Doctor Strange 4K UHD

Blu-ray Review

Walt Disney Studios, 10.10.2019

OT: Doctor Strange

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Realität ist relativ

Der Ungewöhnlichste aller Marvel-Filme erscheint verspätet als UHD.

Inhalt

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Was sich liebt …  ©2016 Marvel. All Rights Reserved

Begnadeter Chirurg und arroganter Arsch – beides Attribute, die auf Dr. Stephen Strange zutreffen. Der geniale Mediziner gefällt sich in der Rolle des Chirurgen, der auf Abruf die schwersten Fälle übernimmt, um sich im Licht des Ruhms zu sonnen. Dann jedoch landet er selbst auf dem Tisch seines Krankenhauses.
Abgelenkt von einer Bildnachricht donnert er mit seinem Sportwagen aus voller Fahrt einen Abhang hinunter und hat Glück, dass er überlebt. Weniger Glück haben seine Hände, die nach dem Unfall durch zwei Dutzend Fixateure zusammengehalten werden müssen. An ein Operieren ist fortan nicht mehr zu denken – selbst Rasieren oder Schreiben ist ihm praktisch unmöglich. Natürlich gibt er seinen Kollegen die Schuld an deren angeblich stümperhafter Operationstechnik. Voller Wut und Verzweiflung stürzt er sich auf eine alte Krankenakte, nach der ein Querschnittsgelähmter angeblich wieder laufen lernte. Von ihm bekommt er die Information, dass er Heilung im Kamar-Taj fand, einem Ort in Kathmandu, Nepal. Dort trifft er auf „Die Älteste“, die Strange etwas von spiritueller Heilung erzählt – ihm, dem atheistischen Wissenschaftler. Doch die glatzköpfige Dame hat ziemlich schlagkräftige Argumente, die den Chirurgen letztlich überzeugen. Gemeinsam mit deren Schützling Mordo bildet die mythische Bewacherin der Welt Stephen Strange zum großen Zauberer aus. Als solcher steht ihm bald schon ein großer Kampf bevor, denn Kaecilius, ein Ex-Schüler der Ältesten, hat mit einigen Seiten eines alten Manuskripts vor, Kontakt zu einem Wesen herzustellen, das jedes Universum einnehmen möchte – allen voran die Erde …

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Stephen Strange erhält Unterricht von der Ältesten  ©2016 Marvel. All Rights Reserved

Schaut man sich die Entstehungsgeschichte von Doctor Strange an, grenzt es schon fast an ein Wunder, dass der Film realisiert werden konnte. Seit 1986 zogen sieben Studios und mehrere Drehbuchautoren ins Land, bevor es nun endlich im Marvel-Kosmos von Disney so weit war.
Vielleicht glücklicherweise dauerte es so lange. Denn aus technisch-visueller Sicht hätte er, wie er jetzt zu sehen ist, seinerzeit nicht gleichwertig umgesetzt werden können – dazu aber später mehr.
2013 stand nach vierjähriger loser Planungsphase fest, dass der Film um den verunfallten und zu Superkräften gekommenen Chirurgen in die Phase 3 des Marvel-Cinematic-Universe fallen sollte. Vielleicht dauerte es auch deshalb so lange, weil Film und Titelfigur aus dem bisherigen Kosmos der Comic-Schmiede deutlich herausragen. Und als ob man diese Außergewöhnlichkeit bestätigen wollte, besetzte man Doctor Strange nach zahlreichen naheliegende(re)n Kandidaten wie Tom Hardy, Ethan Hawke, Jared Leto, Matthew McConaughey oder Jake Gyllenhaal (die allesamt mal in Verbindung mit der Hauptrolle gebracht wurden) ausgerechnet mit dem britischen Sherlock-Darsteller Benedict Cumberbatch – ein Wagnis?

