Destroyer

Blu-ray Review

Concorde Home Entertainment GmbH, 18.07.2019

OT: Destroyer

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Die Sache in Palm Springs

Man muss es sehen, um es zu glauben …

Inhalt

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Erin ist am Ende – und das schon lange

Vor fast 20 Jahren war Erin Bell eine motivierte junge Polizistin. Als solche hatte sie mit ihrem ebenso jungen und unerfahrenen Kollegen eine Undercover-Mission, in der sie gegen eine von einem gewissen Silas geleitete Bande operierte. Doch dann geschah das Unerwartete: Beim ersten gemeinsam durchgeführten Überfall läuft alles aus dem Ruder. Nun, 17 Jahre später hat Erin die Ereignisse von damals noch immer nicht abgeschüttelt. Sie ist ein Wrack. Sie lebt in ihrem Auto. Sie trinkt. Und ihre Kollegen ertragen sie mehr als dass sie mit ihr zusammen arbeiten wollen. Als eine Leiche gefunden wird, schaut Erin vorbei und erkennt typische Merkmale der Opfer von Silas. Der Gangster scheint wieder aktiv zu sein und Erin setzt alles daran, ihn dingfest zu machen, um sich von ihren Schuldgefühlen zu befreien …

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Das Verhältnis zur Tochter ist massiv gestört

Moment mal: Wem genau haben wir da gerade 120 Minuten zugeschaut, wie er durch sämtliche Tiefen seines Charakters watet und dabei alles andere als hübsch ausschaut? Nicole Kidman? Im Ernst??
Ja, im vollen Ernst.
Diese ungeschminkt erscheinende, mit struppig-trockenem Haar versehene, mehr umherwandelnde als laufende und vom Alkohol gezeichnete Frau, deren Antlitz aussieht als wäre sie mehr tot als lebendig, ist in der Tat die ansonsten so jung gebliebene ätherische Schönheit. In Karyn Kusamas (Girlfight) darf sie nun beweisen, dass sie eine ebenso kraftvolle wie leidenschaftliche Performance drauf hat. Im Neo-Noir-Krimi Destroyer lässt sich jede Nuance des Schmerzes und der Schuld ihrer Figur in ihrem (drastisch) von Make-up veränderten Gesicht ablesen. Gleichzeitig demonstriert Kidman, dass sie auch ganz anders kann als die zarte Dame oder die verletzliche Mutter ihrer verschwundenen Kinder zu spielen. Als abgehalfterte Polizistin, die nicht minder runter gekommene Kriminelle und Ex-Kollegen aufsucht, wühlt sie dabei tief im Morast der kriminellen Gesellschaft und der von der Gesellschaft ignorierten Bevölkerung – ihre Probleme mit der halbwüchsigen Tochter inbegriffen.
Dass sich Destroyer dafür sehr viel Zeit nimmt, ist dem Noir-Krimi durchaus immanent, wird von Kusama allerdings auch von einigen sehr reduntanten Sequenzen auf die Spitze getrieben. Action sucht man hier zunächst vergeblich. Bis zur 38. Minute ist eine kurze und schnell atemlose Verfolgung zu Fuß die rasanteste Szene.

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Schwören sich ein auf ihren ersten Undercover-Job

Letztlich will der Film eben vor allem ein Mix aus hartem Polizei- und Lebensdrama. Teils vor erlesenen, teils vor schmuddeligen Bildern der Kulisse von Los Angeles gefilmt, wird man trotz des gemächlichen Themas nach und nach in die Geschichte gesogen, die immer wieder von Rückblicken und der Aufarbeitung dessen unterbrochen wird, was Erin zu dem Menschen gemacht hat, der sie heute ist.
Und dann, wenn man vermutet, dass es immer auf diese entschleunigte Art und Weise weitergeht, überrascht uns Kusama. Fast so als hätte sie nur darauf gewartet, den Zuschauer eine Stunde lang auf einen bestimmten weg zu führen, steigert sich Destroyer in diesem Moment in eine zehnminütige Sequenz, die mit fiebriger Intensität aufwartet und einen Hauch von Heat versprüht. Spätestens von da an zieht das Tempo an und es verdichten sich auch die Rückblicke zu dem Drama, das damals stattfand und unter dem Erin noch heute leidet. Dieses dritte Viertel des Films gehört zum Kräftigsten und Überzeugendsten, was das Subgenre des Neo-Noir zuletzt hervor gebracht hat – da hätte es das etwas konstruiert wirkende überraschende Ende gar nicht gebraucht.

Bild- und Tonqualität

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Rückblicke

Destroyer bietet beim Bild eine kleine Überraschung: Könnte man erwarten, dass aufgrund der eher deprimiert und düster angelegten Geschichte die Bilder durchweg schmuddelig sind, hält sich bspw. eine künstliche Körnung vornehm zurück. Man hat zwar etwas Korn hinzugefügt, doch das wirkt stets angenehm und authentisch. Die Farben sind bisweilen etwas wärmer und überkontrastieren in dunklen Szenen schon mal. Die Schärfe geht in Ordnung und bleibt auf einem recht guten Niveau – ohne allerdings Maßstäbe zu setzen. In hellen Szenen ist der Kontrastumfang gut, auch wenn – je nach Szenerie – auch hier leichte Filter eingesetzt werden, die allzu helle Spitzlichter unterbinden.
Erstaunlich druck- und effektvoll ist der Sound von Destroyer. Zwar konzentriert sich das Geschehen immer wieder für einige Zeit auf den Center und die Dialoge, doch schon der teils rockige Soundtrack wird voluminös ins Heimkino transportiert. Richtig gut sind dann die von perkussiven Instrumenten und elektronischen Geräuschen unterlegten Score-Momente, die äußerst treibend über Subwoofer und Hauptlautsprecher transportiert werden (59’55). Schüsse – vor allem jene in den zeitlupenhaften Rückblicken werden extrem dynamisch wiedergegeben und klingen satt über die dts-HD-Master-Spuren.

Bonusmaterial

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Kein Wunder, dass die Kollegen von ihr Abstand nehmen – bei dem freundlichen Blick

Mini-Making-of läuft nur knapp vier Minuten und ist eher ein Teaser mit deutschem Voice-Over. Die Interviews sind hier ergiebiger und laufen gut 42 Minuten. Interviewt werden Nicole Kidman, Sebastian Stan, Tatiana Maslany, Karyn Kusama sowie Makeup Supervisor Bill Corso und den Drehbuchautoren Matt Manfredi und Phil Hay.

Fazit

Destroyer wird dominiert von Nicole Kidmans wuchtiger Performance, die Vieles in den Schatten stellt, was die australische Aktrice in den letzten Jahren produziert hat. Gleichzeitig gelingt Karyn Kusama ein dicht inszenierter Thriller, der mit zunehmender Zeit mehr und mehr zupackt – und dann nicht mehr loslässt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 50%
Film: 75%

Anbieter: Concorde Home Entertainment GmbH
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Karyn Kusama
Darsteller: Nicole Kidman, Toby Kebbell, Tatiana Maslany, Sebastian Stan, Scoot McNairy, Bradley Whitford, Toby Huss
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 121
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Concorde Home Entertainment GmbH)

Trailer zu Destroyer

httpv://www.youtube.com/watch?v=embed/Rsmxn73xrq4?autoplay=1

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