Die Klapperschlange – Remastered

Blu-ray Review

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Highlight Communications, 03.11.2016

OT: Escape from New York

 


„Ich hörte, du wärst tot …“

Einer der größten Kultfilme der 80er erscheint noch mal im neu remasterten Gewand.

Inhalt

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Mit einem Auge zielsicherer als die meisten mit vollem Augenlicht: Snake Plissken

New York 1997: Seit neun Jahren ist Manhattan in ein schwerbewachtes Gefängnis mit riesigen Mauern, weil man der ansteigenden Kriminalitätsrate nicht mehr Herr wurde. Innerhalb der Mauern gelten die Gesetze des Stärkeren, Ausbrecher werden per Hubschrauber gejagt, lokalisiert und erschossen. Als der US-Präsident zu einem Treffen für Friedensverhandlungen mit der Sowjetunion und China unterwegs ist, wird die Air Force One gekidnappt. Mit Mühe kann sich das Staatsoberhaupt in eine Rettungskapsel retten. Bei ihm ist ein Koffer mit einem Tonband, das die Herstellung einer höchst mächtigen Waffe beherbergt. Von diesem Band hängt der Weltfrieden und die Verhinderung eines Dritten Weltkriegs ab. Damit es nicht in die Hände der Verbrecher gerät und sicher aus Manhattan herauskommt (idealerweise inklusive des Präsidenten) beschließt man ein riskantes Unterfangen. Man bietet dem Ex-Soldaten und verurteilten Fast-Bankräuber Snake Plissken die Straffreiheit an, wenn der innerhalb eines Tages Tonband und Präsident befreien und in Sicherheit bringen kann. Um zu verhindern, dass Plissken sich einfach aus dem Staub macht, injiziert man ihm kurzerhand eine Art Zeitzünder, der seine Adern 22 Stunden später zum Explodieren bringen wird …

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Cabbie schließt sich Plissken an

Auch wenn die Zukunft von damals nicht zur Gegenwart von heute geworden ist – das, was John Carpenter 1981 mit seinem fünften Kinowerk realisierte, hat vollkommen zurecht den Titel Kultfilm verdient. Obwohl er nach Halloween und The Fog dem Horrorgenre den Rücken kehrte, gelang ihm mit Die Klapperschlange (OT: Escape from New York) ein fesselnder, ungemein spannender, höchst atmosphärischer und konsequent zu Ende gedachter Science-Fiction-Thriller, der aus seinen 6 Mio. Dollar Budget in Sachen Ausstattung und Schauwerte das Maximum herausholte. Erstmals mit Kurt Russell in der Hauptrolle besetzt (einer Zusammenarbeit, der noch vier weitere gemeinsame Filme folgen sollten) erdachte sich Carpenter ein höchst effektives Szenario, das er mit bizarren Figuren anreicherte und von einem coolen Outlaw-Cowboy durchstreifen ließ. Der Regisseur gab stets zu Protokoll, keinen politischen Film gemacht haben zu wollen. Dennoch ist Plisskens finale Szene ein ziemlich böser Kommentar auf die Post-Watergate-Zeit sowie den Beginn des Neo-Konservatismus unter Reagan. Der dystopische Entwurf einer riesigen Gefängnisinsel inmitten der Großstadt war Carpenters Antwort auf Bronsons Death Wish (Ein Mann sieht rot), dessen inhaltliche Einstellung er zwar nicht teilte, aber vom Gedanken des urbanen Dschungels fasziniert war.

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In der Gladiatoren-Arena des Duke geht’s kaum zimperlich zu

Um innerhalb des 6-Mio.-Dollar-Budgets zu bleiben, konnte man natürlich nicht „on location“ in New York drehen, sondern suchte sich mit St. Louis in Missouri die zerfallenste Stadt, der man gewahr werden konnte. Dort hatte Mitte der 70er ein Feuer ganze Straßenzüge vernichtet, was in Die Klapperschlange für den heruntergewirtschafteten Look sorgte. Weil das Skript den meisten Studios seinerzeit zu düster und brutal vorkam, bat Carpenter seinen Freund Nick Castle (kein Geringer als der Schauspieler, der Michael Myers verkörperte) ein wenig am Skript mitzuarbeiten. Castle kam dann auf die Idee, ein wenig Humor zu integrieren und schuf die Rolle des Cabbie. Ernest Borgnine, seinerzeit vor allem erfahren in Katastrophenfilmen, gab dem Sci-Fi-Thriller das nötige Gleichgewicht und sorgte für einige der besten Einzeiler des Films. Natürlich sorgte der Meister selbst wieder für den kongenialen Soundtrack – und das, wo er weder Noten lesen noch schreiben kann. Dennoch funktioniert der minimalistische Synthie-Score auch hier perfekt. Kleine Anekdote am Rande: Ein noch relativ junger „Jim“ Cameron sorgte für einige der Matte-Paintings von Manhattan und übernahm auch einen der Posten eines Director of Photography.