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Strange muss sein Leben völlig umkrempeln  ©2016 Marvel. All Rights Reserved

In der Tat. Aber eben eins, das sich gelohnt hat. Denn der britische Schauspieler, der durch seine TV- und Theaterrollen zu internationaler Bekanntheit gelangte, ist perfekt besetzt. Er kann die überhebliche Arroganz und er kann das Nachdenklich-Introvertierte. Und wie man hier sehen kann: Er kann sogar das Physische, präsentiert er sich doch erstaunlich austrainiert und überzeugt auch in den Kampfszenen.
Der Humor, sonst typischer Begleiter der Marvel-Filme, wird ein wenig zurückgenommen, wenngleich es den einen oder anderen sarkastischen Spruch gibt. Außerdem versagt Stephen zu Beginn seiner Ausbildung herrlich und sein Umhang führt ein köstliches Eigenleben. Insgesamt ist Doctor Strange aber durchaus etwas dunkler geraten und integriert fürs Marvel-Universum ungewohnte spirituelle Elemente. Treffenderweise fuhr man tatsächlich nach Kathmandu in Tibet, um dort diese Szenen möglichst authentisch einzufangen. Die Drehorte sind es auch, die die ansonsten etwas metaphysischer angelegte Story erden und einen Konterpunkt zu den vollständig am Rechner entstandenen Szenarien der Multiversen und Raumfaltungen setzen. Womit wir am zuvor angesprochenen Punkt sind, dass man den Film vor 20 Jahren in der Form nicht hätte umsetzen können.

Stephen Strange hat soeben eine außerkörperliche Erfahrung  ©2016 Marvel. All Rights Reserved

Christopher Nolan ebnete mit Inception die Optik, die Scott Derrickson (der mal mit dem „Meisterwerk“ Hellraiser V: Inferno debütierte) nun perfektionieren konnte. Wenn sich ganz Manhattan ineinander faltet oder die Protagonisten in der Spiegeldimension stehen, hätte ein gewisser M.C. Escher seine wahre Freude daran. Visuell ist das absolut beeindruckend, wenngleich nach Nolans Traum-Thriller nicht mehr innovativ.
Aber da Doctor Strange eben auch die Parallelen zum Marvel-Kosmos herstellt, läuft man nicht Gefahr, beide Filme miteinander zu verwechseln. Spätestens, wenn sich Kaecilius zu erkennen gibt und auf direkten Konfrontationskurs mit Strange geht, übernehmen dann auch die Actionelemente. Und die Choreografien sind wirklich klasse. Gerade die erste Auseinandersetzung zwischen den beiden zündet im wahrsten Sinne des Wortes. Man muss allerdings eine gewisse Bereitschaft fürs Fantastisch-Absurde mitbringen, wenn Stephen und Lucian sich einen Astralkörper-Fight im OP liefern. Effektvoll ist das sicherlich, aber eben auch ein klitzekleines bisschen albern. Macht aber nichts, liefert der Film doch neben den psychedelischen Aspekten auch eine wirklich tiefgründige Figur. Strange macht während der zwei Stunden nicht nur eine physische, sondern auch eine psychische Wandlung durch und geht der Wahrhaftigkeit der Dinge auf den Grund. Diese Vielschichtigkeit gilt auch für Kaecilius‘ Charakter, der keinesfalls ausschließlich hirnlos böse ist. Seine Motivation lässt sogar Strange selbst für einen kurzen Moment zweifeln. Mad Mikkelsen ist hierfür die beste Wahl, wenngleich seine von Dormammu beeinflusste Augenmaske ein bisschen drüber ist.

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Christopher Nolan richtet Grüße aus ©2016 Marvel. All Rights Reserved.

Bild- und Tonqualität BD

Kaecilius ist ein Abrünniger aus den Reihen der Mystiker  ©2016 Marvel. All Rights Reserved

Wow! Was Walt Disney in Doctor Strange visuell bietet, sucht im Realfilmbereich mitunter seinesgleichen. Absolut ruhig und rauschfrei präsentiert sich das messerscharfe und äußerst plastische Bild. Farben sind stets natürlich und der Kontrastumfang ist sehr gut. Atmosphärisch bedingt lässt beides ein wenig nach, wenn Strange Unterricht bei „Der Ältesten“ erhält. Dort herrschen Braun- und Grautöne vor, die allerdings während der psychedelischen Trips des Titelhelden wiederum von äußerst lebhafter Kolorierung abgelöst werden. Lediglich Schwarz könnte noch einen Hauch knackiger sein. Absolut herausragend wiederum ist die Detailtiefe des Films, die keinerlei Unruhen in Schwenks offenbart und bei Totalen bis in den letzten Winkel Zeichnung liefert (10’17). Auch Aufnahmen in dunklen Innenräumen bestechen durch ihre hohe Laufruhe und Close-ups von Tilda Swinton sind so gut, dass man ihr heftiges Make-up Schicht für Schicht erkennen kann. (Bild)Qualitativ einer der besten Filme aus dem MCU.

