Dogman

Blu-ray Review

BRD Dogman
Alamode Film, 01.03.2019

OT: Dogman

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Amore

Ein Film wie ein Faustschlag in die Magengrube.

Inhalt

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Marcello hat vom Leben die Sonnenseite noch nicht gesehen

Marcello ist nicht gerade das, was man einen dominanten und bestimmten Mann nennt. In dem kleinen, runtergekommenen Hafenort irgendwo in Italien kümmert er sich in einem alten, langsam verfallenden Industriegebäude um die Hunde der Nachbarn. Er badet sie, passt auf sie auf und, weil er mit dem Geld dafür nicht auskommt, handelt nebenbei noch ein bisschen mit Koks. Aber auch das ist bisweilen nicht erfolgreich, weil ein grobschlächtiger Kunde namens Simoncino gerne mal die Drogen mitnimmt, ohne zu bezahlen. Der Ex-Knacki drangsaliert aber nicht nur Marcello, sondern die ganze Gegend. Und weil er den „Dogman“ immer wieder mit in seine dreckigen Geschäfte einbezieht, hat Marcello irgendwann genug. Vor allem, weil er seiner Tochter ein guter Vater sein möchte und fürchtet, dass sie irgendwann Wind von den kriminellen Machenschaften bekommt. Als er, um Simoncino nicht zu verpfeifen, ein Jahr ins Gefängnis geht, fordert er nach seiner Freilassung seinen Anteil von dem Deal, der ihm den Knast einbrachte. Doch weil Simone gar nicht daran denkt, Marcello auszubezahlen, setzt dieser sich erstmals zur Wehr …

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Als Hundebetreuer verdient er sich seinen Lebensunterhalt

Matteo Garrone hatte mit Gomorrha ein vielbeachtetes Werk inszeniert. Nun legt er mit Dogman nach. Seine Premiere feierte das Underdog-Drama in Cannes und brachte Marcello Fonte gleich den Darstellerpreis ein. Zu Recht. Denn was der schmalschultrige Mime hier für eine schauspielerische Tour de Force liefert, ist herausragend. Doch sie würde nicht funktionieren, wenn Edoardo Pesce auf der anderen Seite nicht den Gegenpol liefern würde. Manchmal hat man das Gefühl, die beiden können ohne einander nicht existieren. Wie eine symbiotische Beziehung braucht der eine den anderen – auch wenn’s für Marcello stets schmerzhaft, teuer oder gefährlich ausgeht. Manchmal verschmelzen diese beiden so unterschiedlichen Körper fast zu einem Ganzen, wenn der Hundesitter den menschlichen Pitbull nach einem Schusswechsel praktisch ohnmächtig auf seinem Rücken liegend mit dem Motorrad in das Dorf zurück fährt.
Ein Dorf übrigens, das sinnbildlich steht für die Verhältnisse in den armen Gegenden von Italien. Die Gebäude verfallen, Stahl rostet vor sich hin und die Gemeinschaft der Dörfler sieht außer Glücksspiel und ein wenig Fußball auch nur noch den Alkohol als Freizeitbeschäftigung.

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So mancher „Kunde“ ist eine Diva

In dieser Gegend wünscht sich Marcello nichts anderes, als sein Leben irgendwie hinzubekommen. Seiner Tochter ein guter Vater zu sein. Gleichzeitig sehnt er sich aber nach Anerkennung. Danach, dass man ihn respektiert. Dass er sich ausgerechnet diesen brutalen Kerl aussucht, der ihn rumkommandiert, schubst und schlägt, um sich einen Freund zu machen; dass er ihn warnt, wenn von hinten jemand an ihn rankommt, obwohl er sich doch eigentlich wünschen sollte, dass ihn jemand killt, damit dieses Problem endlich erledigt ist – das kann nur böse enden. Dogman schildert diese Wandlung des Guten zum Bösen, des von allen gemochten Marcello zum verletzen und gebeutelten Hund, der um sich beißt, mit einer visuellen Wucht, der man sich kaum entziehen kann. Gerade aufgrund der fast komplett fehlenden Filmmusik schnürt sich dem Zuschauer nach und nach die Kehle immer mehr zu. Man sieht die trostlosen Zustände und weiß um die Ausweglosigkeit, in der Marcello und all die anderen stecken. Man schaut in die traurigen Augen von Darsteller Fonte und weiß, was in der Figur vorgeht. Wenn der kleine und schmale Mann ins Gefängnis muss, wo er zwischen all den Muskelbergen und grimmig dreinschauenden Typen aussieht wie ein Häufchen Elend, ahnt man, dass es ihm dort nicht gut gehen wird – und das muss die Kamera nicht mal zeigen.