Bild- und Tonqualität

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Brain und Maggie – zwei der wilden Insassen von Manhattan

Bisher gab es nur eine Blu-ray-Fassung von Die Klapperschlange – jene von Anbieter Universum aus dem Jahre 2008. Highlight Communications nahm sich nun noch einmal des Ausgangsmaterials an und remasterte das Bild – und das ist dem Filmverleih herausragend gut gelungen. Es ist schon beeindruckend, was man in Sachen Schwarzwert und Kontrastdarstellung aus dem Material herausgeholt hat. Gerade innerhalb des gut ausgeleuchteten Kontrollraums sind die Uniformen extrem knackig und die Bildruhe ist für einen 35 Jahre alten Film sensationell gut (20’44). Dass dieses Niveau nicht in jeder einzelnen Szene gehalten werden kann, ist sicher auch dem Ausgangsmaterial selbst geschuldet. So gibt es vereinzelt drastische Randunschärfen im unteren Bereich (Plissken und Hauk 21’15, Hose 40’03), die bisweilen auch von einem soft-weißen Rand begleitet werden (8’36) und häufig mischen sich auch Doppelkonturen um Köpfe herum hinzu, bzw. man hat den Eindruck, dass die dezente Bewegung in diesen Szenen nicht ganz eingefangen wird. Öfter ertappt man sich dabei, die Augen zuzukneifen, um die Unschärfe auszugleichen. Sind die Aufnahmen ruhig und von einer statischen Kamera aus gefilmt, tritt dieses Problem nicht auf. Während der ersten Außenansicht von Manhattan ist es zudem deutlich grobkörniger als während der vielen anderen Aufnahmen im Dunklen (5’39). Erstaunlich hingegen ist die nahezu völlige Defektfreiheit. Kein Blitzer oder Staubkorn trübt den Eindruck – das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit bei einem Film aus den 80ern.
Beim Ton von Die Klapperschlange warten zunächst mal beide Sprachfassungen mit einem 5.1-dts-HD-High-Resolution-Sound auf. Trotz gleichen Masterings, klingen diese allerdings extrem unterschiedlich. Während die deutsche Fassung grundsätzlich eher frontbezogen bleibt und kaum unterhalb von 100Hz arbeitet, klingt das englische Pendant schon im Musik-Vorspann hörbar weiträumiger und viel dynamischer. Wo der hiesige Ton den Subwoofer arbeitslos lässt, darf der LFE-Kanal beim Originalsound während der elektronischen Bassdrum durchaus zupacken. Carpenters Synthies klingen auf der deutschen Spur unglaublich dünn, während sie im Englischen wie eine mehrstimmige Orgel im Kirchensaal daherkommen. Die ebenfalls enthaltene 2.0-Surround-Spur-Kinofassung liefert noch mehr Obertöne und klingt vergleichsweise spitz. Auch während der Soundeffektszenen ist der O-Ton bisweilen drastisch besser. So fliegt der Hubschrauber bei 6’45 klar definiert von vorne links über die Mitte und rechts hinter die Köpfe des Zuschauers, während er bei der Synchronfassung ausschließlich frontal bleibt. Außerdem flappen die Rotoren wuchtig ins Heimkino, während beim deutschen Ton von Dynamik keine Rede sein kann. Interessanterweise verkehrt sich das Ganze bei wenigen Szenen ins Umgekehrte – und zwar dann, wenn die Synchro schlicht vollkommen neue Sounds genutzt hat. So beispielsweise beim der Schießerei auf dem Hochhaus (79’48). Während das Original hier bewusst mit einem künstlichen zukunftsartigen Geräuscheffekt arbeitet, hat man für die deutsche Fassung ein ganz anderes Schussgeräusch verwendet und deutlich wuchtiger platziert. Dafür sind sie völlig asynchron zum Bild – Adrienne Barbeau schießt Richtung Kamera, man sieht das Mündungsfeuer und hört … nichts. Ganz klar ist hier die englische Fassung vorzuziehen.

Bonusmaterial

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Ist er der coolste Actionheld der 80er? Ja, ist er!

Neben bereits bekanntem Bonusmaterial hat man der Blu-ray von Die Klapperschlange noch einen neuen (2015) Audiokommentar mit Adrienne Barbeau und Dean Cundey spendiert. Zusätzlich zu denen von Russell und Carpenter, Debra Hill und Joe Alves sowie der deutsche von den Filmjournalisten Kai-Oliver Derks und Alexander Büttner aus 2010. Auch neu ist das 15-minütige Featurette über die visuellen Effekte, das eindrucksvoll zeigt, wie viel Arbeit in die Modelle gesteckt wurde, die New York, bzw. Manhattan im Film darstellten. 19 Minuten dauert der Hintergrundbericht über die Filmmusik, der Co-Komponist Alan Howarth zu Wort kommen lässt. Howarth schildert, wie die Zusammenarbeit mit Carpenter stattfand und wie improvisiert die Abläufe waren. Der Komponist gibt gut gelaunt zahlreiche Anekdoten von damals preis, sodass man ihm noch stundenlang zuhören könnte. Dazu kommt das schon bekannte „Rückkehr zur Klapperschlange“ sowie die Original Eröffnungssequenz (in NICHT remasterter Bildqualität). Zu guter Letzt kommt noch ein (leider bildloses und nicht untertiteltes) Interview zwischen Derks/Büttner und Kurt Russell von 2016.

Fazit

Die Klapperschlange ist einer DER Kultfilme der 80er und sah noch nie so gut aus wie jetzt. Nicht nur für Carpenter-, sondern vor allem für Filmfans ist diese Blu-ray ein absolutes Muss! Beim Ton muss der deutsche Zuschauer allerdings Abstriche machen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 80%
Film: 100%

Anbieter: Highlight Communications
Land/Jahr: USA 1981
Regie: John Carpenter
Darsteller: Kurt Russell, Lee Van Cleef, Donald Pleasence, Ernest Borgnine, Adrienne Barbeau, Isaac Hayes, Harry Dean Stanton
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 109
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Die Klapperschlange

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