Infinity Pool

Blu-ray Review

Universal Pictures, 13.07.2023

OT: Infinity Pool

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Einfach mal loslassen

Brandon Cronenberg schlägt zum dritten Mal zu.

Inhalt

Neue Perspektiven im Ressort?

James ist Schriftsteller. Zumindest könnte man das sagen, weil er immerhin schon einen Roman verfasst hat. Gemeinsam mit seiner reichen Frau Em ist er derzeit in einem Ferienort auf der Insel La Tolqa – nicht zuletzt, um der kriselnden Ehe etwas Gutes zu tun. Vor Ort lernt man Gabi und ihren Mann Alban kennen und verbringt einen ersten Abend miteinander. Gabi ist offensichtlich Fan von James‘ Roman, was für leichte Irritationen zwischen ihm und seiner Frau Em sorgt. Dennoch fährt man auch am nächsten Tag gemeinsam ans Meer. Warnungen, dass die Touristen immer auf dem Gelände des Resorts bleiben sollen, schlägt das Quartett in den Wind. Vor Ort angekommen, traut James seinen Sinnen kaum, als er während eines Urinierens plötzlich Gabis Hand an seinem besten Stück spürt. Einen Handjob und viele alkoholische Getränke später macht man sich auf den Heimweg. Der verläuft allerdings holprig, als James einen Einheimischen überfährt und dabei tötet. Gabi besteht darauf, nicht die Polizei zu rufen, da das Land korrupt sei. Am nächsten Tag jedoch stehen die Beamten vor James‘ Tür und verhaften ihn. Die Strafe ist der Tod durch die Hand des erstgeborenen Sohnes des Getöteten. Man kann dem allerdings entkommen, indem man für viel Geld einen Klon von sich erstellen lässt, der anstelle des eigenen Lebens die Todesstrafe übernimmt. Als einzige Abmachung muss James der Exekution beiwohnen. Während Em von dem brutalen Akt abgestoßen ist, empfindet ihr Mann eine gewisse Faszination für das Ritual. Was wäre, wenn man auf diese Art und Weise zum notorischen Killer werden könnte, die Menschen wie Dreck behandelte und immer wieder davonkäme, weil ein Klon für die Strafe geradestehen würde …?

Ist ein Fan von James: Gabi

Brandon Cronenberg hat gerade einmal drei Filme auf seiner Vita (neben Infinity Pool sind das Antiviral und Possessor) und ist doch bereits ein gern gesehener Gast auf den internationalen Festivals. Sein Name ist ja auch nicht unbekannt. Und wenn man als Sohnemann von David Cronenberg unterwegs ist, ist es sicherlich nicht unwahrscheinlich, dass sich die eine oder andere Tür etwas schneller oder früher als sonst öffnet. Nachdem er zuletzt die Haudegen Sean Bean und Jennifer Jason Leigh vor der Kamera haben durfte, geht’s jetzt mit der aktuell überall begehrten Mia Goth und jedermanns Darling Alexander Skarsgård erneut in die Abgründe der menschlichen Seele hinab. Von der Reflexion des Starkults in Antiviral über die Metapher auf den (ultimativen) Eingriff in die Privatsphäre in Possessor hin zur Analyse der übersatten Gesellschaft der oberen Zehntausend in Infinity Pool. Cronenberg kümmert sich dabei scheinbar mehr um die Seelen(qualen) seiner Figuren, während sein Vater in seinem letzten Film sehr stark auf die finale Zerstörung des menschlichen Körpers abzielte. Allerdings muss man bei Infinity Pool etwas intensiver nach dem Sinn des Ganzen suchen. Und das liegt vor allem an der völlig hanebüchenen Ausgangsprämisse inkl. kilometertiefer Logiklöcher: Eine Gesellschaft, die das Klonen ermöglicht, ist gleichzeitig so arm, dass sie eine mehr als fragwürdige Schuldbegleichung bei fatalen Straftaten zum Füllen des Staatssäckels nutzt, ehrlich jetzt? Und dem Erstgeborenen wird die Bürde auferlegt, die Vergeltung zu übernehmen?

Em will wieder abreisen

Man muss diese Ausgangsidee schon wirklich umarmen, um am Ende eine Metapher auf eine überaus satte, ultrareiche Gesellschaft zu erkennen, die das spezielle System der Insel nutzt, um noch ein wenig Thrill ins Leben zu bekommen. Die vollständige Abgabe von Verantwortung, die hier mittels Geld für die abscheulichsten Handlungen möglich wird, ist vielleicht die letzte Möglichkeit der absoluten Grenzenlosigkeit. Wenn selbst die Todesstrafe keine Furcht mehr auslöst, ist ein Gipfel erreicht, den nicht mal die Protagonisten von Hostel im Rücken wussten. Was Cronenberg allerdings nicht macht: Antworten geben. Er schmeißt den Zuschauer immer wieder in bestimmte Situationen – nicht selten unbequeme, und ebenso oft maximal verstörende – holt ihn dann aber nicht wieder ab. Man sollte sich also darauf vorbereiten, sich selbst Antworten zu liefern, zu erdenken oder zurecht zu analysieren. Zunächst einmal darf man allerdings weit über eine Minute schwarzem Bildschirm folgen und denken, die Disk läuft gar nicht an. Denn wer den Film nicht auf hoher Lautstärke startet, dem werden die feinen Gespräche entgehen, die zu hören sind, bevor der Vorhang geöffnet wird.

