Gott, Du kannst ein Arsch sein!

Blu-ray Review

Leonine Distribution, 12.03.2021

OT: –

Unterstützt die Arbeit an meinem Blog, indem ihr den Film bei Amazon kauft. *

Du hast ein Auto, ich habe Zeit!

Staraufgebot für die bewegende Verfilmung der Chronik einer Krebskranken.

Inhalt

Glückliche Eltern beim Abschluss der Tochter

Steffi könnte zufriedener nicht sein. Soeben hat sie den Schulabschluss bewältigt und freut sich auf die angestrebte Ausbildung bei der Polizei. Vorher geht’s aber noch auf eine Abschlussfahrt. Nach Paris. Dort will sie dann auch das erste Mal mit ihrem Freund eine Nacht verbringen. Weil Paris und romantisch und so. Doch dann kommt eine Hiobsbotschaft. Die ärztliche Untersuchung für den Polizeidienst schlug fehl. Bei einer neuerlichen Kontrolle kommt’s raus: Steffi hat ein kleinzelliges Bronchialkarzinom. Es hat schon gestreut und ist terminal. Auf Heilung braucht sie nicht mehr zu hoffen. Während ihre Eltern konsterniert sind und wenigstens das Maximum aus der verbleibenden Zeit holen wollen – Chemotherapie inklusive – sieht Steffi überhaupt nicht ein, jetzt zurück zu stecken. Sie will nach Paris. Doch weil die Mama den Ausweis klaut, fährt der Bus ohne sie. Wie es der Zufall will, trifft Steffi nach der Verabschiedung der Klasse auf den jungen Motorradartisten Steve. Der hat eh schon lange keinen Bock mehr auf den chaotischen Zirkus seines Vaters und überredet Steffi spontan, in ihrem vom Vater geschenkten Pick-up der Klasse hinterher zu fahren. Klar, dass auf dieser Reise alles schief geht, was schief gehen kann. Und natürlich machen sich Mama und Papa bald auf die Socken, das Mädchen abzufangen – immerhin ist sie todkrank und die Eltern schrecklich besorgt …

Steve fährt im Zirkus seines Vaters Motorrad

Angelehnt an das gleichnamige Buch von Frank Pape, in dem er das Tagebuch seiner Tochter Stefanie nach deren Krebs-Diagnose-Tagebuch niedergeschrieben hat, verfilmte André Erkau die Geschichte nun mit Starbesetzung.
Im kurzen Interview im Bonusmaterial erzählt Til Schweiger, dass er sich beim Lesen des Drehbuchs an Knocking on Heaven’s Door erinnert fühlte – und das ist gar nicht mal soooo weit hergeholt. Zwar wird die Buddy-Geschichte hier nach und nach in eine Liebesgeschichte zweier (sehr viel jüngerer) Menschen umgewandelt, aber im Grunde kann man da schon Parallelen ziehen. Was allerdings noch deutlich näher liegt, ist die Nähe zu einem (im Deutschen) ähnlich betitelten US-Film: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Im bewegend gespielten Plädoyer für das Leben, das von Shailene Woodley und Ansel Elgort phänomenal echt und mitreißend gespielt ist, kümmert man sich ebenfalls um die Befindlichkeiten von Jugendlichen, die unter wenig hoffnungsvollen Umständen leben müssen. In den allerbesten Momenten reicht Gott, Du kannst ein Arsch sein! an das US-Vorbild heran. Beispielsweise, wenn Steffi sich vom abfahrenden Bus verabschieden muss. Momente, in denen man sich an die eigene Jugend, vielleicht sogar an die eigene erste Liebe erinnert fühlt, die irgendwie dann doch nicht wahr wurde. Leider gibt’s davon aber im Verlaufe der 90 Minuten zu wenig.

Lebensmüde?

Gott, du kannst ein Arsch sein! lebt indes vor allem von der Dynamik zwischen Steffi und Steve. Während der eine ohne gesellschaftliche Konventionen lebt und Regeln lieber missachtet als einhält, plant die andere gerne alles im Voraus und überlässt nichts dem Zufall. Dass das bei einer Reise zwischen zwei so unterschiedlichen Personen nach Paris schon mal zu Konflikten führt, ist zwar vorhersehbar, aber durchaus witzig umgesetzt. Das wiederum liegt am Spiel von Sinje Irslinger (SOKO Leipzig), die dem Hallodri aus dem Zirkus immer wieder amüsant-sarkastisches Paroli bietet. Beispielsweise, wenn er sein bestes Stück für eine Python hält und Steffi mit „Regenwurm“ kontert.
Natürlich sollte man sich keine Gedanken darüber machen, wie realistisch das Ganze ist. Mal abgesehen davon, dass vermutlich nicht jedes Kind in einer solchen Situation gleich ausbüchsen würde (und die echte Stefanie Pape auch nicht tat), fragt man sich dann schon, woher mitten in der Nacht immer die Tätowierer kommen, die mal eben ein 16-jähriges Mädchen zuinken. Und dass hier niemand nach dem Alter des Mädchens zu fragen scheint, muss man halt auch akzeptieren. Ebenso wie die Tatsache, dass halt alles nach vollkommen gängigen Mustern und ohne jede Überraschung abgearbeitet wird: Der erste Alkohol in irgendeiner Spelunke, das angesprochene Tätowieren, der Streit mit dem Begleiter – Originalität geht definitiv anders.Max Hubacher (Der Hauptmann), der zu Beginn noch etwas schroff und wenig sympathisch wirkt, entwickelt seine Figur im Verlaufe zum Sympathieträger. Wenn er nach 40 Minuten mit Verantwortung konfrontiert wird, sieht man ihm an, dass er sich damit nur wenig auskennt. Gerade er, der vor Problemen bisher lieber weggelaufen ist als sich mit ihnen auseinanderzusetzen, hat nun eine krebskranke Jugendliche am Hals.
Völlig unglaubwürdig hingegen ist der kleine Nebenplot mit Til Schweiger. Während Heike Makatsch die traurige und verzweifelte Mutter zwar klischeehaft, aber relativ glaubwürdig gibt, muss sich Schweigers Figur mit seiner Profession als Pfarrer auseinandersetzen. In einer Szene hadert er mit seinem Glauben und sagt, dass ihm dieser nicht mehr reiche. Er wolle jetzt wissen, ob man nach dem Tod irgendwo wieder zusammen ist. Weder gelingt es Schweiger, die Trauer in dieser Szene zu vermitteln, noch einen Glaubenskonflikt zu transportieren. Da nimmt man ihm dann doch eher ab, wenn er Steffis Freund zähneknirschend die „Freigabe“ für die gemeinsame Nacht erteilt. Ebenso unglaubwürdig: Der vollkommen überzogene Auftritt von Benno Fürmann als Tankstellenbesitzer. Schon sein Kommentar Steffi betreffend ist gehörig daneben und einfach nicht witzig. Bei aller Liebe zur Fiktion im Film: Welcher Tankwart lässt so einen Satz einem Kunden gegenüber fallen? Als hätten sowohl Regisseur und Drehbuch ein paar zu viele Redneck-Backwood-Horrorfilme geschaut.

