Hot Seat

Blu-ray Review

EuroVideo, 26.01.2023

OT: Hot Seat

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Explosive Sitzgelegenheit

Bomben-Unterhaltung oder Rohr(bomben)krepierer?

Inhalt

Sollte eigentlich nur ein bisschen Call-Center spielen: Orlando

Orlando Friar war mal Hacker. Ein ziemlich guter Computer-Eindringling sogar. Doch wie es mit Hackern so ist, werden irgendwann die großen IT-Unternehmen auf sie aufmerksam. Denn wer könnte digitalen Zugriff besser schützen als ein Ex-Hacker, der alle Tricks kennt? Und so arbeitet Friar seit Kurzem als IT-Experte. Man kann ja auch nicht ewig von illegalen Tätigkeiten leben und hat auch eine gewisse Verpflichtung vor der Familie. Wenn es denn noch eine gäbe. Denn seine Frau Kim wird bald seine Ex-Frau Kim sein, wie sie ihm an diesem Tag eröffnet, welcher schon deshalb nicht allzu gut begann, weil Orlando während seiner Joggingrunde eine Explosion in der Nähe mitbekommen hat. Ausgerechnet heute, am Tag des Geburtstags von Töchterchen Zoey muss er nun kurzfristig für den neuen Arbeitgeber antreten und ausgerechnet das Call-Center betreuen. Nichts, was Kim sonderlich begeistern würde, weshalb sie ihm die lange vorbereiteten Scheidungspapiere überreicht. Ob es Friar gefällt oder nicht, wird er nun dennoch zu Arbeit gehen müssen – nicht ahnend, dass dort die nächste unangenehme Überraschung auf ihn wartet. Vor Ort gesellt sich kurz Kollege Enzo hinzu. Ein erstes Gespräch führt Orlando mit seiner Tochter, um ihr zumindest per Videotelefon zu gratulieren. Doch weil er nicht bei ihr sein kann, beendet sie das Gespräch halbwegs entnervt. Der nächste Anrufer hat dennoch weitaus schlimmere Absichten. Der Kerl am anderen Ende der Leitung erweist sich als Cyber-Krimineller, der mit dem Satz: „Egal, was passiert, bleib sitzen!“ ins Gespräch kommt und so ziemlich alles über Friar und seine Familie weiß. Der Anrufer lässt Orlando enie Bombe finden, die unter seinem Bürostuhl befestigt ist. Steht er auf, wird sie explodieren und eine Reihe weiterer Sprengkörper im Gebäude in Gang setzen. Außerdem droht der Typ mit der Entführung seiner Tochter, wenn – ja wenn Orlando nicht für ihn die Firewalls einer Wertpapierfirma knackt und dort ein Vermögen abgreift. Immerhin kennt sich Friar mit solchen Dingen ja aus. Deshalb ist er natürlich auch ein schneller Verdächtiger, als noch eine weitere Bombe in der Stadt explodiert. Einzig die Bombenentschärfer Wallace und Jackson haben ihre Zweifel am Naheliegenden …

Reed ist sich bei der Täter-Vermutung nicht so sicher

Wirft man einen Blick auf die Besetzungsliste von Hot Seat, wird man den Gedanken nicht los, dass sich hier die mittlerweile von den großen Produktionen aussortierten Darsteller ein Stelldichein geben. Mel Gibson hat schon länger nicht mehr in einem hochklassigen Film mitgespielt und ist zuletzt nicht nur durch sein Mitwirken in vergessenswerten B-Movies von der untersten Stange, sondern auch durch persönliche Fehltritte negativ aufgefallen. Nicht ganz so einfach sollte man es sich mit Shannen Doherty machen. Ihr wurde während ihrer Zeit in der Teenie-Serie Beverly Hills 90201 gerne das Image des „Bad Girls“ angedichtet und sie wurde jahrelang von der Presse verfolgt. Das schlug sich auf das Privatleben und die Karriere nieder. Als sie 2015 eine Diagnose Brustkrebs erhielt, zog sie sich einige Zeit lang zurück. Zunächst durch eine Operation und Chemotherapie als krebsfrei diagnostiziert, kam dieser 2017 zurück. Seitdem muss sie mit der Diagnose leben, dass die Krankheit in ihr nicht heilbar ist. Spielt sie also heute in Filmen mit, tut sie dies aus Leidenschaft und weil sie Spaß daran hat. Mit Regisseur Bressack verbindet sie mittlerweile eine Art Freundschaft, die bereits über drei Filme hinaus (Blood LakeFortress) Bestand hat. Und dann ist da noch Kevin Dillon, der jüngere Bruder des bekannteren Matt. Auch Kevin dümpelt seit einiger Zeit in Billigfilmen herum, denn seit er durch die TV-Serie Entourage einige Zeit wirklich erfolgreich und beliebt war, ging’s stetig bergab. Mittlerweile geht er steil auf die 60 zu und ist schlicht und ergreifend physisch nicht präsent genug für einen Actionstar. Das bewies er schmerzhaft im letzten Jahr, als er mit einem weiteren verdienten Altstar gemeinsam in einem Film agierte und keinerlei Dynamik versprühen konnte (A Day to Die)

