Girl on the Third Floor

Blu-ray Review

Tiberius Film, 02.04.2020

OT: Girl on the Third Floor

Unterstützt die Arbeit an meinem Blog, indem ihr den Film bei Amazon kauft.

 


Murmelspiel

Dieses Haus ist der Horror.

Inhalt

Don hört und sieht seltsame Dinge in den Wänden des Hauses

Don Koch hat gerade ein kleines Häuschen in der ruhigen Vorstadt gekauft. Seine Frau ist schwanger und für die gemeinsame Zukunft soll’s was Solides sein. Da die Finanzen knapp sind, wählte Don ein eher renovierungsbedürftiges Häuschen und macht sich nun daran, in bester DiY-Manier die Räume auf Vordermann zu bringen, während seine Frau zu nächst noch in der alten Bleibe bleibt. Nachdem er den Unrat der Vorbesitzer entsorgt hat, geht’s den zahlreichen Löchern in der Wand an den Kragen. Dass er darin schon mal Frauenwäsche findet, lässt ihn kurz stutzen. Aber wer weiß, was für seltsame Menschen hier schon gewohnt haben. Dann jedoch taucht seine neue Nachbarin Sarah auf. Und die Dame ist nicht nur verführerisch, sondern auch offensiv. Nach einer, nein zwei erotischen Nächten wird es allerdings komisch. Denn das Haus scheint ein Eigenleben zu entwickeln – und das scheint feindlich gesinnt zu sein …

Der Hausherr geht der Sache auf den Grund

Haunted House? Och nööööööö. Welches Subgenre des Horrorfilms könnte noch ausgelutschter sein (vielleicht mit Ausnahme des Zombiefilm-Revivals)?
Was in den letzten Jahren alles an verwunschenen, verfluchten oder sonstwie bösen Häusern den Horrofilm bevölkert hat, lässt sich mit zwei Händen nicht mehr abzählen. Die meisten davon waren durchschnittlich. Nur wenige stachen heraus. Und das tut auch Girl on the Third Floor. Nicht, weil er teuer produziert ist und aufwändige Effekte enthält. Nicht, weil seine Darsteller weit über dem Niveau der Kollegen aus anderen Filmen agieren.
Nein, eher, weil man mit wenigen Mitteln das Beste aus dem begrenzten Szenario und der sattsam bekannten Geschichte gemacht hat. Mit ein paar Zitaten an den Body-Horror-Film (Flüssigkeiten, die aus Wänden quillen) und stimmungsvollen Kamera-Aufnahmen folgt man einem netten Regieeinfall, um das Haus kennen zu lernen: Immer wieder kullern Murmeln aus der Wand und laufen über den Boden. Die Treppe zum Keller hinunter folgt die Kamera den kleinen Glasperlen und sorgt so für einen gezielten Spannungsaufbau.
Thematisch geht’s natürlich um Obsession. Um die Macht, die von Frauen ausgeht und um die Leichtigkeit, mit der Don den Reizen nachgibt. Seinen unterdrückten Sehnsüchten gibt er nur allzu leicht nach und entschuldigt sich dann damit, dass er „schwach“ sei. Als ihm das Ganze dann gefährlich wird, greift er zur Gewalt.

