Die Eiskönigin II 3D

Blu-ray Review

Walt Disney Company (Germany), 26.03.2020

OT: Frozen II

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Vergangenheit im Wald

Kann der zweite Teil von Frozen dem Vorgänger die Eiskristalle reichen?

Inhalt

Elsa hört eine bestimmte Stimme   © 2019 Disney. All Rights Reserved.

Drei Jahre ist es her, dass Elsa zur Eiskönigin gekrönt wurde. Alles könnte wunderbar sein und sie könnte mit ihrer Schwester, Olaf und Kristoff und Sven den Herbst feiern, wenn sie nicht seit Kurzem eine bestimmte Stimme singen hören würde. Zunächst ignoriert sie es, doch dann kann sie sich nicht mehr zurückhalten. Eines Nachts folgt sie der Stimme und weckt dabei unglücklicherweise die Geister des Waldes, Erde, Feuer, Luft und Wasser auf. Die vier Elementgeister hatten in der Kindheit von Elsas und Annas Vater nach einem Streit der Bewohner des Waldes im hohen Norden eine undurchdringbare Nebelwand vor dem Areal hochgezogen. Das sie nun, einmal aufgeweckt, aber wiederum die Bewohner aus der Stadt verjagen, muss Elsa ihr das von ihr Verursachte wieder gerade rücken. Und um das zu schaffen, dringt sie mit ihren Freunden und Schwester Anna in den verwunschenen Wald, um sich dort den Geistern zu stellen …

Sven und Olaf mögen sich  © 2019 Disney. All Rights Reserved.

Man weiß ja durchaus, dass Disney immer mal wieder für erstaunliche Hits gut ist. Allerdings hatte dem hauseigenen Animationsstudio in den letzten Jahre doch vor allem die eigene Konkurrenz von Pixar etwas den Rang abgelaufen. Als dann aber 2013 eine völlig neue Story, ohne vorherigen Bezug auf andere Disney-Filme endlich doch noch auf den Weg gebracht wurde, war der Erfolg gigantisch.
„Endlich doch noch“, weil man das auf Hans Christian Andersens Märchen „Die Schneekönigin“ basierende Märchen schon in den 1930ern mal geplant, aber immer wieder verworfen hatte. Mit knapp 1,3 Mrd. Dollar weltweitem Einspiel spielte Die Eiskönigin seinerzeit dann aber mehr ein als jeder andere Animationsfilm vor ihr. Noch heute steht sie auf Platz 16 der ewigen Bestenliste. Dann jedoch kam Die Eiskönigin II und toppte das Ganze noch einmal. Mit 1,45 Mrd. Dollar Einspiel liegt die Fortsetzung derzeit auf dem zehnten Platz der erfolgreichsten Filme.
Allerdings ist der Erfolg programmiert und erwartbar gewesen. Denn im Nachgang des Vorgängers nahm der Kult um Elsa immer weiter zu. Kaum ein Kinderzimmer, das nicht mit Postern von ihr oder Schneemann Olaf gepflastert war. Kaum ein Mädchen, das zum Karneval in etwas anderem als in einem Elsa-Kostüm zu den Umzügen gehen wollte. Es ist lange her, dass ein Disney-Film das Leben der Jüngsten derart durchdrungen hat.

Iduna singt ein Lied für ihre Töchter  © 2019 Disney. All Rights Reserved.

