Der Low-Budget Stuntman

Blu-ray Review

Low Budget Stuntman Blu-ray Review Cover
Koch Films, 26.07.2018

OT: Ron Goossens, Low Budget Stuntman

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Der Held von Zundert

Nachschub für die Fans von „Jungeeee“ und „Verrückter Mongooo!“

Inhalt

Low Budget Stuntman Blu-ray Review Szene 2
Na, kennt den grünen Manta noch jemand?

Ron „Ronnie“ Goosens ist eigentlich ein nichtsnutziger Alkoholiker, der es nie geschafft hat, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Immerhin hatte der 52 U-Boote getrunken und war dann noch in seinen LKW gestiegen. Ron hat’s nur in seinen japanischen Kleinwagen geschafft und versucht, mit diesem eine hochgeklappte Brücke zu überspringen. Das ging selbstredend in die Hose. Das Auto explodierte und Ronnie fiel in den Fluss. Doch Barkeeper Peet hat das Ganze mit dem Handy aufgenommen und es bei YouTube hochgeladen. Nun ist Ron sowas wie eine Berühmtheit. Und das bald sogar über Zundert, das kleine Dörfchen in der Provinz Brabant hinaus. Denn Filmproduzent Berrie sieht in Ronnie eine Art „Low Budget Stuntman“. Für einen Star hält Partnerin Angela ihren Ron indes keinesfalls und hat aus Langeweile schon mit sämtlichen seiner Saufkumpels gepimpert. Und weil sie ihren Männe eigentlich verlassen und gar nicht mehr wiederhaben will, stellt sie ihn vor die unerreichbare Aufgabe, die megahübsche Schauspielerin Bo Maerten ins Bett zu bekommen. Nur dann würde Angela bleiben …

Low Budget Stuntman Blu-ray Review Szene 1
Ronnies Leidenschaft, die Leiden schaft: Der Alkohol

„Niemand fickt mit Maaskantje,Fotze!“ – nein, das ist keine Beleidigung an den geschätzten Leser dieser Zeilen, sondern eins der an vulgären Zitate aus dem niederländischen Kultfilm New Kids Turbo. Die beiden Regisseure Steffen Haars und Flip Van der Kuil hatten mit ihrer schrägen Proleten-Truppe zunächst in kurzen Dreiminütern dafür gesorgt, dass der Begriff „Fremdschämen“ eine neue Dimension erhielt. Nach zwei Kinofilmen, die auch hierzulande hervorragend liefen und für eine kurze Zeit die Jugendsprache ziemlich durchdrangen, schlug man im Februar 2014 mit Bro’s Before Ho’s etwas sanftere Töne an – was nicht jedem gefiel.
Nun sind Haars/Van der Kuil zurück und legen mit Der Low-Budget Stuntman ihren vierten Langfilm vor.
Und der beginnt – wir haben es ja immerhin mit einer Actinkomödie zu tun – mit einem ziemlich misslungen Stunt, der in einen James-Bond-ähnlichen Vorspann gipfelt. Ein guter Einstand, der nicht nur Spaß macht, sondern zeigt, dass die beiden Regisseure neben albernem Qutaschmachen halt auch echte Filmfans sind.
Und weil das so ist, machen sie dieses Mal nicht nur vor der Kamera ihre Späße, sondern inszenieren auch noch eine herrlich bissige Hinter-den-Kulissen-Satire. Die macht sich köstlich lustig über das Gehabe und die Allüren der Stars und Sternchen, was vor allem deshalb super funktioniert, weil es sich eine illustre Schar niederländischer Filmprominenz nicht nehmen ließ, vorbeizuschauen. So sieht man Dick Maas genauso wie den holländischen Star Waldemar Torenstra.

Low Budget Stuntman Blu-ray Review Szene 3
Erstmals nüchtern – keine gute Idee!?

Dass dabei die Gag-Dichte nicht so hoch ist wie bei den New Kids ist zwar spürbar und gipfelt leider auch nur in einem schwachen Spruch wie „ich bin voll knülle“, doch wenn Tim Haars als Ronnie zahllose, unfassbar unbeholfene und dämlich Annäherungsversuche an Bo Maerten unternimmt, dann blitzt dieser Anarcho-Witz des ersten Langsfilms des Regie-Duos durchaus auf. Wenn Low-Budget Stuntman die zwei Welten aus Promi-Society und Hinterhof-Prolet aufeinander treffen lässt, entlarvt das beide sozialen Schichten bisweilen auf erstaunlich bittere Weise. Ob das die selbstsüchtige, partywilde und drogengeschwängerte Rote-Teppich-Gesellschaft ist oder die Saufkumpanen von Ronnie, die fürchten, ihr trinkfester Freund könnte nun tatsächlich nüchtern werden und bleiben. Allerdings hätte das Ganze durchaus noch etwas böser ausfallen dürfen und irgendwie fehlt einem dann doch die Frische, die New Kids seinerzeit ausmachte.
Netter Gag am Rande: Der passende Schlager-Soundtrack wird von keinem Geringerem als dem in Holland extrem bekannten Dennie Christian vorgetragen.

Bild- und Tonqualität

Low Budget Stuntman Blu-ray Review Szene 4
Ron gibt Vollgas

Das Bild von Low-Budget Stuntman ist grieselig, etwas kontrastschwach und an den Rändern ziemlich unscharf. Es ist zu hell und auch im Zentrum nicht sonderlich scharf. Farben wirken ausgewaschen und überhaupt wirken die meisten Szenen verschwommen. In Close-ups überstrahlen Kontraste und Farben dann plötzlich.
Der Sound schlägt sich etwas besser und hält immer mal wieder räumliche Momente bereit. Beispielsweise wenn Ron seine durch Schmerzmittel und Nahtod hervorgerufenen Visionen hat oder auch in seinem gemeinsamen Stunt mit Bo das Fahrzeug frontal auf einen Betonpoller fährt. Die nuscheligen Dialoge des Hauptdarstellers passen natürlich auch hier wieder und vermitteln dieses unnachahmliche Flair, das vor allem diejenigen erreicht, die das hölländisch-deutsch mögen.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Der Low-Budget Stuntman gibt’s noch mal zehn Schnipsel möglicher entfernter Szenen oder irgendeinem anderen Quatsch.

Fazit

Mit Low-Budget Stuntman ist Steffen Haars und Flip Van der Kuil so etwas wie das Rossini für die New-Kids-Generation gelungen: schräg, sarkastisch und mit dem typischen Fremdschäm-Faktor. Nicht mehr so bissig, böse und infantil wie in New Kids Turbo, aber immer noch ziemlich amüsant.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 55%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 20%
Film: 60%

Anbieter: Koch Films GmbH
Land/Jahr: Niederlande 2017
Regie: Steffen Haars, Flip Van der Kuil
Darsteller: Tim Haars, Bo Maerten, Michiel Romeyn, Henry van Loon
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, nl
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 79
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Der Low-Budget Stuntman

Ron Goossens Low Budget Stuntman | Official Trailer [HD]

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