Die Addams Family

Blu-ray Review

Universal Pictures Home Entertainment, 05.03.2020

OT: The Addams Family

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Alle unter einem Dach

Die Gruftifamilie endlich als animierter Streifen.

Inhalt

Hurra, die Addams Family ist da

Die Addams Family ist nicht so ganz normal. Ihre ganze Sippe setzt sich auch morbiden Gesellen und Gesellinnen zusammen, die sich deutlich von den gewöhnlichen Mitgliedern eine Gemeinde unterscheiden. Als Morticia und Gomez auf ihrer Hochzeit erneut von mistgabelschwingenden Nachbarn verscheucht werden, haben sie es satt. Sie wollen noch mal neu anfangen. Irgendwo, wo sie keiner stört. Wo sie ein Haus finden, das zu ihnen passt und wo sie vom Rest abgeschottet sind: New Jersey, klar!
13 Jahre später haben die Addams zwei Kinder: Wednesday und Pugsley. Während Erstere langsam schwer zu pubertieren beginnt und plötzlich eine bunte Haarspange trägt, laufen die Vorbereitungen für Pugsleys Mazurka – einem Ritual, das jeder männliche Addams irgendwann durchlaufen muss. Dazu ist natürlich die komplette Sippe eingeladen. Doch dann passiert das Unglaubliche: Der Nebel, der um das Anwesen liegt, lüftet sich nach 13 Jahren erstmals und das Schloss wird für die Städter im Tal sichtbar. Die dort wohnende Margaux plant gerade das absolute perfekte Städtchen „Assimilation“. Und da ist so ein gruftig-schwarzes Haus auf einem Hügel, in dem auch noch seltsame Menschen wohnen, ein echter Schandfleck …

Gomez Addams ist der Hausherr der Familie

Wunderbar! Endlich kam mal jemand auf die Idee, die schrecklich-schöne Addams Family als Animationsfilm abzuliefern. Dabei liegt es doch so sehr auf der Hand … ähm, dem eiskalten Händchen, dass die in den 1930ern  von Charles Addams erdachten Comics, die 1964 zu einer Kultserie führten und zwei genial-irrwitzige Kinofilme von Barry Sonnenfeld nach sich zogen (ohne Addams Family wäre Christina Ricchi vermutlich nie wirklich bekannt geworden), perfekt für einen 3D-Animationsfilm geeignet sind.
So bunt und anders und morbide und düster – ein perfektes Ambiente fürs Animationsgenre.
Und weil die beiden Regisseure echte Fans der Geschichten rund um Morticia, Gomez, Wednesday und Pugsley sind, legen sie auch gleich zackig los.
In einer kurzen Einführungssequenz erzählen sie von der Andersartigkeit der Familie und davon, dass für sie eigentlich alles anders herum ist wie bei den „normalen“ Menschen. Wenn’s morgens regnet, ist das ein herrlicher Morgen. Wenn das Haus rumort und stinkt und gruselig ist, ist das das „perfekte Heim“ und wenn sie einen Passanten auf dem Weg anfahren, wird der kurzerhand zum Butler gemacht.
Sensationell wird auch die bekannte und ikonische Titelmusik auf den Weg gebracht, die man schon nach drei Tönen erkennt und die vom Eiskalten Händchen dirigiert wird.
Apropos Eiskaltes Händchen: Wer immer auch auf die grenzgeniale Idee gekommen ist, ihm einen Fußfetisch anzudichten, den er über das Internet auf entsprechenden Seiten auslebt – er möge sich geknutscht fühlen!

Eiskaltes Händchen mit Fetischneigung

Aber auch andere Details erfreuen das Auge und den morbiden Humor in jedem Zuschauer. Wenn man sieht, dass Wednesday (mit ihren Henkersknoten-Zöpfen) unter einer Guillotine schläft und Pugsley auf einer Streckbank, dann trifft das den Ton der Vorlage perfekt. Ohnehin hat man Wednesdays Mischung aus Neugierde, gequälter Langeweile und Depression toll in den Film integriert. Und in ihrer Figur manifestiert sich auch der Wunsch nach Normalität. Wednesday hat ihren Sonderlings-Status nämlich satt. Axtwerfen langweilt sie und die immergleiche Umgebung lässt sich nur ertragen, wenn sie ihrem kleinen Bruder Pugsley Streiche spielt.
Ohnehin ist die Addams Familiy ja gar nicht wirklich so anders. Im Grunde seines Herzens ist Gomez ein liebender und ziemlicher konservativer Vater, der gerne möchte, dass sein Sohn das Mazurka-Ritual erfolgreich hinter sich bringt. Und Morticia, der stoische Ruhepol der Familie, ist eigentlich mächtig stolz auf ihre Kids.
Was optisch nicht so ganz geglückt ist, ist die grundsätzlich sehr flache und erstaunlich detailarme Animation. Das Budget von 24 Mio. Dollar war eben auch nicht gerade viel. Und da die zunächst von Illumination Entertainment (Ich, einfach unverbesserlich) als Stop-Motion-Variante geplante Fassung zu den Akten gelegt wurde, übernahm mit MGM ein anderes Studio und mit Cinesite Studios auch eine andere Animationsschmiede. Zwar hat Cinesite viel Erfahrung im Bereich von CGIs für große Filme, allerdings nur wenig bei vollanimierten Streifen.