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Die Älteste hat einige Tricks auf Lager  ©2016 Marvel. All Rights Reserved

Akustisch liegt Doctor Strange in zwei unterschiedlich kodierten Fassungen mit ebenfalls unterschiedlicher Anzahl an Tonspuren vor. Während der Fan von Originalfassungen die volle dts-HD-Master-Dröhnung in 7.1 erhält, reduzierte Anbieter Walt Disney die deutsche Version (wie schon fast traditionell) auf 5.1 und das leicht datenreduzierte dts-HD-High-Resolution. Den Unterschied zwischen dts-HD-HR und dts-HD-MA kann man wahrnehmen, mann muss aber schon genau hinhören und eine Szene oft im A-B-Vergleich anschauen. Zu Beginn lassen sich weder beim Funkenzischen der Energiekreisel, noch beim dynamischen Zupacken der Lichtfesseln Unterschiede festmachen – beide Sprachversionen klingen hier fantastisch.
Während Marvel/Disney bei Avengers: Age of Ultron seinerzeit die deutsche Tonfassung in den Sand gesetzt hatte (hier nachzulesen), leistet sich Doctor Strange keine Fehler. Wenn Tilda Swinton zu Beginn allerdings die Dimensionen verdreht und Häuser umfaltet, malmen die Steine auf der englischen Fassung noch etwas druckvoller aufeinander und ab und an beschleicht einen das Gefühl, dass der hiesigen Version hier und da ein paar Informationen fehlen. Dennoch differenziert auch die deutsche Fassung die feinen und hohen Frequenzen der Energiesicheln erstaunlich gut aus dem druckvollen Häuserfalten heraus. Und auch sonst kann sich der deutsche Sound hören lassen. Der Unfall von Strange tut zwar jedem Autofan weh, der ungerne hinschaut, wenn die italienische Sportflunder mit dem Stier auf der Haube kaltverformt wird, doch in Sachen Sound bekommt man hier aus anderen Grünen eine (positive) Gänsehaut. Was die Räumlichkeit und Dynamik angeht, setzt der Film aber noch einen drauf. Wenn Swinton unseren Protagonisten durch die Dimensionen schickt, legt sich ihre (Synchron)Stimme direktional auf die Rearspeaker, sodass man sich als Zuschauer unvermittelt umdreht und schaut, ob da jemand steht (29’30). Derart effektvoll bleibt es während der Actionszenen praktisch dauerhaft und wenn Strange am Ende Dormammu gegenübersteht, tönt dessen Organ dermaßen voluminös, dass man selbst ein wenig Angst vor dem fluiden Wesen bekommt. Stimmen sind übrigens dauerhaft vorzüglich eingebettet – sowohl in der deutschen als auch in der englischen Tonfassung.

Bild- und Tonqualität UHD

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Helle Bildanteile liefert die UHD mit tollem HDR-Effekt  ©2016 Marvel. All Rights Reserved

