Der Vorname

Blu-ray Review

der vorname blu-ray review cover
Highlight Communications, 04.04.2019

OT: –

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„Verfickt beschissener Kackname“

Sönke Wortmanns Der Vorname zeigt, wie ein Abend herrlich eskalieren kann.

Inhalt

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Christoph ist Intellektueller – und verdammt stolz drauf

Literaturprofessor Stephan und seine Frau Elisabeth haben eingeladen. Zum Dinner kommen Elisabeths Bruder Thomas sowie dessen schwangere Frau Anna. Ebenfalls am Tisch sitzt René, der für Elisabeth und Thomas wie ein Bruder ist. Anna verspätet sich, was Thomas die Gelegenheit gibt, den gewählten Vornamen für das ungeborene Kind auszuplaudern: Adolf …
… ja, Adolf – ausgerechnet. Stephan, der als Studierter ständig seine geistige Überlegenheit zur Schau stellt, ist entsetzt. Er hielt Schulabbrecher Thomas ja schon immer für ein bisschen dumm. Aber SO dumm? Die sich entspinnende Diskussion ist derbe. Und sie wird neu angefacht, als Anna endlich auftaucht. Denn ohne zu ahnen, WELCHEN Namen Thomas verkündet hat, ist sie unglaublich stolz darauf – ein Missverständnis, das zu weiteren Kellerleichen führen wird. Und zwar auch bei denen, die zunächst mit dem moralischen Zeigefinger gewedelt haben …

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Mein Thomas das wirklich ernst?

Es gibt einen Namen, der nicht sonderlich weit vorne auftaucht, wenn man sich die aktuelle Liste der 1000 beliebtesten Männer-Vornamen anschaut. Genaugenommen taucht er gar nicht auf. Während Ben, Paul, Leon oder Elias die vorderen Ränge einnehmen, sucht man Adolf vergeblich.
Ob zu Recht oder nicht – darum geht es Sönke Wortmanns jüngstem Film Der Vorname. Naja, nicht wirklich darum. Aber man stelle sich die Situation mal in der privaten Umgebung vor. Da trifft man sich auf einen gemütlichen Abend innerhalb von Freunden und Verwandten und die Namensgebung eines noch ungeborenen Kindes endet im völligen Fiasko. Das sollte doch für eine zünftige Satire als Vorlage reichen, oder?
Und in der Tat. Wortmanns Film, der die Story des Remakes des 2012er Original Le Prénom aus Frankreich mit ein paar aktuellen Bezügen wie der Flüchtlings-Thematik oder Antisemitismus anreichert, strotzt nur so vor scharfen Dialogen und tiefgründigen Diskussionen. Und er amüsiert sich prächtig über die Figuren, die in ihm miteinander und übereinander streiten.
Von der Deutschlehrerin, die schon für Inklusion war, als es das Wort noch nicht gab; vom Literaturprofessor, dessen Witze den Studenten gegenüber auswendig gelernt sind, der aber dennoch meint, intellektuell über allem und jedem zu stehen und vom Selfmade-Yuppie, dessen Schulabbruch ihn nicht davon abgehalten hat, im Immobiliengeschäft (um noch ein weiteres Klischee lustvoll zu bedienen) zu Geld zu kommen.

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Es hätte ein schöner Abend mit Dinner und Wein sein sollen

Wenn dann auch noch eine althippieske Mutter auftaucht, die ein „Refugees-Welcome“-Plakat an ihrem Holzhaus anbringt, könnte man knietiefer kaum im Klischee waten. Doch Sönke Wortmann wäre nicht der Regisseur von Männer, wenn er sich diese Stereotypen nicht vorknöpfen und sie lustvoll demontieren würde. Wenn die Tochter der Mutter den Drogenkonsum vorwirft und die Mutter kontert, die Tochter solle doch mal nicht so konservativ sein, dann ist das ein Vorgeschmack auf den bissigen Humor, der den Zuschauer während der folgenden 90 Minuten erwartet.
Was etwas langwierig gerät, ist das Ratespiel der Namen, bevor Thomas dann die Katze aus dem Sack, bzw. den Adolf aus dem Hut zaubert. Jedenfalls hat man als Zuschauer im Anschluss so gut wie jeden Namen mit „A“ parat.
Doch sobald der verbrannte Name endlich ausgesprochen ist, geht’s los. Christoph Maria Herbst redet sich innerhalb von wenigen Minuten derart in Rage, dass sein Stromberg dagegen wie ein lieblicher Gartenzwerg in der Geschichte der TV-Unterhaltung wirkt. Wie ein Maschinengewehr feuert er „Das-kannst-du-doch-nicht-machen“-Salven raus und beweist erneut, dass ihm in Sachen komödiantisches Timing hierzulande niemand etwas vor macht.

