Die Verlegerin

Blu-ray Review

Die Verlegerin Blu-ray Review Cover
Universal Pictures, 28.06.2018

OT: The Post

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„Top Secret – Sensitive“

Von Mut und Risiko der Presse.

Inhalt

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Die Bevölkerung ist schon lange gegen den Vietnamkrieg

Daniel Ellsberg arbeitet seit einiger Zeit für Verteidigungsminister Robert McNamara. Als Militäranalytiker soll er eine Zusammenstellung der Dokumente zum Vietnam-Krieg erarbeiten. Was er dabei allerdings zu lesen bekommt, bestätigt seine eigenen Erlebnisse als Zivilist in ‚Nam und schockiert den jungen Mann. Ganz offensichtlich hatte die US-Regierung entgegen ihrer Beteuerungen schon lange geplant gehabt, in diesen Krieg zu ziehen, um dem Kommunismus entgegen zu treten. Zudem ist für ihn subjektiv und objektiv klar, dass sämtliche Verantwortlichen stets wussten, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen ist. Sein Gewissen zwingt Ellsberg, diese Dokumente der Presse zu übermitteln. Fortan kursieren diese als „Pentagon Papers“ und die New York Times bringt diese in Auszügen als Erste an die Öffentlichkeit – sehr zum Leidwesen von Ben Bradlee, dem Chefredakteur der Washington Post. Der versucht sofort, seine Verlegerin Kay Graham davon zu überzeugen, ebenfalls an die Papiere zu gelangen. Doch Kay hatte erst vor Kurzem den Posten von ihrem verstorbenen Ehemann übernommen und den Börsengang der Washinton Post vorbereitet. Zudem ist sie befreundet mit McNamara und sieht sich im Gewissenskonflikt. Doch als eine Unbekannte der Washington Post ebenfalls die Papiere übermittelt und Nixon die Times aufgrund der Veröffentlichung vors Gericht zieht, steht fest, dass man sich gegen die eilig von der Politik eingeleiteten juristischen Maßnahmen stemmt und die Story selbst veröffentlichen will …

Ben Bagdikian erhält den entscheidenden Tipp

In einer Zeit, in der es modern geworden zu sein scheint, die Kollegen der berichterstattenden Medien als „Lügenpresse“ zu bezeichnen, kommt Steven Spielberg mit seinem Drama um die berühmt gewordene Geschichte der Washington Post aus den 70er Jahren genau richtig. Sein Die Verlegerin ist ein ebenso wichtiges wie flammendes Plädoyer für die Pressefreiheit und die unbedingt wichtige Rolle der „vierten Gewalt“. Die Presse ist es immer wieder, die für die Öffentlichkeit spricht und ein Gegengewicht zu den politischen Mächten liefert. Selbst wenn ein Trampel im Weißen Haus sitzt, der sich selbst per Kurz“nachrichten“dienst zum eigenen Pressesprecher macht, sind es die Zeitungen und News-Redaktionen, die hier für kritisches Hinterfragen sorgen müssen. Die sich über polemische „Lügenpresse“-Vorwürfe hinwegsetzen müssen und genau dort recherchieren sollten, wo es für alle Beteiligten richtig weh tut.
Spielberg hat schon oft gezeigt, dass er historische Stoffe zu intensiven Dramen oder regelrechten Thrillern aufbereiten kann. Und Letzteres ist ihm mit Die Verlegerin erneut hervorragend gelungen. Wie er die Dynamik zwischen den Figuren schildert, dem Chefredakteur Ben Bradlee durch die Redaktionsräume folgt; wie er die Gespräche zwischen den Redakteuren und den Wettlauf mit der Story selbst schildert – das hat absolute Klasse. Was für eine Arbeit hinter der Story steckte, zeigen die Bilder, in denen eine Handvoll Redakteure 4000 Seiten der Pantagon Papers sichten und sortieren müssen – ein heilloses Durcheinander.

