Der weiße Hai 4K UHD

Blu-ray Review

Universal Pictures, 18.06.2020

OT: Jaws

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Bruce macht’s in 4K

Spielbergs legendärer Hai-Thriller erhält sein verdientes Upgrade auf UHD.

Inhalt

Chief Brody sieht das Unheil kommen

Es ist fast Nacht im kleinen Küstenstädtchen Amity. Chrissy Watkins beschließt in der Dämmerung, sich ihrer Kleider zu entledigen und ins Meer zu gehen. An Land zurück kehren wird sie nicht mehr. Am nächsten Tag findet man die zerfledderten Überreste ihres Körpers. Für Chief Brody von der örtlichen Polizei steht nach der Obduktion fest, dass ein Hai verantwortlich für den Tod der jungen Frau war. Doch sein Entschluss, den Strand zu schließen prallt am Bürgermeister ab. Das Stadtoberhaupt fürchtet, dass die kommende Sommersaison deshalb sprichwörtlich ins Wasser fiele und der Stadt die Touristeneinnahmen fehlen würden. Als jedoch ein Kind am hellichten Tag Opfer einer weiteren Hai-Attacke wird, scheinen die Verantwortlichen ein Einsehen zu haben. Es wird eine Prämie auf das Meeres-Raubtier ausgesetzt, was zu einer Hai-Jagd sondergleichen führt. Ein kurz darauf getöteter großer Hai wird als der Killer präsentiert und alles scheint in Ordnung. Brody jedoch, der zwischenzeitlich den Ozeanik-Experten Hooper hinzugezogen hat, zweifelt an der Tat durch diesen Tigerhai. Und als er mit Hooper dessen Mageninhalt durchsucht, finden sie keinen Hinweis auf menschliche Überreste. Hooper ist mittlerweile überzeugt, dass der Killer ein weißer Hai sein muss – und zwar ein ungewöhnlich großes Exemplar dieser Gattung …

Beim Versuch, schneller als ein Hai zu schwimmen, kann man nur scheitern

1975 läutete Steven Spielberg mit Der weiße Hai das ein, was man heute gemeinhin als „Blockbuster“-Kino bezeichnet. Eben jene Filme, die am Tag ihrer Veröffentlichung (oder in den Tagen darauf) so großes Interesse auf sich ziehen, dass die Filmfans in Schlangen bis „um den Block“ stehen, um ins Kino zu gelangen. Zwei Jahre vor George Lucas‘ Krieg der Sterne schaffte es sein Kumpel Spielberg, bei einem geschätzten Budget von sieben Mio. Dollar das 67-fache einzuspielen. Gut 470 Mio. Dollar stehen bis heute zu Buche, was (trotz einiger Millionen, die durch Wiederaufführungen über die Jahre hinzu kamen) für einen Film Mitte der 70er wirklich eine verteufelt große Menge Geld gewesen ist. Spielberg hatte sich mit seinem erst zweiten abendfüllenden Kinofilm nach Sugarland Express direkt in den Olymp der Hollywood-Regisseure katapultiert und einen bis heute kultisch verehrten Horrorstreifen inszeniert, der ein komplettes Subgenre nicht nur umkrempelte, sondern mit unzähligen Nachahmern „beglückte“. Zwar gab es den Tierhorror-Film schon seit es den Horror-Genre selbst gibt, doch derart lebensecht, bedrohlich und actionreich hatte noch keiner zuvor einen tierischen Gegner in Szene gesetzt. Bis heute darf man sich verwunderte die Augen reiben, wenn man sich vor dieselben hält, dass es sich bei den Szenen im Finale ausnahmslos um ein mechatronisches Puppen-Modell handelt, deren doppelreihiges Gebiss sich hier den Protagonisten entgegen reckt.

