Die Hochzeit

Blu-ray Review

Warner Home Entertainment Germany, 20.08.2020

OT: –

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„Willst du meine Melone sein?“

Schweiger macht Ernst … und setzt Klassentreffen 1.0 tatsächlich fort.

Inhalt

So sieht die Liebe inmitten der Midlife-Crisis aus

Tommis Hochzeit steht bevor. Und er ist immer noch in Linda verliebt. Und sie in ihn. Was Lindas Tochter Lili schwer abnervt. Doch das sind Peanuts gegen den kolossalen Flop, den Thomas‘ neues Album hinlegt. „Milli Vanilli meets Richard Clayderman“ – nein, das sind nicht die Worte, die man als Künstler hören möchte. Und schon gar nicht von den miesen Kritikern. Für den Moment drückt das die Stimmung. Ebenso wie der Tod eines alten Bekannten. Auf der Toilette. Und das nachdem er beichtete, mit Jette einen One-Night-Stand gehabt zu haben. Was wiederum Nils‘ Stimmung drückt. Und Andreas? Andreas geht zum Speed-Dating, nachdem seine Frau sich endgültig von ihm getrennt hat. Doch keine der 24 anwesenden Frauen möchte ihn wiedersehen. Das Resultat ist klar: Bedrückte Stimmung. Schwarze Anzüge, schwarzes Auto, Sarkophag, Beerdigung des alten Bekannten – und das alles am Tag vor der Hochzeit …

Thomas‘ Manager hat keine guten Nachrichten

Die gute Nachricht vorab: Die Hochzeit ist besser als Klassentreffen 1.0. Die schlechte Nachricht: Das macht Til Schweigers Folgewerk noch lange nicht zu einem guten Film. War der erste Teil eine einzige Nummernrevue mit teilweise absurd albernen und schrecklich infantilen Gaga-Gags, ist die Fortsetzung leider nicht gehaltvoller. Eine echte Story gibt’s auch hier nicht. Man eilt von einem Schauplatz zum nächsten und der roten Faden ist … es gibt keinen roten Faden. Naja, vielleicht die Tatsache, dass man durch die Midlife Crisis so langsam durchzukommen scheint, indem man sich auf die wirklich wichtigen Dinge wie Familie und Freunde konzentriert. So weit, so gähn. Dass Schweiger mit der unterliegenden Storyline des gefloppten Albums und der entsprechenden Schelte der Rezipienten selbstironisch zu reflektieren versucht, dass der Regisseur zuletzt bei der Kritik gnadenlos durchfiel, ist respektabel. Aber leider ebenfalls misslungen. Kritiker sind „bucklige Idioten“ heißt es da aus seinem Mund. Ja, man kann sicherlich mal seinen Spaß mit Feuilleton und Rezensenten machen. Man darf gerne mal gegen allzu verkrampfte Stock-im-Allerwertesten-Kritiker ätzen. Aber man sollte es pointiert und witzig machen. Genau das gelingt Schweiger nicht. Zumal er nie so richtig weiß, ob es ihm nun „egal“ sein soll, was die Kritiker sagen oder er sich drüber aufregen soll. Das wirkt dann im besten Falle unausgegoren. Im schlechtesten Fall kommt’s beleidigt rüber.

Schreien sich mal wieder an: Nils und Tanja

Aber hey, es ist nicht alles so schlimm an Die Hochzeit wie an Klassentreffen 1.0. Vor allem im Hinblick auf die Frauenfiguren und die dort noch anzutreffende Homophobie hat Schweiger entschärft. Ist’s ein Zufall, dass er seine Fortsetzung NICHT (wie anfangs geplant) Klassentreffen 2.0 nannte, sondern vom Titel her einen gewissen Abstand zum Erstling eingenommen hat? Jedenfalls ist der zweite Teil nicht mehr durchweg misogyn und hält nicht im gleichen Maße ein Frauenbild aus den 60ern parat. Tatsächlich bietet vor allem Katharina Schüttler als Jette ein paar Momente echter Wahrheit. Da kann man Schweiger schon fast Frauenverständnis unterstellen – wenn er es nicht in den Szenen mit den schrulligen Zwillingen, die (unverständlicherweise) um Milan Peschels Andreas buhlen, direkt wieder zu torpedieren. Und dann sind da erneut diese fäkalen Gags und eben solcher Slapstick: Dass Thomas Heinze als Torben den Nippel auf der Toilette abgibt, ist eine Sache und hat durchaus komisches Potenzial. Allerdings doch bitte, ohne dass man zuvor breit und ausführlich zu sehen bekommt, wie er sich den Hintern abwischt. Und die peinliche „Wichs-Diskussion“ im Auto auf der Fahrt zur Beerdigung wäre selbst für einen Teenie-Film mit 12-jährigen Darstellern schon albern gewesen.
Apropos „albern“: Taucht da wirklich nach 55 Minuten das Werbebanner einer Versicherung auf, für die Schweiger Werbung macht? Im Ernst? Von all den offensichtlichen Produktwerbungen in Die Hochzeit ist das wirklich die allerpeinlichste. Obwohl, nein. Stimmt nicht. Die erneute Einblendung jener Versicherung nach etwa 104 Minuten ist noch VIEL peinlicher, weil sie von Nils‘ Darsteller Samuel Finzi auch noch wie ein Werbespot vorgetragen wird – unfassbar peinlich (und für die Story absolut unnötig).
Rund um die Katastrophen während der Beerdigung schlägt der Film dann betont leisere Töne an. Doch selbst wenn es hier manchmal etwas ernster und besinnlicher zugeht, das Geschehen für einen Moment sogar ein wenig reflektiert wird, führt das immer noch nicht zu einer ein sich geschlossenen Story. Abseits von so manch flachem Gag über Scheidenkrämpfe und vielen Peinlichkeiten wie toten Fleischpenissen fehlt es der Hochzeit einfach an den Schweiger-Momenten, die selbst ein Nicht-Schweiger-Fan zu einer verdrückten Träne bei Keinohrhasen trieb.

