Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit

Blu-ray Review

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Universal Pictures, 22.08.2019

OT: On the Basis of Sex

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Nach und nach

Filmisches Denkmal für eine herausragende Juristin der USA.

Inhalt

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Ruth will beim Empfang einen guten Eindruck hinterlassen

Ruth Bader Ginsburg ist eine von neun Studentinnen an der juristischen Fakultät von Harvard. Neun Frauen unter 300 Männern. Und sie muss sich die Frage anhören, was sie dazu brachte, einem qualifizierten Mann diesen Platz weggenommen zu haben. Während sie sich trotz der offensichtlichen Diskriminierung zur besten Studentin hocharbeitet, kümmert sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Martin gleichzeitig um ihre neugeborene Tochter. Als Martin, der ebenfalls in Harvard studiert, an Hodenkrebs erkrankt, übernimmt sie seine Vorlesungen gleich mit. Drei Jahre später ist dessen Erkrankung zwar überstanden und die Familie ist in New York angekommen, doch trotz des besten Abschlusses ihres Jahrgangs wird Ruth von keiner Kanzlei eingestellt. Aus ihrer Not nimmt sie einen Job als Professorin an und unterrichtet in „Geschlechterdiskriminierung und das Recht“. Anfang der 70er wittert sie einen bahnbrechenden Fall, der zwar mit Steuerrecht zu tun hat, jedoch eine Welle von Präzedenzfällen schaffen könnte, in deren Konsequenz Gesetze, die Frauen und Männer unterschiedlich behandeln, abgeschafft werden könnten …

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Melvin Wulf vom ACLU soll den Namen seiner Organisation unter die Berufungsschrift setzen

Ruth Bader Ginsburg dürfte Donald Trump lange Zeit ein Dorn im Auge gewesen sein. Als Mitglied des Supreme Courts, dem sie seit 1993 angehört, gilt sie als liberale und dem linken Flügel zugehörige Richterin. Vor allem aufgrund ihres Engagements für Frauenrechte hatte sie Bill Clinton vor 26 Jahren vorgeschlagen. Und bis zum Wechsel zweier ausgeschiedender (bzw. verstorbener) Richter, die im Nachgang von Donald Trumps Favoriten ersetzt wurden, hatten die moderaten Kräfte um Ginsburg die Oberhand beim Obersten Gerichtshof. Ausgerechnet eine Juristin, die sich in ihrer Vergangenheit für Frauenrechte einsetzte – das war so gar nicht im Einklang mit Trumps Vorstellungen. Wie Ginsburg zu der juristischen Figur wurde, die sie heute ist (übrigens mit 86 Jahren die älteste Vertreterin am Supreme Court), beschreibt Mimi Leders Film Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit.
Der Film ist so etwas sie die ausgeschmückte und gespielte Version des Dokumentarfilms RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit, der im letzten Jahr als bester Dokumentarfilm für den Oscar nominiert wurde (gegen Free Solo aber den Kürzeren zog). Dabei konzentriert sich Leder auf drei Hauptabschnitte von Ginsburgs Leben. Sie beginnt ihren Film mit dem Beginn des Studiums an der juristischen Fakultät der Universität Harvard 1956, blickt dann auf die Zeit in New York, kurz nach der Krebserkrankung ihres Mannes, bis sich der Hauptteil dann mit der Zeit nach 1970 beschäftigt. Dort begann Ginsburgs Wirken im Rahmen eines Prozesses, den sie (ausgerechnet) für einen Mann namens Charles Moritz führte.

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Marty und Ruth sind ein unschlagbares Team

