Donnybrook – Below the Belt

Blu-ray Review

Koch Films, 28.11.2019

OT: Donnybrook

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Semper Fi

Hartes, düsteres und wenig gute Laune versprühendes Drama mit Fight-Club-Attitüde.

Inhalt

Ein Hauch von Inzest umweht die Beziehung von Angus und Delia

Earl war mal bei den Marines, hat aber die Erlebnisse in den Kriegen nie wirklich verwunden. Gemeinsam mit seiner Frau und zwei Kinder lebt er in einem heruntergekommenen Wohnwagenpark und wünscht sich nichts sehnlicher, als aus diesem Drecksloch raus zu kommen. Seine Chance sieht er im Gewinn des Donnybrook – einem Bare-Knuckle-Turnier (bloßfäustig), auf dessen Gewinner 100.000 Dollar warten. Um das Startgeld zusammen zu kratzen, begeht Earl einen Raub und kommt gerade nach Hause, als der Crystal-Meth-Dealer Angus seine Frau bedroht. Die schuldet dem brutalen Drogenfreak noch Geld und das hätte Angus gerne wieder. Weil dessen Schwester Delia ihn aber von weiteren Taten abhält, ziehen die beiden wieder von dannen. Zuhause angekommen müssen sie dann allerdings mit ansehen, wie ihre Crystal-Meth-Küche den Flammen zum Opfer fällt. Angus will mit neuem Geld ihres Kompagnons ein weiteres Business aufziehen, doch der weigert sich und wird deshalb von Delia in Angus‘ Auftrag getötet. Da Delia die Nase voll hat von der Brutalität ihres Bruders, schießt sie kurz darauf auch auf ihn und beschließt ebenfalls zum Donnybrook aufzubrechen. Angus aber ist nicht tot und will nun nichts sehnlicher, als seine Schwester wiederfinden. Beim Donnybrook werden sich alle Drei begegnen …

Earl übt schon mal am lebenden Objekt

„Unerfreulich“ und „abstoßend“ (Quelle) – nicht gerade die Adjektive, mit denen man seinen Film umschrieben wissen möchte. Ob sie Tim Sutton gelesen hat?
Der Regisseur hatte sich nach seinen drei ersten (selbst geschriebenen) Filmen PavilionDark Knight und Memphis durchaus einen Namen in der Independent-Filmszene gemacht und legt nun nach.
Das erste Mal basiert sein Film allerdings auf der Vorlage eines anderen – und zwar auf dem gleichnamigen Buch von Frank Bill – einem ziemlich brutalen und düsteren Buch.
Sutton hat die trashig anmutende Story (die irgendwo zwischen Fight Club und Battle Royale angesiedelt ist) aber nicht nur mit Bildern immenser Brutalität angereichert, sondern wandelt auch auf den träumerischen Pfaden eines (so sagt er selbst) frühen Terrence Malick. Ebenfalls möchte Sutton Donnybrook als Mix aus dem Ende von Taxi Driver und Apocalypse Now (Quelle) verstanden wissen – nicht die schlechtesten Vorbilder.
Und das zeigt sich schon während der düsteren und elegisch gefilmten Eröffnung auf dem Fluss, die noch dazu von einem ungewöhnlichen Score unterlegt ist, der in der Tat an Malicks Filme erinnert.
Im Trailerpark angekommen wird dann umso deutlicher, dass Donnybrook dorthin geht, wo der amerikanische Traum zerplatzt ist wie eine Seifenblase. Dort, wo das Geld für eine Behandlung in einer Klinik fehlt und wo man nur rauskommt, wenn man ein illegales Ding dreht oder den Freitod wählt. Schon der erste Akt der Gewalt reicht, um Zartbesaiteten das Wegschauen zu empfehlen. Wenn dann der potenzielle Geldgeber erlebt, was ein gewalttätiger Coitus interruptus ist, stellt Sutton das in expliziten Bilder dar, die nicht jedem gefallen werden.