Der alte Schwerenöter gerät in Versuchung
Preis: 13,49 €
(Stand von: 2020/08/18 8:44 pm - Details
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Format: Blu-ray
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Erscheinungstermin: Thu, 20 Aug 2020
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Bild- und Tonqualität

Ja, es ist so peinlich und abgeschmackt wie es aussieht

Hände hoch, wer etwas anderes als sepiafarbene Bilder erwartet hatte. Na, jemand dabei? Nicht? Zu Recht. Denn Til Schweiger wäre nicht Til Schweiger, wenn er plötzlich tatsächlich mal eine Abwechslung im Look liefern würde. Wobei, doch. Ein bisschen was Neues gibt’s tatsächlich: Das Bild überstrahlt jetzt noch massiv dazu. Wir haben also ein sepiafarbenes, überkontrastiertes und (immerhin in Maßen) nachträglich gekörntes Bild. Technisch hübsch ist das nicht. Aber welcher Schweiger-Film war das bisher schon. Entweder man mag es, dann mag man es. Oder man mag es eben nicht. Und dann ändert sich daran auch mit Die Hochzeit nichts.
Beim Sound setzt Die Hochzeit auf eine dts-HD-Master-Spur, die klare Dialoge präsentiert und in den wenigen räumlichen Szenen auch entsprechend effektvoll wird. Seien es Gläser, die kaputt gehen oder der Unfall mit dem Geländewagen auf dem Weg zur Beerdigung. Auch die Filmmusik verteilt sich schon mal recht dynamisch auf alles Speaker, was für ein wenig Abwechslung im dialogzentrierten Film sorgt.

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Bonusmaterial

Das Töchterchen ist die Rettung in der Not

Das Bonusmaterial von Die Hochzeit gibt’s insgesamt vier Featurettes. In „Die Story“ gibt es einen kurzen Abriss über den Inhalt des Films. Das „Mini Making-of“ läuft zwei Minuten und blickt kurz hinter die Kulissen. Es könnte auch unter dem Titel „Alle beweihräuchern Til Schweiger“ stehen. „Die Männer“ porträtiert die drei männlichen Figuren und „Die Frauen“ kümmert sich in anderthalb Minuten um die Mädels – alles in allem sind das nicht mal acht Minuten Bonus.

Fazit

Die Hochzeit ist besser als Klassentreffen 1.0. Er ist weniger frauenfeindlich, ernst(haft)er, reflektierter und manchmal sogar wahrhaftig. Das macht aber noch keinen guten Film aus ihm. Dafür sind viele Gags nach wie vor zu abgegriffen, peinlich, albern und infantil. Außerdem ist der Film viel zu lang. Für dieses Nichts an Story zwei Stunden aufzuwenden, ist fast schon ein Kunstwerk, hängt aber auch damit zusammen, dass die allermeisten Slapstick-Gags bis zum Erbrechen ausgewälzt werden.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Bonusmaterial: 20%
Film: 40%

Anbieter: Warner Home Entertainment Germany
Land/Jahr: USA 2020
Regie: Til Schweiger
Darsteller: Til Schweiger, Milan Peschel, Samuel Finzi, Lilli Schweiger, Stefanie Stappenbeck, Katharina Schüttler, Jeanette Hain
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 120
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Warner Home Entertainment Germany)

Trailer zu Die Hochzeit

DIE HOCHZEIT - Finaler Trailer #1 Deutsch HD German (2020)

 

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