Der Bürgermeister verweist auf die fehlenden Einnahmen durch den Tourismus

Erstaunlich genug, dass man (wenn man Der weiße Hai) längere Zeit nicht gesehen hat, vornehmlich die Szenen im Kopf hat, in denen das riesige Monstrum zu sehen ist. Dabei wird der Großteil der Spannung doch erzeugt, während man ihn eben NICHT sieht, sondern nur „vermutet“. Unterstützt von einer der genialsten Filmmusiken aller Zeiten erzeugt Spielbergs Horror-Actioner eine bis heute kaum erreichte Spannung im Subgenre. Wenn die Kamera zu den immer intensiver werdenden Streichinstrumenten auf Tauchfahrt geht, bewirkt der Film genau das, was das (geschickte) Marketing prophezeite: Nach Der weiße Hai würde sich niemand mehr trauen, im offenen Meer schwimmen zu gehen.
Etwas, das Peter Benchley, den Autor der Romanvorlage, im Nachhinein übrigens zur Reue trieb. Es tat ihm leid, das Buch geschrieben zu haben, weil er dem Hai (und vor allem dem Großen Weißen) Unrecht getan hatte. Zahllose Tierdokumentation mussten in den folgenden Jahrzehnten das Image der Raubfische wieder gerade rücken; mussten „reparieren“, was Spielbergs Film an Reaktionen auslöste. Kaum zu glauben, dass ein heutiger Film noch mal einen ähnlichen gesamtgesellschaftlichen Einfluss haben könnte. Und kaum zu glauben, dass es noch mal einen ähnlich spannenden, geschickt aufgebauten und gleichzeitig um seine Figuren bemühten Horrorthriller geben wird.

Hooper weiß um die Gefahr durch den Hai

Denn Der weiße Hai ist mitnichten bloß ein Urängste erweckender Streifen, der geschickt die menschliche Phobie vor der Ungewissheit aus der Tiefe triggert. Vielmehr kümmert er sich um die genaue und emotional nachvollziehbare Entwicklung seiner Figuren. Selbst wenn diese nicht ganz ohne Klischees auskommen (vom knurrig-raubeinigen Seebär handelt ja nicht zum ersten Mal ein Film), so bleibt Spielberg vor allem in der Schilderung der Familie Brody ganz authentisch. Der Chief, seine Frau und die Kids bilden das Gewissen des Films. Gemeinsam mit Wissenschaftler Hooper kämpfen sie gegen die Ignoranz der Stadträte und des Bürgermeisters – und legen dabei noch einen weiteren Aspekt des Films offen: Seine Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft der USA. Trotz der fatalen Bedrohung lassen sich die Verantwortlichen nicht dazu bringen, die Strände zu schließen. Es geht ja ums Geschäft. Immerhin steht der einträchtige Sommer vor der Tür. Die Story kombiniert die Ignoranz der Geschäftemacher mit der Panik und Massenhysterie der US-Mittelschicht. Der gemeinsame „Gegner“ ist ähnlich abstrakt wie der LKW in Spielbergs fürs TV gedrehtem Film Duell. Und er taucht genauso unerwartet auf und macht Jagd auf die ahnungslosen Touristen und Anwohner. Ganz unähnlich sind sich Duell und Der weiße Hai erzählerisch also nicht. Dennoch perfektioniert Spielberg in seinem zweiten Kinofilm sein handwerkliches Talent und sein sicheres Händchen für Schauspielführung.
Allerdings artete die Produktion doch massiv aus. Dreimal so viele Drehtage als die veranschlagten 52 brauchte man am Ende, um sämtliche Szenen in den Kasten zu bekommen. Das Ergebnis indes überzeugt heute wie damals und darf mit Fug und Recht als echter Horror-Klassiker gelten.

