Der Überläufer Teil 1 und 2

Blu-ray Review

Pandastorm Pictures, 08.05.2020

OT: –

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„Leck‘ doch die Pflicht am Arsch!“

TV-Zweiteiler basierend auf einer Vorlage von Siegfried Lenz.

Inhalt

Unteroffizier Stehauf quält gerne seine Untergebenen

Der auf dem Roman von Siegfried Lenz basierende Der Überläufer lässt schon mit dem ihm vorangestellten Zitat des Schriftstellers keinen Zweifel daran, welche Position der Film einnehmen wird: Krieg sei „das grausam-lächerliche Abenteuer, in das sich Männer einlassen, wenn sie der Hafer des Wahnsinns sticht.“
Vom Hafer des Wahnsinns gestochen scheint der junge Wehrmachtssoldat Walter Proska gewesen zu sein. War er doch voller Überzeugung in den Krieg gezogen. Doch nun, im Juli 1944, scheint sich seine Einstellung geändert zu haben. Bei seiner Schwester und dem Schwager verweilte er für einen Moment und zog ernsthaft in Betracht, nicht mehr an die Front zurück zu kehren. Doch für seine Kameraden zieht er erneut los. Richtung Ostfront. Während der Zugfahrt dorthin hilft er einer jungen Polin. Wanda verstärkt seine Zweifel am Krieg noch. Kein Wunder, dass er sich in die charmante, gewitzte und selbstbewusste Frau verliebt. Doch die Wege trennen sich und Walters Zug wird zum Opfer eines Partisanen-Anschlags. Nachdem er sich mit Hilfe eines schlesischen Kameraden aus dem Wrack befreien kann, treffen die beiden kurze Zeit später auf den durchgeknallten Unteroffizier Willi Stehauf. Mit ein paar Mann bekleidet er einen Außenposten und macht sich einen Spaß aus sadistischen Spielchen. Doch Stehauf ist bald nicht Walters einziges Problem. Denn als er Wanda wieder begegnet, weiß er, dass sie zu den polnischen Partisanen gehört …

Wanda hat’s Walter angetan

Der auf dem Roman von Siegfried Lenz basierende Der Überläufer lässt schon mit dem vorangestellten Zitat des Schriftstellers keinen Zweifel daran, welche Position der Film einnehmen wird: Krieg sei „das grausam-lächerliche Abenteuer, in das sich Männer einlassen, wenn sie der Hafer des Wahnsinns sticht.“ Lenz schrieb die Vorlage bereits 1951. Als 17-jähriger zog Lenz selbst nach eigenen Aussagen „euphorisch“ in den Krieg, war aber nach seiner Desertion und Flucht nach Dänemark ebenso ernüchtert (Quelle). Es sind also durchaus auch autobiographische Elemente, die Lenz in seine Erzählung einfließen ließ. Eine Erzählung übrigens, die erst posthum im Jahre 2016 veröffentlicht wurde, nachdem sie dem Verlag 1951 zu heiß gewesen war.
Regisseur Florian Gallenberger (Colonia Dignidad) machte aus dem Stoff eine atmosphärisch dichte, hochkarätig besetzte TV-Verfilmung, die als Geschichtsstunde ebenso durchgeht wie als Lehrstück über Menschlichkeit.
Die Konzentration liegt hierbei ganz eindeutig auf der Schilderung der Figuren und den Dynamiken zwischen ihnen. Kriegs-„Action“ sollte hier niemand erwarten. An die Front geht’s nicht und wenn Schießereien inszeniert werden, sind es eher vereinzelte Momente mit wenig Tamtam.

