Im Netz der Versuchung

Blu-ray Review

im netz der versuchung blu-ray review cover
Universum Film, 13.09.2019

OT: Serenity

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Gegen die Regel(n)

Verzwickter Thriller vor traumhafter Kulisse.

Inhalt

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Baker Dill hat sich auf die Insel zurückgezogen und lässt kaum jemanden an sich ran

Baker Dill war mal verheiratet und hat einen Sohn. Doch das ist länger her und irgendwann ist er aus der Situation geflüchtet. Nun betreibt er mit seinem Kumpel Duke geführte Boots- und Angeltouren auf dem türkisen Wasser der Südsee. Allerdings hat Dill so seinen eigenen Kopf und stößt seinen Kunden gerne auch mal vor denselben. Als eines Abends seine Ex-Frau Karen vor ihm steht, ist aber selbst er überrascht. Karen berichtet von ihren gewalttätigen neuen Mann und davon, dass sie fürchtet, dass Bakers und Karens Sohn deshalb auch in Gefahr sein könnte. Sie bietet ihm daraufhin 10 Mio. Dollar an, wenn er den Kerl mit auf eine Bootstour nimmt und auf hoher See über Bord wirft. Doch was so einfach klingt, schlägt mehrere Haken …

Karens neuer Mann schlägt und missbraucht sie

„Mit der gewagtesten Wendung seit The Sixth Sense“ … Oha, da nehmen die Kollegen der HÖRZU den Mund ziemlich voll. Und der Anbieter druckt es natürlich willkommenermaßen aufs Cover. Dass so ein Zitat natürlich eine gewisse Erwartungshaltung schürt – immerhin dürfte Shyamalans Debütfilm noch heute einen der überraschendsten Story-Twists aller Zeiten haben – macht es Im Netz der Versuchung nicht gerade einfach. Denn wer hoch stapelt, der kann auch tief fallen.
Aber betrachten wir den Film von Steven Knight doch erst einmal neutral und ohne dieses Zitat im Hinterkopf.
Denn zunächst lassen die Beteiligten durchaus aufhorchen. Regisseur/Autor Steven Knight hat zwar erst drei Langfilme auf seinem Regie-Konto, doch darunter ist immerhin der großartige Konzept-Thriller No Turning Back. In dem verweilt die Kamera während des kompletten Films beim Protagonisten (Tom Hardy) und begleitet ihn durch die schwerste Nacht seines Lebens. Im Netz der Versuchung nutzt nun ein wesentlich offeneres Szenario und orientiert sich am Film Noir.
Die klassischen Thriller-Elemente werden vor traumhafter Südsee-Kulisse entfaltet und von einem starken Cast vorgetragen. Neben Hauptdarsteller Matthew McConaughey sind das Anne Hathaway, Diane Lane und Jason Clarke.

Wird Baker seinen Job erledigen?

Zwischen den vier Charakteren, die von ihnen dargestellt werden, entbrennt ein mysteriöses bis mörderisches Quartett, das alle gängigen Motive (Femme Fatale, vermeintlich böser Typ, scheinbar ahnungsloser Ex) bedient und dazu ein bisschen mit träumerisch-visionenhaften Bildern spielt. Zunächst sieht man in all dem nur wenig Sinn – vor allem nicht in jenem Typen mit Aktenkoffer und Brille, der Baker Dill ständig zu verpassen scheint.
Außerdem nimmt sich Im Netz der Versuchung eine Menge Zeit. Selbst nach 55 Minuten ist noch nicht wirklich viel passiert – sieht man davon ab, dass man Matthew McConaugheys nackten Hintern bis dahin schon mehrfach prominent in der Kamera gesehen hat – aber das ist ja auch schon etwas. Die Show gehört zunächst Jason Clarke, der einen wahrhaft fiesen Fiesewicht abgibt und den Hass des Zuschauers ziemlich schnell gegen sich hat.
Während man ihm also augenblicklich den sofortigen Filmtod an den Hals wünscht, geht’s nach einer Stunde mit angesprochenem Twist plötzlich drunter und drüber. Was zunächst ein bisschen trashig wirkte (aufgrund der Dialoge, der hölzernen Interaktion, der teils „cheesy“ Einstellungen und der etwas unbeholfenen Situationen) macht retrospektiv auf einmal Sinn – warum, wird natürlich hier nicht verraten.
Doch selbst wenn es sich plötzlich alles irgendwie erschließt, blickt man verwundert auf diese zwei nicht wirklich zusammenpassen wollenden Puzzleteile der Story. Klar ist: Die Storywendung ist in der Tat eine der krassesten der Filmgeschichte. Sie ist aber auch furchtbar weit hergeholt

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Malerische Kulisse für einen Auftragsmord

Bild- und Tonqualität

Karen setzt alles daran, ihr Vorhaben in die Tat umsetzen zu lassen

Im Netz der Versuchung beginnt mit einer Unterwasserszene – also einer klassischen Szene für die Erzeugung von Farbverlaufsproblemen. Da es ähnliche Momente auch später immer wieder gibt, darf man hier also durchaus genau hinschauen. Banding allerdings bleibt praktisch aus. Auch bei den häufig zu sehenden Aufnahmen des blauen Himmels tritt es nicht auf. Dafür gibt’s leichte Randunschärfen am unteren Bildbereich. Auf der Habenseite sind bisweilen superkräftige (Farb)Kontraste sowie eine in Close-ups sehr gute Schärfe. Zur Hochglanzoptik fehlt dann aber doch etwas. Zum einen sind helle Szenen bisweilen überkontrastiert und reißen etwas aus. Zum anderen nutzte man ein leichtes nachträgliches Korn, um näher am Thriller-Thema zu sein – beides verhindert dann aus technischer Sicht eine höhere Wertung.
Akustisch wird schon die Anfangsszene schön räumlich präsentiert, wenn die Kamera glucksend unter Wasser beginnt und dann über das Meer rauscht, während der Score hinzu kommt. Dialoge könnten zwar etwas offener klingen, doch vor allem die Filmmusik wird immer wieder sehr räumlich dargestellt (10’05). Auch späterer Regen oder ein Gewitter kommen effektvoll ins Heimkino, selbst wenn hier und da etwas mehr Bassdruck wünschenswert gewesen wäre.

Bonusmaterial

Sechs kurze und nicht untertitelte Interviews mit den Machern und Darstellern ergänzen eine ebenfalls nur dreiminütige B’Roll. Das ist neben dem vorhandenen Trailer das einzige Extramaterial und nicht wirklich erschöpfend oder erleuchtend.

Fazit

Im Netz der Versuchung bietet eine malerische Kulisse, prominente Darsteller und einen Storytwist, der ungläubig zurück lässt. Die Wendung liegt irgendwo zwischen absurd und genial. Denn wenn man den Film unter der Prämisse noch mal schaut, kann man die trashigen Dialoge und Verwicklungen tatsächlich erklären. Vielleicht wird Knights Film deshalb irgendwann mal so etwas wie ein Guilty Pleasure – das Potenzial dazu hätte er.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 30%
Film: 60%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Steven Knight
Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jason Clarke, Diane Lane, Djimon Hounsou
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 107
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universum Film)

Trailer zu Im Netz der Versuchung

Im Netz der Versuchung – Trailer (deutsch/ german; FSK 12)

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