Iron Sky: The Coming Race

Blu-ray Review

Splendid Film, 27.09.2019
Splendid Film, 27.09.2019

OT: Iron Sky: The Coming Race

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Im Inneren hohl

Es hat lange gedauert, doch jetzt gibt’s Nachschub in Sachen Mondnazis.

Inhalt

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Auf der dunklen Seite des Mondes ist immer noch Leben

Der Nuklearkrieg, der sich in der Folge des Überfalls der Mondnazis auf die Erde entwickelt hat, zerstörte den blauen Planeten fast komplett. Die Überlebenden haben sich auf die dunkle Seite des Mondes gerettet, mussten sich dort aber mit den letzten und übrig gebliebenen Nazis arrangieren. Es bildeten sich Lager und Kulte. Die junge Obi, Tochter von James Washington und Renate Richter hat sich auf die Fahne geschrieben, die Lebenserhaltungssystem des Mondes aufrecht zu halten. Doch als eines Tages Wolfgang Kortzfleisch vor ihr steht, staunt sie nicht schlecht. Kortzfleisch hat überlebt und tut gleich eine gute Tat, in dem er Obi eine Medizin für ihre todkranke Mutter Renate mitgibt. Als er zudem offenbart, dass er eigentlich zu den Vril (einer Rasse von Reptilienwesen) gehört, die schon zu Zeiten der Dinosaurier auf die Erde kamen und die Entwicklung der Menschheit in eine bestimmte Richtung lenkten, traut Obi ihren Ohren kaum. Doch Kortzfleisch hält nicht weniger als den Schlüssel zum Überleben der Menschenkolonie auf dem Mars in der Hand. Und deshalb stimmt Obi zu, in seinem Namen eine gefährliche Expedition auf die zerstörte Erde zu unternehmen …

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Ankunft auf … nein, in der Erde

Respektlos, tiefschwarz und bis zum Anschlag politisch unkorrekt – das beschreibt in etwa Timo Vuorensolas 2011er Film Iron Sky, in dem der finnische Regisseur den Beweis antrat, dass die Nazis hinter dem Mond leben. Oder so ähnlich.
Nachdem sich Iron Sky aufgrund des Aufsehen erregenden Crowdfundings schon vor seinem Kinostart einen gewissen Kultstatus erarbeitet hatte, intensivierte sich das mit der Kinoauswertung und vor allem mit der Heimkino-Veröffentlichung noch ein bisschen mehr – zumal Vuorensola mit einer Zweitauswertung im Director’s Cut gleich noch ein zweites Mal die Kinos enterte. Qualitativ mag Iron Sky nicht ganz das Zeug zum Kultfilm haben, aber die Fanbase sah generös darüber hinweg.
Kein Wunder, dass der Finne schon früh mit der Idee einer Fortsetzung schwanger ging. Auch hier war der Produktionsprozess nicht ganz ohne und die Veröffentlichung zog sich immer wieder hin. Mit einem Budget von gut 15 Mio. Dollar hatte man dafür weit mehr Geld zur Verfügung, um die entsprechend aufwändigen Spezialeffekte zu realisieren.

Gute Laune unter Despoten

Iron Sky: The Coming Race bezieht sich natürlich erneut auf angebliche Geheimgesellschaften und krude Verschwörungstheorien. Wo der Vorgänger den Mythos einer angeblichen Reichsflugscheibe und einer geheimen Basis aufgriff, von denen die Nazis nach dem Ende des Weltkriegs aus im geheimen weiter operierten, ist der Name des zweiten Teils quasi Programm. „The Coming Race“ ist ein Roman von Edward Bulwer-Lytton. In diesem schreibt er von einer im Inneren der Erde lebenden Gemeinschaft, die eine geheime Kraft kontrolliert. Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veröffentlichte Roman wurde dann nationalistisch entfremdet und die Grundlage gipfelte später in der Vril-Gesellschaft. Die angebliche geheime Vereinigung soll Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts existiert haben und die Nazis durch übernatürliche Kräfte verstärkt und emporgebracht haben.
Alleine dieser hanebüchen Quatsch liefert schon genug Potenzial für eine zünftige Persiflage. Und man durfte hoffen, dass Vuorensola in Iron Sky: The Coming Race genauso respektlos zu Werke gehen würde wie im Vorgänger.Zu Beginn gelingt dem Film das auch ganz gut, wenn er ziemlich offen und ziemlich böse über einen gewissen Computer-/Handy-Hardware-Hersteller herzieht.
Wobei, so böse ist das eigentlich gar nicht. Vielmehr beschreibt es ja fast die Realität der Jünger und Anhänger jener Marke mit dem Apfel im Logo (okay, DAS war jetzt böse). Dennoch ließen die deutschsprachigen Filmkritiker am zweiten Teil nur wenig Gutes. Und obwohl man das in einigen Punkten so unterschreiben kann, ist es in anderen wiederum unfair. Denn eines hat Iron Sky: The Coming Race nicht: wirklich, wirklich schlechte Schauspieler.
Klar, Udo Kier war nie ein Robert De Niro und Julia Dietze ist auch keine Frances McDormand. Aber wenn man ein paar Tage zuvor Tal der Skorpione gesehen hat, ist das hier geradezu eine schauspielerische Offenbarung. Vor allem Lara Rossi kann man kaum einen Vorwurf machen. Sie füllt die Rolle der Obi selbstbewusst und mit starker Ausstrahlung aus.