Kleine Gaunerei an der Tanke

Was am Ende aber etwas unzufrieden zurücklässt, ist der Mangel an emotionalen Höhen und Tiefen. Da die Verfilmung von Gott, du kannst ein Arsch sein! nur drei Tage Zeit umspannt und nicht (wie das Buch) 296 Tage, fehlt natürlich eines komplett: Auswirkungen der Krankheit. Bis auf die Tatsache, dass man von Steffis Krebserkrankung weiß, dass die Person um sie herum nach und nach davon erfahren und das Ganze wie ein Damoklesschwert über den Geschehnissen hängt, wird dem Zuschauer emotional keine Achterbahnfahrt zugemutet. Es gibt keine Momente, in denen sich die Krankheit bemerkbar macht. Wüsste man nicht, dass Steffi diese Diagnose bekommen hätte, hätte das auch eine thematisch ganz neutrale Romantic Comedy sein können.

Übrigens: Dem christlichen Medienmagazin missfiel, dass der Film das titelgebende Thema „Gott“ nur absolut am Rand behandle und nicht ansatzweise auf Glaubenskonflikte eingeht oder aber Antworten darauf liefere – manchmal ist Filmkritik eben auch eine Sache der Herangehensweise.
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Studio:
Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Fri, 12 Mar 2021
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Bild- und Tonqualität

Kurzer Stopp am Meer

Mit sehr kräftigen und warmen Farben beginnt Gott, Du kannst ein Arsch sein! Die kräftigen Farben bleiben – vor allem Jürgen Vogels roter Zirkusfrack ist extrem prächtig. Gleichzeitig überzeugt die Scheibe mit sehr hoher Laufruhe. Körnung zeigt sich praktisch zu keiner Zeit. Je nach Situation stimmt auch die Farbgebung. So gerät sie nach den anfänglich warmen Szenen am See eher kühl und blaugrün während der Diagnose im Krankenhaus. Glücklicherweise hält sich der Film fern von der sonst so gerne genommenen Sepiatönung deutscher Dramödien. Sehr gut gelingen die Kontraste, die sattes Schwarz ebenso zulassen wie betonte helle Flächen. Auch die Schärfe gerät ansprechend. Insgesamt ein zwar sehr cleanes und digitales, aber eben auch ein lupenreines Hochglanzbild.
Beim Sound kann man überhaupt nicht meckern. Das anfängliche September von Earth, Wind & Fire wird wirklich satt und mit wuchtigem Bass wiedergegeben, glänzt gleichzeitig mit schöner Räumlichkeit. Ähnlich druckvoll geht’s im nächsten Song zu, der dann eher die jugendliche Klientel anspricht. Stimmen gelingen gut verständlich und vor allem Naturgeräusche streuen sich breit über alle Lautsprecher, was den Zuschauer mitten ins Vogelgezwitscher und in die Natur oder ins bunte Treiben der Straßen versetzt.

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Bonusmaterial

Das Bonusmaterial von Gott, Du kannst ein Arsch sein! enthält drei Interviews mit den Hauptdarstellern sowie eine B’Roll. Viel Information kommt da nicht zusammen, außer, dass alle das Drehbuch ganz dolle gut und die Arbeit miteinander natürlich phänomenal fanden.

Fazit

Gott, Du kannst ein Arsch sein! hat ein paar sehr gute und echte Momente. Dazwischen gibt’s aber viel Genrekonvention, unglaubwürdige und tonal unpassende Momente sowie einen (meist) fehlbesetzten Til Schweiger. Wer das typisch deutsche Romantik-Drama mag, wird zwar auch hier unterhalten, die Qualität eines Das Schicksal ist ein mieser Verräter wird aber zu keiner Zeit erreicht.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 90%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 30%
Film: 55%

Anbieter: Leonine Distribution
Land/Jahr: Deutschland 2020
Regie: André Erkau
Darsteller: Sinje Irslinger, Heike Makatsch, Max Hubacher, Til Schweiger, Jürgen Vogel, Benno Fürmann, Jasmin Gerat, Dietmar Bär
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de // Deutsch für Hörgeschädigte
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 98
Codec: AVC
FSK: 6

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Leonine Distribution)
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Trailer zu Gott, Du kannst ein Arsch sein!

Gott, du kannst ein Arsch sein! - Trailer (deutsch/german; FSK 6)


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