Exorzismus 2.0

Blu-ray Review

EuroVideo, 20.08.2020

OT: The Cleansing Hour

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#Beichten

Nur ein weiterer Exorzismus-Film?

Inhalt

Drew ist der Kopf hinter der Show

Drew und Max hatten da eine coole Idee: In Zeiten von YouTube-Videos und Web-Influencern suchten sie ihre Lücke im Horror. Mit ausgeklügelten Mechanismen, einigen Litern Kunstblut sowie ein paar Laiendarstellern inszenieren sie Fake-Exorzismen und haben damit einigen Erfolg. Während es Max vornehmlich um den eigenen Ruhm geht und er gerne endlich mal ein blaues Häkchen unter dem Web-Account hätte, schlägt Drew, der Techniker hinter der Show, vor, andere Märke zu erobern und zu expandieren. Doch soweit kommt es nicht. Da Drew seine Verlobte Lane als nächste „Besessene“ castet und sie zu dem Job etwas überreden muss, ahnen nämlich weder er noch Max, dass sich dieser Fake-Exorzismus zu einer waschechten Teufelsaustreibung verwandelt. Denn Lane wird tatsächlich von einem Dämon befallen. Als solcher zwingt sie Max und Drew zu zahlreichen Beichten. Tun sie es nicht, wird er seinen Wirt töten …

Max kostet seine Prominenz aus

Och nee. Echt jetzt, Exorzismus? Dieses schnarchige Thema, das 1973 für ein bisschen Schrecken sorgte, als strenge Gläubigkeit noch en vogue war und der „Teufel“ noch gefürchtet wurde? Selbst unter dem Gesichtspunkt eines Horrorklassikers ist der Verfasser dieser Zeilen alles andere als ein Freund von Teufelsaustreibungsfilmen. Dämonische Ausnahmen wie Erlöse uns von dem Bösen bestätigen nur die Regel. Es bedarf halt einer gewissen Affinität zum kotzenden, grunzenden und fluchenden Menschen, denen (angeblich) ein böser Geist innewohnt. Nun gibt es natürlich immer mal wieder ein paar junge Filmemacher wie Damien LeVeck, die tatsächlich so etwas wie frischen Wind ins ausgelutschte Thema bringen. In diesem Fall vertraut der US-Regisseur auf seinen Kurzfilm The Cleansing Hour.
Den hatte er 2016 geschrieben und gedreht und wälzt ihn nun zu einem 90-minütigem Langfilm aus. Exorzismus 2.0 (im Original blieb LeVeck beim Titel des Kurzfilms) spielt mit der Idee der gekonnten Inszenierung für Klicks auf social-media-Kanälen und hält der sensationslüsternen Generation Z den Spiegel vor. Frei nach dem Motto: Man muss den Leuten nur möglichst Abstruses zeigen und sie werden es a) glauben und b) so richtig abfeiern.
Max, der als Showrunner den Pater spielt, wird als kleiner Star angesehen und sammelt seine ersten Groupies. Gleichzeitig laufen die Streams weltweit und die Follower-Zahlen steigen.

Der Dämon kriegt ihn ran

Was Exorzismus 2.0 ein wenig übers gewöhnliche Mittelmaß hebt, ist der ihm innewohnende Humor. Da es sich um einen Fake-Pfaffen handelt und nicht um einen seine Sache ernst nehmenden Geistlichen, ist die Dynamik zwischen Dämonenwesen und Möchtegern-Priester schon mal eine ganz andere. Hinzu kommt, dass die eingeblendeten Kommentare der Zuschauer des Öfteren gekonnt entsprechende Real-Kommentare auf sozialen Netzwerken persiflieren. Man merkt, dass sich hier jemand durchaus mit dem Thema der Dynamik zwischen Influencer und Follower auseinandergesetzt hat.
Was Exorzismus 2.0 überdies aus dem Einerlei abhebt, sind die praktischen Maskeneffekte, die teils überraschend hart ausfallen und sich nicht auf fahle Haut, schrumpelige Fingernägel und komische Augenfarben der Besessenen beschränken. Vielmehr wird mit den Opfern des Dämons nicht gerade zimperlich umgegangen. Auch darstellerisch funktioniert das Ganze ziemlich gut. Vor allem Kyle Gallner (American Sniper) als Drew spielt den schockierten Freund der an den Stuhl gefesselten Lane überzeugend. Letztere wird von Alix Angelis gespielt, die einen überzeugenderen Wechsel zwischen Dämon und Mensch darbietet als die allermeisten Schauspieler/innen in gleich gelagerten Rollen.
Trotz ein paar der gängigen Exorzismus-Klischees gelingt es dem Film außerdem, nicht knietief in den Stereotypen der bekannten Teufels-Vertreibungs-Filme zu waten. Allzu viel Gekreisch und Gewürge wird uns glücklicherweise erspart. Und weil die düstere und beengende Atmosphäre so einen Hauch von SAW versprüht, gelingt auch optisch eine gewisse Eigenständigkeit. Wirklich albern und darstellerisch wirklich nicht gelungen sind die Rückblicke in die Schulzeit von Drew und Max.

