Der Unsichtbare 4K UHD

Blu-ray Review

Universal Pictures, 09.07.2020
Universal Pictures, 09.07.2020

OT: The Invisible Man

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Im Schatten

Ultraspannendes Remake des Klassikers von 1933.

Inhalt

Die Flucht ist lange geplant

Architektin Cecilia Kass lebt seit zu langer Zeit in einer Beziehung mit dem erfolgreichen Geschäftsmann und Forscher für optische Innovationen Adrian Griffin. Zwar muss sie sich ums Geld keine Sorgen machen. Doch der Kontrollwahn Adrians sowie seine manipulative Art haben aus Cecilia ein seelisches Wrack gemacht. Kein Wunder, dass sie eines Nachts ihre sieben Sachen packt und sich aus dem gespenstisch abgeschotteten Anwesen davon macht. Ihre Schwester Alice hilft ihr bei der Flucht und bringt sie anschließend bei Cecilias altem Bekannten James und dessen Tochter Sydney unter. Die Angst vor Adrian weicht allerdings erst, als sie von dessen Selbstmord hört.
Überraschenderweise hat er sie in seinem Testament bedacht und ihr eine stolze Summe vererbt. Sie könnte sich nun in ein neues Leben ohne Furcht aufmachen. Doch daraus wird nichts. Es vergeht nicht viel Zeit und es mehren sich seltsame Dinge um sie herum. Dinge, die Cecilia annehmen lassen, Adrian könnte noch am Leben sein und alles von langer Hand geplant haben, um sie endgültig zu zerstören …

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Cecilia erfährt von Adrians Vermächtnis

Es klang so logisch, einleuchtend und spannend: Im Zuge des Erfolgs der Marvel-Filme aus dem MCU sowie dem DC-Universum von Warner beschloss man 2016/’17 bei Universal, das so genannte Dark Universe zu entwickeln – eine Art Horrorvariante des Marvel-Franchise. Immerhin hält man die Rechte an den schaurigsten Gruselfiguren der Filmgeschichte, die innerhalb des „Universal Horrors“ von den 1920ern bis in die 50er Jahre das Kinopublikum in Angst und Schrecken versetzte. Von Frankenstein über Dracula hin zur Mumie, dem Wolfsmenschen oder eben dem Unsichtbaren reicht die Palette. Nachdem man 2017 mit dem Reboot von Die Mumie den ersten Film des Dark Universe in die Kinos brachte, sollten weitere Kult-Charaktere aus ihrer Gruselgruft geholt werden, auf dass sie später möglicherweise in einem gemeinsamen Film aufeinander treffen. Doch der Gedanke eines gemeinsamen Universums wurde wieder verworfen, nachdem Tom Cruise‘ Neuinterpretation der Mumie auf wenig Gegenliebe stieß und noch weniger Einspiel rausholte.
Um die Gedanken an eine Wiederbelebung der Figuren aber nicht gänzlich über den Haufen zu werfen, beschloss man, nach und nach dennoch Reboots/Remakes zu inszenieren. Nur eben als isolierte und einzeln für sich stehende Filme. Den Anfang macht nun Leigh Whannell mit Der Unsichtbare. Von vornherein eigentlich eine der blassesten (sorry für den kleinen Scherz) Figuren des Universal-Gruselkosmos.
Frankensteins Monster oder der Werwolf sind und wären sicher die prominentere Wahl gewesen. Zumal die letzten Filme mit Unsichtbaren entweder erzählerisch flache VFX-Vehikel (Paul Verhoevens 2000er Hollow Man) oder seltsame Quasi-Komödien (Carpenters Der Unsichtbare von 1992) waren. Letzterer allerdings basierte allerdings nicht mal im Ansatz auf H.G. Wells Originalgeschichte von 1897.