Triaszeit-Ben-Hur

Was der Fortsetzung allerdings wirklich fehlt, ist der absurde Witz des Vorgängers. Die Konfrontationen zwischen den Nazis und dem dunkelhäutigen Washington, die für zahlreiche situationskomische Momente sorgten – ähnliches sucht man hier vergeblich. The Coming Race nimmt sich viel ernster als der erste Teil. Er möchte viel stärker ein echter Genrefilm sein als „nur“ eine Persiflage auf Star Wars und Konsorten. Außerdem versucht er sich (mal abgesehen von den unterliegenden Verschwörungstheorien) an einer echten Geschichte mit einem genre-üblichen Aufbau. Der pure Anarchismus, der den Vorgänger ausmachte, ist hier fast getilgt.
Immerhin gibt’s im russischen Flüchtling Sasha einen witzigen Antipol zu Obi, was schon mal für ein paar gelungene Gags sorgt – auch im Konflikt zwischen ihm, dem Hänfling, und Muskelpaket Malcolm.
Tatsächlich konzentriert sich der Film aber eher auf die visuellen Effekte. Deren Anzahl ist weitaus größer – und damit sind nicht mal (nur) die Dinosaurier-Tricks gemeint. Auch das Innere der Erde oder die Visualisierung der Raumschiff-Szenen gehören zu den computergenerierten Effekten. Man sieht, dass man einen guten Teil der 15 Mio. Dollar in CGIs gesteckt hat und diese weitaus professioneller umsetzen konnte als bei Iron Sky. Der Trash-Effekt geht damit zwar verloren, doch rein optisch muss man durchaus mal den Hut ziehen.

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Ob Leonardo da Vinci das so im Sinn hatte?

Bild- und Tonqualität

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Hitler hat den besten Berater für den Umgang mit einem iPhone: Steve Jobs

Während der gut ausgeleuchteten Szenen ist Iron Sky: The Coming Race rauscharm und sehr stabil im Bild. Wird’s dunkler in Innenräumen, gesellt sich allerdings sichtbares Korn hinzu (1’40). Sehr gut gelangen hingegen die Kontraste zum Betrachter. Schwarzwerte sind ziemlich satt und stellen eine tolle Dynamik zu den hell leuchtenden weißen Oberflächen dar. Farben – so sie vorhanden sind – werden recht kräftig wiedergegeben, wobei das grundsätzliche Color Timing wie beim Vorgänger auf (na klar) braune Farben abgestimmt wurde. Hauttöne kommen dadurch sehr angenehm und natürlich rüber, während eingestreute Lens-Flares bewusstes Stilmittel sind. Sehr gut gelingen Schärfe und Auflösung in Close-ups. Einzelheiten auf Gesichtern sind hervorragend erkennbar und auch in den Klamotten lassen sich feine Details erkennen.