Kein Wunder also, dass diese gewachsene Fan-Schar aus großen und kleinen Zuschauern gespannt auf eine Fortsetzung wartete. Mit Die Eiskönigin II bekamen sie dann einen Film, der etwas größer angelegt ist und etwas tiefer geht. Wir erfahren mehr über die Vergangenheit von Elsas Eltern und bekommen mit den Northuldra gar ein ganz neues Völkchen zu Gesicht. Diese, sehr an die Inuit erinnernden, Nordmenschen leb(t)en im Einklang mit der Natur und wurden durch ein mysteriöses Ereignis in einen Krieg mit den Vorfahren Elsas und Annas verwickelt. Nun ist es an Elsa und ihren Fähigkeiten, dass sie dieses Geheimnis lüftet und eine mögliche Schuld ihrer Familie begleicht. Die persönliche Beziehung zwischen ihr und Anna rückt etwas in den Hintergrund und auch das Selbstfindungs-Motiv des Vorgängers hat hier ausgedient. Dafür bekommen wir eine entschlossene Eiskönigin zu Gesicht, die auch gar abenteuerliche Auseinandersetzungen mit den Elementen nicht von ihrem Ziel abhalten können; die am Ende feststellt, dass Angst vor dem Fremden ein schlechter Begleiter ist.
Für die Jüngeren unter den Zuschauern könnte das allerdings bisweilen ein bisschen überfordernd sein. Die Story von Die Eiskönigin II ist ungleich komplexer und die Bilder sind fast durchgängig düsterer. Die Szenen, in denen die Elemente im Wald die Protagonisten bedrohen, sind fast schon gruselig. Und wenn zur mystischen und lange abstrakten Grundthematik noch Esoterik dazu kommt, bleiben für die Kids praktisch nur die Bilder, an denen sie ihre Faszination finden können.
Und die sind schon wirklich märchenhaft. Schade nur, dass der Film die Möglichkeiten der vier Elemente/vier Geister nie wirklich ausnutzt. Schade ebenfalls, dass der erfrischende Humor des Erstlings nachgelassen hat. Einige Gags zünden nicht und in Sachen Slapstick macht der Film einen Schritt zurück.

Auf dem Weg in den Norden   ©2019 Disney. All Rights Reserved.

Wobei es schon zum Schmunzeln ist, wenn Olaf aus lauter Spaß an der Freude immer wieder gegen den undurchdringlichen Nebel anrennt oder Kristoff zum x-ten Mal vergeblich versucht, Anna einen Antrag zu machen und immer wieder daran scheitert, dass Anna seine Worte in den falschen Hals kriegt. Doch das sind in Summe wirklich die wenigen gelungenen Gags.
Wo wir aber gerade bei Olaf sind: Hape Kerkeling ist natürlich auch im zweiten Teile eine Bank. Nicht nur, weil er den zwischen Selbstzweifel, existenzialistischer Philosophie und Spieltrieb schwankenden Schneemann unnachahmlich spricht, sondern weil gerade sein etwas schräger Gesang wunderbar zu ihm passt.
Womit wir beim Gesang währen. Ohne den ersten Teil zuvor noch einmal gesehen zu haben, findet gefühlt mehr Singsang statt. Mitunter hangelt sich die Story tatsächlich von Lied zu Lied. Wer das bei Disney-Filmen nicht mag, wird auch hier kein Freund davon – zumal echte Hits wirklich ausbleiben. Immerhin sind die Titel aber nicht sonderlich enervierend. Und für Kids und Disney-Fans bedeuten sie eh das Salz in der Suppe.
Schließen wir den Bogen noch einmal zur Story, dann darf man am Ende natürlich eine universelle Botschaft von Toleranz, Vergebung und Gemeinschaftssinn feiern. Und das ist bei aller Unentschlossenheit des Drehbuchs dann doch universell und berührend.

Elsa lässt Magie sprechen   © 2019 Disney. All Rights Reserved.

Bild- und Tonqualität

Anna und Olaf  ©2019 Disney. All Rights Reserved.

Was soll man zum Bild von Die Eiskönigin II schon sagen, außer, dass es praktisch perfekt ist. Sieht man von ein paar bewusst vorgenommenen Stilisierungen wie leichten Weichzeichnern in einigen Einstellung ab, gibt’s hier rein gar nichts zu mäkeln. Der Datenstrom läuft in den hellen Szenen kontinuierlich mit 25-30 Mbps und das Bild ist perfekt ruhig und völlig frei von jedweden Artefakten. Banding im Nebel des Waldes? Fehlanzeige. Körnung jedweder Form? Gibt’s nicht.
Dazu kommen Farben, die so lebhaft und variantenreich sind, dass man sich kaum satt dran sehen kann. Selbst wenn der Look gegenüber einem Alles steht Kopf bewusst etwas reduzierter ist, die Farben eher pastellartig bleiben, sticht bspw. eine orangefarbene Möhrennase von Olaf satt aus dem Geschehen heraus und die magentafarbenen Magielichter zu Beginn sind ebenfalls strahlend. Helle Bereiche neigen zudem nur minimal zum Überstrahlen und in der Nacht bleibt das Geschehen wunderbar durchzeichnet. Nein, hier gibt’s wirklich gar nichts zu meckern.

