Die Agentin

Blu-ray Review

Weltkino, 07.02.2020

OT: The Operative

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Business as usual

Klassischer Agententhriller mit Diane Kruger.

Inhalt

Wird Thomas Rachel zurückziehen?

„Mein Vater ist gestorben, zum zweiten Mal“. Der Anruf, den Thomas Hirsch während des Joggens bekommt, ist kryptisch. Auch wenn ihm die Stimme bekannt vorkommt. Und tatsächlich. die Anruferin ist Rachel. Seit einem Jahr hat Thomas nichts von ihr gehört. Sie war als Mossad-Agentin im Iran eingesetzt, um dort eine bestimmte Zielperson des iranischen Nuklearprogramms auszuspionieren. Thomas war ihr Kontaktmann zum Mossad und für die Überprüfung ihrer Biografie sowie die Vorbereitung ihrer neuen Identität zuständig. Dann allerdings brach der Kontakt ab. Ein Jahr lang. Nun sind seine Ex-Agenten-Kollegen nervös. Denn Rachel verfügt über brisante Informationen den Iran betreffend, die nie zum Mossad kommuniziert wurden. Kein Wunder, denn Rachel hatte sich in ihre Kontaktperson verliebt. Thomas‘ Aufgabe ist es nun, herauszufinden, ob sie eine Gefahr darstellt oder der Rettung bedarf …

`Die Tarnung wird professionell aufgebaut

Basierend auf dem Roman The English Teacher von Yiftach Reicher Atir inszeniert der israelische Regisseur Yuval Adler (Betlehem) einen ganz klassischen Agentenfilm. Allerdings einen, der sich ganz bewusst von den James Bonds oder Jason Bournes unterscheidet. Auf Action wartet man in Die Agentin lange. Darum geht’s auch nicht. Adler möchte keinen weiteren gehetzten Thriller inszenieren, sondern zum einen eine gewisse Operation des Mossad hinterleuchten, aber vor allem in die Seele einer Agentin schauen, die zwischen die Fronten gerät. Gibt es Action, geschieht diese kurz und zackig und wird nur dafür genutzt, zu schildern, wie das Leben als Agentin und die Konsequenzen des Tötens auf die Psyche einwirken.
Atir, der Autor der Vorlage, war selbst Mitglied des israelischen Geheimdienstes (und als solcher beteiligt an der Befreiungsaktion im Rahmen der Operation Entebbe) und gibt mit der Story den Blick preis auf (wie er im Intro des Buchs schreibt) „eine wahre Geschichte von echten Agenten, die absolut erfunden ist, und echte Missionen, die nie stattfanden“. Dabei geht er relativ schonungslos mit Israel und dem Mossad um, beschreibt unumwunden die Einmischung des Geheimdienstes in die bewusste Sabotage des iranischen Nuklearprogramms. Außerdem stellt er die iranische Bevölkerung sehr positiv, wertschätzend und freundlich dar.
Offenbar traf er damit durchaus den Nerv Israels, denn seitens der Regierung wurde das Buch mit einigen Zensuren und Änderungsauflagen bedacht. Auch ist nicht klar, wie viel am Inhalt der Vorlage vielleicht dazu diente, andere Geheimdienste über die Arbeit des Mossad zu verwirren.
Es beginnt spannend