Gestatten: Cousin Itt

Und das sieht man leider auch dem Film an. Während das Addams-Family-Heim detailreich und liebevoll animiert ist, wirkt die bunte, aber ziemlich bevölkerungsarme Stadt der Menschen so billig wie aus dem TV-Allerwelts-Nachmittagsprogramm für Kinder. Auch die Menschen selbst sehen – sorry für die ehrlichen Worte – hässlich aus. Als Kontrast zu den Addams mag das noch Sinn machen, aber etwas mehr Mühe hätte man sich hier schon geben können. Und ganz sooooo oberflächlich hätte man sie auch nicht charakterisieren müssen. Denn dadurch bewirkt es vor allem, dass man sich sehr schnell sehr genervt von ihnen fühlt.
Da es aber eben auch darum geht, dass nach dem Kontrast eine gewisse Eintracht entsteht, fehlt hier einfach etwas mehr emotionale Nähe zu den gewöhnlichen Bewohnern und Nachbarn rund um die Addams Familie.
Wirkllich nett geraten dann wiederum die Szenen mit Wednesday in der Schule … ähm … im Kindergefängnis. Wenn sie dort Frösche zum Leben erweckt und damit die arrogante Schul-Schranze in ihre Schranken verweist, schaut man voller Schadenfreude zu. Ebenso witzig, wenn sie mit einem rosafarbenen Einhorn in den Haaren aus der Schule kommt und Morticia peinlich berührt rot anläuft – tja, so eine Pubertät im Hause Addams kann schon übel zuschlagen.
Dass überdies soziale Medien und deren Nutzung zur Diffamierung und für Fake News ihr Fett weg kriegen, ist ein kleiner Bonus auf die turbulente Geschichte.
Ach ja: Heimlicher Star ist natürlich Butler Lurch. Wenn der an der Orgel sitzend mit zuckersüßer Stimme „Everybody Hurts“ von R.E.M. Intoniert, wo er sonst nur grunzt, hat man fast Tränen in den Augen.
Schade, dass der Film an sich am Ende etwas zu harmlos geraten ist. Man hätte durchaus noch mehr bösen Humor einfügen dürfen. Vor allem, da die Story dann doch etwas klischeehaft die üblichen Stationen abspult, ohne große Überraschungen zu präsentieren.

Die ersten Verwandten treffen ein

Bild- und Tonqualität

Margaux plant Großes in der Stadt am Fuße der Addams-Villa

Der komplett am Rechner entstandene Addams Family überzeugt auf der Blu-ray mit durchweg absolut knalligen Farben und wunderbar dynamischen Kontrasten. Schon von Beginn an gibt’s sattesten Schwarzwert auf den ebenso schwarzen Kostümen von Morticia und eine leuchtend goldene Weste, die Gomez zur Hochzeit trägt. Der glutrote Blutmond sorgt für einen sensationellen Farbkontrast im Hintergrund und bei Close-ups auf die Gesichter hat man wirklich viele Details und Feinheiten in die Haut eingebracht. Die einzigen Probleme, die man der Disk überhaupt attestieren muss, sind leichte Unruhen im feinen Haar von Morticia, wenn sich dieses leicht im Wind bewegt. Ansonsten sieht das Bild wirklich fantastisch aus.
Beim Ton liefert Universal hier fürs Deutsche eine auf zwei Mbps reduzierte dts-HD-High-Resolution-Spur, wohingegen die englische Version mit unkomprimiertem dts-HD-Master glänzt. In der Praxis bedeutet dies zunächst, dass Addams Family beständig räumlich erklingt. Das gilt für den Score ebenso wie für Pugsleys Ausflüge in seiner selbstgebauten Rakete. Die beiden dts-HD-Spuren unterscheiden sich nur marginal in ihrer Dynamik. Zwar hört man während der laut und ziemlich aggressiv abgemischten Momente wie dem Grollen beim Blick aufs Schloss (26’04) oder dem Rauswurf von Margaux zehn Minuten später über die englische Fassung etwas mehr Druck, aber insgesamt schlägt sich die verlustbehaftete High-Resolution-Spur wirklich sehr gut. Dialoge sind gut verständlich, könnten aber noch etwas offener klingen.

Bonusmaterial

Aufeinandertreffen der Gegensätze

Das Bonusmaterial von Addams Family setzt sich aus vier Featurettes und zwei Songtext-Videos zusammen. In „Scharade mit eiskaltem Händchen“ gibt’s ein kleines Ratespielchen mit der animierten Hand. „Entstehung einer Szene“ wird der Aufbau der Morgenkaffee-Sequenz vom Storyboard über das Layout bis hin zum Lighting und dem Sounddesign beschrieben. „Willkommen in der Familie“ erzählt kurz über die Hintergründe der Addams Family und gibt Einblicke in die Synchronarbeit der berühmten Sprecher. „Rückblick“ letztlich zeigt ein paar Ausschnitte aus den Originalcomics.

Fazit

The Addams Family ist als Animationsfilm leider nicht der ganz große Wurf. Zu ähnlich ist das Setting bspw. mit Ich, einfach unverbesserlich. Vor allem die überraschungsfreie Story überzeugt nicht, während einige Details wirklich grandios sind. Trotz der klischeehaften Geschichte wird man aber dennoch ganz gut unterhalten und Fans der Addams-Family greifen eh zu.
Sie werden dann auch mit einem großartigen Bild und einem sehr räumlichen Sound belohnt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 95%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 90%
Bonusmaterial: 40%
Film: 70%

Anbieter: Universal Pictures Home Entertainment
Land/Jahr: Großbritannien/Kanada/USA 2019
Regie: Greg Tiernan, Conrad Vernon
Sprecher: Alexander Doering, Katrin Fröhlich, Ulrike Möckel, Luisa Wietzorek, Lutz Riedel, Michael Iwannek
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // dts HD-High-Resolution
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 87
Codec: AVC
FSK: 6

(Copyright der Cover und Szenenbilder: © 2019 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc. All Rights Reserved.)

Trailer zu Die Addams Family

Die Addams Family | Trailer 1 | Deutsch (Universal Pictures) [HD]

 

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