Die letzten Amerikaner [Mediabook]

Blu-ray Review

Turbine Medien, 29.07.2022

OT: Southern Comfort

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Sumpf des Todes

Die Überheblichkeit wird ein paar Reservisten zum Verhängnis.

Inhalt

Eigentlich als Übung gedacht …

Wir schreiben das Jahr 1973: Überraschend wird Corporal Hardin von der Texas Army National Guard zu einem Wochenendmanöver von Reservisten der Nationalgarde einberufen. Hardin teilt die chauvinistische Einstellung der anderen Soldaten nicht und fühlt sich von Beginn an unwohl. Einzig mit dem liebenswerten Spencer versteht er sich einigermaßen. Nachdem sie auf ihren Marsch durch die Sumpfgebiete der Gegend aufgebrochen sind, verirren sie sich bald dort und stecken fest. Ein paar umherliegende Kanus versprechen Rettung, da sie mit ihnen über den Bayou fahren könnten. Doch kaum haben sie abgelegt, tauchen ein paar Cajun-Jäger auf, die sich als rechtmäßige Besitzer der Boote entpuppen. Wenig amüsiert schreien sie die Soldaten an. Weil Stuckley, einer der Soldaten, mit seinem platzpatronenbewährten MG auf die Cajun schießt, müssen sich die Reservisten nicht wundern, dass die Jäger die Bedrohung ernst nehmen und mit scharfer Munition das Feuer erwidern. Staff Sergean Poole wird dabei tödlich getroffen, was die Truppe ins Chaos versinken lässt. Doch als wären die internen Kompetenzrangeleien und Streitigkeiten nicht schlimm genug, sind die Cajun immer noch hinter ihnen her …

… wird darauf bald blutiger Ernst

Walter Hill war zwischen den 70ern und 80ern einer der viel beschäftigten Regisseuren und Autoren Hollywoods überhaupt. Er schrieb das Drehbuch zu Peckinpahs The Getaway und setzte 1978 mit The Warriors eine erste Duftmarke als Regisseur. 1979 war er zudem einer der Produzenten von Alien. 1981 verfilmte er dann eine Geschichte, an der er schon Mitte der 70er gearbeitet hatte und die er nach einem ersten Entwurf eines anderen Autoren schließlich zu dem finalisierte, was später immer wieder in einem Atemzug mit John Boormans Survival-Klassiker Beim Sterben ist jeder der Erste verglichen wurde: Die letzten Amerikaner (Orig.: Southern Comfort). Der zum Kinostart von der Kritik zwar weitgehend positiv aufgenommene Action- und Survivalthriller ging an den Kassen weitgehend unter – und das erstaunlicherweise weltweit. Doch wie so oft bei 80er-Jahre-Actionstreifen retteten die Videotheken nicht nur den Ruf, sondern auch die Finanzen des Films. Dabei hat Die letzten Amerikaner nur wenig mit den späteren Actionfilmen Hills (bspw. 48 Stunden oder Red Heat) zu tun. Vielmehr legt Walter Hill hier ähnlich wie Boorman in Beim Sterben ist jeder der Erste den Finger ganz tief in die Wunden zivilisatorischer Ignoranz gegenüber der Natur. Außerdem darf man den Film (trotzdem Hill davon während des Drehs nichts wissen wollte) auch als politische Parabel auf den Vietnamkrieg deuten, wenn das überhebliche US-Militär (hier halt in Form von Reservisten) auf einen Gegner trifft, dem man voller Arroganz begegnet und in der Folge sträflich unterschätzt.

Bowden dreht durch

Hill gelingt es mit einem hohen Grad an Spannung, die aufkommenden Konflikte innerhalb der Gruppe zu intensivieren, was als Dynamik noch hinzu kommt, während die völlig unvorbereitet wirkenden Reserve-National-Gardisten gegen Natur, ihre eigene Arroganz und den unberechenbaren Gegner ankämpfen. Was Hills Film (im Gegensatz zu Beim Sterben ist jeder der Erste) dabei aber etwas vernachlässigt, ist die Bindung an seine Figuren. Während in Boormans Klassiker die Charaktere etwas mehr Tiefe bekommen und man mit einigen durchaus mitfiebert (vor allem mit Ned Beattys Bobby), dauert es bei Die letzten Amerikaner, bis man sich hier auf die Seite der Reservisten stellt – und dann eigentlich auch nur auf jene von Hardin und Spencer, während man allen anderen den baldigen Tod nur zu gerne an den Hals wünscht. Das gehört natürlich auch irgendwie zur Reflexion über die Arroganz der Soldaten gegenüber allem und jedem, was ihnen begegnet – dennoch wäre es schön gewesen, man hätte die Charaktere etwas weniger klischeehaft und vielschichtiger angelegt. Was an Figurentiefe und etwas schlaueren Dialogen fehlt, mach Die letzten Amerikaner vornehmlich über seine Atmosphäre wieder wett. Man sieht jeder Einstellung an, dass die Dreharbeiten für Crew und Darsteller eine Tortur gewesen sein muss. Das Herumwaten in den Sümpfen, der dichte Wald und die ständig mögliche Bedrohung von außen lässt den Film durchweg spannen werden. Mit Brion James als wortkargem Cajun-Jäger bekommt die Story dann noch mal etwas Würze, an der sich Keith Carradine und Powers Boothe in ihren Rollen ebenso abarbeiten können wie die hartgesottenen Kollegen, die den Waldbewohner am liebsten sofort massakrieren oder zu Tode foltern würden. Durchweg passend und kongenial sind auch Score und Soundtrack des Films. Ry Cooder, der den Score beisteuerte, arbeitete schon bei The Long Riders mit Hill zusammen und entwickelte hier einen minimalistischen Gitarrensound, der Südstaatenflair atmet, gleichzeitig aber unterschwellig bedrohlich wirkt. Außerdem gibt’s ein Finale, das mit dickem Blut nicht spart und seine Wirkung nicht verfehlt.