Ein Blick auf den hohen Norden  ©2019 Disney. All Rights Reserved.

Wie seit längerer Zeit bei Disney üblich, kommt auch Die Eiskönigin II mit einem Dolby-Digital-Plus-kodierten Ton, der hier mit 896 Kbps läuft. Was man diesem zunächst nicht vorwerfen kann, ist ein Mangel an Räumlichkeit. Schon in der Erzählung des Vaters werden Tiergeräusche sehr griffig und direktional auf die Rearspeaker gelegt und magische Lichter springen durch den Raum. Dazu kommt die Synchronstimme warm und mit angenehmem Timbre über den Center. Wenn Steinbrocken fliegen, fehlt’s aber dann doch ein bisschen an Druck. Denn wie bei zahlreichen Filmen des Anbieters der letzten Jahre ist die Dynamik zu sehr komprimiert. Am unteren Frequenz-Ende müsste einfach mehr los sein. Beim Auftritt der Bergriesen fehlt es an Tiefbass-Unterstützung, wenn deren Schritte zwar wuchtig zu hören sind (das Potenzial also erkennbar ist), die fühlbare Unterstützung aber ausbleibt (46’00). Das Gleiche gilt für den „Geist des Windes“, der bei 31’35 auftritt und einen kleinen Tornado entfesselt. Auch hier hätte man sich einfach mehr Volumen im LFE-Kanal gewünscht. Die Dolby-Digital-Plus-Spur kann dafür allerdings nichts!
Denn die englische dts-HD-Master-Fassung macht es keinen Deut besser. Auch ihr fehlt die Tiefbass-Unterstützung weitgehend und mehr Dynamik beherrscht sie ebenfalls nicht. Erneut bekleckert sich Disney in puncto Lautstärke-Spreizung also nicht mit Ruhm. Gut, dass es eben zumindest räumlich zugeht und man die vielen Soundeffekte, die im verwunschenen Wald zu hören sind, wunderbar auf die Speaker verteilt hat.

3D-Effekt

Elsa geht dem Geheimnis auf die Spur  ©2019 Disney. All Rights Reserved.

Die Eisprinzessin 2 hat es als vollständig am Rechner entstandener Film natürlich relativ leicht, ein sauberes 3D-Erlebnis zu liefern. Wie zuletzt auch bei einigen Titeln übertreibt es Disney aber nicht mit der extremen Räumlichkeit. Zugunsten einer sauberen Tiefenstaffelung lässt man krasse Pop-out-Effekte eher in der Trickkiste. Aufgrund der zahlreichen sehr dunklen und manchmal trist ausgestatteten Szenen ist in diesen nicht besonders viel Gelegenheit für exemplarische 3D-Referenz-Momente. Wenn aber einzelne Schneekristalle griffig aus dem TV/der Leinwand fliegen (71’45), Olafs Nase oder Svens Geweih schon mal sehr plastisch aus dem Screen heraus ragen, macht das wiederum viel Spaß. Auch wenn Anna nach 77 Minuten hoch oben über dem Wald steht und die Baumwipfel unter ihr zu sehen sind, schält sie sich sehr dreidimensional aus dem Geschehen heraus. Insgesamt ein sehr angenehmes und fehlerfreies, aber nicht extrem dreidimensionales Bild.

Bonusmaterial

Die Gemeinschaft mitten im verwunschenen Wald  © 2019 Disney. All Rights Reserved.