Sydney muss beängstigende Dinge ertragen

Die Voraussetzungen waren also nicht zwingend glücklich. Und es schien fraglich, ob jemand nach dem Mumien-Flop ausgerechnet einen Film über eine Figur sehen wollte, die man eben nicht sehen kann. Es liegt in der Natur der Sache, dass hier vor allem die Kamera-Arbeit entscheidend ist, um dem Zuschauer die Bedrohung durch eine nicht sichtbare Gefahr zu vermitteln. Und hier kommt Leigh Whannell ins Spiel. Denn der Kreativkopf hatte zuvor immerhin schon das SAW-Universum sowie die Insidious-Filme erdacht. Hauptsächlich ist er dementsprechend als Drehbuchautor unterwegs und schreibt seinem Buddy James Wan die Filme auf den Regie-Leib. Bisher hatte er „lediglich“ für Insidious Chapter 3 sowie für Upgrade selbst auf dem Stuhl des Filmemachers gesessen.
Doch ein Gespür für Stimmung, Atmosphäre und Kameraeinstellungen hatte er in diesen beiden Genrewerken schon bewiesen. Und mit Produzent Jason Blum arbeitete Whannell in beiden Filmen bereits zusammen. Blum, der aktuell praktisch das Monopol auf hochwertige und erfolgreiche Horrorfilme in den USA hält, übernahm mit Bloomhouse Productions dann 2019 und parallel wurde bekannt, dass Johnny Depp nicht mehr (wie zuvor angenommen) die Hauptrolle spielen würde.
Nachdem Der Unsichtbare für eine kurze Zeit in den Kinos lief, wurde er zum Auswertungsopfer der Corona-Krise. Zwar konnte er in der kurzen Zeit von knapp drei Wochen weltweit 124 Mio. Dollar einspielen, was bei 7 Mio. Dollar Budget aller Ehren wert ist, doch es sind ihm vermutlich weitere zig Mio. Dollar durch die Lappen gegangen. Deshalb entschloss man sich dazu, ihn deutlich früher über VoD-Plattformen zum Leihen anzubieten, bevor jetzt im Juli endlich die Blu-rays erscheinen.

Was hat Adrian da unten in seinem Labor entwickelt?

Whannell orientiert sich in seinem Skript nur in Grundzügen an der Originalgeschichte von Wells. Dafür ergänzt er das Gerüst um eine Stalker-Substory, die hervorragend in die moderne Zeit passt. Sie führt in letzter Konsequenz weiter, was in der Realität über die Kontrolle von Handys, Konten bei sozialen Netzwerken oder (im drastischen Fall) über Überwachungskameras und das  Nachstellen durch Stalker geschieht. Der Unsichtbare nutzt sein Schreckenspotenzial maximal aus, um eine Frau in den Wahnsinn zu treiben, der selbstredend niemand glaubt. Welcher Polizeibeamte lässt sich schon erzählen, dass man von jemandem verfolgt wird, den man nicht sehen kann.
Whannell reichert den Thrill dabei immer wieder mit perfiden Einfällen an, die den Zuschauer auf die höchste Emotionalisierungstufe bringen. Als Zuseher weiß man von Cecilias Unschuld. Doch der Film schafft es immer wieder, ihr, dem eigentlichen Opfer, die Schuld für alles in die Schuhe zu schieben – die Macht eines Unsichtbaren ist eben nahezu endlos.
Die ganze Zeit über lässt Whannells Film keinen Zweifel daran, dass wir, also diejenigen vor der Leinwand, Cecilia Glauben schenken dürfen, während alle anderen an ihrem Verstand zweifeln.
Und dass wir an ihrer Seite stehen, treibt Hauptdarstellerin Elisabeth Moss (Wir) zu einer herausragenden Leistung. Ist sie zunächst das immer stärker in Verzweiflung versinkende Opfer, schlägt sie irgendwann einen anderen Ton an. Beides gelingt ihr hervorragend. Ihr Gesichtsausdrücke sprechen dabei stets Bände und vermitteln eindrücklich, was die aus Manipulation und Missbrauch bestehende Beziehung zu Adrian über die Zeit an Schaden angerichtet hat, wie geschunden ihre Seele ist.

Ob James Cecilia Glauben schenkt?