Doctor Strange gehört zu den Marvel-Filme, die mit einer ganzen Reihe von Kameras aufgenommen wurden – analog und digital. Von den Filmkameras Arriflex 235 oder Panavision Panaflex bis hin zu den Digital-Geräten ARRI Alexa 65, Mini und XT Plus. Letztere kam vorwiegend bei schnelleren Actionshots zum Einsatz, während die Alexa 65 den Hauptteil des Filmens (wie bspw. auch die Arbeit mit Close-ups) übernahm. Die analogen Aufnahmen beschränken sich vornehmlich auf die Szenen in Kathmandu, um dort dem generell etwas staubigeren Look der Stadt zu entsprechen und schneller/spontaner loslegen zu können (Quelle mit vielen interessanten Infos).
Entsprechend gab’s am Ausgang unterschiedliche Signale von 35mm Film über 3.4K- bis hin zu 6.5K-Digital-Auflösung.
Von allem wurde aber dann ein 2K-Digital-Intermediate gezogen, das für die UHD wieder hochskaliert wurde. Hinzu kam natürlich ein im Rahmen von Rec.2020 erweiterter Farbraum sowie die höhere Kontrastdynamik im statischen Format von HDR10.
Im laufenden Bild kann sich die UHD durchweg mehr als sehen lassen. Und sie ist durchweg ein Upgrade zur (bereits guten) Blu-ray. Denn trotz eines nur hochskalierten Signals ist der generelle Look noch konsistenter, griffiger und plastischer. Sensationell krisp sind die Close-ups von Strange und Kaecilius während ihres Dialogs nach gut einer Stunde – so gut, dass man eine 3D-BD überhaupt nicht vermisst.
Die hohe Bildruhe ist geblieben und wird nur durch einen ganz dezenten Rauschfilter-Einsatz hier und da etwas getrübt. Da dieser aber nicht für wachsweiche Gesichter sorgt, wird das nur den Zuschauern auffallen, die hierauf sehr sensibel reagieren.
Hüben wie drüben sind auch die Schwarzwerte nicht immer hundertprozentig abgrundtief, bleiben aber stets durchzeichnet. Das kennt man von vielen Disks mit Black-Crush-Problemen ja auch anders.
Zumal HDR10 hier für teils großartige Plastizität in den hellen Szenen sorgt. Nimmt man die Sequenz nach etwa 80 Minuten, kann man sich vor Highlights rund um die in den Dimensionen schwebenden Häuser, Straßen und Figuren kaum satt sehen. Das orangefarbene Funkensprühen aus den rotierenden Energiekreisen wirkt noch heller und prägnanter als über die Blu-ray, was nur noch von den nächtlichen Szenen nach gut 91 Minuten übertroffen wird, bei denen die Leuchtreklamen und Straßenlaternen um die Wette blitzen und später die fluoreszierenden Farben eine absolute Pracht bilden.
Ein weiterer Vorteil von HDR: In den dunklen Szenen bleiben strahlende Leuchtreklamen besser lesbar – beispielsweise das „Samsung“ bei 88’28 hinten links, das über die BD eher matschig wirkt.

Blu-ray (09’57): (Slider ganz nach rechts): In den neutraleren Szenen unterscheiden sich BD und UHD nur bedingt.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD hat einen etwas wärmeren Teint gegenüber einem leicht grünlichen der BD.

Blu-ray (53’33): (Slider ganz nach rechts): Keine sonderlich scharfe Einstellung, aber ganz gut, um den Unterschied in der HDR-Kontrastierung bei hellen Szenen zu offenbaren.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD nimmt den Grauschleier in der Ferne etwas weg, zeichnet die Wolkenkratzer besser ab und dramatisiert den Himmel etwas.

Blu-ray (03’36): (Slider ganz nach rechts): Sobald Farbe und Helligkeit ins Spiel kommt, ist die BD der UHD deutlicher unterlegen.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Das Orange ist satter, klarer und strahlender. Die Details sind besser durchzeichnet.

Blu-ray (69’12): (Slider ganz nach rechts): Besonders deutlich wird das in den spektakulären Farbspielen im Finale.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Hier können erweiterter Farbraum und HDR zeigen, was sie drauf haben und gegenüber der BD besser machen – eine absolute Pracht und wahre Referenzszenen für das UHD-Format.

Blu-ray (10’16): (Slider ganz nach rechts): Die Totale von New York im Close-up. Die BD ist in der Tiefe verrauschter. Strukturen sind weniger klar konturiert.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD offenbart den leichten Rauschfilter, zeigt aber dennoch bessere Konturen und verschluckt Details nicht. Sensible Argusaugen könnten hier eine etwas softere Oberfläche bemängeln.

Blu-ray: (Slider ganz nach rechts): Zum Vergleich das Bild noch einmal in kompletter Größe.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die leichte Filterung der UHD fällt im laufenden Bild (ohne drastische Close-ups) kaum auf.