Einsatzleiterin Connelly versucht, den Überblick zu bewahren

In Hot Seat muss er nun erst gar keine Dynamik versprühen, sondern schlicht still sitzenbleiben – eine Rolle, die ihm deutlich besser stehen sollte. Wäre man gehässig, würde man Bressacks Film als Speed auf Valium bezeichnen, da man sich im Großen und Ganzen auf einen einzigen Schauplatz reduziert, der noch dazu wenig akkurat designt ist. Allerdings haben auch schon mal andere Regisseure aus einem ähnlichen Thema einen wirklich spannenden Film gemacht, ohne dass der Protagonist sich viel bewegen konnte. Fans von Schumachers Nicht auflegen! Reynolds Buried oder dem großartigen Guilty aus Belgien werden sich erinnern. Von denen hat sich Bressacks allerdings nicht mal eine halbe Scheibe abgeschnitten, sondern lediglich das Aroma geatmet. Sein Skript strotzt vor Klischees und ist von vorne bis hinten völlig austauschbar. Sein größtes Problem ist aber nicht mal das klischeehafte Drehbuch, sondern die Tatsache, dass man viel zu früh (also eigentlich sofort) weiß, wer der Übeltäter ist, weil hier einfach viel zu dick aufgetragen wird. Wer hier von der „Auflösung“ überrascht wird, hätte vermutlich auch nicht damit gerechnet, dass Schneewittchen am Ende überlebt.

Für Orlando wird’s langsam brenzlig

Ein zweites großes Problem ist die Glaubwürdigkeit der Hacker-Situationen. Erstens ist es einfach albern, wenn man einen Balken als „Hack-Fortschritt“ eingeblendet bekommt, zweitens ballert Orlando völlig unmotiviert auf den Tasten rum und drittens will man uns nicht im Ernst verkaufen, dass ein Security-Typ, der aussieht als würde er eigentlich eine Tiefgarage bewachen, den Superhacker in Schach halten kann, oder? Womit wir wiederum bei der Besetzung sind. Dillon ist der Anfang der fehlbesetzten Akteure, die blonde Dame, die ihm nach 20 Minuten zusätzlich das Leben schwer macht, hat man offenbar direkt aus der Botox-Klinik gecastet und eben jener Security-Typ hat immer noch Blumenkohl-Ohren vom letzten Ringkampf. Und wer jetzt sagt, das sei ja fast schon wieder realistisch besetzt, wenn ein (möglicher) Ex-Ringer als Sicherheitsmann agiert, dann sage ich: Aber doch nicht als ein Typ, der versucht, Hacking-Angriffe abzuwehren. Dillon, der hier zwar keine dynamischen Actionszenen verkörpern muss, wirkt als Hacker so glaubwürdig wie Clintons „I did not have sexual relations with that woman. Außerdem ist sein Charakter ein Unsymphat, der sich direkt in seiner ersten Szene mit der zukünftigen Ex als Narzisst outet. Die spätere Wendung nimmt man ihm maximal leidlich ab. Hinzu kommen das nervig-aggressive Verhalten der Bomben-Spezialeinheit, das völlig aufgesetzt wirkt sowie die schlechtesten Feuer-CGIs, die man in den letzten Jahren bestaunen durfte. Und dennoch gibt’s positive Überraschung. Denn Mel Gibson ist hier tatsächlich das Highlight. Zum einen ist ihm endlich mal wieder mehr Screentime vergönnt und zum anderen nutzt er diese, um wirklich entspannt und sehr spielfreudig zu agieren. Im Zusammenspiel mit dem großartigen Eddie Steeples (Crabman aus My Name is Earl) nimmt er sich nur selten ernst und lässt eine Menge Witz in die Rolle fließen. Was auch gut funktioniert, ist die Aggressivität des Entführers, bzw. seiner Stimme. Sie vermittelt durchaus, dass es hier jemand sehr ernst meint. Und dann ist da noch etwas, das man Hot Seat nicht absprechen kann – es gibt spannende Momente. Kurz vor dem ersten (vermeintlichen) Zugriff schafft Regisseur Bressack es, im Verbund mit der zwar generischen, aber passenden Filmmusik tatsächlich Thrill zu erzeugen. Hier verhalten sich die Protagonisten auch mal für einen Moment nicht völlig dämlich – was man vom Showdown auf dem Dach leider nicht sagen kann. Shannen Doherty, um zum Abschluss zu kommen, gibt eine taffe Einsatzleiterin und tut das mit Drive. Sei ihr noch viel Gesundheit gewünscht.

