Der Limehouse Golem – Das Monster von London

Blu-ray Review

Der Limehouse Golem - Das Monster von London Blu-ray Review Cover
Concorde Home Entertainment, 30.12.2017

OT: The Limehouse Golem

 


Here we are again

London litt nicht nur unter Jack the Ripper …

Inhalt

Der Limehouse Golem - Das Monster von London Blu-ray Review Szene 6
Kildare hat endlich den erhofften großen Fall

London im Jahre 1880: Polizeiinspektor Kildare ist seit 30 Jahren in der Abteilung Betrug unterwegs, wollte aber immer mal einen großen Fall bearbeiten. Er ist eine reine Seele. Einer, der Korruption ablehnt und noch nach Prinzipien handelt. Einer, der nur deshalb keine höhere Position innehat, weil es das Gerücht gibt, er präferiere Männer, nicht Frauen. Genau der richtige Beamte also, um ihn als Blitzableiter für einen scheinbar unlösbaren Fall einzusetzen, damit Scotland Yard nicht den Frust der Bevölkerung abbekommt. Denn das, was Kildare erwartet, hat die Öffentlichkeit in Aufruhr gebracht und nach Antworten suchend gemacht. Der sogenannte Limehouse Golem hat erneut zugeschlagen und dieses Mal fünf Menschen umgebracht. Allerdings wäre „umgebracht“ noch geschönt, denn der Mörder zerfleischt seine Opfer regelrecht. Und das nicht zum ersten Mal. Während Constable Flood, der dem Fall als Assistent zugeteilt wird, schlicht von einem Wahnsinngen ausgeht, ist sich Kildare sicher, dass der Golem eine Geschichte erzählen möchte. Allerdings eine, die scheinbar ohne Zusammenhang steht, denn die Opfer wirken wahllos ausgewählt …

Der Limehouse Golem - Das Monster von London Blu-ray Review Szene 5
Kildare und sein Assistent Flood scherzen auch schon mal rum

Juan Carlos Medina erzählt seine Variante eines Jack-the-Ripper-Films mit einer von Beginn an fesselnden Atmosphäre, die das viktorianische London auferstehen lässt. Wer Filme, die zu dieser Zeit in Engla nd spielen, auch nur annähernd mag, darf The Limehouse Golem auf keinen Fall verpassen. Im Prinzip könnte die Rezension mit diesem Satz und dieser Empfehlung schon schließen, aber es gibt natürlich viel mehr zu entdecken, als das Wort „Atmosphäre“ vermitteln kann. Zunächst wäre da natürlich die grandiose Ausstattung. Die Straßen der Stadt leben von ihrem geschäftigen Treiben und der Enge der Gassen. Kutschen fahren standesgemäß über Kopfsteinpflaster und zur Zerstreuung in der Freizeit hält ein Theater her. Dazu ist die Kleidung authentisch umgesetzt – von den Wollmänteln bis hin zum Halstuch Kildares. Doch es ist nicht nur das Settiung und die vortreffliche Ausstaffierung des Films. Denn was wäre ein Film, der sich der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts annimmt, wenn er nicht auch passend besetzt wäre? Bill Nighy (der geneigte Leser dieses Blogs mag es vermuten) gehört in meinen Augen zu den wenigen ganz großen Schauspielern dieser Zeit. Vermutlich könnte er sich hinsetzen, 60 Minuten lang aus dem Londoner Telefonbuch vorlesen und es wäre immer noch unglaublich spannend.