Die verführerische Sarah wickelt Don um den Finger

Und um es für sich selbst zu verarbeiten, steckt er seine Kraft in die Renovierung des Hauses. Auch, um sich vor seiner Frau zu rechtfertigen, die von seinen Eskapaden natürlich nichts weiß. Das mag alles nicht ganz klischeefrei sein, bricht aber mit gängigen Erzähl-Konventionen. Zumindest ein bisschen. Die Tatsache, dass man einen physisch sehr präsenten Darsteller besetzt hat, dessen beeindruckender Oberkörper ganz bewusst immer wieder in Szene gesetzt wird, passt dazu, dass es eben Dinge gibt, die Muskelkraft nicht lösen können.
Mittendrin ist Mixed Martial Artist und Ex-WWE’ler Phil Brooks aka C.M. Punk. Der volltätowierte Hüne darf sich zunächst im Wände und Leitungen reparieren beweisen und hört dabei dröhnenden Hardcore-Punk aus Boston (Converge) oder wahlweise die depressiven Sounds der Sludge-Metaller von Neurosis. Das passt nicht nur perfekt zu Brooks Tattoos, sondern auch zu seinem Bühnennamen. Und tatsächlich auch zum Film. Die aggressiven Klänge erzielen eine gewisse Dynamik, die nach und offenbart, was sich inhaltlich entwickelt.
Dem Haus einen eigenen Charakter zu geben, es leben zu lassen, ist zwar auch keine neue Idee, doch auch das fügt sich harmonisch in die Geschichte ein.
Natürlich darf man von Girl on the Third Floor nicht erwarten, dass die Charakterisierung Dons sonderlich tiefgründig ist. Aber gerade aufgrund der Konzentration auf seine Figur und den sich in ihr entwickelnden Wahnsinn entwickelt das Regie-Debüt von Produzent Travis Stevens genug Interesse beim Spukhaus-Filmfan.
Der bekommt unterdessen auch noch sehr ansehnliche und handgemachte Effekte sowie ein surreales Finale mit Fetisch-Anleihen zu sehen.

Bild- und Tonqualität

Welche Schattenkreatur lebt da in den Wänden

Das Bild von Girl on the Third Floor liegt im Vollformat von 1,78:1 vor und ist bewusst etwas stilisiert. Die grundsätzlich eher helle Abstimmung verhindert eine echte Kontrastdynamik. Farben wirken eher etwas entsättigt und bekommen im Haus einen etwas gelblich-braunen Stich. Bei Totalen ist im Hintergrund oder im Himmel deutliche Körnung zu erkennen (6’16), während die Schärfe in Naheinstellungen durchaus akzeptabel bis gut ist.
Viel Soundeffekte gibt’s in Girl on the Third Floor anfänglich nicht. Das schrille und kaputte Klingeln der Hausklingel sorgt allerdings für ein erstes Aufschrecken – kein Wunder, wenn man sich den schrägen Sound von dem Ding anhört.
Anhören würde man sich gerne auch Dons Hund, doch der bellt schon mal, ohne dass ein Bellen zu hören ist (10’58). Ab und an ist es mal komplett still, was dann von einem abrupten Sound wie einer Bowlingkugel aus dem Hintergrund durchbrochen wird. Nach etwas über 27 Minuten bricht dann die Decke über Dons Schlafzimmer zusammen, was respektabel druckvoll gerät. Respektabel deshalb, weil der Film doch eher mit schmalem Budget gedreht wurde und man sich wirklich Gedanken über eine effektvolle und räumliche sowie dynamische Vertonung gemacht hat.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Girl on the Third Floor warten nur die Trailer zum Film und ein paar Programmtipps.

Fazit

Girl on the Third Floor gehört zu den außergewöhnlicheren Haunted-House-Schockern. Visuell abwechslungsreich und nicht nach gängigem 08-15-Schema gefilmt kann dem geneigten Genrefan hier durchaus eine Empfehlung ausgesprochen werden – trotz des eher unbefriedigenden Endes.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 10%
Film: 60%

Anbieter: Tiberius Film
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Travis Stevens
Darsteller: C. M. Punk, Trieste Kelly Dunn, Sarah Brooks
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 92
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Tiberius Film)

Trailer zu Girl on the Third Floor

Girl on the Third Floor / Offizieller Trailer / HD Deutsch
*Hinweis: Diese Seite nutzt WP YouTube Lyte, um YouTube-Videos einzubinden. Das Vorschaubild wurde vom YouTube-Server geladen, ohne dass dabei Daten getrackt wurden (es wurden keine Cookies gesetzt). Durch Anklicken des Play-Knopfes, kann und wird YouTube allerdings Informationen über Dich sammeln. This site uses WP YouTube Lyte to embed YouTube video’s. The thumbnails are loaded from YouTube servers, but those are not tracked by YouTube (no cookies are being set). Upon clicking on the play button however, YouTube can and will collect information about you.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.