Preis: 9,41 €
(Stand von: 2024/03/04 9:23 am - Details
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Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
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23 neu von 7,99 €6 gebraucht von 2,43 €
Studio:
Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Thu, 26 Jan 2023
(* = Affiliate-Link / Bildquelle: Amazon-Partnerprogramm)

Bild- und Tonqualität

Reed ist ein erfahrener Hase im Bombenentschärfungsgeschäft

Gedreht wurde Hot Seat natürlich digital, was man zum einen erkennen kann und zum anderen bei günstigen Produktionen als Voraussetzung gelten darf, so wenig wie nötig Aufwand zu betreiben. Visuell kann man es aber ebenfalls erkennen, da die Oberflächen durchweg sehr glatt, sehr rauscharm und eben sehr „digital“ aussehen. Hell ausgeleuchtete Aufnahmen profitieren von einer hohen Laufruhe ohne sichtbares Rauschen oder anderweitige Unruhen. Es kann durchaus sein, dass hier leicht gefiltert wurde, da auch Himmelshintergründe nicht selten arg glatt aussehen. Erst bei sehr dunklen Aufnahmen (77’10) gesellt sich ISO-bedingtes Rauschen hinzu, dass hier dann auch noch etwas farbigen Einschlag erhält. Apropos Farben: Grundsätzlich beginnt es ansprechend neutral, wird dann beim ersten Blick auf Mel Gibson im Office aber sehr viel wärmer und fast orangeartig – offenbar bewusst so gewählt, wenn man das Licht von der antiken Lampenschönheit als Maßgabe nehmen wollte, die hinter Gibson steht. Später gesellt sich ein eher kühlerer Look hinzu, wenn die Szenerie ins Einsatzkommando wechselt. Hier geht es so bläulich zu, dass dunkle Haare und Bärte die Farbe auch annehmen. Die Schärfe ist (fast) durchweg eher mittelprächtig. Selbst in Close-ups von Gesichtern wirken die Oberflächen etwas glattgelutscht – mal abgesehen davon, dass nicht viel Geld für Make-up vorhanden war und viele Hautoberflächen im Licht der Scheinwerfer unschön speckig glänzen. Naheinstellungen der (vermutlich) CGI-Computer-Screens sind hingegen erstaunlich scharf und auch einige Außenszenen (im Park nach zwölf Minuten) wirken knackig. Hier und da gibt’s Randunschärfen an allen Kanten. Der Kontrastumfang geht soweit in Ordnung. Schwarzwerte sind (so sie stilmittelbedingt nicht etwas eingefärbt sind) ansprechend satt und helle Bereiche strahlen, ohne allzu sehr überzukontrastieren. Ganz leichtes Banding sieht man schon mal beim Außenanblick auf das Polizeigebäude – dort dann im Himmel (30’50). Ansonsten bleiben digitale Artefakte weitgehend aus und das Encoding kann sich sehen lassen.

Sgt. Tobias möchte gerne direkt drauf los ballern

Hot Seat kommt mit zwei DTS-HD-Master-Tonspuren fürs Deutsche und Englische, die während der Titel-Credits sehr räumlich anfangen und eine Art Dinosaurier-Geräusch über alle Speaker schicken. Auch der tickende Score direkt darauf ist sehr effektvoll aufgefächert, während die Beats, die den rennenden Schritten unterlegt sind, durchaus pumpen. Die Explosion, die darauf folgt, kracht zwar recht ordentlich, dürfte hingegen aber mehr Druck erzeugen. Die im Haus einsetzenden Dialoge klingen ein wenig ungelenk, was sich aber relativiert, sobald die Synchro von Mel Gibson und Eddie Steeples beginnt. Die beiden Sprecher sind bekannter klingen professioneller und haben mehr Wärme in ihrer Stimme. Verständlich sind die Dialoge aber allemal. Und dazu bleiben die Surroundeffekte jederzeit hervorragend. Wenn Orlando erstmals seine Fähigkeiten für das Internet einer alten Dame walten lässt und die Computergrafiken über den Screen huschen, wird das mit direktionalen Geräuschen en masse begleitet. Das Ganze klingt sogar ansprechend dynamisch. Auch bei den Ermittlungen der Bombenexperten im Park geht es sehr räumlich zu, wenn man überall Polizeisirenen oder Hubschrauber hört. Zeigt sich das Logo des Cyber-Kriminellen, wird das mit von zackigen und ebenso dynamisch einfallenden Sounds begleitet.

Preis: 9,41 €
(Stand von: 2024/03/04 9:23 am - Details
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Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Thu, 26 Jan 2023
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Bonusmaterial

Mehr als die Trailer zum Film und Programmtipps gibt’s hier nicht zu entdecken.

Fazit

Hot Seat hat ein generisches Drehbuch voller Stereotypen, dessen Überraschung keine ist und dessen Hauptdarsteller einfach eine schauspielerische Schlaftablette ist. Fans von Gibson dürfen allerdings zugreifen, denn sie sehen ihren Liebling spielfreudig wie lange nicht mehr. Und zwischendurch gibt’s tatsächlich mal spannende Momente. Das Bild ist etwas wechselhaft, der Ton weiß zu gefallen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 5%
Film: 45%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: USA 2022
Regie: James Cullen Bressack
Darsteller: Kevin Dillon, Mel Gibson, Shannen Doherty, Michael Welch, Sam Asghari, Eddie Steeples
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Untertitel: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 99
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter EuroVideo)
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Trailer zu Hot Seat

HOT SEAT Trailer German Deutsch (2023)


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