Eichhörnchen mit Waffe in der Hand

Der Überläufer ist deshalb zwar massiv dialogbasiert, nimmt aber von Beginn an gefangen. Das Setting ist stimmig, die Besetzung der Rollen passt und der getragene Score trägt zum Gelingen bei. Selbst wenn die Produktionsumstände im ersten Teil eher günstig erscheinen (die meisten Szenen spielen irgendwo im Wald oder in kleinen Betonräumen), würde zuviel production value ohnehin nur ablenken. Stattdessen dürfen wir einem Rainer Bock als sadistischem Unteroffizier Stehauf zusehen, der beständig an der Grenze zum Wahnsinn entlang wandelt und dessen Spiel beeindruckend ist.
Jannis Niewöhner in der Hauptrolle als Walter spielt vielleicht ein bisschen zu zeitgemäß, was das Eintauchen in die Gefühle der Soldaten des Zweiten Weltkriegs etwas erschwert. Auch die Beziehung zu Wanda wirkt nicht immer ganz glücklich inszeniert, erscheint ein wenig abrupt und lässt ein paar beidseitige Fragen vermissen.
Ganz ohne Klischees und erzählerische Mängel kommt Der Überläufer zudem nicht aus. Es darf sich schon die Frage gestellt werden, warum der Waldesruh-Posten des Nachts vollkommen unbewacht bleibt, während man draußen Partisanen wähnt. Und dass die Rotarmisten samt und sonders vor allem trinkfest sind – naja, ein wenig mehr Einfälle hätte man schon haben können. Der scheinbare Gesinnungswechsel von Walters Schweiger in Teil II bietet dann zwar Anlass für echtes Drama, bleibt aber rätselhaft unerklärlich.
Stimmung und Atmosphäre hingegen intensivieren sich noch einmal, wenn Walter in Kriegsgefangenschaft gerät und tatsächlich desertiert. Der zweite Teil, der sich um die Nachkriegszeit und die Teilung Deutschlands kümmert, variiert die Atmosphäre dann. Wir sind plötzlich nicht mehr im Wald, sondern im zerstörten Berlin. Der Krieg ist vorbei, Romantik zieht ein und die neuen „Freunde“ sind vielleicht auch gar nicht so toll, wie zunächst gedacht. Der Überläufer stellt dabei durchaus interessante und unbequeme Fragen, verliert sich ab und an aber auch in etwas zu ausgedehnten Bett-Melancholie-Szenen.

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Format: Blu-ray
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Erscheinungstermin: Fri, 08 May 2020
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Bild- und Tonqualität

Walter gerät in russische Kriegsgefangenschaft

Das Bild der Blu-ray erinnert schon technisch an seine Herkunft als TV-Produktion, da er in 1080i auf der Disk abgelegt wurde. Gemeinsam mit dem Vollformat von 1,78:1 hat man immer mal wieder das Gefühl, einer Live-TV-Produktion zu zu sehen. Allerdings kann man ihr rein visuell kaum etwas vorwerfen. Das Bild ist blitzsauber und praktisch frei von Körnung. Die Schärfe ist durchweg auf hohem Niveau und arbeitet Details auf den Gesichtern fein heraus. Feinheiten an Strohballen oder (sichtbarer und schlimmer) an Brückenbögen (16’43) oder entlang des Gewehrs (51’34) zeigen schon mal De-Interlacing-Probleme. Hier wird dann doch klar, dass eine progressive Produktion mehr Ruhe ausgestrahlt hätte. Besonders haarig wird’s, wenn sich die Kamera im Wald bewegt und die Äste der Bäume im Hintergrund ein wuseliges Eigenleben führen 31’58.
Auch beim Ton ist leider TV-Produktions-Sparflamme angesagt: PCM 2.0 Stereo hat man auch schon länger nicht mehr gehört. Der Überläufer konzentriert sich also auf die beiden Main-Speaker, sodass man allenfalls mit ein paar Stereoeffekten rechnen darf. Stimmen reproduziert er allerdings sehr sauber, was schon mal eine gute Grundlage ist. Denn Dialoge liefert der Film satt und reichlich. In den etwas dynamischeren Momenten – wenn beispielsweise ein Zug auf den Bildschirm zu fährt oder derselbe nach knapp 18 Minuten Opfer eines Bombenanschlags wird – reicht es auch mal tiefer in den Keller hinab und wird dynamischer. Dennoch: Den Subwoofer und die Surround-Umgebung vermisst man durchweg. Gut gelingen jedoch feinere Geräusche wie das Klicken und Klacken, wenn Walter nach 75 Minuten seine Montur ablegt.

