Iron Man 4K UHD – US-Disk

Blu-ray Review

Disney/Buena Vista, 13.08.2019 (US-Import)

OT: Iron Man


Wie alles begann

Deutschland vs. USA – welches Land bietet die bessere UHD?

Inhalt

Tony Stark präsentiert seine neuesten Waffen gottgleich

Lassen wir mal beiseite, dass Iron Man das MCU begründete und den Grundstein dafür legte, was über 20 Filme lang das Kinopublikum fesselte und mit Avengers: Endgame sein vorläufiges Finale fand (auch wenn Spider-Man: Far From Home das eigentliche Ende von Phase III bildet).
Lassen wir beiseite, dass der erste Film mit Robert Downey jr. bis heute eine der besten Verfilmungen innerhalb des MCU sind.
Lassen wir also beiseite, dass Action, Humor, Schauspiel und Tricks hier in einem höchst vergnüglichen, aber gleichzeitig tiefgründigen Fantasy-Actionfilm perfekt verbunden wurden.
Vielmehr soll es in diesem Review darum gehen, ob es Unterschiede in der technischen Qualität der UHD-Veröffentlichungen aus Deutschland und den USA gibt.
Denn während hierzulande die Auswertungsrechte bei Concorde Home Entertainment liegen, kümmert sich in den USA der Mutterkonzern Disney mit seinem Unterlabel Buena Vista um den Release des Films (nachdem er 2011 zunächst über Paramount kam).
Während Iron Man in Deutschland über Concorde Home mehr als zwei Jahre früher auf einer UHD zu den Marvel-Fans (April 2017) kam, zog Disney erst im August 2019 in den USA nach. Und da hier mit ziemlicher Sicherheit ein anderes Mastering angewendet wurde, stellt sich die berechtigte Frage nach einem Unterschied zwischen beiden Fassungen.
Und, falls dieser existiert: Welche UHD bietet die bessere Bildqualität?

Bild- und Tonqualität Blu-ray

Zurückgeworfen auf die Basis, um aus der Höhle zu entkommen

Die beiliegende Blu-ray müsste identisch sein mit dem Release, den Disney 2013 herausbrachte, nachdem man den Film von Paramount übernahm.
Dessen Bildqualität ist so … naja. Oder in anderen Worten: Geht so.
Denn die BD verschweigt die analoge Herkunft fast komplett. Körnung wurde fast vollständig weggefiltert. „Fast“ nur deshalb, weil eben kein Rauschfilter wirklich so effektiv arbeitet. Und so sieht man schon in bei ruhigen Objekten leichte Probleme um die Figuren herum. Schlimmer wird’s in Bewegung. Und noch schlimmer (deutlich), wenn man Bewegungen mal einfriert und in Einzelbild-Fortschaltung betrachtet. Plötzlich erkennt man sehr genau, wo der Rauschfilter funktioniert (auf den Flächen) und wo er versagt – nämlich um bewegte Objekte herum. Tony Stark und alle anderen bewegen sich also allesamt mit einem Umriss aus Unruhen um sich herum. Bei 71’30 sieht man exemplarisch, wie drastisch der Rauschfilter gearbeitet hat, weil das (heute fast legendäre) Wuseln auf Paltrows Gesicht im Ansatz getilgt wurde, aber dabei deutliche Artefakte auf einem ansonsten wachsweichen Gesicht zeigt – nicht schön!
Dazu kommt ein gewisses Überkontrastieren, das Hauttöne nicht sonderlich natürlich darstellt und bei den Lippen oftmals massiv übertreibt. Während man Peppers Mund noch mit solch kräftigem Rot akzeptiert, wirken die knallpinken Lippen von Downey jr. doch etwas übertrieben.
In Ordnung sind die Schwarzwerte, die Starks Anzug sehr prägnant abliefern und nur in den Höhlen zu Beginn etwas nachlassen. Aber auch später gefallen die Farben und Kontraste und sorgen für ein angenehm dynamisches Bild.

Stark hat Hilfe

Gegenüber der deutschen Veröffentlichung, die in dts-HD-Master vorlag, kommt die Disney-Variante mit Dolby-True-HD-Sound – und zwar mit einem ziemlich guten.
Hier war noch nichts davon zu hören und spüren, dass der Konzern mit der Maus bei seinen späteren Marvel-Veröffentlichungen die Dynamik beschnitt. Wenn Stark mit ersten Anzug durch die Höhlen stapft, donnert es gewaltig. Schüsse liefern eine grandiose Räumlichkeit und schon der Granatwerfer-Einschlag zu Beginn versetzt das Heimkino in einen Zustand lokaler Erdbeben-Aktivität. Dialoge kommen sauber und die Filmmusik legt sich sanft auf die Speaker. Iron Man ist zwar noch nicht das ganz große Actionfeuerwerk wie spätere Filme des MCU, aber das, WAS hier abgeliefert wird, funktioniert auch elf Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch prächtig. Gegenüber der deutschen dts-HD-MA-Variante fehlt vielleicht die allerletzte Vehemenz. Aber insgesamt liegen beide Tonspuren auf einem sehr vergleichbaren Niveau.