Die Extras finden sich allesamt auf der 2D-Blu-ray von Eisprinzessin 2. Beginnen tut’s mit „Pannen vom Dreh“, bei dem es natürlich um „Pannen“ während der Synchro des Originals handelt. „Wusstest du schon“ hält in knapp vier Minuten ein paar Fun Facts parat. So zum Beispiel, dass der verwunschene Wald jenem aus Dornröschen nachempfunden wurde. Außerdem wird man über zahlreiche Gastauftritte berühmter Disney-Charaktere aufgeklärt.
Bei den Extras wird der Anfang von einem ‚Sing mit beim Film‚-Feature gemacht mit dem sich während des Films Karaoke-Untertitel zuschalten lassen. Ausserdem sind alle Songs im Film mittels der ‚Liederauswahl‚ direkt anwählbar. Während ‚Pannen vom Dreh‚ (ca. 2 min.) aus ein paar amüsanten Behind-the-Scenes Aufnahmen von den Voice-Recordings besteht, kann man unter ‚Wusstest du schon?‚ (ca. 4 min.) einige Fun-Facts und Easter Eggs über den Film erfahren. „Die Geister“ kümmert sich dann rund zwölf Minuten um den Prolog und um dessen Realisierung. Außerdem erfährt man, welche Inspiration man sich für den Wald und seine Bewohner geholt hat. „Ein Soundtrack mit Folgen“ schildert dann die Arbeit an den Kompositionen und zeigt Aufnahmen aus dem Studio. Fünf zusätzliche Szenen sowie zwei zusätzliche Lieder und ein Animations-Test für „Gale“ schließen sich an und werden vom Titelsong ergänzt, der innerhalb seiner Spielzeit durch 29 Sprachen wechselt. Zwei Musikvideos von Panic! at the Disco und Weezer beschließen das Material.

Fazit

Die Eisprinzessin 2 bietet tolle Bilder, nach wie vor charmante Figuren und eine universelle Botschaft von Toleranz und Vergebung. Allerdings könnte die Komplexität der Story die kleinsten Zuschauer überfordern und die in großen Teilen sehr düsteren Szenen hätten mehr Abwechslung durch humorvolle Einlagen verdient gehabt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 100%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 50%
Film: 70%
3D-Effekt: 75%

Anbieter: Walt Disney Company (Germany)
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Jennifer Lee, Chris Buck
Sprecher: Dina Kürten, Yvonne Greitzke, Leonhard Malich, Hape Kerkeling, Robin Kahnmeyer, Gundi Eberhard
Tonformate: dts HD-Master 7.1: en // Dolby Digital Plus 7.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 103
Codec: AVC
FSK: 0

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Walt Disney Company(German))

Trailer zu Die Eiskönigin II

DIE EISKÖNIGIN 2 – 2. Offizieller Trailer (deutsch/german) | Disney HD
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3 thoughts on “Die Eiskönigin II 3D

  1. Avatar Mr. Black

    Die 3D Bewertung hat fälschlicherweise ebenfalls „Bonusmaterial“ als Überschrift.

  2. Avatar Recardo

    Ich stimme dem Teil mit dem Subwoofer zu. Hier und da in den Action Szenen hat es leider echt gefehlt. Der Rest und auch die Musik sind ja oft durchweg gut begleitet. Schade, dass sich Disney die UHD in Deutschland spart. Youtube Clips zeigen da ein tolles HDR Bild. Wobei man der Blu Ray in keinster Weise schlechte Schwarzwerte vorwerfen kann! Gehört mit zu den besten die ich auf der blauen Scheibe gesehen habe. Zumindest mein Samsung 75Q70R liefert ein Hammer Bild, was dank der eingeschränkten LokalDimming mit Blu Rays besser zur Geltung kommt als zB. Tribute von Panem 4K. Was deutliche Aufhellungsbereiche mit meinem TV zeigt. Werde da glaub den Trick von Rtings.com mal ausprobieren, was das abschalten angeht. Der Kontrast 7000:1 ist jedenfalls einsame Spitze bei dem Film.

    Mit der Auromatik in 5.1.5 macht der Film im übrigen noch mehr Spaß 🙂
    Gruß

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