Die Menge feiert, der Ozeaniker weiß es besser

Bild- und Tonqualität BD

Raubein Quint stellt sein Boot für die Jagd zur Verfügung

Zunächst die wichtigste Info vorab: Die im Set enthaltene Blu-ray ist nicht neu. Und das aus gutem Grund. Denn die BD von 2012 gehörte seinerzeit zu einer von insgesamt 13 Filmen (u.a. auch Die Vögel und Schindler’s Liste), die Universal aufwändig remastern ließ, um sie innerhalb der Serie „100 Jahre Universal Pictures“ zu veröffentlichen.
Bei Der weiße Hai kam damals bereits ein 4K-Scan zum Einsatz, der nach wie vor die Basis bot, um auch die neue UHD von diesem zu ziehen. Die wesentliche Arbeit geschah also vor acht Jahren. Und „wesentlich“ ist durchaus wörtlich zu nehmen. So nahm man sich im Zuge der Restauration zunächst das Film-Negativ sowie Interpositive zur Brust, um zu beurteilen, welches Material sich am besten für den 4K-Scan eignen würde. Trotz teils massiver Bildfehler im Negativ fiel die Wahl auf das ursprüngliche 35mm-Kameramaterial. Dieses litt allerdings tatsächlich unter teils starkem Schmutz, deutlicher Rissbildung und anderen oberflächlichen Schäden. Die erste Wahl fiel deshalb auf einen Wetgate-Scan, bei dem das Negativ während des Scans von einer bestimmten Flüssigkeit umgeben ist, die Kratzer im Negativ praktisch ausgleicht. Im Anschluss wurde dann digital Hand angelegt und es wurden Schmutzpartikel, verbliebene Kratzer oder Risse beseitigt – Bild für Bild, versteht sich. Ein Prozess, der etwa vier bis fünf Monate in Anspruch nahm (Quelle). Spielberg selbst bekam immer wieder Proben der Arbeiten geschickt und gab auch seinen Segen für das finale Produkt.

Die Orca heißt zwar nicht wie ein Killer-Hai, aber ein Wal tut’s auch

Herausgekommen war für die 2012er BD bereits ein hervorragendes Bild für einen Streifen, der damals bereits 37 Jahre auf dem Haifischflossenbuckel hatte. Mit bis dato ungekannten und authentischen Farben, einer superben Schärfe in (den meisten) Close-ups und einem tollen Kontrast zeigte sich die Blu-ray vor acht Jahren von ihrer besten Seite.
Die Original-Filmkörnung ist zwar sichtbar, bleibt aber im Rahmen – vielleicht sogar zu sehr im Rahmen.
Wirklich gut ist bereits die Auflösung der Blu-ray. Wenn man sich den Kühlergrill des Cadillac Coup De Ville auf der Fähre anschaut. Oder das (schlimme) Muster auf dem Jacket von Bürgermeister Vaughn sowie den Reißverschluss an Brodys Jacke, kann man kaum glauben, dass die UHD hier noch mehr rausholen könnte (13’28). Schaut man allerdings genauer hin, macht man leichte Artefakte um Details aus, sieht überschärfte Randbereiche und könnte aufgrund des teils sehr ruhigen und körnungsarmen Himmels auch ein DNR (Rauschfilterung) reklamieren. Sicher im halbwegs vertretbaren Rahmen, da es im bewegten Bild nur bedingt auffällt und nie so drastisch wird, dass es zu allzu heftigen Wachs-Gesichter-Effekten kommt. Zu bemängeln wären zudem ein paar unscharfe Randbereiche und softere Shots, die allerdings objektivbedingt und produktionsbedingt sind. Die Blu-ray gibt das 1:1 wieder.

Original-Negativ: (Slider ganz nach rechts): Das Original-35mm-Negativ war teilweise in beklagenswertem Zustand.

Digitalisiert und bearbeitet (Slider ganz nach links): Nach dem Wetgate-Scan und der digitalen Nachbearbeitung konnten selbst solche Defekte eliminiert werden.

Original-Negativ: (Slider ganz nach rechts): Auch die Farben waren auf dem Original-Negativ nicht mehr sonderlich authentisch.

Nach dem Color Grading (Slider ganz nach links): Mit sehr realistischen Farben und tollen Kontrasten zeigte sich das Bild nach dem neuen Color Timing und der generellen Bearbeitung.

