Der Mann, der vom Himmel fiel – Remastered

Blu-ray Review

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Studiocanal, ab 18.11.2016

OT: The Man Who Fell to Earth

 


Gestrandet auf der Erde

David Bowie in einer frühen Paraderolle.

Inhalt

Der Mann der vom Himmel fiel
Sonderling auf der Erde: Newton

Drei Jahre nach seinem heute zum Kultfilm gewordenen Wenn die Gondeln Trauer tragen nahm sich Regisseur Nicoals Roeg erneut ein schwergewichtiges Thema für den Nachfolger. Hatte er 1973 vor allem Religion und Transzendenz zum Inhalt gemacht, wendete er sich 1976 mit Der Mann, der vom Himmel fiel dem Turbokapitalismus und der Machtmechanismen der großen Konzerne zu. Mit David Bowie, dem androgynen Popmusiker, perfekt besetzt lässt er einen Außerirdischen (halb Mensch, halb Reptil) von hoher Intelligenz auf der Erde stranden. Da dessen Heimatplanet kurz vor dem Kollaps steht und zu vertrocknen droht, erhofft er sich, mit seinen Fähigkeiten auf der Erde so viel Profit zu machen, dass er ein Transportraumschiff bauen und mit neuer Technologie nach Hause fliegen kann. Scheint der Plan zunächst aufzugehen, weil Newton (so sein irdischer Name) aufgrund seiner telepathischen und empathischen Fähigkeiten steigt er mit einem eigens gegründeten Konzerns schnell zum Multimillionen-Dollar-Unternehmen auf. Doch das bringt ihm viele Feinde und Missgunst ein. Newt erfährt erstmals die Aggressivität der Menschen und spürt die Chancenlosigkeit des Individuums. Als er sich auch noch verliebt und damit Bekanntschaft mit Sex (und später Alkohol) macht, wirft ihn der Konsumrausch völlig aus der Bahn und lässt ihn sein eigentliches Ziel aus den Augen verlieren. Roeg nahm sich für Der Mann, der vom Himmel fiel erneut eine schriftliche Vorlage (bei Wenn die Gondeln Trauer tragen war’s eine Erzählung von Daphne du Maurier) und vermischte seine offene Konsum- und Machtkritik mit den für ihn typischen exzentrischen, manchmal halluzinatorischen Bildern. Damals war’s sperrig, heute ist’s sonderbar – aber eben genauso ein Kultfilm geworden, wie es der Vorgänger ist. Zum 40-jährigen Geburtstag feiert Anbieter Studiocanal den Film mit einem vollständig remastertem Bild, dessen Qualität im nächsten Kapitel beschrieben wird.

Der Mann der vom Himmel fiel
Seine Intelligenz verhilft ihm zum Erfolg

Bild- und Tonqualität

Der Mann der vom Himmel fiel
Verliert er die Kontrolle?