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Anna ist stolz auf den Namen, den man dem kommenden Nachwuchs geben wollte

Schade, dass Florian David Fitz ihm zunächst nicht Paroli geben kann. Thomas‘ Konter beschränken sich anfangs auf „warum denn nicht“ oder „ist doch nicht strafbar“ – da hätte man sich noch mehr Zunder und Feuer im Arsch gewünscht, um der Diskussion noch mehr Dampf zu verpassen. Das kommt dann allerdings während des Essens. Fitz‘ Thomas liefert endlich pfeffigere Argumente – von den Adiletten bis zu Josef Stalin. Denn immerhin scheint Josef heute ein durchaus noch akzeptierter Name zu sein und bei den Badelatschen denkt auch niemand an Massenvernichtung. Großartig überdies, wenn er Stephan vorwirft, dass das einzige, das er gegen Nazis tut, die Spende seiner alten Cord-Anzüge für die Flüchtlinge ist.
Wie schon beim Original zündet Der Vorname dann nach einer Dreiviertelstunde den Nachbrenner, wenn Anna dazustößt und Thomas sie voll auflaufen lässt. Was daraufhin passiert, nimmt eine Dynamik an, die nicht mehr zu stoppen ist. Glücklicherweise treibt es das Drehbuch nicht so weit, dass man als Zuschauer irgendwann denkt, dass auch Anna nun wissen müsste, um welchen Namen es sich handelt. Vielmehr entwickelt sich ein Generationen-Konflikt; und einer der Stände. Wobei man bei der Dynamik aus vermögendem linksintellektuellem Bohème vs. konservativem Schulabbrecher durchaus noch die Schere aus arm und reich hätte integrieren können.
Doch davon ab ist Wortmanns sehr genaue Adaption der Vorlage eine von allen brillant gespielte Satire, die durchaus zum Nachdenken anregen kann – und zwar in alle Richtungen.

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Iris Berben in einer Art Schlüsselrolle

Bild- und Tonqualität

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Fünf, die sich tüchtig streiten

Mit warmen, leicht gelblich gefilterten Farben beginnt das Bild von Der Vorname. Die Abendstimmung kommt dadurch gut zur Geltung, solange man in den Außenaufnahmen unterwegs ist. Innenraumszenen werden etwas natürlicher gestaltet und sind weniger farbgefiltert. Hauttöne wirken hier natürlich und die Kontrastierung ist bis auf etwas versumpfende Schwarzwerte gut. Auch die Schärfe passt. Close-ups von Gesichtern sind detailreich. Leider gibt es ab und an Probleme mit der Auflösung in Randbereichen. Ein ganz leichtes Korn wurde hinzugefügt, was aber weder stört, noch groß auffällt.
Beim Ton von Der Vorname setzt Anbieter Highlight schon von jeher auf dts-HD-High-Resolution, also einen etwas komprimierten Sound. Die Spur läuft konstant mit 2 Mbps und fokussiert sich natürlich auf die Dialoge. Dennoch ist vor allem die Stereo-Räumlichkeit hervorragend und lässt akustisch nachvollziehen, wenn eine der Figuren redend durch die Wohnung wandert.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Der Vorname findet sich ein Making-of mit einer dreieinhalbminütigen Laufzeit. Dazu gibt’s noch sieben Interviews mit den Darstellern und dem Regisseur selbst.

Fazit

Auch wenn Der Vorname „nur“ eine Adaption eines bereits bekannten Stoffs ist und das französische Original vielleicht noch etwas bissiger ist – Sönke Wortmanns Neuverfilmung ist ein ausnahmslos großartig gespielter Film, der sich lustvoll mit Stereotypen auseinandersetzt und sie satirisch auseinander nimmt. Absolute Empfehlung für Freunde des deutschen Kinos.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Bonusmaterial: 40%
Film: 85%

Anbieter: Highlight Communications
Land/Jahr: Deutschland 2018
Regie: Sönke Wortman
Darsteller: Florian David Fitz, Janina Uhse, Christoph Maria Herbst, Caroline Peters, Justus von Dohnányi Iris Berben
Tonformate: dts HD-High-Resolution 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 91
Codec: AVC
FSK: 6

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Highlight Communications)

Trailer zu Der Vorname

Der Vorname – offizieller Trailer

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