Immer wieder wird es kreuzgefährlich für Rachel

Letztlich fokussiert sich Adler allerdings hauptsächlich auf seine Hauptfigur, nicht auf den Konflikt der Länder. Ihm ist es wichtig, die Essenz des Buches zu filtrieren – und zwar die Konsequenzen zu benennen, die auf die Menschen einwirken, die sich in den patriotischen Dienst ihres Landes gestellt haben. Während die auftraggebenden Länder ungefährdet im Hintergrund bleiben, sind es die Agenten an der Front, die in Gefahr schweben.
Erzählerisch gliedert sich der Film in zwei Zeitebenen. Während die eigentliche Geschichte sich komplett über Rückblenden zusammenfügt, wechseln die Bilder immer immer wieder in die Gegenwart, in der Thomas berichtet, was während Rachels Einsätzen passiert ist.
Die eine Zeitebene, namentlich die Rückblenden mit Diane Kruger, ist spannend. Die andere bricht undankbar den Erzählfluss. Und diese undankbare Rolle gebührt Martin Freeman, der als Thomas zwischen die Fronten seiner Ex-Auftraggeber und seinen offensichtlichen Gefühlen Rachel gegenüber gerät.
Ganz anders die fast durchweg spannenden Rückblicke. Dass diese fesselnd geraten, liegt aber nicht mal am großen Talent des Regisseurs, sondern vor allem an der Hauptdarstellerin. Diane Kruger zeigt nach Aus dem Nichts erneut, dass sie eine hervorragende Charakterdarstellerin ist, die fernab von irgendwelchen Beauty-Sidekick-Rollen stets zu Hochform aufläuft.
Das Problem von Die Agentin ist am Ende allerdings, dass das Bedrohungsszenario, das in der Gegenwart aufgebaut wird, nie griffig erklärt wird. Was genau sind die Konsequenzen, wenn Rachel auftaucht oder verschwunden bleibt? Zu was führte ihre Mission in der Vergangenheit – außer zu einer Gefahr für sie selbst? Da man beständig keine echten Antworten bekommt, wird es nach gut über einer Stunde irgendwann zäh. Auch weil die Dramatik rund um Rachel etwas auf der Stelle tritt.
Gegen Ende wird es dann noch mal spannend, wenn sich die Ereignisse in der Gegenwart zuspitzen – bis hin zu einem Endbild, das sicherlich nicht jedem gefallen wird.

Es wird brenzlig

Bild- und Tonqualität

Räumt für den Mossad auf: Stefan

Die Agentin beginnt mit erdigen Farben und einer sehr natürlichen und harmonischen Kontrastdynamik. Eine geringfügige Körnung liegt über dem Geschehen, was für einen sehr filmischen Eindruck sorgt. Selbst wenn hier mit ziemlicher Sicherheit digital aufgezeichnet wurde. Recht gut gelingt die homogen über den Bildschirm verteilte Schärfe, die auch zu den Randbereichen nicht nachlässt. Während der Außenszenen im Iran ist der Look etwas kühler und passt sich dem Geschehen authentisch an. Hin und wieder gibt’s in kurzen Bewegungen leichtes Nachziehen. Außerdem sind Farben durchweg eher etwas reduziert und nicht sonderlich knallig. In dunklen Szenen nimmt leider der Schwarzwert ab und das Grieseln deutlich zu (16’25).
Beim Ton liefert Die Agentin für beide Fassungen dts-HD-Master-Spuren, die die Dialoge sauber wiedergeben, aber kaum für Dynamik gefordert werden. Es gibt in Summe drei Szenen, in denen es mal eine Spur lauter wird. Hier setzt dann auch mal der sonst pausierende Subwoofer ein. Man kann dem Ton hier praktisch keine Vorwürfe machen, weil er das, was von ihm verlangt wird, gut abarbeitet – es wird eben nur kaum etwas von ihm verlangt.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Die Agentin finden sich nur diverse Programmtipps und der Originaltrailer.

Fazit

Die Agentin ist rein gar nichts für Freunde von actionreichen Thrillern. Vielmehr liefert Yuval Adler das Psychogramm einer Agentin, die zwischen die Fronten von Überzeugung, Liebe und Glauben gerät. Aufgrund von Diane Krugers starkem Spiel ist das sehenswert. Leider aber auch etwas zäh und ohne echte Story-Höhepunkte.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 10%
Film: 65%

Anbieter: Weltkino Filmverleih GmbH
Land/Jahr: USA/Israel/Frankreich/Deutschland 2019
Regie: Yuval Adler
Darsteller: Diane Kruger, Martin Freeman, Cas Anvar, Werner Daehn, Ohad Knoller
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 117
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Weltkino)

Trailer zu Die Agentin

Die Agentin | Offizieller Trailer HD Deutsch German | Ab 29.08. im Kino

 

One thought on “Die Agentin

  1. Avatar Rüdiger Petersen

    Dieser Film ist ab sofort bei Amazon Prime verfügbar. Kostet also nichts extra.

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