Der Spion von nebenan

Blu-ray Review

Tobis/Leonide, 03.07.2020

OT: My Spy

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Enttarnt

Dave Bautista begibt sich auf dünnes Eis.

Inhalt

JJ ist gar nicht glücklich über seinen nächsten Einsatz

Ex-Special-Forces- und jetzt CIA-Agent JJ hat es aber auch nicht einfach. Da erledigt er in der Ukraine gleich ein Dutzend gemeingefährlicher Gangster und sein Chef Kim hat dafür nur Sarkasmus übrig. Naja, nicht ganz zu Unrecht. Immerhin ist der einzige Überlebende des Einsatzes mit einem Plutioniumkern von dannen geflohen. Kim schneidet ihn daraufhin bei den nächsten Einsatzzielen und stellt ihn mit der etwas seltsamen Kollegin Bobbi zur Überwachung einer Frau, die als Witwe des Bruders eines Verdächtigen wohl eher zweifelhafte Wichtigkeit für den Fall hat. Doch was soll’s. Job ist Job. Wenn da nicht die Tochter der zu Observierenden wäre. Die junge Sophie ist aufgeweckt und als Außenseiterin ohnehin mit zu viel Zeit gesegnet. Und die nutzt sie, um ihre Nase in die Arbeit von JJ zu stecken. Denn bald schon weiß Sophie, warum JJ vor Ort ist. Anstatt seine Tarnung auffliegen zu lassen, fädelt sie aber lieber einen Handel ein: JJs Spionage-Knowhow gegen ihre Schweigsamkeit. JJ willigt ein – und erlebt sein blaues Wunder …

Doch sein Boss kein kein Erbarmen

Schwarzenegger hat’s gemacht und Stallone, Vin Diesel hat’s getan und Dwayne Johnson – nein, die Rede ist nicht von Actionfilmen. Das wäre ein bisschen zu simpel. Die Rede ist davon, dass sie alle ihre zwischenzeitliche Berühmtheit nutzten, um mal eine Auszeit vom Geballer und sonstigen Actioneinlagen zu nehmen. Das ging mal krachend in die Hose wie Diesels Babynator und war mal herrlich selbstironisch und überraschend unterhaltsam wie Johnsons Daddy ohne Plan.
Was auch immer die Produzenten der Filme und ihre muskelbepackten Darsteller sich dabei denken, es scheint irgendeinen Reiz zu geben, ausgerechnet Kraftpaketen, die Konflikte sonst mit Waffen lösen, mal ihre soften Seiten zu entlocken.
Und nun hat’s auch Dave Bautista getroffen. Der Quadratschädel, der sich in den letzten Jahre nicht nur durch seine Rolle als Drax bei den Guardians der Galaxy einen Namen gemacht hatte, bietet sich nach Diesel und Johnson geradezu für einen ähnlich gelagerten Film an. Immerhin hat er sich längst aus seinen B-Movie-Zeiten emanzipiert und ist durchaus in der Lage, über sich selbst zu lachen.
Selbstironie hilft, wenn man als Ex-Wrestler und Bodybuilder im Filmgeschäft langfristig überleben möchte. Denn immer nur die gleiche, eindimensionale Rolle im immer gleichen Genre zu geben, hat schon bei Steven Seagal nicht funktioniert.

Der Einsatz führt ihn aufs Glatteis

Der Spion von nebenan bemüht praktisch die gleichen Motive wie zuletzt Johnsons Daddy ohne Plan: Der Zufall will es, dass ein harter Kerl unfreiwillig auf eine junge Göhre trifft, die dem Macho nicht nur die sanften Seiten entlockt, sondern ihm mehr beibringt als er es bei ihr vermag.
Funktionieren tut das dann in den Momenten, in denen Bautista mit der jungen Chloe Coleman gemeinsam agiert. Wenn er nach und nach merkt, dass Sophie bei den Gleichaltrigen keinen guten Stand hat und sich für sie stark macht (oder auch mal zwei Jungs gleichzeitig ein Beinchen stellt), dann ist das schon charmant. Selbst wenn Bautista darstellerisch keine große Offenbarung ist – sympathisch ist es schon, wenn er seinen 100kg-Körper durch die enge Gasse der Schulbänke von Sophies Klasse manövriert und dabei überall Tische verschiebt. Oder wenn er beim Brennball nur mit dem Wurf drohen muss und alle Teenies auf der gegenüberliegende Seite rennen kreischend davon.
Und funktionieren tut’s auch in der skurrilen Nebenrolle von Kristen Schaal als Bobbi. Die FBI-Technikerin ist beseelt von ihrem ersten Außeneinsatz und verehrt ihren Kollegen wie ein verliebter Teenager. Die in den USA vielbeschäftigte TV-Serien-Darstellerin und Synchronsprecherin hat einen Heidenspaß an ihrer Figur und schafft es trotz ihrer etwas aufdringlichen Rolle, den Grad der Nervigkeit nicht zu übertreten. Glücklicherweise tut das dieses Mal auch Ken Jeong nicht. Der als Mr. Chow aus den Hangover-Filmen bekannte Schauspieler lässt sonst ja keine Gelegenheit aus, jedem Zuschauer den letzten Nerv zu rauben.