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Seine Tochter liebt Marcello über alles

Unterbrochen werden diese Szenen von kurzen Momenten der Sehnsucht. Wenn Marcello mit seinen Freunden Fußball spielt oder mit der Tochter gemeinsam vor der Küste taucht, wird man für ein paar Sekunden den Schmerz und die Hoffnungslosigkeit los – gleichwohl nicht, ohne zu wissen, dass es nur kurze Lichtblicke sind.
Und dann, nach knapp einer Stunde, beginnt der zweite Teil von Dogman. Wenn Marcello aus dem Gefängnis frei kommt und merkt, dass diejenigen, die ihn zuvor noch mochten, als Verräter bezeichnen, steht er praktisch isoliert da.
Die Gewalt brach schon vorher in einer Szene eruptiv und drastisch aus dem Film heraus. Und sie tut es dann erneut nach fast anderthalb Stunden innerhalb einer quälend intensiven Sequenz. Allerdings bleibt der Film auch hier stets bei seiner Hauptfigur, begeht nicht den Fehler, aus Marcello plötzlich einen um sich prügelnden Halbstarken zu machen. Der Knast mag aus Marcello einen anderen Mann gemacht haben, an seiner verzweifelten Suche nach Anerkennung hat er nichts geändert.

Bild- und Tonqualität

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Simone quält Marcello immer wieder

Während die anfängliche Szene in der dunklen Umgebung der Hundepension von Marcello kontrastreich und mit sattem (allerdings grünlich eingefärbtem) Schwarz wiedergegeben wird, übernimmt während der Außenszenen eine leichte Körnung. Die bleibt zwar relativ filmisch und nimmt nicht Überhand, dennoch wirken die Innenraumszenen stimmiger. Während der Naheinstellungen ist Dogman schön scharf. Allerdings lässt das nach, sobald es in Halbtotale wechselt. Gut gelingen die Nachtaufnahmen, in denen das Korn kaum zunimmt und auch die Schärfe erhalten bleibt.
Akustisch liegt Dogman zwar in 5.1 vor (dts-HD-Master kodiert), doch beschäftigt wird praktisch ausschließlich die Front. Der Center dominiert das Geschehen dauerhaft, lässt die Dialoge von dort aber gut verständlich vernehmen. Filmmusik, die etwas mehr Räumlichkeit erzeugen könnte, gibt’s kaum. Nach etwas über 30 Minuten gibt’s dann doch noch etwas Dynamik und breitere Bühne, wenn Simone mit Marcello in eine Strip-Bar geht und die Musik erstaunlich druckvoll aus dem Subwoofer gelangt.

Bonusmaterial

Zwanzig Minuten an Interviews mit Regisseur und Hauptdarsteller sowie ein fünfzehnminütiges Making-of schmücken das Bonusmaterial von Dogman. In Letzterem gibt es ein paar Einblicke ins Casting von Marcello Fonte sowie stimmungsvolle Bilder vom Set. Auch einige der Aufnahmen mit den Hunden werden aus der Hinterkamera-Perspektive gezeigt – gar nicht mal so ohne für den Hauptdarsteller. Beide Extras sind untertitelt.

Fazit

Dogman ist kein Film für einen entspannten Sonntag-Nachmittag bei Sonnenschein. Oder vielleicht doch und gerade für diese Situation. Denn idealerweise geht man nicht schon mit depressiver Grundstimmung in diese 104 Minuten hinein – im Zweifel geht es einem danach dann richtig schlecht. Denn dort, wo in manch anderem Drama noch ein paar grüne Pflanzen durch den Asphalt brechen, liefert Dogman nur Leere, Verzweiflung und Tristesse. Das aber so überzeugend und grandios gespielt, dass einem die Spucke weg bleibt. Ein Film, der noch lange nachwirkt und dessen Hauptdarsteller einen emotionalen und physischen Kraftakt sondergleichen bewältigt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 50%
Film: 90%

Anbieter: Alamode Film
Land/Jahr: Italien 2018
Regie: Matteo Garrone
Darsteller: Marcello Fonte, Edoardo Pesce, Alida Baldari Calabria, Nunzia Schiano, Adamo Dionisi,
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, it
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 103
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Alamode Film)

Trailer zu Dogman 

DOGMAN | offizieller Trailer deutsch HD | Jetzt im Kino

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