Harriet – Der Weg in die Freiheit

Blu-ray Review

Universal Pictures Germany, 12.11.2020

OT: Harriet

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Gen Norden

Porträt einer amerikanischen Legende des 19. Jahrhunderts.

Inhalt

Ehe unter erschwerten Bedingungen: John und Minty

Minty und ihr Ehemann John freuen sich: Ein Anwalt hat ihnen gesagt, dass sie aufgrund einer Vereinbarung eigentlich gemeinsam in die Freiheit dürften. Also ersuchen sie Mintys Besitzer, Edward Brodess, dem Wunsch nach Freiheit zu entsprechen, auf dass ihre Kinder nicht in der Sklaverei geboren werden. Brodess jedoch schmettert das Gesuch ab. Minty gehöre ihm, ihre Kinder gehören ihm und deren Kinder auch noch. Minty betet daraufhin. Sie betet zu Gott, auf dass er Brodess zu ihm nehmen würde. Und der Herr erhört ihr Flehen. Brodess stirbt kurze Zeit später. Doch das macht die Situation nicht besser. Denn nun soll die Sklavin in den Süden verkauft werden. Weg von ihrer Familie und dem Ehemann. Also beschließt sie zu fliehen. Die Flucht gelingt, doch das Überleben draußen muss Minty, die sich fortan Harriet nennt, noch lernen. In Philadelphia lernt sie die Freiheit kennen. Lernt Schwarze kennen, die mit erhobenem Haupt durch die Straßen gehen und erfolgreiche Geschäftsleute geworden sind. Und sie kommt in Kontakt mit den Leuten aus dem Netzwerk der Underground-Railroad-Bewegung – einem geheimen Zusammenschluss von weißen Sklavengegnern und Schwarzen, die Sklaven zur Flucht in die Freiheit der sicheren Nordstaaten verhalfen. Harriet beginnt, sich dort einzubringen und spielt bald eine Vorreiterrolle in der Befreiung der Leidensgenossen …

Minty muss fürchten, in den Süden verkauft zu werden

Etwas verspätet kam es coronabedigt zu uns ins Kino, dieses Biopic über Harriet Tubman, die nach ihrer Flucht aus der Sklaverei aus dem Untergrund eine Befreiungsbewegung ins Leben rief. Bereits im November 2019 lief er in den US-Kinos, heimste zwei Oscar-Nominierungen ein (Beste Hauptdarstellerin, Bester Song) und spielte dort satt über 40 Mio. Dollar ein. Hierzulande ging er dann im Juli in die Kinos, konnte aber kaum an den US-Erfolg anknüpfen.
Was schade ist. Denn Harriet ist nicht nur ein Film über eine mutige Frau, sondern einer, der sein Thema in einem westernartigen Szenario erzählt.
Kasi Lemmons (Talk to Me) verdichtet die Geschichte von der mutigen Sklavin, die in die Freiheit rannte und von dort im Untergrund gegen die Sklaverei kämpfte, zu einem emotionalen und spannenden Film.
Teilweise hält sich Harriet extrem nah an den Tatsachen. Beispielsweise, wenn Harriet vor ihrer Flucht einen Song anstimmt, indem sie ihre Flucht andeutet, um sich von der Familie zu verabschieden.
An anderer Stelle jedoch dramatisiert sie und fügt Figuren hinzu, die es nicht gegeben hat. Der Film schildert die Flucht als Ereignis auf Messers Schneide und verschweigt, dass es bereits der zweite Versuch war, der zum Erfolg führte und den sie alleine vornahm. Während des ersten Fluchtversuchs waren noch zwei ihrer Brüder dabei und tatsächlich wusste die Familie Brodess einige Tage nichts davon. Den Brodess-Sohn, der im Film ein ganz besonderes Interesse an Minty hat, hat es nicht gegeben und tatsächlich wurde der Nachlass von Edward von dessen Frau Eliza verwaltet, die im Film indes nur eine kleine Rolle spielt.

Die Witwe Brodess will die Sklaven verkaufen

Von der Verdichtung und Dramatisierung der Fakten abgesehen, beginnt Harriet in dem Moment, in dem Brodess seiner Sklavin das Recht auf Freiheit verwehrt – kurz bevor er stirbt und Minty die Flucht wagt.
Eindrücklich schildert der Film, wie schwer es gewesen sein muss, eine Flucht zu versuchen. Entweder waren sofort die Häscher des Besitzers hinter einem her oder die Perspektive als alleinige Fluchtperson waren unglaublich schlecht. Die Natur lauerte mit all ihren Gefahren, die mangelnde Bildung ohne Lesefähigkeit tat ihr Übriges dazu, dass man sich als geflohener Sklave in der Welt draußen kaum sicher sein konnte.
Stets bleibt Lemmons ganz nahe an ihrer Hauptdarstellerin, die durchaus zurecht einen Oscarnominierung erhielt. Von der unterdrückten Sklavin über die selbstbewusste Bürgerin bis zur entschlossenen Retterin nimmt man Cynthia Erivo die Figur komplett ab. Da es rein historisch nicht immer einfach nachzuvollziehen war, welche Ereignisse genau stattgefunden haben, schmückt Harriet die Geschehnisse (wie erwähnt) mit einigen dramatischen Details aus. Und als Antagonist ist Gideon Brodess zwar erfunden, aber letztlich ein Abziehbild der weißen Unterdrücker. Er symbolisiert, dass immer wieder ein neuer Farmbesitzer nachwachsen wird, der das Erbe seines Sklaventreiber-Vaters weiterführen wird. Dass die Zwei zum Ende hin aufeinandertreffen und der Film dann in den Sezessionskrieg überblendet, hat eine ebenso große Symbolkraft. Denn irgendwann wird dieses Sklaven-Übel eben doch ein Ende finden. Und Harriet gehörte zu den mutigen Menschen, die einen großen Beitrag dazu geleistet haben.

