger und liefert beispielsweise in Goldbergs Wettbüro warme, braungefilterte Aufnahmen. Die Schärfe ist allerdings dauerhaft nur mittelprächtig. Viele Einstellungen – gerade Gesichter betreffend – wirken zu weich.
Die deutsche dts-Spur ist der Originalfassung in dts-HD-Master nahezu ebenbürtig. Die Direktionalität der Soundeffekte während der Rennen ist gelungen und auch die Querschläger während der Schießereien gelangen räumlich ins Heimkino. Stimmen sind durchweg gut verständlich – teilweise besser als in der Originalfassung. Dennoch brummeln ein paar von den Sprechern ein bisschen. Explosionen dürften zu Beginn über beide Sprachen noch etwas mehr Druck liefern, werden aber im späteren Verlauf wuchtiger. Klasse ist auch der Weyland-Helikopter, dessen Rotoren die Luft knatternd durchschneiden (16’50). Und in den späteren Szenen mit dem finalen Todesrennen setzt Death Race: Anarchy ohnehin krasse Duftmarken in Sachen Lautstärke und Effekte.

Bonusmaterial

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Frankenstein vs. Connor ist auch das klassische Duell Mustang vs. Camaro

Im Bonusmaterial von Death Race: Anarchy warten ein paar Featurettes: „Inside“ rekapituliert ein wenig die Story, gibt aber auch Einblicke in die „Charaktere“ der Fahrzeuge. Außerdem gibt man preis, dass es der erste Teil des Franchise ist, der in Europa gedreht wurde. „“ kümmert sich vor allem um die Figur des Lists, der als einiger in allen vier Filmen mit von der Partie war. „Auf den Straßen von …“ gibt’s knapp drei Minuten Einblick in die Modifizierung der Rennwagen. Obendrauf gibt es noch den Filmkommentar von Regisseur Don Michael Paul und Hauptdarsteller Zach McGowan.

Fazit

Death Race: Anarchy gelingt es mühelos, das inhaltliche Flachniveau der Vorgänger zu halten. Macht aber überhaupt nichts, solange Stil so sehr über Substanz geht wie in diesem Franchise. Und den Style hat auch der vierte Film drauf. Innerhalb der Filmserie ist es sogar einer der besseren Teile.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 50%
Film: 70%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Don Michael Paul
Darsteller: Zach McGowan, Danny Glover, Danny Trejo, Fred Koehler, Christine Marzano, Cassie Clare
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // dts 5.1: de
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 111
Codec: AVC
FSK: SPIO ksJ (ungeschnitten)

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universal Pictures)

Trailer zu Death Race: Anarchy

Death Race: Beyond Anarchy | Trailer | Own it 10/2 on Blu-ray, DVD & Digital

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