Lane verwandelt sich
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Bild- und Tonqualität

Der Dämon tut alles, um die Follower zu unterhalten

Man erahnt es schon aufgrund der im Review eingefügten offiziellen Szenenbilder: Exorzismus 2.0 ist dunkel. Sehr dunkel. Sackdunkel. Selbst Szenen bei Tageslicht werden durch bewusste Filterung auf spätnachmittagliches Niveau herunter gezogen. Nur wenige Einstellungen wie jene nach knapp zehn Minuten sind so hell, dass Details nicht untergehen. Allerdings ist es eben nur selten überhaupt hell in diesem Film. Die dunklen Szenen in den Räumen, in denen die Fake-Videos produziert werden oder auch jene zu Beginn in der Bar sind so dunkel, dass man Details auf der Haut der afroamerikanischen Darstellerin kaum mehr erkennt. Den Film tagsüber mit Restlich zu gucken, ist schlicht unmöglich. Während der düsteren Bilder gesellt sich auch eine leichte Körnung hinzu, die allerdings nicht übermäßig wird und den Genuss nicht trübt. Die Farbgebung wird zu 80% von Braun-/Grün-/Grautönen dominiert, die nur von ein paar relativ natürlichen Szenen (eben den helleren Sequenzen) unterbrochen werden, in denen Hauttöne recht realistisch wirken. Auch die Schärfe kann sich dort dann sehen lassen.
Die beiden dts-HD-Masterspuren fürs Deutsche und Englische verrichten von Beginn bis Ende saubere Arbeit. Dynamik ist das Stichwort, das stets ausgekostet wird, wenn einer der zahlreichen Jumpscares auf den Zuschauer losgelassen wird – und davon gibt’s wirklich viele. Ob ein Poltern an der Tür oder eingestreute Soundeffekte bei den Attacken der Dämonen. Akustisch geht’s hier stets räumlich und überraschend zu. Die Stimmen der Synchro sind gut verständlich, fallen aufgrund der großen Dynamiksprünge während der Schocksequenzen aber in Sachen Lautstärke etwas zurück.

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Bonusmaterial

Exorzismus 2.0 hält über die Blu-ray lediglich den Trailer zum Film parat.

Fazit

Exorzismus 2.0 ist erfrischend anders als die üblichen Rotz-Spuck-Fluch-Teufelsfilmchen, die das Genre in den letzten Jahrzehnten überbevölkert und (meist) arg genervtötet haben. Durch seine intime Atmosphäre, den relativ hohen Härte-Faktor und die Integration der Social-Media-Thematik gibt’s hier tatsächlich mal etwas Abwechslung.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 5%
Film: 65%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Damien LeVeck
Darsteller: Ryan Guzman, Kyle Gallner, Alix Angelis, Chris Lew Kum Hoi, Daniel Hoffmann-Gill, Emma Holzer
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 95
Codec: AVC
FSK: 18

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter EuroVideo)

Trailer zu Exorzismus 2.0

EXORZISMUS 2.0 - Offizieller Trailer

 

One thought on “Exorzismus 2.0

  1. Lieber Herr Wolters,
    anders hätte ich fast nicht rezensiert. Danke.

    Alles in allem ein knackiger Streifen mit sehr gutem Sound-Design. Die Dramaturgie wird dadurch sehr tragend und schwer wahrgenommen. Was ich sehr gut empfand war der „fast“ Echtzeitrhytmus der den Zuschauer nervös in die Ecke drängt (was ich als Zitat an den ein oder anderen SAW der älteren Stunde empfinde).
    Was die Farben anbelangt, fand ich die „düstere“ und „dreckige“ Atmosphäre sehr gut umgesetzt. Ich bin aber eh‘ ein Fan von farbstimmulierten Filmen (ein Tip für Ebensolche: Victoria & Abdul – bis auf zwei Szenen ist alles in blau)
    Leider wird es ein Film bleiben den man dann in seine Sammlung stellt und wahrscheinlich erst Jahre später nochmals hervorkramt – zum Beispiel für eine Exorzismus-Retrospektive. Wir werden sehen.

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