Sie werden ein größeres Boot brauchen

Akustisch lieferte die Blu-ray 2012 ein großes und ein kleines Ärgernis.
Das große Ärgernis war die Konzentration auf die neue Synchro von 2004, die ursprünglich für die Erstellung einer Dolby-Digital-Spur für die DVD-Veröffentlichung angefertigt wurde und die man für die Blu-ray auf 7.1-dts-HD-HR aufbohrte. Das kleine Ärgernis ist für manche sicher das einzig Positive am Ton der Blu-ray: Die Integration des Mono-Tons (in dts 2.0). Sicherlich begrüßenswert, dass Universal diese Tonspur überhaupt auf die Scheibe packte. Ärgerlich allerdings, dass es zum einen eine mit neuen Soundeffekten versehene (also nicht die Original-Kinofassung) ist und dass man sich zum anderen hier nicht die Arbeit machte, mit der altbekannten Synchro eine Mehrkanalspur anzufertigen – zumal die englische Originalfassung eine solche Mehrkanalspur erhalten hat und man möglicherweise nur die Surroundkanäle der 2004er Synchro hätte mit der Original-Synchro verquicken müssen.
Die 2004er Synchronfassung gilt bei Fans weithin als indiskutabel und vor allem unpassend. Und das nicht grundlos. Denn wenn Roy Scheider plötzlich mit Randolf Kronberg, der deutschen Stimme von Eddie Murphy loslegt, wird man diese Verwirrung bis zum Schluss nicht mehr los. Mehr noch: Aufgrund der Tatsache, dass sie ursprünglich für die DVD-Auswertung angefertigt wurde (25fps), für die Blu-ray aber nicht in der Tonhöhe korrigiert wurde, klingt sie etwas zu tief.

Das Trio ist sich nicht immer einig

Davon abgesehen muss man der neuen Synchro in 7.1 aber attestieren, dass sie räumlicher und angenehmer zu Werke geht als die Original-Mono-Spur. Selbst die Dialoge (sieht man davon ab, dass die Synchro eben nicht die Bekannte ist) sind ausgewogener und weniger spitz. Die für die damaligen Synchronfassungen oft bekannten harten und zu lauten Soundeffekte (bspw. quietschende Reifen oder die scheppernde Dose bei 81’35) sind über die 7.1-Fassung allerdings bisweilen arg in den Hintergrund gemischt worden. Ein goldener Mittelweg wäre hier sicherlich wünschenswerter gewesen. In puncto Dynamik reißt allerdings auch die Mehrkanalspur keine Bäume aus. Die Actionszenen bewegen sich lautstärketechnisch auf einem ziemlich gleichbleibenden Level, ohne große Sprünge nach oben oder unten. Die Hai-Attacken sind zwar etwas lauter, allerdings klingen sie meist krachig und haben wenig Fundament. Ab und an gibt’s mal ein bisschen mehr Punch – bspw., wenn Quint seinen ersten Schuss in den Hai versenkt (84’56). Allerdings ist dieser über die englische Fassung noch etwas prägnanter und direkter. Ohnehin ist der Originalton in dts-HD-Master die bisher qualitativ bestmögliche Fassung gewesen. Während die O-Ton-Monospur zwar im Bass sehr weit runter reichte, aber ehrlicherweise ziemlich muffig klang, bietet die 7.1-Spur die besser eingebetteten Dialoge und eine erstaunlich gute Räumlichkeit. Ohne allzu sehr auf Effekthascherei getrimmt zu sein, nimmt sie den Zuschauer in die Mitte und macht richtig Spaß. Egal, welche Spur man aber anwählt: Fehler, Gleichlaufschwankungen oder ähnliches sind allen weitgehend fremd.