Neben der herausragenden Leistung von Moss sorgen aber in der Tat die atmosphärisch gefilmten Bilder von Kameramann Stefan Duscio für Grusel und Spannung. Unterlegt mit dem meist unterschwelligen Score verdeutlichen leere Räume die Einsamkeit, in der sich Cecilia befindet, weil ihr niemand Glauben schenken mag. Hinter jeder Kamerabewegung auf sie zu könnte der Unsichtbare stecken. Immer dann, wenn sich die Kamera einfach mal von ihr weg bewegt, sucht man nach Anzeichen, die der Gegner aus dem Nichts hinterlassen haben könnte.
Wenn Cecilia ihn dann das erste Mal enttarnt, braucht es keinerlei Blut- oder Ekeleffekte, um für eine ebenso kurze wie wirkungsvolle Sekunde für absoluten Schrecken zu sorgen.
Die kurzen, aber wirkungsvollen Blutmomente, die Der Unsichtbare durchaus liefert, verkommen nie zum Selbstzweck, sondern intensivieren nur gezielt den Grusel, der über die geschickte Regie und die Kamera-Arbeit ohnehin entsteht. Was Verhoeven 2000 in visuellen Effekten absaufen ließ und was Carpenter mit peinlichem Humor in seiner Unsichtbaren-Variante vergurkte, bewegt Whannell zu einem im allerbesten Sinne wirklich gruseligen Werk, das Vieles gar nicht zeigen muss, um Spannung zu erzeugen.
Bereits die Eröffnungsszene ist derart fiebrig inszeniert, dass man gebannt vor dem TV oder der Leinwand sitzt und beide Daumen drückt, dass die Flucht gelingt. Zu keiner Zeit hat man Zweifel daran, dass Adrian es jeden Moment entdecken und vereiteln könnte. Und diese Spannung setzt sich weit über eine Stunde fort, bis Der Unsichtbare dann doch etwas der Mut verlässt und er auf einen konventionellen Schluss abzielt, der über einen (nicht sonderlich überraschenden) Storytwist in die Wege geleitet wird. Das ist insofern schade, als dass es durchaus Möglichkeiten gegeben hätte, die Sache subtiler zu Ende zu bringen.
Für Genrefans verwirrend dürfte überdies sein, dass Whannell sich nach 90 Minuten doch SEHR deutlich an einem anderen Film anlehnt, deren Protagonistin auch niemand glauben wollte: Terminator II – Tag der Abrechnung.

Cecilia kommt Adrians Geheimnis auf die Spur
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Bild- und Tonqualität BD

Wie kommt das Messer auf den Dachboden?

Im Review zur VoD-Veröffentlichung von Amazon, das ich vor einigen Wochen verfasst hatte, war klar, dass das eine oder andere Bildproblemchen an der freiwilligen Datenreduktion während der Corona-Krise lag. So waren seinerzeit deutliche Banding-Artefakte und stehende Rauschmuster zu erkennen.
Bereits der Blu-ray von Der Unsichtbare liegen diese Probleme fern. Sie zeichnet in den dunklen Szenen besser durch als der Stream, ist durchweg ruhiger, offenbart auf den hellen Hintergründen im Technikraum nach gut fünf Minuten keine Probleme in den Helligkeitsverläufen und bietet authentischere Farben.
Die generelle Bildruhe ist durchweg extrem hoch. Körnung ist praktisch kaum ein Thema, wenn man von ganz leichtem Rauschen bei wenigen dunkleren Szenen absieht. Klasse sind (trotz der teils kühlen Farbgebung) die Kontraste während der Szenen in Griffins Büro nach etwas über 20 Minuten. Die dunkelblauen Anzugjacken sind von bestechender Präsenz und zeichnen sich wunderbar vor dem Hintergrund ab. Wird’s dunkler, werden Gesichter schon mal etwas arg sonnengebräunt rötlich (28’33), was eines der wenigen Mankos der wirklich guten und sehr scharfen Blu-ray ist.

Cecilia ist am Ende

Universal macht’s mal wieder vor und präsentiert auch Der Unsichtbare bereits über die Blu-ray mit einer Dolby-Atmos-Spur für beide Sprachen.
Wie schon beim Stream über Amazon seinerzeit ist es auch hier die Brandung der Wellen, die bereits äußerst wuchtig zum Zuschauer dringt. Sowohl über den Sub als auch über die Effektspeaker und die Heights werden die Wasser-Geräusche transportiert. Das klingt nicht nur gut, sondern hat vor allem ein beachtliches Fundament. Es ist gut möglich, dass Brandung noch nie derart wuchtig ins Heimkino drang. Hervorragend aber auch die sich anschließenden, etwas leiseren Szenen. Hier hört man das Meer nur noch entfernt, was für eine kühle Atmosphäre sorgt und die Spannung während Cecilias Flucht noch steigert.
Auch der intensive Hall im (viel zu großen) Badezimmer und die rumorenden Geräusche im Luftschacht sind wunderbar authentisch. Rein qualitativ kann man den beiden Tonspuren überhaupt nichts vorwerfen. Zumal auch der Score immer wieder Akzente setzt, wie bspw. beim sägend-drückenden Geräusch nach etwas über sieben Minuten.
Während die Dialoge durchweg gut verständlich bleiben, wird es in der Krankenhaus-Kampfszene nach etwas über 85 Minuten erstmals richtig dynamisch. Schon die Kugelschreiber-Attacke setzt dem Sub ordentlich zu. Und die Kombination aus Schlägen, den coolen Sounds des Anzugs, Schüssen sowie den genialen Geräuschen während der innovativen Kameraeinstellungen sorgt für eine wirklich herausragend vertonte Sequenz. Hier bleibt kaum ein Wunsch übrig und auch potente Anlagen werden ordentlich gefordert. Schön, dass leisere Geräusche, wie herannahende Wärter ebenso authentisch bleiben und nicht untergehen.