Gabi lockt Ungeahntes aus James heraus

Im Anschluss daran nimmt sich Infinity Pool ein bisschen Zeit, um seine Geschichte zu erzählen. Was dem Zuschauer dabei ein wenig fehlt, ist aber der Bezug zu den Figuren. James, der als Bindeglied zum Zuschauer fungieren muss, ist weder vor, noch nach seinem Wandel sympathisch genug, um wirklich zu ihm zu halten. Und Gabis Figur wünscht man von Beginn an die Pest an den Hals. Das ist natürlich bewusst so angelegt, allerdings überstrapaziert Mia Goth ihre Rolle und nervt beizeiten. Nach knapp 90 Minuten „Jaaaaaaaaames“ derart, dass man auf einen spontanen Blitz aus heiterem Himmel hofft. Wenn Charaktere aber so unnahbar und unsympathisch bleiben, muss man als Zuschauer nach anderen Haltepunkte greifen. Cronenberg hält uns als Ersatz eine beeindruckende Optik hin. Den Film selbst in überhelle Pastelltöne getaucht nutzt er Spielereien wie Verfremdungen, krasse Farbfilterungen, Unschärfen, Überblendungen und vieles mehr, um immer wieder surreale Momente zu erschaffen. Ergänzt um Szenen, die durchaus im Gedächtnis bleiben. Die Verkündung der Strafe durch den Beamten Tresh ist nach der Handjob-Szene der zweite Moment, bei dem man kurz mal innehält – auch weil die Dynamik aus nüchterner Übermittlung der Info und völlig geschockter Reaktion auf James‘ Seite seine Wirkung nicht verfehlt. Ebenso wie jene Sequenz nach 42 Minuten, die erstmals die Grenze der Brutalität auslotet. Hier geht Cronenberg in puncto Schmerzerfahrung weit über das hinaus, was das Horror-Mainstreamkino sonst bietet. Es ist sicherlich zum Teil durch die drastischen Blutszenen, die gialloartig anmuten, bedingt. Vor allem aber durch die Intensität von Skarsgårds Schauspiel und der Tatsache, WER hier mit solcher Brutalität agiert. Cronenberg bricht hier durchaus gewisse Tabus und die deutsche 18er Fassung zeigt das ebenso ungeschnitten wie die pornografisch angehauchte Szene am Strand zuvor. Im Gegensatz übrigens zur US-Kinofassung, die nicht ohne Schnittauflagen ausgekommen war. Wenn Infinity Pool sich nach etwas über 100 Minuten noch einmal in einen Blutrausch steigert und dabei die Bestie im Menschen entlarvt, ist das nur konsequent, wird aber erst durch die belanglosen Alltagsdiskussionen bei der Busfahrt in der nächsten Szene so richtig verstörend.

Preis: 9,99 €
(Stand von: 2024/06/24 3:21 am - Details
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8 neu von 9,99 €0 gebraucht
Studio:
Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Thu, 13 Jul 2023
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Bild- und Tonqualität BD

Wer ist James?