Strange war ein guter Schüler  ©2016 Marvel. All Rights Reserved

Leider, leider, leider erreicht auch Doctor Strange das erwartbare Schicksal von UHDs des Anbieters Disney. Auch hier wird die deutsche dts-HD-HR-Tonspur (immerhin auf hohem Niveau datenreduziert) durch eine etwas stärker komprimierte Dolby-Digital-Plus-Kodierung ersetzt (immerhin mit 7.1-Spuren). In aller Regel führte das in den letzten zwei, drei Jahren zu hörbar undynamischerem Verhalten der Tonspur. Allerdings galt dieses Weniger an Dynamik auch für die englische Fassung, die dann zwar in Dolby Atmos (also unkomprimiert) vorlag, aber dennoch in der Dynamik beschnitten wurde. Hier ist einfach ein genereller Trend bei Disney zu beobachten gewesen, dass man kinderfreundliche Abmischungen auf die UHDs gepackt hat, wo die BD noch mit guter Lautstärken-Spreizung ausgestattet waren.
Und das gilt eben auch für Doctor Strange. Schon die reguläre Ebene der englischen Atmos-Fassung ist schwachbrüstiger als die dts-HD-MA-Fassung der sehr guten Blu-ray. Und sie ist sogar noch eine Spur leiser als die Syncho.
Aber auch die deutsche Version trifft es. Sie ist nicht nur leiser als ihr Pendant der Blu-ray, sondern bleibt auch bei der entsprechenden Anhebung des Pegels weniger druckvoll. Schon das erste „Zuschlagen“ der Energiefesseln hat weniger Bums als über die dts-HD-HR-Spur der Blu-ray und die darauf folgenden malmenden Häuser kommen nicht so vehement rüber. Glücklicherweise nimmt das nicht die extremen Formen an, die man bspw. bei Black Panther noch zu beklagen hatte. Denn dort war ober- und unterhalb eines mittleren Frequenzspektrums fast tote Hose. Hier werden Höhen und Tiefen durchaus noch bedient und es klingt auch nicht ärgerlich muffelig, aber im Vergleich zur dts-Fassung eben etwas schmaler.

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Einfach spektakulär  ©2016 Marvel. All Rights Reserved

Da es nicht ganz so schlimm ausfällt, darf man sich eventuell doch auf die englische Atmos-Fassung freuen, die (neben der zwar etwas weniger dynamischen, aber immer noch sehr effektvollen regulären Ebene) ja auch noch die Höhen-Ebene liefert. Nach drei Minuten hört man von oben erstmalig ein Klirren und dann wird’s durchaus gewaltig, wenn optisch durchaus nachvollziehbar die Häuserfassaden aus den Heights malmen und bröckeln. Da diese Vertonung dediziert ist und die vier Deckenlautsprecher tatsächlich einzeln nutzt, wird hier ein sehr räumliches Erlebnis erzeugt, das richtig Spaß macht (dritte Minute des Films).
Auch der abfetzende Strompfeiler, der sich nach gesprungener Feder anhört, kommt fetzig aus den Heights (11’42), wobei der Unfall selbst vielleicht auch noch ein paar weitere Sounds über die Heights hätte liefern können.
Wenn die Älteste Strange aber nach knapp 30 Minuten auf einen Trip durch die Dimensionen schickt, gibt’s wieder schicke Rundumgeräusche, während Raum und Zeit sich krümmen und winden. Auch die Stimme, die zu Strange spricht, kommt klar und deutlich von oben – klasse (31’00).
Auch nach knapp 40 Minuten setzt es dann wieder Raumkrümmungen, die immer auf die Höhenspeaker gelegt werden und dort für Dynamik sorgen. Zwei Minuten später gibt’s dann mal andere Geräusche aus der Höhe, wenn Strange in luftig-windiger Höhe sein Training fortsetzt. Sieht man von den stets genial in Szene gesetzten 3D-Sounds während der visuellen Spielereien mit den Raumfaltungen ab, bleibt zwar nicht viel zusätzliches an Höhen-Signalen, aber schon alleine wegen eben jener großartigen Geräusche während der Szenen in M.C.-Escher-Optik lohnt sich die Atmos-Spur.
Und es klingt schon ziemlich cool, wenn nach 54’34 die Glocken hörbar aus der Höhe leuten und kurz darauf Gesteinsbrocken krachen. Nach gut 58 Minuten setzt es dann die coolste 3D-Soundsequenz, wenn Strange und Kaecilius erstmalig aufeinander treffen. Nicht nur hört man hier die Raumkrümmungs-Sounds, sondern auch Schritte aus den Heights – klasse (58’36).