Erinnert nicht von ungefähr an einen SciFi-Action-Klassiker

Wenn wir uns den Heights etwas konzentrierter zu, so hört man diese (wie oben beschrieben) erstmalig während der anbrandenden Wellen zu Beginn. Während Cecilias Flucht wird auch der Score bedrohlich mit auf die Heighs gelegt und gerade die Sounds nach 8’45 lassen erschaudern. Dass kurz darauf einige Bäume bedrohlich von oben herab knirschen, sorgt für ein äußerst unbehagliches Bedrohungsgefühl und steigert die Spannung auch durch die akustische Komponente. Wie seinerzeit bei der VoD-Veröffentlichung schon beschrieben: Der Film lebt akustisch GERADE von den eher leiseren Szenen, die wahnsinnig viel Atmosphäre liefern.
Immer wieder effektvoll sind Türglocken, die aus den Heights klingen (13’38) und für einen kurzen Hallo-wach-Effekt sorgen. Allerdings setzt Der Unsichtbare schon mal auf Effekthascherei, wenn er das schwungvolle auf den Tisch schlagen der Zeitung nach 18’35 auf die Höhen-Speaker legt, obwohl man hier auf einer Ebene mit dem Tisch ist. Gleiches gilt für den Kugelschreiber nach 21’19 oder das knisternde Laub nach 27’20, das auf der Straße umherfliegt, während die Kamera aus leicht erhöhte Position filmt – allesamt nur leise Effekte, aber nicht wirklich korrekt positioniert.
Mehr Sinn ergeben da schon die Stimme von Cecilias Interviewpartner nach 37 Minuten sowie die Sirene und die Durchsagen im Krankenhaus kurz darauf. Der erwartungsgemäße 3D-Sound beim vibrierenden Handy auf dem Dachboden kommt dann auch exakt so, wie man ihn sich erdacht hatte (52’30). Bei 58’57 kommt dann während des sägenden Scores der bis dato deutlichste und wuchtigste 3D-Soundeffekt. Selbst wenn er hier nur aus Teilen des enervierenden Scores besteht, verfehlt das seine schockierende Wirkung nicht. Gut anderthalb Minuten werden alle vier Heights mit dynamischen Soundtrack-Elemente befeuert, was die Panik in der Situation maximal verdeutlicht. Das Gleiche gibt’s dann noch mal nach 68 Minuten im Haus von Adrian. Sobald der Spezialanzug dann ins Geschehen eingreift, gibt’s ein paar sehr nette 3D-Sounds (ab 65’30). Bei 84’48 setzt dann Regen ein, der allerdings zunächst dort nicht hingehört, weil man ihn bei Außenaufnahmen eben nicht fallen hört – es sei denn, man sitzt unter einem Dach oder ähnlichem, auf das er prasselt. Authentischer ist es dann schon, wenn man ihn 50 Sekunden später aufs Fenster von Cecilias Zimmer prasseln hört, nachdem schon das Licht ausschalten zuvor einen netten Sound brachte. Auch die fluiden wasserartigen Geräusche beim Zupacken des Unsichtbaren klingen klasse.
Der Regen nach 91 Minuten ist dann wieder schön laut, aber eben eigentlich nicht korrekt.