Preis: 12,00 €
(Stand von: 2020/12/02 1:36 pm - Details
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Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Thu, 12 Nov 2020
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Bild- und Tonqualität

Gideon Brodess hat ein persönliches Interesse an Harriet

Die Blu-ray von Harriet liefert ein wirklich beachtenswertes Bild. Während der Tageslichtszenen sind sämtliche Farben wirklich prächtig. Egal, ob es die grünen Wiesen sind oder die gelbgoldenen Felder. Die Schwarzwerte bspw. bei der Beerdigung nach elf Minuten sind wunderbar satt und lassen die Anzüge wirklich prächtig erscheinen. Dennoch sind manche Kontrastflanken schon mal etwas steil, was dann zu leichtem Detailverlust auf Schattenbereichen führt, wenn die dunkelhäutigen Gesichter in nächtlichem Ambiente oder eher dunkler Umgebung zu sehen sind. Hier gehören beispielsweise die ersten Szenen bei der Underground Railroad dazu, wenn sie als „Schaffnerin der Eisenbahn“ willkommen geheißen wird. Trotz des Drehs mit 6K-Auflösung und mit der Sony CineAlta Venice hat man eine leichte Körnung hinzugefügt, was das Bild filmischer erscheinen lässt. Nur ab und an ist diese Körnung etwas gröber, was dann auch mit einer vermutlichen Erhöhung der ISO-Werte in dunklen Szenen zu tun haben könnte. Die Hintergründe bleiben stets sauber kodiert und zeigen keine Kompressionsprobleme – alles in allem ein sehr gutes Bild, dessen Schärfe in Close-ups wirklich klasse ist.
Beim Ton hat man Harriet für beide Sprache eine 7.1-dts-HD-Master-Spur spendiert, die oftmals von ihrer Surroundkulisse lebt. Sirrende Insekten, nächtliches Gequake von Amphibien oder Vogelgegurre – die Natur lebt wunderbar auf. Hinzu kommen die Momente, in denen der Score sich warm und gleichmäßig auf die Speaker legt. Außerdem geht’s dann auch mal tief in den Basskeller hinab und die Subs dürfen die Musik adäquat unterstützen. Die Stimmen kommen zudem sehr sauber aus dem Center, bleiben sanft und gut eingebettet.

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Bonusmaterial

Man lehrt Minty, sich zu wehren

Im Bonusmaterial von Harriet gibt’s neben dem aufschlussreichen, aber nicht untertitelten Kommentar der Regisseurin noch sieben entfernte Szenen mit einer Laufzeit von rund 16 Minuten. „Ihre Geschichte“ läuft knapp sechs Minuten und stellt heraus, dass es darum ging, dass viele Amerikaner den Namen der Sklavenbefreierin kennen, nicht aber ihre Geschichte. Und das wollten die Filmemacher ändern. „Die Verwandlung“ schildert dann noch einmal ein wenig, welcher Mensch Harriet war und wie Cynthia Erivo sie porträtierte.

Fazit

Harriet ist ein emotionsgeladener Film über eine wichtige und mutige Frau. Klasse gespielt, vor authentischer Kulisse gedreht und mit genug Spannung angereichert werden Freunde von sozialkritischen Dramen hier voll auf ihre Kosten kommen. Dazu gibt’s ein kontraststarkes Bild und einen sehr atmosphärischen Ton.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 50%
Film: 75%

Anbieter: Universal Pictures Germany
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Kasi Lemmons
Darsteller: Cynthia Erivo, Leslie Odom Jr., Janelle Monáe, Joe Alwyn, Clarke Peters, Vanessa Bell Calloway
Tonformate: dts HD-Master 7.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 126
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter xx)
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Trailer zu Harriet

Harriet - Trailer 2 deutsch/german HD

 

One thought on “Harriet – Der Weg in die Freiheit

  1. Avatar Rüdiger Petersen

    Kann dem Review nur zustimmen. Ein wirklich toller Film in Grandiosen Bildern mit ebenso guten Schauspielern. Dazu sind Bild und Tonwerte vom feinsten. Habe selten so ein klares Bild gesehen. Ich empfehle diesen Film auf jeden Fall weiter. Zwei Stunden vergehen hier wie im Flug.

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