Die beiden Kontrahenten stehen sich gegenüber

Donnybrook taugt dabei wenig bis gar nicht als lustvoll brutale Haudrauf-Action. Nein, vom mit Ex-Wrestlern oder wahlweise Typen wie Danny Trejo besetzten B-Movie ist dieses Stück weit entfernt. Ganz weit.
Wir sehen Earl dabei zu, wie er während des Versuchs, das abzuschütteln, was er aus den Kriegen mit nach Hause gebracht hat, von Aktion zu Aktion immer tiefer in einen unumkehrbaren Strudel aus Gewalt versinkt und seine Familie gleich mit hinein zieht. Bis zum bitteren Ende, wie die Toten Hosen singen würden.
Donnybrook wird ausschließlich von kaputten Typen bevölkert – bis hin zum versoffenen Cop, der keine anständige Beziehung zu seiner Partnerin hinbekommt. Dazu regnet es wahlweise, ist neblig oder sonstwie düster. Die Sonne scheint hier nicht. Und selbst der Tod ist ohne jeden Glamour (67’10). Wer aus diesem Film mit einem fröhlichen Gemüt hinaus geht, hat vermutlich 100 Minuten geschlafen.
Aus inszenatorischer Sicht nimmt sich der Film leider bisweilen auf dem Weg zum Turnier ziemlich viel Zeit (88 Minuten, um genau zu sein). Das mag bewusst gehalten sein, um den Leidensweg der Figuren nachvollziehen zu können. Aber Spannung wird in dieser Zeit kaum erzeugt.
Immerhin kann man sich dann mit Performances der Darsteller beschäftigen. Jamie Bell, der zuletzt schon im Elton-John-Biopic Rocketman überzeugte, darf hier mal so richtig aus sich raus gehen. Was zu Beginn noch wie eine im Inneren tickende Zeitbombe wirkt, explodiert dann ab der 90. Minute mit blutverschmiertem und speichelndem Gesicht. Ihm gegenüber agiert Frank Grillo (zuletzt bekannter geworden durch die Purge-Filme) als bitterböser Gegenspieler, der nicht mal mit der Wimper zuckt, wenn er nach etwas über 80 Minuten eine besonders üble Aktion vollzieht.
Während der letzten gut fünf Minuten gibt’s dann im Käfig endlich auf die Zwölf, was allerdings ebenfalls nie in den Billig-Actionfilm abdriftet, sondern auch hier noch eher im Arthouse-Bereich angesiedelt ist. Das sollte man stets im Hinterkopf behalten, bevor man aufgrund des Covers und der kurzen Inhaltsbeschreibung vorschnelle Schlüsse in die falsche Richtung zieht. Ob das Ganze für den Zuschauer dann „abstoßend“ oder doch eher attraktiv wirkt, ist im Falle von Donnybrook absolute Geschmackssache. 

Bild- und Tonqualität

Im Käfig geht’s heftig zur Sache

Donnybrook ist nicht nur inhaltlich und thematisch dunkel, sondern auch visuell. Die wenigen Außenszenen bei tristem Tageslicht zu Beginn zeigen noch erkennbare Details. Die letzte halbe Stunde ist aber bisweilen derart düster, dass man raten muss, wo sich gerade Figuren bewegen. Im Sinne des Shots bei available light ist das zwar authentisch, aber selbst bei „nur“ geringem Restlicht im Raum werden einige Szenen zum reinen Hörspiel (83’50-84’40).
Während der helleren Momente kann man ein leichtes Korn erkennen, das einen filmischen Eindruck hinterlässt und gut zum Film selbst passt. Farben sind zu Beginn entsättigt und werden später von Lagerfeuern oder rotem Kunstlicht überlagert. Nur wenige Einstellungen wirken so neutral wie während der beginnenden Kämpfe im Finale.
Akustisch bleibt Donnybrook weitgehend auf die Front bezogen. Dort dominieren die gut verständlichen Dialoge, während es so gut wie keine relevanten Actionszenen gibt. Ein zwei Schüsse aus Pistolen/Pumpguns sorgen für kurze Dynamikschübe, aber selbst der teils heftige Death-Metal-Soundtrack bleibt eher flach. Während der Kämpfe im Finale gibt’s dann ein paar sattere Punches, ohne aber wirklich bis in die Magengrube des Zuschauers vorzudringen.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Donnybrook finden sich nur die Originaltrailer zum Film selbst.

Fazit

Donnybrook ist ein schwerer Brocken von Film – von Anfang bis Ende. Schwer zu ertragen ist er durchaus. Ob man das als sinnvoll oder unnötig empfindet, soll und muss jeder dann für sich entscheiden.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 5%
Film: 60%

Anbieter: Koch Films
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Tim Sutton
Darsteller: Jamie Bell, Michael Agee, Adam Bartley, James Badge Dale, Frank Grillo, Chris Browning
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 102
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Koch Films)

Trailer zu Donnybrook – Below the Belt

Donnybrook (Deutscher Trailer) – Jamie Bell, Frank Grillo, Margaret Qualley

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