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Bildqualität UHD

James hält lange zu Cecilia

Der Unsichtbare wurde mit Kameras vom Typ ARRI Alexa LF und Alexa Mini LF gedreht. Von den 4.5K-Auflösung, die von diesen geliefert wurde, zog man bei Universal ein 4K-Digital-Intermediate und setzte die UHD auf dessen Basis um. Wir haben es also mit einer nativen 4K-Scheibe zu tun.
Obendrauf spendierte Universal, wie zuletzt häufig, das volle HDR-Programm mit HDR10, HDR10+ und Dolby Vision – selbstredend in Kombination mit einem im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum.
In der Praxis überrascht zunächst der recht geringe Wert von 249 Nit Maximalhelligkeit. Und in der Tat sind Spitzlichter nicht unbedingt das Ding der UHD – zumal die Scheibe eine ganze Ecke dunkler abgestimmt ist. Wo es bei der Blu-ray nach mittäglicher Stimmung aussieht, ist bei der UHD eher Tea Time. Im Bezug auf die Story funktioniert das dunklere Mastering aber sehr gut. Immerhin spielt der Film selbst zu einem guten Teil in der Dunkelheit oder in Innenräumen.
Eine zweite Sache fällt ebenfalls sofort auf: Die noch höhere Bildruhe in Kombination mit einer sichtbar verbesserten Detailtiefe. Die zahlreichen Vogelperspektiven von Brücken, Skylines etc. liefern schon im Vordergrund mehr Detailabstufungen und überzeugen erst Recht in der hintersten Ecke, wo die Blu-ray schlicht nicht mehr mithalten kann. Die Details auf der Brücke bei 19’16 zeigen die Laternen noch bis hinten hin erkennbar und auch die Seile an der Brücke bleiben definiert, wo die BD sie zunehmend verschweigt. Auch das Ziegelwerk auf dem Ruler-Gebäude ist sichtbar dreidimensionaler und plastischer. Als könnte man in die Zwischenräume der Ziegel greifen und den Mörtel heraus kratzen. Hier ist die BD schlicht zweidimensional und flach dagegen.
Farben werden etwas neutraler gestaltet, während Gesichter (je nach genutzter Farbstimmung innerhalb der Szenen) etwas rosiger oder gebräunter wirken.
Nicht ganz so schön sind sichtbare Banding-Artefakte im nächtlichen Himmel über Adrians Haus, die nur über die UHD zu sehen sind, während die Blu-ray an dieser Stelle dafür stärker rauscht (103’04).
HDR10+ zeigt gegenüber HDR10 auf dem Panasonic TX-55GZW954 keinerlei Differenz. Dolby Vision hellt das Geschehen ein wenig auf und ist farblich etwas lebhafter gestimmt. In Summe wirkt das DV-Bild etwas dynamischer als die statische HDR10-Variante.

Blu-ray (19’16): (Slider ganz nach rechts): Tausche den Mittag der BD …

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … gegen eine nachmittägliche UHD.

Blu-ray (25’27): (Slider ganz nach rechts): Tausche gelbe Eier der BD …

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … gegen orangefarbene der UHD. Der Speck sieht bereits weniger roh aus, das ganze Ensemble wirkt appetitanregender.

Blu-ray (35’52): (Slider ganz nach rechts): Das Ruler-Gebäude wirkt über die BD etwas flacher und milchiger.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD arbeitet die Ziegel sichtbar plastischer raus und auch das weiße Gebäude im Hintergrund erscheint dreidimensionaler.

HDR10 (35’52): (Slider ganz nach rechts): Das gleiche Bild noch einmal zwischen HDR10 und Dolby Vision.

Dolby Vision (Slider ganz nach links): Dolby Vision hellt das Bild wieder etwas auf, bleibt natürlich identisch gut aufgelöst und ist farblich ein wenig kühler.

Blu-ray (79’23): (Slider ganz nach rechts): Eine Szene, die man sehr gut für den Unterschied in der Auflösung nehmen kann.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Viele Details, unterschiedliche Formen und Muster bevölkern das Bild. Vor allem die beiden Lüftungsgitter machen der BD zu schaffen und sind über die UHD deutlich besser aufgelöst. Das Close-ups wird das offenbaren.

Blu-ray: (Slider ganz nach rechts): Das Close-up des Gitters und eines Teils der Schrift auf dem Plakat.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Der Auflösungsvorsprung der UHD ist wirklich frappant und schon auf UHD-TVs geringerer Zoll-Größe deutlich erkennbar.

Blu-ray (103’04): (Slider ganz nach rechts): Das oben angesprochene Manko der UHD im Bildvergleich. Die BD quittiert das sehr dunkle Bild (hier nachträglich etwas aufgehellt, um es zu verdeutlichen) mit sichtbarem Rauschen.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD rauscht zwar nicht, leidet aber unter Banding-Problemen im Helligkeitsverlauf des Himmels. Allerdings ist das die einzige (kurze) Problematik dieser Art der UHD.