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Bild- und Tonqualität UHD

Der gute alte „Kriegswunden-Vergleich“

Wie oben im Kapitel über die Bildqualität der Blu-ray bereits geschrieben, fand der 4K-Scan des Filmmaterials von Der weiße Hai bereits vor acht Jahren für die Blu-ray-Veröffentlichung statt. Seinerzeit wurde das 35mm-Material, das mit Arriflex-35-III- und Panavision-Panaflex-Kameras aufgezeichnet wurde, komplett neu gescannt, gesäubert und bearbeitet. Im Zuge der UHD-Veröffentlichung konnte man nun dieses 4K-Master nehmen und es in seiner nativen Form über ein 4K-DI auf die Scheibe pressen. Natürlich nicht, ohne zuvor noch ein HDR-Grading vorzunehmen. Enthalten sind dieses Mal alles HDR-Formate: HDR10, HDR10+ und Dolby Vision. Dazu hat man das Ganze im Rahmen eines erweiterten Farbraums (Rec.2020) gemastert.
Da die Blu-ray bereits wirklich sehr gute Werte liefert, sollte man aufgrund der gleichen Basis und des damals bereits korrigierten Color Gradings keine eklatanten Unterschiede im generellen Look erwarten. Doch davon ab, schlägt die UHD die Blu-ray dennoch. Schon alleine, weil hier offenbar weder nachgeschärft, noch rauschgefiltert wurde. Was sich dem Betrachter zeigt, ist ein authentisches und filmisch-analoges Bild, das seine ursprüngliche Körnung nicht verschweigt und sie mit Stolz darstellt. Da hier nicht mit dem gröbsten Material gearbeitet wurde, ist es aber auch zu keiner Zeit überpräsent und deshalb nie störend. Die Schärfe bleibt weiterhin hervorragend, allerdings eben nicht übertrieben überzeichnet. Manchmal könnte man meinen, die UHD wäre softer als die BD, was aber wiederum nur entlarvt, dass bei der Blu-ray seinerzeit etwas nachgeholfen wurde. Nichtsdestotrotz erkennt man über die UHD ebenso gut die Struktur auf Jeansjacken oder seltsamen Anzugmustern. Auch die Lederhaut des gefangenen Hais bildet sich dreidimensional ab. Da die Körnung durchweg harmonischer und „echter“ ausfällt, bleiben auch kleinere Probleme der Blu-ray aus. Der leichte Anflug von schwarzer Fliegenschwarm-Körnung im Himmel beim Wechsel von Kapitel 11 auf 12, der über die BD zu sehen ist, ist der UHD jedenfalls fremd. Farben unterscheiden sich zwar nicht grundlegend, sind aber insgesamt natürlicher und neutraler. Gerade Sand oder Asphalt profitiert davon, da die BD hier etwas grünlicher erscheint. Hervorragend gelingen trübere Szenen im Nebel oder bei Fernshots auf dem Wasser. In diesen Szenen ist die Blu-ray deutlich milchiger, während die UHD echten Kontrast zurück holt. In Summe bietet die UHD zwar keine Quantensprünge, vermeidet aber kleinere Mankos der Blu-ray, ist neutraler, kontrastreicher und insgesamt filmischer.
Fünf Worte zu HDR10+: Erneut keinerlei Differenz zu HDR10.
Ein paar mehr Worte zu Dolby Vision: DV ist gegenüber HDR10 in vielen Szenen heller und prägnanter. Ab und an aber auch etwas kontrastärmer, da zu aufgehellt. Die Farbgebung ist nicht mehr ganz so neutral, dafür hat sie die beste Durchzeichnung im Schwarz.

Vorneweg ein paar vergleichende Screenshots zwischen HDR10 und HDR10+. Sie bleiben unkommentiert, da man eh keinen Unterschied sieht:

Da jetzt geklärt ist, dass HDR10+ erneut keine Differenz liefert (jedenfalls nicht auf meinem Panasonic Oled), wenden wir uns den relevanten Unterschieden zu:

Blu-ray (7’34): (Slider ganz nach rechts): Hier zeigt sich die BD etwas kontrastärmer im Himmel und im Sand nicht ganz so neutral.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD kann beides besser: Dynamik und Neutralität.

Blu-ray (11’26): (Slider ganz nach rechts): Auch hier noch ein Beispiel dafür, dass die BD weniger kontrastreich ist. Sie wirkt im Vergleich milchiger und der Asphalt hat einen leichten Gelbgrün-Stich.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Auch hier gefällt die UHD mit neutralerem und weniger trübem Bild.

Blu-ray (32’47): (Slider ganz nach rechts): Das rote Blut wirkt über die BD etwas orangelastig.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD hat mehr Kraft und satteres Rot.