Die eiserne Lady zeigt Hitler schon mal die kalte Schulter

Na das ist doch mal was: Eine reguläre Blu-ray mit Dolby Atmos für beide Tonfassungen. Was normalerweise den UHDs vorbehalten ist, wird also hier schon zum Genuss für Fans von regulären BDs. Da die Atmos-Spur auch noch in True HD – und damit verlustfrei – kodiert ist, dürfte einem satten Sounderlebnis nichts im Wege stehen.
Und so beginnt es bereits mit einem 3D-Sound, wenn die Raketen beim Nuklear-Angriff direkt mal über die Heights hereinfliegen (1’00). Während des Titelsongs wechselt zudem die Stimme des Laibach-Sängers auf die Höhenspeaker, was zu einem coolen Dialog zwischen ihm und der weiblichen Sängerin führt, deren Stimme aus dem Center kommt. Durchsagen auf der Mondbasis kommen ebenfalls von oben, während auf der regulären Ebene durchaus Druck entsteht, wenn die großen Metalltore öffnen und schließen. Auch das heran nahende Flugobjekt sorgt für Dynamik und die Rears werden immer wieder mit tollen direktionalen Effekten belegt – egal, ob rauschender Dampf, das Flugobjekt selbst oder Stimmen, die durch den Raum zu wandern scheinen. Der deutschen Synchro fehlt es allerdings ein wenig an Volumen, was für etwas dünne Stimmen sorgt.
Doch das ist nur ein kleiner Makel, wenn man coole Rundherum-Effekte aus ALLEN Lautsprechern geliefert bekommt wie das Zerbrechen der Glasscheibe nach gut einer Viertelstunde (16’00). Hier klirrt es von überall her und der Score gesellt sich auch noch auf die Heights. Cool sind auch die libellenartigen Flügelgeräusche nach 20 Minuten, während Obi dem Kapuzenmann hinterherläuft oder das Grunzen des T-Rex nach 28 Minuten. Grandios ist die klappernde und zugige Atmosphäre im rappeligen Raumschiff, mit dem unsere Protagonisten zur Erde düsen (ab 35’00). Müßig zu erwähnen, dass auch der Dschungel im Inneren der Erde aus allen Speakern auflebt und die Heights fleißig einbindet. Hier gibt’s dann auch immer mal wieder ziemlich satte Tiefbass-Momente – die aber noch gar nichts sind, gegen das Donnern, das nach 76 Minuten das Finale zwischen Obi und Kortzfleisch begleitet und den Boden des Heimkinos beben lässt. Wenn Obi dann den Gral birgt, rieselt und zischelt es fast dauerhaft von den Heights, was für ein erneutes akustisches Highlight sorgt (ab 58’00). Insgesamt ein vorzüglicher Atmos-Soundtrack, der seine Möglichkeiten hervorragend ausschöpft.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Iron Sky: The Coming Race gibt es insgesamt fünf Extras. Es beginnt mit dem Musikvideo „Coming Race“ von Laibach und geht über einen grandiosen Trump-Teaser hin zu einer Behind-the-Scenes-Slideshow. Der VFX-Breakdown zeigt dann einige Bildkompositionen der VFX-Künstler im Zeitraffer und „Iron Sky Spoiler Alert“ ist dann ein 92-minütiger Einblick hinter die Kulissen, der in kurzen Häppchen präsentiert wird und sich aus dem YouTube-Kanal des Films speist.

Fazit

„Sieg heil, Mutterfickers“ – es gibt ein paar lockere und absurd-witzige Gags in Iron Sky: The Coming Race. Wenn Hitler auf einem T-Rex durch die Mondbasis reitet und jenen Spruch ablässt, schmunzelt man durchaus mal. Ansonsten wurde die Gagdichte aber zugunsten der Tricktechnik drastisch zurück geschraubt, was dem Film nicht immer gut tut. Fans des ersten Teils greifen dennoch zu und Heimkinofreunde erfreuen sich am höchst druckvollen und mit zahlreichen coolen 3D-Sounds angereicherten Atmos-Ton, der fast Referenz-Qualität erreicht.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%

Tonqualität BD 2D-Soundebene (Originalversion): 90%
Tonqualität BD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 70%
Tonqualität BD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 85%

Tonqualität BD 2D-Soundebene (Originalversion): 90%
Tonqualität BD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 70%
Tonqualität BD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 85%

Bonusmaterial: 60%
Film: 55%

Anbieter: Splendid Film
Land/Jahr: Finnland/Deutschland/Belgien 2019
Regie: Timo Vuorensola
Darsteller: Lara Rossi, Vladimir Burlakov, Udo Kier, Kit Dale, Julia Dietze, Stephanie Paul, Tom Green, Edward Judge, Martin Swabey, Emily Atack
Tonformate: Dolby Atmos (True HD): de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 93
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Splendid Film)

Trailer zu Iron Sky: The Coming Race

Iron Sky – Trailer Deutsch

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