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Bonusmaterial

Werden nach dem Überlaufen Freunde: Walter und Wolfgang

Das Bonusmaterial von Der Überläufer hält ein tatsächlich englischsprachiges (aber untertiteltes) Making-of bereit, das mit gut 18 Minuten zu Buche schlägt und ein paar Stimmen der Darsteller zu den Dreharbeiten liefert. „Die Macher“ läuft mit vier Minuten etwas knapper und lässt diejenigen zu Wort kommen, die hinter der Produktion stecken. „Der doppelte Überläufer“ kümmert sich um die Transportation vom Buch zum Film und daran anschließend gibt’s noch fünf Charakterporträts der Hauptfiguren. Zwei weitere Featurettes über das Kostümbild und die visuelle Umsetzung runden das Angebot ab.

Fazit

Der Überläufer ist ein bisweilen fesselndes Drama vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Mit authentischem Setting und vor allem im zweiten Teil beeindruckenden Bildern des zerstörten Berlins entfalten sich menschliche Tragödien, aber auch optimistische Liebschaften. Durchweg stark gespielt, hätte man auf ein paar Klischees aber auch verzichten können.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Bonusmaterial: 60%
Film: 70%

Anbieter: Pandastorm Pictures
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Florian Gallenberger
Darsteller: Jannis Niewöhner, Katharina Schüttler, Sebastian Urzendowsky, Florian Lukas, Rainer Bock, Bjarne Mädel, Ulrich Tukur
Tonformate: PCM 2.0 Stereo: de
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 173
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Pandastorm Pictures)

Trailer zu Der Überläufer

Der Überläufer | Trailer Deutsch German HD | Kriegs-Mehrteiler
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6 thoughts on “Der Überläufer Teil 1 und 2

  1. Avatar Dennis

    Ein Film aus 2019 auf einer Blu Ray mit maximal 2.0 Ton?! Die Deutschen werden es wohl nie lernen…

    • Naja. TV-Produktion halt.

      • Avatar Dennis

        Ist die TV Produktion das Boot nicht mit Dolby Atmos gelaufen? Wenn sie wollen, können sie also, sie wollen nur nicht.

        Und Dolby Digital darf 2020 mindestens! dabei sein, auch bei einer TV Produktion..,

        • Ich denke, das hängt dann auch mit dem Budget zusammen und mit dem, was man in etwaigen Zweitverwertungen an Zielpublikum erwartet.
          Ärgerlich ist es zweifelsohne, ganz klar. Letztlich passiert hier aber auch schlicht derart wenig Action, dass man es verschmerzen kann.
          Bei „Das Boot“ würde ich es schon eher vermissen, wenn er lediglich in Stereo vorläge.

          • Avatar Dennis

            Jetzt liegt es an zu wenig Action? 🙂

            Warum verteidigst du hier so vehement?

          • Ich verteidige nicht, ich erkläre. Bzw. versuche, einen Grund hinter der 2.0-Spur zu finden 😉
            Wie gesagt: Ärgerlich ist es, da gebe ich dir Recht. Wünschenswert wäre, wenn es wäre, wie du sagst. Aber es gibt Filme, bei denen mich das wesentlich stärker aufgeregt hätte als hier.
            Und du kennst mich, bzw. meine Rezensionen. Ich habe weiß Gott oft genug auf miese Tonspuren/Codecs etc. hingewiesen und das auch an die Filmstudios weitergeleitet. Ich habe mich schon über Disneys Mangel an Dynamik aufgeregt, als es noch niemandem aufgefallen war. Manchmal, so meine ich, kann man die Kirche aber auch im Dorf lassen – wie eben hier, bei diesem TV-Zweiteiler, der über weite Strecken einzig von seinen Dialogen lebt.

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