Bild- und Tonqualität UHD

Erster Auftritt als Retter der Unterdrückten

Wie beim Release von Concorde Home Entertainment auch, basiert die US UHD von Disney natürlich ebenfalls auf dem 35mm Filmmaterial. Zum Einsatz kamen damals Kameras vom Typ Arriflex 235 und Panavision Panaflex Millennium.
Ebenfalls gleich geblieben ist die Tatsache, dass man nur auf Grundlage eines 2K-Digital-Intermediate arbeitete.
Das wiederum impliziert, dass die UHD sehr wahrscheinlich auf dem gleichen digitalen Scan basiert, der seinerzeit für die BD angefertigt wurde, während heute für UHD-Releases von älteren Backkatalog-Titeln oft ein neuer 4K-Scan vorgenommen wird. Es wird also entscheidend sein, was man im Mastering unternommen hat, welchen Weg man beim Color Grading und einer etwaigen Noise-Reduction (also Rauschfilterung) ging.
Der Concorde-Release für Deutschland litt vor zwei Jahren einerseits unter sichtbaren Überschärfungen, andererseits konnte man in den meisten Szenen deutliches bis extremes Überkontrastieren sowie wachsweiche Gesichter durch eine Rauschfilterung wahrnehmen. Nein, diese UHD gehörte absolut nicht zu den Highlights der früheren Ultra-HD-Veröffentlichungen.
Die US-UHD kommt durchweg wesentlich natürlicher rüber. Sie leidet praktisch gar nicht unter Überkontrastierungen, lässt die gelblich-überstrahlten Gesichter vollkommen weg, zeichnet auf Hintergründen durchweg besser durch und offenbart keinerlei Überschärfungen. Einzig die Rauschfilterung, die man schon bei der Blu-ray bemängeln kann, ist weiterhin vorhanden. Gut zu sehen beispielsweise bei der linken Flanke des YF-22, die vor der (durch den Rauschfilter ruhig gestellten Halle) auf ca. 2-3cm Bildfläche wuselt. Außerdem wirkt im direkten Vergleich die US-Fassung etwas softer, weil eben niemand massiv am Schärferegler gedreht hat. Ansonsten ist sie in allen Belangen der deutschen UHD überlegen. Hautfarben sind natürlich, graue Oberflächen bleiben grau, sandfarbene Texturen sind natürlich und das Rot an Iron Mans Anzug ist zwar kräftig, aber nicht überbetont.
Im Verbund mit anderen MCU-Titeln auf UHD ist Iron Man zwar nicht ganz oben mit dabei, aber im Gegensatz zur deutschen Veröffentlichung durchaus einen Blick auf den US-Import wert.

UHD Deutsch (117’17): (Slider ganz nach rechts): Tausche überkontrastiert und überschärft der deutschen UHD …

UHD USA (Slider ganz nach links): … gegen neutraler und harmonischer bei der US-Fassung

UHD Deutsch (71’52): (Slider ganz nach rechts): Die „legendäre“ Szene mit Paltrows unglaublich wuseligem Gesicht. Die dt. Fassung rauscht hier derart, dass man kaum eine Kontur erkennt.

UHD USA (Slider ganz nach links): Die US-Fassung zeigt auch Unruhen (was zeigt, dass schon produktionsseitig diese Szene nicht astrein ist), ist aber weitgehend totgefiltert, was zu einem sehr soften Look führt.

UHD Deutsch (43’13): (Slider ganz nach rechts): Während die dt. UHD (mal abgesehen von den verfälschten Farben) hier durchweg rauscht und wuselt …

UHD USA (Slider ganz nach links): … filtert die amerikanische UHD von Disney die Körnung weg. Dass das nicht unbedingt toll ist, zeigt der wuselige Rand um die YF-22 (markiert mit Pfeilen).

UHD Deutsch (Slider ganz rechts) vs US UHD (Slider ganz links) (41’58 – 42’06): Hier oben zu sehen und in der Folge noch zwei weitere kommentarlose Beispiele, wie drastisch die deutsche UHD überstrahlt und dabei Oberflächen verschluckt, Farben praktisch undefiniert lässt und Wolken am Himmel ohne Differenzierung leiben. Hier zeigt sich, um wie viel neutraler und damit besser die US-UHD ist.

UHD Deutsch (77’50): (Slider ganz nach rechts): Selbst in den neutraleren Umgebungen ist die deutsche UHD zwar besser, aber immer noch nicht souverän. Man beachte die Hauswand links hinter Stark.

UHD USA (Slider ganz nach links): Eigentlich sah sie oben im Bild okay aus. Bis man sieht, welche Farbe und Differenzierung sie eigentlich hat – aber halt nur über die US UHD.