Bonusmaterial

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Kaecilius hat gefunden, wonach er gesucht hat  ©2016 Marvel. All Rights Reserved

Im Bonusmaterial von Doctor Strange (enthalten auf der Blu-ray) finden sich neben fünf entfernten Szenen und einem Audiokommentar von Scott Derrickson auch amüsante Outtakes, die zeigen, dass Benedict Cumberbatch für jeden Scherz zu haben ist und ziemlich gut tanzen kann. In „Marvel Phase 3“ schildert Produzent Kevin Feige, wie sich der Kosmos der Comic-Verfilmungen seit dem ersten Iron Man langsam zusammengefügt hat und etwas entwickelt hat, was es so bisher noch nicht gegeben hat. Außerdem wird verortet, welche Bedeutung gerade Doctor Strange, sowie Guardians of the Galaxy 2 und Thor: Tag der Entscheidung haben. Final gibt’s auch einen Ausblick auf Avengers: Infinity War, der die Phase 3 langsam zu einem Ende führen wird.
„Team Thor: Teil 2“ zeigt unseren den Hammergott, wie er in Australien eine neue Bleibe bei Darryl gefunden hat, mit dem er „Vier gewinnt“ spielt und den einen oder anderen irdischen Konflikt ausfechten muss – ein erneuter Beweis, dass das Marvel-Universum sich eben auch nicht allzu ernst nimmt und dafür herausragend selbstironische Akteure gewonnen hat. Kern der Extras sind allerdings die fünf Featurettes, die sich auch „am Stück“ abspielen lassen. In insgesamt 60 Minuten Spielzeit geht’s um den Film an sich, die Besetzung von Doctor Strange sowie die Kostüme, Sets und Drehorte. Ebenfalls einen großen Teil räumt man den Spezialeffekten und den Stunts ein. Vor allem die tänzerische Kampfchoreografie bekommt ihren verdienten und interessanten Raum. Die letzten zehn Minuten zeigen dann Komponist Michael Giacchino und sein klassisches Ensemble bei der Arbeit am Score, der sich (wie der Film selbst) sehr von den bisherigen Marvel-Verfilmungen unterscheidet.

Fazit

Doctor Strange ist zwar der ungewöhnlichste Film im Marvel-Cinematic-Universe, was ihn aber gerade deshalb so stark werden lässt. Seine psychedelischen Bilder präsentieren im Finale den wohl ungewöhnlichsten Widersacher und Benedict Cumberbatch sorgt mit süffisant-selbstironischem Humor für kleinere Auflockerungen – ganz großes Kino auf technisch bereits sehr guter Blu-ray und visuell noch mal besserer UHD, die im Finale Referenz-Farben liefert. Schade, dass man beim Sound leicht abspeckte, wobei hier glücklicherweise nicht ganz so tief gefallen wird wie bei anderen Disney-Titeln.
Die englische Atmosfassung liefert dazu auf der Höhen-Ebene grandiose 3D-Sounds während der zahlreichen Raumkrümmungs-Szenen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 90%
Bildqualität UHD: 90%

Tonqualität BD (dt. Fassung): 85%
Tonqualität UHD (dt. Fassung): 80%

Tonqualität BD (Originalversion): 90%
Tonqualität UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 80%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 70%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 90%

Bonusmaterial: 75%
Film: 85%

Anbieter: Walt Disney
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Scott Derrickson
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Tilda Swinton, Benedict Wong, Mads Mikkelsen, Michael Stuhlbarg, Scott Adkins
Tonformate BD: dts HD-Master 7.1: de // dts HD-High-Resolution 5.1: de
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD Kern): en // Dolby Digital Plus 7.1: de
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 115
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66
Real 4K: Nein (2K DI)
High Dynamic Range: HDR10
Maximale Lichtstärke: 577 Nit
FSK: 12

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots: © & ™ 2019 Marvel)

Trailer zu Doctor Strange

Marvel's Doctor Strange Teaser Trailer

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