Das Restaurierungsverfahren für Der Mann, der vom Himmel fiel wurde in den Londoner Deluxe Studios vorgenommen. Das Original-Filmnegativ wurde mit einer 4K-Auflösung gescannt und bekam ein durchgängiges 4K-Mastering unter Aufsicht des damaligen Kameramanns Anthony B. Richmond. Während die anfänglichen Aufnahmen, die zeigen wie das Raumschiff durchs All rauscht noch extrem starkem Korn unterliegen und alles andere als remastered aussehen, wird’s besser, sobald Newt uf der Erde wandelt. Auch hier ist eine Körnung auffällig, wirkt aber filmisch und analog. Während die Auflösung selbst eher mittelprächtig bleibt (Aufschrift auf dem Schild für Trini’s Bar 4’48), geht die Schärfe in Nahaufnahmen für einen 40 Jahre alten Film absolut in Ordnung. Die Farben sind grundsätzlich im blassen 70er-Jahre-Stil, was man beim Remastering-Prozess auch nicht künstlich gepusht hat. Erstrahlte er jetzt im kräftig-bunten Look der Gegenwart, würde es den Film atmosphärisch tatsächlich verändern. Leichte Halos rund um Lichtquellen verstärken noch den Look der damaligen Zeit. Herausragend gut ist die Defektfreiheit des Films. Selbst bei konzentriertem Hinschauen fallen nur ganz vereinzelt mal Schmutzpartikel oder Drop-outs auf. Nicht ganz so schön sind zeitweise Randunschärfen, die vor allem den unteren Bereich betreffen (59’40). Auch gewisse Helligkeitsschwankungen während großer epischer Naturaufnahmen in der Totale trüben den Eindruck etwas. Hier sind die Weitwinkelkameras gegenüber den intimeren Aufnahmen der Darsteller im Nachteil. Wirklich gut sehen die Außenaufnahmen von New Mexico aus. Hier gefallen auch die Kontraste etwas besser als in einigen Innenraumszenen und Farben wirken etwas kräftiger. Das Fehlen von Artefakten oder Farbabstufungen ist ebenfalls positiv und Bowies orange Mähne wirkt jederzeit plastisch.
In Sachen Akustik liefert die Blu-ray von Der Mann, der vom Himmel fiel für die deutsche und englische Sprachausgabe einen gedoppelten Mono-Ton in 2.0 dts-HD-Master-Kodierung (irrtümlicherweise geistert auch bei offiziellen Angaben eine englische Fassung mit 5.1-dts-HD-Master-Kodierung herum, die nicht enthalten ist). Beide 2.0-Versionen klingen allerdings sehr unterschiedlich. Während die Originalfassung feiner und authentischer tönt, die atmosphärischen Naturgeräusche eher in den Hintergrund mixt, sind jene auf der deutschen Tonspur viel vordergründiger und offensiver. Allerdings klingen sie nicht besser, sondern eher belegt und dumpf. Zwar sind die Dialoge lauter, sie tönen jedoch töpfern und weniger homogen eingebettet. Die englische Spur ist hier hörbar homogener. Dynamik oder Druck finden hier so gut wie nicht statt.

Bonusmaterial

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Fernsehen, der Inbegriff des Konsums

Im Bonusmaterial von Der Mann, der vom Himmel fiel gibt es vor allem neue Interviews. So zum Beispiels eines mit Kostümdesignerin May Routh oder mit Standfotograf David James. Ebenso enthalten sind neue Gespräche mit Sam Taylor-Johnson (Regisseurin von Shades of Grey) und Produzent Michael Deeley. Ein neues Featurette über den Soundtrack ist ebenfalls an Bord. Dazu gesellt sich die Dokumentation: „Watching the Alien“, und einige weitere Interviews. Alleine die Interviews laufen zusammen 164 Minuten und liefern unglaubliche viele Informationen. Im „Lost Music Featurette“ wird zunächst thematisiert, dass ursprünglich Bowie selbst den Soundtrack schreiben sollte. Doch einerseits wäre das aufgrund hoher Lizenzgebühren zu teuer geworden und andererseits fiel es ihm schwer, neben der Arbeit als Schauspieler auch noch die Musik zu schreiben.

Fazit

Für seine Erstveröffentlichung auf Blu-ray wurde Der Mann, der vom Himmel fiel bestmöglich umgesetzt und liefert ein stabiles, defektfreies Bild. Beim Ton hätte man sicher noch nachhelfen können, denn der bleibt lediglich zweckmäßig. Das schmälert aber nicht den kultigen Film selbst, der in die Sammlung eines jeden aufgeschlossenen Sci-Fi-Fans gehört.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 50%
Tonqualität (Originalversion): 55%
Bonusmaterial: 70%
Film: 80%

Anbieter: Studiocanal
Land/Jahr: GB 1976
Regie: Nicolas Roeg
Darsteller: David Bowie, Rip Torn, Candy Clark, Buck Henry, Bernie Casey, Jackson D. Kane,
Tonformate: dts HD-Master 2.0 (Mono): de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 139
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Der Mann, der vom Himmel fiel

KinoweltTV Trailer – "Der Man, der vom Himmel fiel" am 7.9.

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