Einst Freude, bald Widersacher

Beim Ton der US UHD tut sich zwar etwas, aber das nicht zwangsläufig zum Guten. Denn die integrierte Atmos-Spur bleibt auf der regulären Ebene schwächer und etwas weniger dynamisch als jene der Blu-ray. Das erreicht nicht das extrem schwache Niveau einiger Disney-Tracks der letzten Jahre, kommt aber auch nicht ganz an die besten Scheiben anderer Anbieter heran. Es fehlt etwas an Feinzeichnung, Differenzierung und Dynamikspreizung. Wenn Stark in seinem ersten Anzug durch die Höhlen stapft und die Kämpfer abwehrt, bleibt der Sub etwas weniger agil und drückt nicht so vehement wie bei der BD. Insgesamt ist das zwar immer noch eine ganz gute, aber eben keine herausragende Tonspur.
In Sachen 3D-Sound kann Iron Man allerdings tatsächlich Akzente setzen. Denn sobald es actionreiche Szenen gibt, wird’s von oben aktiv. Bei der Detonation zu Beginn fliegen die Fetzen rundherum um den Zuschauer und es kracht des Öfteren bei den diversen Einschlägen. Außerdem wird im späteren Verlauf Jarvis‘ Stimme stets aus den Heights geliefert, was für ein tolles immersives Gefühl des „Mittendrin“ sorgt – man fühlt sich ein bisschen wie Tony Stark selbst in dessen Bastelraum.
Während der Flucht im ersten Eisenanzug flitzen dann schon mal Projektile von den Heights und Explosionen begleiten seine Feuerstoß gegen den Anführer der Kidnapper. In den Höhlen selbst hätte es vielleicht noch ein paar mehr Hall-Effekte durch die abgefeuerten Schüsse geben dürfen. Dafür senst aber der Flammenwerfer komplett über die Köpfe hinweg (39’20) und der Hubschrauber nach etwas über 41 Minuten kommt dauerhaft korrekt aus den Höhen-Lautsprechern. Noch mal richtig rund geht’s dann, wenn Tony die ersten Probeflüge macht und Papierzettel umherflattern. Auch sein Lift off nach 62 Minuten gibt ordentlich Schub von oben. Schade, dass man bisweilen hört, wie man aus einem Eineben-Mix einen Zwei-Ebenen-Mix gemacht hat. Wenn Stark nach einem Ausflug als Iron Man bei Minute 65’00 durch die Decke auf einen seiner Oldtimer fällt, hört man noch kurz, wie der Feuerlöscher seines Hilfsroboters loslegt, bis er dann ausgeblendet wird, weil er als Signal auf den Heights nichts verloren hat. Dass es überhaupt anfänglich zu hören ist, liegt daran, dass man die krachende Decke auf die Höhenlautsprecher gelegt hat und diese Sounds sich mit den Geräuschen des Feuerlöschers überlagern. Wesentlich besser funktioniert der Luftkampf nach 80 Minuten, dessen Höhen-Signale spezifischer geraten.

Fazit

Iron Man ist nach wie vor ein höchst unterhaltsamer Actionstreifen und als Begründer des MCU ohnehin Kult. Die US-UHD ist im Vergleich zur deutschen Fassung die deutlich bessere Wahl. Das Bild ist neutraler, überstrahlt nicht und wirkt viel harmonischer – und das, obwohl sie im Kanon anderer UHDs längst nicht das beste Bild liefert und etwas unter der Rauschfilterung leidet. Dennoch muss im Angesicht dieser Disk und auch aufgrund der Tatsache, dass es mittlerweile wesentlich mehr UHDs mit deutlich besserer Qualität gibt, eine Abwertung der deutschen Fassung erfolgen.
Die Atmos-Spur sorgt für einige nette 3D-Sounds, hätte auf der regulären Ebene aber etwas mehr Dynamik haben dürfen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 75%
Bildqualität UHD: 80%

Tonqualität BD (Originalversion): 90%

Tonqualität UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 80%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 50%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 70%


Bonusmaterial: 70%

Film: 90%

Anbieter: Walt Disney/Buena Vista/Marvel
Land/Jahr: USA 2008
Regie: Jon Favreau
Darsteller: Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Jeff Bridges, Terrence Howard, Leslie Bibb, Samuel L. Jackson
Tonformate BD: Dolby True HD 5.1: en
Tonformate UHD: Dolby Atmos: en Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 126
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Nein (2K Intermediate)
Maximale Lichtstärke: 1004 Nit
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Walt Disney/Buena Vista)

Trailer zu Iron Man

Iron Man – Trailer

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2 thoughts on “Iron Man 4K UHD – US-Disk

  1. Avatar Torsten

    Ich hab mal das Bild der deutschen UHD von deiner ersten Iron Man 4K Review mit der jetzigen verglichen. Und zwar die Großaufnahme von Robert Downey jr.. Warum ist denn das Bild bei der ersten Review und der deutschen UHD so viel heller als das jetzige?

    • Das erste Review wurde damals noch auf einem Panasonic-LCD-TV der ersten UHD/HDR-Generation erstellt, nicht auf dem LG OLED, der für das neue Review der US-UHD zum Einsatz kam.
      Je nachdem, welchen TV du hast und wie dessen Tone Mapping die Metadaten interpretiert, sind die entsprechenden Bilder oft sehr unterschiedlich.
      Wer schon mal zwei unterschiedliche, Dolby-Vison-fähige TVs hatte und deren Bild (trotz Kalibrierung) mit ein- und derselben Disk verglichen hat, kann davon ein Lied singen.

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