Bild- und Tonqualität

Total verloren im Sumpf

Die letzten Amerikaner wurde seinerzeit natürlich analog gedreht – und zwar auf einer Panavision Panaflex. Turbine nutzte für die eigene Veröffentlichung ein Master, das vor etwas über einem Jahr vom britischen Label Second Sight erstellt wurde. Allerdings, und wer das deutsche Indie-Label kennt, weiß darum: Turbine hat das Encoding noch einmal selbst übernommen. Das wiederum ist eine hervorragende Entscheidung, denn die Second-Sight-Fassung hatte zwar eine gute Kontrast- und Farbgebung, war aber durchaus sichtbar rauschgefiltert. Die Turbine-Blu-ray ist das nicht. Ganz im Gegenteil: Das ursprüngliche Filmkorn ist wunderbar konserviert und wirkt durchweg filmisch und akkurat. Die Schärfe ist in den gut fokussierten Shots (was aufgrund der schwierigen Drehbedingungen in den sumpfigen Gebieten nicht immer der Fall ist) hervorragend und die Kontrastierung gelingt während der Tageslichtaufnahmen sehr ausgewogen. Lediglich ein paar wenige Aufnahmen leiden etwas unter mangelnder Zeichnung im Schwarz. Hervorragend gelingt die Farbgebung, die zwar eine ganz leichte, aber sehr stimmige Tendenz ins Wärmliche aufweist, ohne Gesichter überzubetonen. Sowohl Bäume als auch der Waldboden kommen stimmig und natürlich rüber. Die Defektfreiheit ist zwar nicht zu 100 Prozent gegeben, doch kurze Blitzer oder Schmutzpartikel sind zu keiner Zeit störend oder nehmen gar Überhand. Für die beiden Tonspuren in Deutsch und Englisch wurde auf verlustfrei komprimierte DTS-HD-Master-Spuren gesetzt – jeweils in gedoppeltem 2.0 Mono. Die deutsche Synchro ist durchweg hochwertig und mit tollen Sprechern besetzt. Außerdem gefällt der rauscharme und erstaunlich offene Sound. Dumpf geht’s hier überhaupt nicht zu. Mitunter vielleicht sogar ein kleines bisschen zu spitz in den Stimmen. S-Laute zischeln ein ganz klein wenig, was bei höheren Lautstärken etwas anstrengend sein kann. Hintergrundgeräusche sind natürlich nicht räumlich, was bei einer gedoppelten Monospur niemanden wundern sollte. Werden Gewehre abgefeuert, gibt’s nicht wirklich Druck. Allerdings hat man das auch schon mal dünner vertont gehört. Ein bisschen fragwürdig aus heutiger Sicht ist die arg aufgeregte Vertonung so mancher Tiergeräusche. Das, was nach gut 19 Minuten Vogelgeräusche sein sollen, klingt eher nach auf den Schlips getretenen Hamstern.

Bonusmaterial

Fred Ward in einer frühen Rolle

Zunächst einmal wartet das Mediabook mit einem 24-seitgen Booklet über die Entstehungsgeschichte auf – geschrieben von Tobias Hohmann. Dazu gibt es eine Retro-Fassung im 4:3-Bildformat (Open Matte – also mit mehr Bildanteil oben und unten). Herzstück ist aber das Walter-Hill-Interview „Wird er leben oder wird er sterben“, das in 45 Minuten sehr tief in die Entstehungsgeschichte eintaucht – natürlich deutsch untertitelt.

Fazit

Die letzten Amerikaner sah hierzulande noch nie besser aus. Der im Schatten von Beim Sterben ist jeder der Erste immer etwas zu Unrecht übergangene Film erhält von Turbine Medien seinen verdienten Release, der allerdings bei zwei von drei Covern bereits ausverkauft ist. Es lohnt sich also, schnell noch beim einzige verbliebenen Artwork (grüne Edition) zuzuschlagen, bevor die Auflage komplett vergriffen ist.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 70%
Film: 75%

Anbieter: Turbine Medien
Land/Jahr: USA 1981
Regie: Walter Hill
Darsteller: Powers Boothe, Keith Carradine, Fred Ward, Peter Coyote, Franklyn Seales, Brion James
Tonformate: dts HD-Master 2.0: de, en
Untertitel: de, en
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 106
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Turbine Medien)
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Trailer zu Die letzten Amerikaner

DIE LETZTEN AMERIKANER (1981) von Walter Hill | Trailer Deutsch/German | KOMMANDO BRAVO


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Uli

Einer meiner Lieblingsfilme, ging zu Unrecht etwas unter damals.
Liegt schon in der aktuellen Turbine Fassung bereit und wartet auf baldige Sichtung