Ben Bradlee kämpft für die Story

Nicht nur nebenbei ist Die Verlegerin aber auch das Porträt einer Frau, von der man erwartet hatte, dass sie die Post nach dem Tod ihres Mannes kurzerhand verkauft. Niemand traute der vierfachen Mutter zu, dass sie den anspruchsvollen Job der Verlegerin selbst übernehmen könnte – und das in einer Zeit, in der Frauen in verantwortungsvollen Posten noch eher selten anzutreffen waren. So agiert dann auch Meryl Streep zu Beginn zurückhaltend und unsicher. Man merkt ihr an, dass sie sich selbst noch nicht ganz zutraut, den Job zu erfüllen. Während der Treffen zum Börsengang bleibt sie kleinlaut und Spielberg lässt sie hinter den Männern her trotten – ein paar kleine Details mit großer Wirkung. Vor allem deshalb, weil sich Kay nach und nach emanzipiert und nach gut 80 Minuten eine Entscheidung von großer, ja existenzbedrohender Bedeutung trifft. Streep macht das ebenso gut wie Tom Hanks in der Rolle des taffen Chefredakteurs Bradley. Beide spielen ihre Rollen nicht nur überzeugend im Sinne einer Darstellung, sondern vor allem im Sinne der Geschichte. Durch ihre Charakterisierung wird erst klar, welcher Druck bei solchen Storys auf einer Redaktion liegt und wie viel im Zuge der Veröffentlichung riskiert wird. Vielleicht ist der eine oder andere Dialog etwas zu gedehnt, was schon mal für eine Spur Zähigkeit sorgt. Aber inhaltlich wird absolut klar rübergebracht, dass die Freiheit der Presse ein unverrückbares und durch die Verfassung geschütztes Grundrecht ist.
Ein Grundrecht, das aktuell wieder mit Füßen getreten wird und für das Spielberg zum Schluss in Form eines Telefonats von Nixon, in dem dieser jedem Reporter der Washington Post den Zutritt zum Weißen Haus versagt, einen klaren Kommentar übrig hat.

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Wie werden die Richter entscheiden?

Bild- und Tonqualität

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Die Anwälte der Post schlagen sich gut

Wer Spielberg kennt, der kennt auch dessen Vorliebe für analogen Film. Auch Die Verlegerin macht hier keine Ausnahme. Gefilmt mit Panavision-Kameras beginnt die Szenerie während der Vietnam-Szenen mit deutlicher Körnung und stark gefilterten Farben. Beim Wechsel aus dem Dschungel in die Stadt relativiert sich dies jedoch. Das Korn rückt angenehm in den Hintergrund und die Farben werden natürlicher. Aufgrund des 70er-Jahre-Settings sind sie allerdings reduziert und etwas matter. Ebenso wie der Kontrastumfang, der eher im mittleren Bereich angesiedelt wurde. Das ist für den Film an sich schlüssig, aber objektiv nicht ganz perfekt.
Da Die Verlegerin mitten im Vietnam-Kriegsgeschehen beginnt, hat der dts-HD-Sound Gelegenheit, sich direkt zu Beginn von seiner effekt- und druckvollen Seite zu zeigen. Der Hubschrauber flappt schön wuchtig über sämtliche Speaker und der im Dschungel aufkommende Regen peitscht effektvoll ins Heimkino. Auch die Schusswechsel werden räumlich wiedergegeben. Wechselt das Geschehen nach Washington, übernehmen selbstverständlich die Dialoge das Zepter. Allerdings wird beispielsweise auch das Tippen auf den Schreibmaschinen schön luftig im Raum verteilt.

Bonusmaterial

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Die Anleger der Washington Post raten Kay von der Veröffentlichung ab

Das Bonusmaterial von Die Verlegerin enthält insgesamt fünf Featurettes, in denen beispielsweise auf die Figuren und Charaktere eingegangen wird. Außerdem kümmert man sich um das Produktionsdesign, das für den authentischen Look der 70er verantwortlich war. Auch die Filmmusik erhält ein eigenes Featurette. Am interessantesten ist aber „“, indem die Geschichte der Kay Graham von ihren Nachfahren erzählt wird. Hier wird deutlich, was für eine außergewöhnliche Rolle die eher unfreiwillig zu ihrem Job gekommene Frau einnahm und durchzog. Aber auch die Geschichte der Pentagon-Papers wird hier noch einmal zusammengefasst – sehr spannend.

Fazit

Die Verlegerin ist zeithistorisch bedeutungsvoll, schauspielerisch exquisit und inhaltlich wirklich spannend geworden. Dass er überdies aktuelle Bezüge hat, macht ihn noch empfehlenswerter – Pflichtprogramm für Dramenfreunde.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 70%
Film: 85%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Meryl Streep, Tom Hanks, Sarah Paulson, Bob Odenkirk, Tracy Letts, Bradley Whitford, Bruce Greenwood
Tonformate: dts HD-Master 7.1: en // dts HD-HR 7.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 117
Codec: AVC
FSK: 6

Trailer zu Die Verlegerin

Die Verlegerin – Trailer deutsch/german HD

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