Der Limehouse Golem - Das Monster von London Blu-ray Review Szene 1
Kildare glaubt nicht, dass Lizzie ihren Mann vergiftet hat

Auch als Kildare glänzt er mal wieder (glänzte er überhaupt schon einmal NICHT) und passt perfekt in die Rolle des aufrechten Inspektors. Dass er als solcher weiser und aufgeklärter scheint als sein jüngerer Kollege, braucht man Nighy gar nicht abnehmen – er lebt es. Denn The Limehouse Golem funktioniert auch als Buddy-Movie – auf eine sehr britische Art und Weise, versteht sich. Wenn der alte und erfahrene Kildare dem jüngeren und mit Scheuklappen auf den Augen durch den Fall wandelnden Flood die Welt erklären muss, beinhaltet das eine Menge typischen Inselhumor. Der wiederum wird gekontert von durchaus intensiven und unangenehmen Momenten. Beispielsweise, wenn Mrs. Cree dem Gericht erklärt, wie die Männer an den Docks mit ihr als Kind umgegangen sind und wie ihre Mutter darauf reagierte. Zudem sind die Leichen, die der Golem hinterlässt, durchaus grafisch in Szene gesetzt – die 16er Freigabe jedenfalls erscheint absolut berechtigt.
Inhaltlich teilt sich Medians Film in zwei Ebenen auf. Die eine beschreibt die aktiven Ermittlungen der beiden Scotland-Yard-Beamten, die andere rollt in Rückblenden auf, welche Verbindung Lizzie Cree zu den Tatverdächtigen hat. Diese Schilderungen ziehen sich bisweilen etwas und brechen massiv mit dem eigentlichen Tempo. Außerdem sollte man Fan von Theater-Aufführungen in Filmen sein, damit sich diese zwei Erzählebenen zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Allerdings kann selbst das nicht verhindern, dass sich die große Überraschung am Ende dann doch über einen geraumen Zeitraum hin angekündigt hat.

Der Limehouse Golem - Das Monster von London Blu-ray Review Szene 4
Allerdings verhält sie sich auch nicht gerade kooperativ

Bild- und Tonqualität

Der Limehouse Golem - Das Monster von London Blu-ray Review Szene 2
Ist es zu spät für Lizzie?

Das Bild von Der Limehouse Golem passt sich ein wenig der Stimmung und Zeit des Films an. So sind Farben reduziert und konzentrieren sich auf Schwarz- und Grautöne. Manchmal hat man fast das Gefühl, dass hier in schwarz/weiß gedreht wurde. Der Kontrastumfang ist gering ausgeprägt und lässt schon die dunkleren Innenraumszenen etwas milchig erscheinen. Dazu sind Schärfe und Auflösung eher mittelprächtig. Viele Szenen leiden in kurzen Bewegungen noch unter deutlichen Wischeffekten und in dunklen Bereichen gesellen sich auch noch Banding-Effekte hinzu (krass bei 88’20.
Akustisch lässt Limehouse Golem kaum Wünsche offen – speziell, wenn man das Setting in Betracht zieht, das nicht gerade einem Actionfilm gleich kommt. Doch schon der Applaus im Theater wird sehr räumlich wiedergegeben und lässt ihn praktisch im Heimkino stattfinden. Hervorragend gelungen ist auch die Einbettung der Stimmen. Im Original sind sie noch ein wenig voluminöser, doch auch die Synchronisation kann sich hören lassen. Sehr effektvoll gestalten sich die Stimmen, die Kildare hört, während er in der Bibliothek nach Hinweisen in einem Buch sucht (12’40).

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Der Limehouse Golem warten neben einer kurzen und unkommentierten B’Roll, die den Blick hinter die Kamera freigibt, insgesamt zehn Interview mit einer Gesamtlaufzeit von 74 Minuten. Neben den Darstellern und dem Regisseur kommen hier beispielsweise auch Szenenbildner und Drehbuchautor zu Wort.

Fazit

Der Limehouse Golem punktet mit einem grandiosen Hauptdarsteller, fantastischer Ausstattung und einer teilweise sehr spannenden Mörder-Hatz. Leider schaden die Tempobrüche durch die zweite Erzählebene dem Film etwas. Gut, dass Bill Nighy dieses Manko locker ausbügelt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 40%
Film: 75%

Anbieter: Concorde Home Entertainment
Land/Jahr: GB 2017
Regie: Juan Carlos Medina
Darsteller: Bill Nighy, Douglas Booth, Olivia Cooke, Sam Reid, María Valverde, Daniel Mays, Peter Sullivan
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 110
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Der Limehouse Golem

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