Blu-ray (94’24): (Slider ganz nach rechts): Ein Parade-Beispielbild für die in einigen Szenen sehr trübe BD.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Was die UHD hier an Kontrastdynamik noch rausholt, liegt nicht mehr im Bereich von Nuancen. Das ist schon deutlich.

Blu-ray (33’16): (Slider ganz nach rechts): Auch hier ist die BD etwas gelblich im Gesicht und auf der Haut des Hais.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD kommt natürlicher und realistischer rüber.

UHD HDR10 (61’29): (Slider ganz nach rechts): Der Vergleich zwischen HDR10 und Dolby Vision zeigt:

UHD Dolby Vision (Slider ganz nach links): Dolby Vision hellt deutlich auf, wirkt subjektiv knalliger und zeichnet im Dunklen etwas besser durch. Allerdings kommen helle Bereiche schon mal etwas überbetont rüber.

Blu-ray (27’42): (Slider ganz nach rechts): Ein Bildausschnitt zeigt: Die BD ist nicht schlecht, leidet aber unter der Ungleichmäßigkeit der Körnung, die durch die Kombination von Überschärfung und Rauschfilterung mit leichten Artefakten zu kämpfen hat.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD zeigt die ursprüngliche Kornstruktur. Die Zahlen wirken auf den ersten Blick etwas softer, sind in Wahrheit aber frei von Überschärfung und tatsächlich besser aufgelöst.

Hier das volle Bild zum obigen Ausschnitt
Seinen Mageninhalt hätte Hooper gerne untersucht

Die UHD kommt fürs Englische und Deutsche erneut mit den 2.0-Monospuren, die auch die BD hat. Hinzu kommt je ein Dolby-Atmos-Track (True-HD basiert) für beide Sprachen.
Während die deutsche Atmos-Fassung hörbar auf der 2004er Neusynchro basiert, erscheint der O-Ton durchaus so deutlich verändert, dass man hier einen neuen Mix vermuten kann. Gegenüber der 7.1-dts-HD-MA-Version der Blu-ray ist die Atmos-Fassung des englischen Tons gerade in den Actionszenen noch mal hörbar räumlicher und offener geworden. Surroundeffekte sind aggressiver abgemischt (Explosion des Hais im Finale) und wirken dadurch zeitgemäßer. War die bisherige 7.1-dts-HD-MA-Fassung die bis dato qualitativ beste Möglichkeit, Der weiße Hai zu hören, toppt die Atmos-Fassung das noch einmal. Traditionalisten werden vielleicht bemängeln, dass hier etwas zu viel des Guten betrieben wird, wenn das Original doch lediglich in Mono vorlag. Das stimmt natürlich in gewisser Weise, weshalb hier auch die Mono-Fassung als Alternative vorliegt.
Die deutsche Atmos-Version bietet gegenüber der 7.1-dts-HD-HR-Fassung etwas mehr Punch bei den Surroundeffekten. Das kann aber auch an einer geringen Lautstärke-Anhebung liegen, die man der Spur grundsätzlich attestieren kann. Wirklich besser oder schlechter ist sie nicht.
Hören wir uns mal an, was von der oberen Ebene kommt, so sollte man jetzt nicht zwingend ein Feuerwerk erwarten. Der weiße Hai wurde zu einer Zeit gedreht, als noch keine Drohnen herum flogen. Auch Superhelden, die durch die Luft fliegen oder Raumschiffe gibt’s hier nicht. Zunächst einmal beschränken sich die Heights darauf, den Score von John Williams in den dramatischeren Momenten immer mal wieder zusätzlich wiederzugeben. Und dabei bleibt es dann auch – und zwar bis zur 57. Minute, in der man kurz mit im Hubschrauber sitzt, was durch ein kurzes Flappen der Rotoren untermalt wird. Nach 58’27 gibt’s dann mehrfach Unterwasser-Geräusche aus den Heights. Für die nächsten Overhead-Effekte muss man sehr genau hinhören. So gibt’s ein bisschen Holzknacksen vom Boot während der Gespräche im Rumpf nach etwa 94/95 Minuten und etwas Gluckserei bei den Käfigszenen (114’30). Wenn der Hai angreift, setzt dann der lauteste Effekt von oben ein, was allerdings visuell absurd ist, da das Ganze auf der Höhe der Kamera passiert. Zum Finale gibt’s dann noch mal etwas Wasserplatschen und ein bisschen Gesplatter im Zuge der Explosion. Mehr als eine Handvoll echte 3D-Sounds liefert die Atmos-Spur nicht. Dafür ist die Originalfassung auf der regulären Ebene noch mal besser als die bisherige 7.1-dts-HD-Master-Version.