JJ verletzt das Protokoll

Schade, dass die gut aufgelegten Darsteller vom müden Drehbuch torpediert werden. Zunächst einmal lässt sich der Film viel zu viel Zeit, seine Spion-Mädchen-Geschichte in Gang zu bringen und mit etwas Dynamik zu füllen. Und dann sind viele Gags einfach zu abgegriffen, um wirklich zu zünden. Parallel dazu wird die Rahmengeschichte um das abhanden gekommene Plutonium kaum eingebunden. Dabei hätte es viel Potenzial gegeben, dies so zu integrieren, dass auch Sophies Spionagelehre bereits damit verquickt wird. Ein bisschen mehr Tempo, ein bisschen mehr Elan hätte der Inszenierung gut getan und den Film kurzweiliger und unterhaltsamer gestaltet.
So muss man sich damit zufrieden geben, dass Bautista nach der optischen Generalüberholung durch Kates schwule Nachbarn aussieht wie ein Holzfäller, der auf Yuppie macht. Wenn er dann derart aufgebrezelt die Tanzfläche betritt, ist mal kurz Fremdschämen angesagt. Aber auch das meistert Bautista charmant.

Preis: 9,74 €
(Stand von: 2020/12/05 5:55 am - Details
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Studio:
Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Fri, 03 Jul 2020
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Bild- und Tonqualität

Der Agent und sein Lehrling

Ja, das kann man so lassen. Lob an Leonine für den beeindruckenden Bildtransfer, den man hier mit Der Spion von nebenan aufs Parkett legt. Schon die Aufnahmen in Prypjat sind von hoher Hell-Dunkel-Dynamik und wirken in Close-ups messerscharf. Die Blende ins CIA-Hauptquartier präsentiert kühlere Farben, ist aber nicht minder kontrastreich und beeindruckt ebenso mit einer hohen Laufruhe. Herausragend ist die Farb-Sicherheit im blau ausgeleuchteten Einsatzraum nach 12’40 – für gewöhnlich eine offene Falle für Blu-rays, die dann gerne mal eine Mischung aus Rauschen und allerlei anderen Artefakten offenbaren. Nicht so hier. Die BD bleibt souverän und hervorragend durchzeichnet. Klasse auch das Schwarz von JJs Lederjacke sowie die Details an deren Reißverschluss nach etwas über 40 Minuten. Das ist schon ein wirklich sattes und kräftiges Bild.
Vier Minuten dauert’s, bis die beiden dts-HD-Master-Spuren zeigen können, was sie draufhaben. Dann setzt es eine erste Explosion, der dumpfe Zeitlupen-Schüsse folgen, die das typisch-dumpfe Soundgefüge mit sich bringen. Das macht Spaß und wäre noch schöner, wenn die deutschen Dialoge nicht viel zu leise und dünn eingebettet wären. Macht man das ganze Setting etwas lauter, um die Sprache zu verstehen, sind zwar hier und da die Musik-/Score-Einlagen zu laut, aber das lässt sich im potenten Heimkino ja ganz gut verkraften. Wenn später die Action wieder Einzug hält, fetzen Schüsse effektvoll über alle Speaker und eine erneute Explosion gibt einiges an Druck (68’30).

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Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Der Spion von nebenan gibt’s ein Mini-Making-of sowie eine B-Roll und diverse Trailer. Dazu gibt’s sieben Interviews mit den Darstellern und dem Regisseur sowie die ultrakurzen Featurettes „Intimidated“ und „Swear Jar“. Während das Mini-Making-of ebenso deutsch kommentiert wurde wie die zwei kurzen Vierzigsekünder „Intimidated“ und „Swear Jar“, bleiben die Interviews ohne Untertitel oder deutsche Übersetzung.

Fazit

Der Spion von nebenan hat wirklich charmante Szenen und einen trotz schauspielerischer Limitierung sympathischen Hauptdarsteller. Einige Gags sind wirklich gut und die zugrunde liegenden Themen Familie und Freundschaft sind universell verständlich. Ein wenig mehr Tempo und eine höhere Gagdichte hätten dem Film allerdings gut getan.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 90%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 30%
Film: 60%

Anbieter: Leonine Distribution
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Peter Segal
Darsteller: Dave Bautista, Chloe Coleman, Parisa Fitz-Henley, Kristen Schaal, Ken Jeong
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 101
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Leonine Distribution)

Trailer zu Der Spion von nebenan

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3 thoughts on “Der Spion von nebenan

  1. Avatar Ralph

    Danke sehr für die informative Besprechung und auch für die Berücksichtigung der Untertitel beim Bonusmaterial!

  2. Avatar ondy

    kann es sein das die bluray geschnitten ist ? bei der minute 51:26 wo der böse sagt ,,ich schon“ blendet das video in die nächste einstellung, man sieht nicht wie das klappmesser auf geht und der andere man in den bauch gestochen wird. Wenn man sich das amazon UHD video ansieht ist das messer und der bauchstich enthalten.

    • Gut möglich, dass man die Schere für die physische Veröffentlichung angesetzt hat. Amazon geht (meine ich) auch einen etwas eigenen Weg, was die Altersfreigaben bei Prime Video angeht.

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