Brandon Cronenberg ist ein Stilist. Das war er schon in seinen früheren Filmen und das ist er auch jetzt. Possessor zeigte sich farblich und in puncto Kontrast teils extrem unterschiedlich. Von intensiven Farben über versumpfendes Schwarz bis zu überkontrastierenden hellen Flächen war alles dabei. Infinity Pool hat zwar einen ganz anderen Look, ist aber ebenfalls massiv unterschiedlich vom üblichen Mainstream-Kino. Der größte Teil der Einstellung ist sehr hell. Teils äußerst hell. Aufnahmen vom Himmel offenbaren Wolkengebilde nur ansatzweise, aber nie wirklich differenziert. Die Kontrastdynamik (wenn man von einer solchen sprechen möchte), ist maximal durchschnittlich. Im Grunde wirkt das Bild beständig milchig und trüb und Schwarz ist eher ein wenig knackiges dunkelgrau. Schattenseiten von Gesichtern wirken, als hätte man den Helligkeitsregler des TVs auf ein völlig übertriebenes Maß eingestellt. Die Tatsache, dass das Bild so hell ist, führt auch zu relativ kraftlosen Farben, die oft eher pastellartig erscheinen. Selbst während der farblich sehr stark verfälschten Orgienszene nach etwas über 70 Minuten sind die Farben nie wirklich kräftig. Die Tatsache, dass Cronenberg eine Vielzahl an unterschiedlichen Objektiven (unter anderem auch Vintage-Optiken) einsetzte, führt zu einem bisweilen etwas inkonsistenten Look. Natürlich ebenfalls beabsichtigt, wenngleich es halt nicht sehr hübsch aussieht. So gibt’s mitunter Doppelkonturen, deutliche Randunschärfen oder sichtbar farbige Ränder an Objekten vor hellen Hintergründen. Sind Objekte und Figuren allerdings im Vordergrund und gut fokussiert, sind sie knackscharf. Was die Blu-ray (mal abgesehen von den stilistischen Mitteln) wirklich nicht gut macht, ist das Encoding. In vereinzelten, etwas stärker verrauschten Szenen löst dieses Rauschen mitunter wirklich schlecht auf. Da bilden sich matschige Teilbereiche auf Hintergründen oder der Haut und nebenan finden sich Ansammlungen von groben Rauschmustern oder -clustern (56’57). Infinity Pool kommt mit einer regulären DTS-Spur fürs Deutsche und einer verlustfrei komprimierten DTS-HD-Master-Fassung fürs Englische. Beide liegen klanglich sehr nahe beieinander und sind für einen hauptsächlich dialoglastigen Film ohne große Actionszenen erstaunlich dynamisch. Das gilt schon für Filmscore-Szenen wie jener nach knapp 20 Minuten, aber auch für den Moment des Unfalls bei 22’10. Der integrierte Knall kommt satt aus den Subs und auch das Klopfen der Polizei an James‘ Tür ist wuchtig. Die Räumlichkeit gefällt ebenso, wenn man sich das Zirpen der Grillen während der Strandszene anhört oder das Vorbeirauschen des Unfallwagens nach etwas über 21 Minuten. Der Prozess, in dem James‘ Klon von seinem Ebenbild erstellt wird, wirkt vor allem durch kratzige und coole Sounds des Scores, die sich auf allen Lautsprechern verteilen. Das ist akustisch ebenso unangenehm wie manche Bilder, die man in den schnellen Schnitten erkennt. Dialoge bleiben gleichzeitig stets gut verständlich und klar.

Preis: 9,99 €
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Format: Blu-ray
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Erscheinungstermin: Thu, 13 Jul 2023
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Bonusmaterial

Bonusmaterial ist Fehlanzeige. Und zwar komplett. Nicht mal einen Trailer hat Universal integriert. Schade drum. Man hätte doch gerne ein wenig mehr über den Dreh erfahren.

Fazit

Infinity Pool erreicht nicht ganz die Klasse des verstörenden Vorgängers Possessor, profitiert aber vom intensiven Schauspiel Skarsgårds und den teils beeindruckenden visuellen Ideen. Die erste Stunde ist allerdings deutlich stärker als die zweite, in der Cronenberg den Zuschauer zunehmend alleine lässt und auch nicht wirklich zu einem auserzählten Ende findet. Die Blu-ray leidet unter dem arg konstrastarmen, sehr hellen und im Encoding nicht sonderlich sauberen Bild. Der Ton macht’s durchweg besser und ist erstaunlich dynamisch.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD (Universal Pictures): 60%

Tonqualität BD (dt. Fassung): 80%
Tonqualität BD (Originalversion): 80%

Bonusmaterial: 0%
Film: 65%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 2022
Regie: Brandon Cronenberg
Darsteller: Alexander Skarsgård, Mia Goth, Alexandra Tóth, Amanda Brugel, Adam Boncz, Alan Katic, Cleopatra Coleman, Jalil Lespert
Tonformate BD (Universal Pictures): dts-HD-Master 5.1: en // dts 5.1: de
Untertitel: de, en
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 117
Codec BD: AVC
FSK: 18 (uncut)

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: © Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten)
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Trailer zu Infinity Pool

Infinity Pool - Trailer HD deutsch / german - Trailer FSK 16


So testet Blu-ray-rezensionen.net

Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.

Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:

Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild“verbesserern“ zu verfälschen.

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7 Kommentare
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Der SchnittenGott

Nur um das Thema abzurunden: Die als „Unrated“ verkaufte UHD hat sogar eine kürzere Laufzeit!
Nämlich 117:34 Minuten (=> im Vergleich zur deutschen BluRay 118:22 Minuten)
Wenn also tatsächlich etwas fehlen sollte, dann bei der 4k-Version…

Marlon H.

Hey Timo,
hab gesehen, dass du zur FSK Freigabe Uncut hinzugeschrieben hast. Das stimmt nicht so ganz, da es eine längere NC-17 Version gibt, die beim Sundance (?) lief und in den USA seit kurzem als UHD erschienen ist.
Wir haben nur die gekürzte R-Rated Version, die aber auch so in den US Kinos lief.
LG

Marlon H.

Müsste die Laufzeit dann nicht 118 Minuten sein? Laut blu-ray.com geht die NC-17 Version nicht 117 sondern 118 Minuten. Vielleicht haben die sich ja auch vertan.
Und nebenbei mal danke für deine tollen Reviews. 🙂

muhl.erhard@gmail.com

Schon digital in 4K gekauft.
Schade dass keine UHD Blu-ray erscheint, zumindest vorerst.

Wommble

Wo gibt es den Film denn Digital in 4K?
iTunes und Prime sind nur HD.