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Bonusmaterial

Kein freundlicher Geselle

Da die enthaltene Blu-ray identisch mit jener von 2012 ist, bleibt auch das Bonusmaterial identisch. Begonnen bei unveröffentlichten und verpatzten Szenen geht es weiter mit einem „Making-of Jaws“. In diesem geht es volle 122! Minuten lang um die Hintergründe der Produktion. Steven Spielberg wird hier hauptsächlich einbezogen, der unterschiedliche Aspekte erklärt, während hin und wieder Filmausschnitte zu sehen sind. „Der Hai funktioniert noch“ ist ein zehnteiliger Dokumentarfilm, der nach einer Einleitung der Produzenten noch einmal gut 100 Minuten Zeit in Anspruch nimmt und das Phänomen von Der weiße Hai ergründet. Dabei geht man durchaus auch auf die schwierigen Produktionsumstände ein, die seinerzeit für Terminverschiebungen sorgten. In „Jaws: Die Restaurierung“ wird dann gut acht Minuten erzählt, wie genau man 2012 bei der Restaurierung vorging. Ein sehr sehenswertes Special für Technikfreaks. „Blick auf die Dreharbeiten“ letztlich geht noch einmal neun Minuten und ist eher als Behind the Scenes zu sehen. „Die Archive“ hält dann noch Storyboards, Produktionsfotos sowie zwei Featurettes über das Marketing (Poster und Werbeanzeigen) und das „Phänomen“ von Jaws bereit. Letzteres sind dann internationale Werbe-Banner und Poster. Löblicherweise enthält die UHD (fast alle) Extras ebenfalls.

Fazit

Der weiße Hai ist nach wie vor ein spannender Klassiker, der ein ganzes Subgenre neu definiert hat. Auch 45 Jahre später unterhält Spielbergs Film blendend. Und nun gibt’s ihn in der visuell bisher besten und authentischsten Weise. Das Bild der Blu-ray merzt praktisch alle Fehler der (bereits guten) Blu-ray aus und ist in jedem Punkt etwas besser. Die Atmos-Spuren bleiben in Sachen 3D-Sound zwar Lebhaftigkeit schuldig, doch im Grunde überrascht das nicht, wenn der Film an sich kaum Möglichkeiten dazu bietet. Nach wie vor ärgerlich ist die deutsche Neusynchro, während der englische Atmos-Sound die bisher räumlichste und „rundeste“ Möglichkeit ist, den Film zu hören.
Die alten 2.0-Mono-Spuren kennt man schon von der Blu-ray. Sie tun ihren Job ordentlich und sind für die Traditionalisten die erste Wahl.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 80%
Bildqualität UHD: 90%
Tonqualität BD (dt. Fassung Kinostimmen): 60%
Tonqualität BD (dt. Fassung Neusynchro): 65%
Tonqualität BD (Originalversion 2.0): 70%
Tonqualität BD (Originalversion 7.1): 80%

Tonqualität UHD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 65%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (dt. Fassung): 20%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (dt. Fassung): 65%

Tonqualität UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 85%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 20%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 65%

Bonusmaterial: 100%
Film: 90%

Anbieter: Universal Pictures Home Entertainment
Land/Jahr: USA 1975
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Richard Dreyfuss, Robert Shaw, Roy Scheider, Carl Gottlieb, Chris Rebello, Jay Mello, Jeffrey Kramer, Jonathan Filley, Lee Fierro, Lorraine Gary
Tonformate BD: dts-HD-Master High Resolution 7.1 (Synchro von 2004): de // dts 2.0 (Mono Synchro Kinostimmen): de // dts-HD-Master 7.1: en // dts 2.0 (Mono): en
Tonformate UHD: Dolby Atmos (Synchro von 2004): de // dts 2.0 (Mono Synchro Kinostimmen): de // Dolby Atmos: en // dts 2.0 (Mono): en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 124
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10, HDR10+, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: 1000 Nit
FSK: 16

