Ghost Stories – Glaubst du an Geister?

Blu-ray Review

ghost stories glaubst du an geister blu-ray review cover
Concorde Home Entertainment, 06.09.2018

OT: Ghost Stories

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Hellseher oder Betrüger

Atmosphärisches Britkino mit toller Besetzung.

Inhalt

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Phillip Goodman soll drei Fälle unerklärlicher Phänomene untersuchen

Professor Phillip Goodman gehört zu der Sorte Psycho-Analytiker, die jedweder übernatürlicher Aktivität skeptisch gegenüber stehen. Für seine TV-Sendung entlarvt er mit Vorliebe falsche Wahrsager oder Medien. Seine durch und durch rationale Einstellungen macht es ihm unmöglich, an Geister oder ähnliches zu glauben. Doch dann ruft ihn der alte Charles Cameron – selbst ein Skeptiker übernatürlicher Phänomene und ehemaliges Vorbild für Goodman. Cameron ist sich seiner Sache nicht mehr so ganz sicher und bittet den jüngeren „Kollegen“, sich drei Fälle anzuschauen. Die Betroffenen haben noch heute unter den seltsamen Erlebnissen, die ihnen widerfahren sind, zu leiden und sind natürlich auch nicht gut auf einen zu sprechen, der ihre Erzählungen anzweifelt. Doch es dauert nicht lange und Goodmans Rationalität gerät ins Wanken …

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Nachtwächter Tony sieht ein kindliches Geisterwesen

Fünf Jahren lang war das Bühnenstück Ghost Stories ein britisches Theater-Phänomen, das sogar in Moskau und Toronto gastierte. Geschrieben für die Bühne von Andy Nyman und Jeremy Dyson gab man gut 1000 Show, bis am 15. März 2015 im legendären Duke of York’s Theater in London zum letzten Mal die Vorhänge geöffnet wurden. Die Idee, ihre eigenes Bühnenstück für die Leinwand zu adaptieren, kam den Beiden schon früh. Dass sie die Ganze Story aber praktisch noch mal dekonstruieren und von Grund auf neu aufbauen mussten, merkten sie dann doch erst während der Vorbereitungen zu Ghost Stories.
Herausgekommen ist allerdings ein höchst atmosphärisches und vortrefflich besetztes Schauermärchen in drei Kapiteln. Vornehmlich an die britischen Amicus-Produktionen wie Dr. Terrors House of Horrors orientiert, die ebenfalls episodenhaft erzählt wurden, begleiten wir Co-Regisseur Nyman selbst. Denn der hat sich als Professor Goodman höchstselbst besetzt und auf einen Horrortrip geschickt.
Dass dieser Trip sich erst im letzten Drittel zunehmend offenbart, ist nicht weiter schlimm. Denn Ghost Stories schafft es problemlos, im Vorhinein für Spannung zu sorgen. Die drei Geschichten, die sich Goodman von den betroffenen „Heimgesuchten“ erzählen lässt, schaffen es vor allem durch geschickte Nutzung von Licht und Schatten, Thrill zu erzeugen. Dazu kommen gerade in der ersten Story häufig und intensiv gesetzte Jumpscares sowie ein paar ziemlich wirkungsvolle praktische Masken.

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Mike Priddle wird gleich etwas Unerwartetes tun

Nyman und Dyson verstehen es dabei problemlos, ihre Stories von der Bühne auf Zelluloid zu übertragen – und zwar ohne das Gefühl zu vermitteln, man wohne einer abgefilmten Theater-Aufführung bei. Hilfreich sind natürlich auch die Darsteller. Während Paul Whitehouse als raubeiniger und Vulgärworte-Nutzer noch ein bisschen übertreibt, schafft es Alex Lawther (Goodbye, Christopher Robin) sehr glaubhaft, die Panik des jungen Mannes rüber zu bringen, der gerade ein seltsames Wesen angefahren hat. Noch besser (und damit grandios wie immer): Martin Freeman. Wie er den affektierten Geschäftsmann spielt, der von einer Geistererscheinung besucht wird und parallel im Stechschritt Goodman einen matschigen Pfad entlangführt, bis er sich spontan … okay, keine Spoiler an dieser Stelle.
Dass Ghost Stories am Ende eine furiose Wendung vollzieht, mag zwar für Super-Analytiker nicht unbedingt übermäßig überraschend sein, lässt das Ganze aber rückwirkend zu einem runden Ganzen werden – echter Tipp für Fans von Grusel und britischer Atmosphäre.

Bild- und Tonqualität

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Priddle redet ständig von „Den Chinesen“

Ghost Stories zeigt sich blitzsauber und für einen britischen Film erstaunlich kontraststark und farbkräftig. Schon die orange Sicherheitsweste von Tony Matthews sticht hervor und auch der rote Stromgenerator ist äußerst kräftig. Schade, dass es während der dunklen Szenen mit Taschenlampen oder örtlich begrenzte Beleuchtung sichtbare Banding-Artefakte gibt. doch darüber kann man hinwegsehen, wenn man die gute Schärfe und Rauschfreiheit der Blu-ray betrachtet.
Akustisch ist Ghost Stories schon direkt zu Beginn eine große Freude, wenn das Tropfen des Wassers äußerst gut ortbar über die Surround-Speaker ins Heimkino gelangt und auch das Wimmern räumlich ertönt. Während der drei Gruselgeschichten gibt’s dann ausgiebig Jumpscares, die vornehmlich durch abrupte Soundeffekte zum Zuhörer gelangen. Das ist bisweilen so dynamisch, dass man vor Schreck senkrecht auf dem Sofa sitzt. Auch die gruselig-atmosphärischen Geräusche während der spannenden Szenen funktionieren, während die Filmmusik sich dann passend zurücknimmt. Sensationell sind die Sounds, die von dem Wesen erzeugt werden, das Simon im Auto belagert – ob es an die Türen poltert oder auf dem Dach des Fahrzeugs umherläuft. Richtig vehement wird es dann, wenn der Baum zuschlägt (55’40).

Bonusmaterial

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Der Junge ohne Gesicht – was hat es mit ihm auf sich?

Das Making-of, das sich im Bonusmaterial von Ghost Stories aufhält, läuft gut 18 Minuten und blickt zunächst den Aufnahmen des Scores über die Schulter. Später sieht man dann noch unkommentierte Hinter-der-Kamera-Aufnahmen, die mit wenigen Interview-Schnipseln ergänzt werden. Ausgiebigere Gespräche mit Freeman und den beiden Regisseuren gibt es dann in einer extra Interview-Sektion.

Fazit

Ghost Stories überträgt ein bereits tolles und spannendes Bühnenstück auf die große Leinwand. Vor allem aufgrund der Darsteller, der teils spannenden Atmosphäre, entsprechend erlesener Bilder und einer überraschenden Wendung ein feiner Genre-Tipp.
Dazu liefert die Blu-ray ein (bis auf die Banding-Artefakte) sehr gutes Bild und einen äußerst lebhaften Ton.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 50%
Film: 75%

Anbieter: Concorde Home Entertainment
Land/Jahr: Großbritannien 2017
Regie: Jeremy Dyson, Andy Nyman
Darsteller: Andy Nyman, Martin Freeman, Paul Whitehouse, Alex Lawther, Paul Warren, Kobna Holdbrook-Smith
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 98
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Concorde Home Entertainment)

Trailer zu Ghost Stories

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