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Bonusmaterial

Cecilia hat erstaunlich oft ein Messer zur Hand

Im Bonusmaterial von Der Unsichtbare gibt’s neben neun unveröffentlichten Szenen noch vier Featurettes zu entdecken. In „Mehr von Moss“ beschreibt die Hauptdarstellerin, wie sie ihrer Figur begegnete und was für sie Inhalte des Drehbuchs sind. „Die Vision von Leigh Whannell“ lässt dann für elf Minuten den Regisseur zu Wort kommen. Dieser outet sich (kaum ein Wunder) als großer Horrorfilm-Fan seit er ein Junge war. Auch er schildert, wie er an die Klassiker-Geschichte ran ging. Allerdings gibt’s auch viele sehr hautnahe Momente von den Drehorten. Man ist live dabei, wenn er sein Team auf den Dreh einschwört und Schlüsselszenen gedreht werden. „Die Darsteller“ geht noch einmal näher auf die wichtigen Figuren und ihre Schauspieler ein und „Zeitloser Schrecken“ erklärt ein wenig, wie genau man versucht hat, die ikonische Figur des „Unsichtbaren“ in die heutige Zeit zu transportieren.
Fast unterschlagen (Danke an Leser Ralph): Der launige Audiokommentar von Whannell.

Fazit

Der Unsichtbare gehört zu den stärksten Neuverfilmungen der letzten Jahre. 90 Minuten liefert er pure Spannung und ein hohes Maß an Emotionalisierung. Das letzte Viertel fällt dagegen zwar leicht ab, doch Elisabeth Moss rettet auch über diese etwas schwächere halbe Stunde hinweg.
Die UHD liefert dazu das sattere und noch mal sichtbar besser aufgelöste Real-4K-Bild, das lediglich aufgrund seiner etwas dunklen Abstimmung vornehmlich Abends geschaut werden sollte. Der einzelne Moment mit Banding-Artefakten ist ärgerlich, aber sicher verschmerzbar. Vor allem aufgrund der Auflösung und Plastizität bildet die Ultra-HD hier die bessere Wahl.
Sowohl BD und UHD bieten einen durchweg räumlichen, sehr definierten und in Actionszenen bisweilen aggressiv-dynamischen Dolby-Atmos-Sound, der die Heights allerdings nicht immer ganz korrekt nutzt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 85%
Bildqualität UHD: 90%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 90%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (dt. Fassung): 50%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (dt. Fassung): 85%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 90%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 50%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 85%

Bonusmaterial: 50%
Film: 80%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 2020
Regie: Leigh Whannell
Darsteller: Elisabeth Moss, Oliver Jackson-Cohen, Harriet Dyer, Storm Reid, Aldis Hodge, Michael Dorman
Tonformate BD/UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 124
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision, HDR10+
Maximale Lichtstärke: 249 Nit
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universal Pictures)

Trailer zu Der Unsichtbare

Der Unsichtbare - Trailer HD deutsch / german - Trailer FSK 16

 

7 thoughts on “Der Unsichtbare 4K UHD

  1. Avatar ondy

    Ob das banding problem auch auf import uhd zu sehen ist würde mich interressieren

  2. Avatar Rolf

    Ist der 4K Stream gleichwertig? Oder doch größerer Unterschied?

    • Der 4K-Stream über Amazon leidet nach wie vor unter leichtem Banding. Ist gegenüber der UHD gerade bei größeren Bildbreiten sichtbar im Nachteil.

  3. Avatar Rolf

    Ich hatte den Apple Stream geschaut als er in den Verleih kam. Habe das gar nicht mehr in Erinnerung ob ich das so Bandinglastig erlebt habe. Meine Leinwand hat 120 Zoll. Mal sehen. Wollte den Kauf eigentlich über Apple tätigen. Weil in der Tonspur scheint sich ja nicht viel zu bewegen. Mal überlegen ob es vielleicht doch die UHD werden muss.

  4. Avatar Ralph

    Ein cooles Extra sollte nicht unterschlagen werden und zwar der sehr informative und launig vorgetragene Regiekommentar. Der ist nämlich auch noch enthalten (sowohl auf der UHD als auch auf der BD). Wie es bei Universal üblich ist, wurde der Kommentar deutsch untertitelt. Ich habe schon viele Audiokommentare von Regisseuren gehört und dieser hier von Leigh Whannell gehört mit zu den besten.

    • Ei ei ei. Ist mir tatsächlich durch die Lappen gegangen, das im Bonusmaterial zu erwähnen. Hab’s nachgeholt.

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