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Universal Pictures)

Trailer zu Der weiße Hai

JAWS | New to 4K Ultra HD on 6/2

 

9 thoughts on “Der weiße Hai 4K UHD

  1. Avatar Patrick Sommer

    Hallo Timo
    Ich habe eine Frage zu deinem Equipment.
    Du schreibst das du auf deinem Panasonic OLED keine Unterschiede zwischen HDR und HDR 10 und HDR 10+ siehst.

    In Deinem Referenz Setup ist aber ein LG OLED angegeben. Hast du eine zweite Wiedergabekette oder einfach nur einen neuen TV?
    Wenn ja welchen?

    • Sowohl neuen/zusätzlichen TV als auch (damit verbunden) eine zweite Wiedergabekette. Ich kam nur noch nicht dazu, diesen auch ins Referenz-Equipment aufzunehmen und zu beschreiben, wie er kalibriert wurde.
      Seit September 2019 werkelt zusätzlich zum LG ein TX-55GZW954 von Panasonic für meine Reviews.

  2. Avatar Patrick Sommer

    Danke für die Info.
    Wenn du den Panasonic dann in deinem Setup ergänzt hast, wirst du dann neben der Kalibrierung auch noch auf die Unterschiede zwischen LG und Panasonic (Dolby Vision/HDR) eingehen?

    • Du meinst die Unterschiede in der Bildqualität der TVs?
      Oder rein in der technischen Ausstattung?

  3. Avatar Patrick Sommer

    Genau
    Die Unterschiede in der Bildqualität meinte ich

    Sorry für Off Topic

  4. Avatar Philipp

    Da reicht mir die Blu Ray locker aus. Also muss schon sagen, werde bei UHDs immer wieder mal enttäuscht. Die unterschiede sind einfach zu Gering für ein Neukauf.

  5. Avatar Basti

    Moin Timo,
    vielen Dank für das ausführliche Review.
    Ich habe mir das 4K Lenticular Steelbook von Zavvi gekauft, also die UK Edition.
    Hier mein Unboxing https://youtu.be/9qAN8JS3wAw
    Greetz,
    Basti

  6. Avatar Vader774

    Ich kann Philipp komplett zustimmen, bin enttäuscht von der UHD, marginal etwas mehr Schärfe, aber sehr viel rauschen. Zu viel für mein Geschmack.

    Mittlerweile kaufe nicht mehr so schnell die uhd alter Filme.

  7. Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und sage dass die neue deutsche Synchronfassung deutlich besser ist als sie gemeinhin gemacht wird. Wenn man sich zum Beispiel als Vergleich die neue Fassung von „Robin Hood – König der Diebe“ anhört, dann sieht man, wie man es richtig hätte vergeigen können.
    Das ist hier aber nicht der Fall. Im Gegenteil.
    Abgesehen von der besseren Dynamik und der Feinabstimmung der Musik und Surroundeffekten finde ich auch dass die Sprecher eine hervorragende Leistung vollbracht haben.
    Vor allem die Differenzen der Männer kommen in der neuen Synchronfassung sehr viel besser zur Geltung. Während Quint mit Michael Cevalier grundsätzlich arrogant klingt hört man bei Roland Hemmo deutlich feinerer Nuancen in der Betonung, welche dem Charakter mehr Tiefe und der Beziehung zu Hooper und Brody deutlich mehr Feinschliff geben.
    Über Randolf Kronenberg kann man sagen was man will, aber im Vergleich zu Scheiders Originalstimme passt er ganz gut, und er hat deutlich mehr geleistet als Eddie Murphy (zum Beispiel Willen Dafoe und William Hurt).
    Letztendlich hat die alte Fassung lediglich Nostalgische Vorteile.

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