Dieser fühlte sich diskriminiert, da er die Ausgaben, die er tätigen musste, um seine Mutter zu pflegen, nicht von der Steuer absetzen konnte. Eines von 178 Gesetzen der USA, die zwischen Mann und Frau unterscheiden, hinderte ihn daran. Auf genau diese 178 Gesetze bezieht sich im Übrigen auch der Originaltitel „On the Basis of Sex“. Mit dem Fall von Charles Moritz, so fürchteten konservative Juristen und Politiker, könnte eine „gefährliche“ Präzedenz geschaffen werden, die wiederum auch die anderen 177 Gesetze (in denen meist Frauen benachteiligt wurden) zum Kippen bringen könnte. Was die einen als Gefahr annahmen, war für Ginsburg genau die Hoffnung, die sie darin setzte, etwas im Sinne der Gleichberechtigung von Frauen zu bewegen.
Das Skript zu Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit wurde von Gingsburgs Neffe Daniel Stiepleman geschrieben, dem die Tante selbst auf die Finger schaute, damit die Szenen über die Rechtsprechung im Film auch akkurat dargestellt wurden. Doch Stiepleman integrierte auch persönliche Anteile. Jene Momente zwischen Ginsburg und ihrem Mann Marty, die zeigen, dass die beiden ein eingespieltes Team sind und sich höchsten Respekt entgegen bringen. Allerdings wirken gerade diese Szenen arg „rund“ und hollywoodkitschig. Was allerdings wirklich am Drehbuch liegt und weniger an den beiden Hauptdarstellern. Felicity Jones (Rogue One: A Star Wars Story) und Armie Hammer (Free Fire) haben eine hervorragende Chemie – selbst wenn zunächst Natalie Portman in der Rolle der Ruth Ginsburg vorgesehen war. Vielleicht beschreibt der Film manchmal arg plakativ, wie gleichberechtigt Martin im Haushalt half – ja, in Sachen Kindererziehung und Essen kochen offenbar das glücklichere Händchen hatte. Doch das machen die gefeilten Dialoge zwischen den Juristen wieder wett. Darstellerisch ist es aber insbesondere Cailee Spaeny (Bad Times at the El Royale), die als Tochter Jane einige der stärksten Momente das ganzen Films hat. Einem Film übrigens, vor dem Nicht-Juristen keine Angst haben müssen. Denn die 120 unterhaltsamen und bisweilen wirklich fesselnden Minuten werden auch für juristische Laien verständlich rüber gebracht.

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Rat von einer Legende

Bild- und Tonqualität

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Das Trio, das 178 Gesetze für verfassungswidrig erklären möchte

Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit wurde zwar digital gefilmt, später aber durch Filterungen etwas der Zeit angepasst, in der er spielt. So sind Farben durchweg wärmer gehalten und hinterlassen das typische 70er-Jahre-Flair. Dazu erinnert eine stetige Körnung an die Zeit, in der die Filme noch analog aufgezeichnet wurden. Die Schärfe geht soweit in Ordnung, ohne jedoch Referenzwerte zu erreichen. Schwarzwerte könnten zudem etwas kräftiger sein.
Beim Ton liegen zwar beide Sprachfassungen in dts-HD-Master vor, doch abgesehen von der sauberen Sprachwiedergabe und der präsenten Front werden die 5.1 Kanäle nur selten komplett ausgenutzt. Die Rears kommen nur sehr selten zum Einsatz und den Subwoofer nimmt man nur wahr, wenn etwas dynamischere Filmmusik gespielt wird.

Bonusmaterial

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Es wird ernst

Das Making-of von Die Berufung läuft gut sechs Minuten und beschreibt etwas die Herangehensweise an die Geschichte, lässt den Autor ebenso zu Wort kommen wie die Beteiligten. Dazu gibt’s noch zwei Featurettes: „Macht des Gesetzes“ kümmert sich um ein paar Hintergründe Ginsburgs und ihr Aufmerksamwerden auf die Frauenbewegung. „Liebe auf Augenhöhe“ beschreibt hingegen in knapp drei Minuten das besonderes Verhältnis zwischen Ruth und Ehemann Martin.

Fazit

Die Berufung mag nicht der spannendste und beste aller Gerichtsfilme sein. Vielleicht wird er nicht einmal dem realen Vorbild so richtig gerecht. Aber er ruft Dinge auf den Plan, über die es auch heute noch zu diskutieren lohnt. Auch und vor allem, weil der aktuelle US-Präsident den Obersten Gerichtshof bereits deutlich nach seinen ultrakonservativen Vorstellungen umbesetzt hat. Bleibt für dessen politische Gegner also zu hoffen, dass Ruth Bader Ginsburg die Amtszeit(en) von Donald Trump überlebt …
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 40%
Film: 80%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Mimi Leder
Darsteller: Felicity Jones, Armie Hammer, Justin Theroux, Sam Waterston, Kathy Bates, Cailee Spaeny
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 120
Codec: AVC
FSK: 0

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universal Pictures)

Trailer zu Die Berufung

Die Berufung – Trailer HD deutsch / german – Trailer FSK 0

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