Erwartung – Der Marco-Effekt

Blu-ray Review

25.08.2022

OT: Marco Effekten

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Neues Team

Wie war das noch mit „Never change a running system“?

Inhalt

Komplett neues Team hinter den Kulissen

Marco ist Roma und gerade einmal 14 Jahre alt. Dennoch hat er sein ganzes Leben in einem Clan verbracht, der von seinem Onkel Zola geleitet wird. Kriminalität ist Alltag für Marco. Als er bei einer Zugfahrt nach Kopenhagen von der Polizei aufgegriffen wird, weil er keine Papiere dabei hat, findet man bei ihm eine Seite eines Passes. Der gehört William Stark, einem Familienvater und Beamten, der einige Jahre zuvor verschwunden war, nachdem man ihm gegenüber Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und des Besitzes von Kinderpornografie geltend gemacht hatte. Mørck, der aktuell genug Stress hat, weil ihn sein Chef in eine psychologische Behandlung schicken will, findet gemeinsam mit Assad heraus, dass Stark in Sachen Korruption ermittelt hatte. So war er in der Entwicklungshilfe für Namibia tätig und hatte sich beim dänischen Außenministerium beschwert, da Fördermittel verschwunden waren. Weiß Starks Nachfolger auf dem Posten mehr? Und wie kann Marco helfen? Der Junge sitzt im Jugendheim und schweigt. Kein Wunder, dass Mørck deshalb andere Saiten aufziehen will …

Marco haut ab

Viermal durfte das Ermittlerteam des Sonderdezernats Q bestehend aus Carl Mørck und Hafez el-Assad bereits in einer Verfilmung auftreten. Viermal übernahmen Nikolaj Lie Kaas und der grandiose Fares Fares (Kops) die beiden Hauptrollen und führten die extrem erfolgreiche Buchreihe (rund 20 Mio. verkaufte Exemplare) von Jussi Adler-Olsen ins Kino. Für die Adaption des fünften von bisher neun Romanen wechselte man das Team allerdings komplett aus. Auf dem Regiestuhl nimmt der versierte Filmemacher Martin Zandvliet (Unter dem Sand) Platz und die Rolle des Mørck übernimmt Charaktermime Ulrich Thomsen (Adams Äpfel), der hierzulande ungleich bekannter ist als Nikolaj Lie Kaas zuvor. Fares Fares wird durch Zaki Youssef ersetzt, der zuvor vor allem in dänischen TV-Serien zu sehen war.
Erwartung – Der Marco-Effekt macht zunächst einmal nicht viel anders als die Vorgänger. Konsequent düster sind die Bilder und die melancholisch-getragene Filmmusik tut ihr Übriges dazu, dass man hier nicht sonderlich optimistisch durch den Film kommt. Dass Ulrich Thomsen seinen Mørck ungleich grimmiger, miesepetriger und mies gelaunter gibt, verwirrt zu Beginn ein wenig. Wenn man die ersten vier Filme gesehen hat, weiß man auch um die Entwicklung, die der Ermittler bis dahin innerhalb der Behörde und vor allem mit seinem Kollegen Assad gemacht hat.

Mørcks Methoden sind nicht ganz kindgerecht

Mit Thomsen scheint diese Entwicklung wieder genullt worden zu sein. Zwar kennen sich Mørck und Assad, aber ein wirkliches Verhältnis haben sie nicht. Eher im Gegenteil. Die furchtbar blasse Darstellung des Assad durch Zaki Youssef, der vom Drehbuch zudem komplett im Stich gelassen wird, irritiert noch mehr als das griesgrämige Verhalten Mørcks. Über den Verlauf der zwei Stunden hat Assad kaum Screentime und seine Figur wirkt (bis zum Schluss) praktisch überflüssig. Die Konzentration liegt eindeutig auf Thomsen, der zwar eine kleine Entwicklung durchmachen und zwischendurch selbstkritische Monologe führen darf, aber trotz dem später etwas sanfteren Verhalten einfach ein unsympathischerer Mørck ist als es Lie Kaas war. Dazu passt dann leider, dass der Fall an sich weder große Überraschungen bereithält, noch spannend verläuft. Die anfänglich noch sehr straight durchgeführten Ermittlungen, werden später nicht selten von Kommissar Zufall bedient und nicht immer erscheint das Verhalten der Figuren logisch. Letzteres mag noch daran liegen, dass man Details und Erklärungen aus dem Buch einfach weggelassen hat. Aber bei zwei Stunden Laufzeit darf man durchaus erwarten, dass die Lösung des Falls nicht in den letzten zehn Minuten so hopplahopp und erzwungen wirkt. Vor allem die finale Überführung eines Täters wirkt extrem beiläufig und wird der eigentlichen Tragweite dieser Tatsache kaum gerecht.

Auch für Mørck wird es gefährlich

Ähnliche Kritik muss man auch daran üben, dass Mørcks Vorgesetzter praktisch dauernd auf Contra-Kurs zu seinem Ermittler liegt und dann dermaßen ruckzuck die Meinung wechselt, dass man sich schon fragen darf, warum das nun so schnell geht, wo doch lange noch nicht alle Informationen auf dem Tisch liegen. Man wird das Gefühl nicht los, dass Erwartung – Der Marco-Effekt in den letzten 20 Minuten das Tempo nachholen möchte, das er zuvor versäumt hat, an den Tag zu legen. Action gibt’s genau einmal (immerhin kommt dabei ein Auto zu Schrott). Bis dahin bewegen sich Inszenierung und Ausstattung aber eher auf TV-Krimi-Niveau. Was leider auch für das Spannungsniveau gilt. Interessanterweise ist die einzige, wirklich spannende (und das ist sie wirklich) Szene nicht während der Ermittlungen zu finden, sondern geschieht auf dem Revier, wenn Mørcks Kollegin versucht, den Dienststellen-Chef hinzuhalten. Was am Ende leider auch etwas verärgert, ist der zumindest fragwürdige Umgang mit den im Film porträtierten Sinti und Roma. 

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Format: Blu-ray
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Erscheinungstermin: Thu, 25 Aug 2022
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Bild- und Tonqualität

Gegner im Visier

Nach allen verfügbaren Informationen wurde Erwartung – Der Marco-Effekt digital gedreht. Wobei der eine oder andere das bezweifeln würde, wenn er den Film startet. Denn Regisseur Martin Zandvliet und sein Kameramann Aske Foss mutzten einen betont grobkörnigen Look, um ihrem Film eine gewisse schmuddelige und raue Atmosphäre zu verpassen. Vielleicht auch, um gar nicht erst Gefahr zu laufen, es könne sich lediglich um einen TV-Krimi handeln. Denn so sehen TV-Filme wirklich nicht aus. Dazu sind Schwarztöne äußerst tief angesiedelt. In den Schattenbereichen im eh schon nicht hell ausgeleuchteten Präsidium wird es schwierig, noch Details zu erkennen Das Gleiche gilt für Zeichnung . Allerdings gibt’s immerhin kein Black Crush. Hautfarben sind weitgehend kühl – je nach Szene aber auch schon mal mit einer leichten Tendenz ins Gelbe. Herausragend ist das Encoding geraten, das die digitale Körnung stets sauber präsentiert und auch in den Schwimmbad-Unterwasserszenen keine Artefakte zeigt. Da der Transfer beständig bei über 30 Mbps läuft, hat man hier auch die Bandbreite gut ausgenutzt. Lediglich bei Einzelbildfortschaltung offenbart sich schon mal eine kleine Ansammlung von Rausch-Clustern. Zwei sehr atmosphärisch arbeitende DTS-HD-Masterspuren bekommt man mit Erwartung. Exemplarisch toll hört sich das Schwimmbad-/Unterwasser-Szenario mit dem Ambiente-Score an. Die leichten Wellen plätschern luftig, das Unterwasser-Blubbern kommt räumlich rüber und die Musik legt sich sanft über alle Speaker. Dialoge sind voluminös, klar und deutlich. Das Klatschen bei 39’30 füllt den ganzen Raum und wenn Filmmusik mal dominanter wird, gerät auch das angenehm. Fallen Schüsse, zerreißen diese trocken und dynamisch den Raum (103’40) und die Jagd im Wald gerät exemplarisch authentisch und vor allem äußerst räumlich. Man fühlt sich fast mittendrin, in der Naturszenerie.

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Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Erwartung – Der Marco-Effekt gibt’s außer dem Trailer und einigen Programmtipps leider nichts weiter zu entdecken.

Fazit

Erwartung – Der Marco-Effekt zeigt zwei neue Ermittler, die möglicherweise erst noch zueinander finden müssen. Dafür haben sie (Stand jetzt) noch vier Filme Zeit – wenn man denn alle Bücher verfilmt. Für den Moment sind Thomsen und Youssef aber nicht auf einer Ebene mit Fares Fares und Lie Kaas. Außerdem ist die Inszenierung etwas zu altbacken geraten und schüttelt sich die finalen Auflösungen zu abrupt aus dem Ärmel.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 10%
Film: 60%

Anbieter: Koch Films
Land/Jahr: DK/Deutschland 2021
Regie: Martin Zandvliet
Darsteller: Ulrich Thomsen, Zaki Youssef, Sofie Torp, Anders Matthesen, Lobas Olàh
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, dä
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 125
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Koch Films)
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Trailer zu Erwartung – Der Marco-Effekt

Erwartung - Der Marco-Effekt (Deutscher Trailer) - Ab 02.06.2022 im Kino!


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Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
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1 Kommentar
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Kisi

Mmhh ich habe mir den Trailer angesehen und fand ihn nichtssagend. Die Darsteller der ersten vier Teile hatten etwas Dunkles an sich man konnte das nachfühlen was beide durchmachten. Schade dann lese ich lieber das Buch und habe beide alten Darsteller beim lesen im Kopf.