James Bond: Skyfall 4K UHD

Blu-ray Review

20th Century Fox Home Entertainment, 19.03.2020
20th Century Fox Home Entertainment, 19.03.2020

OT: Skyfall

Unterstützt die Arbeit an meinem Blog, indem ihr den Film bei Amazon kauft.
Unterstützt die Arbeit an meinem Blog, indem ihr den Film bei Amazon kauft.

Back to the Basics

Zum 23. Mal darf der Agent im Dienste seiner Majestät ran.

Inhalt

Craig, die Dritte. Mittlerweile zum Kultdarsteller der Reihe geworden

Bond verfolgt gemeinsam mit Eve Moneypenny in der Türkei einen Mann, der eine Festplatte mit geheimen Daten entwendet hat. Mit diesem Hard Drive könnten sich die Identitäten sämtlicher Agenten aufdecken lassen, die sich in kriminelle Organisationen eingeschleust haben.
Die Aktion schlägt fehl und Bond scheint durch einen Schuss aus Eves Waffe getötet worden zu sein.
Derweil wird M in England nahegelegt, ihren Posten niederzulegen, da Bonds Einsatz nicht erfolgreich verlief und die Situation eine echte Krise beim MI6 verursachen könnte. Als dann ein Bombenanschlag auf das Hauptquartier des britischen Geheimdiensts verübt wird, scheint alles sogar noch schlimmer zu sein als erwartet. Immerhin taucht der totgeglaubte Bond wieder auf, um M seine Hilfe anzubieten. Doch die Ermittlungen nach den Verantwortlichen führen Bond und M vor einen Gegner, der eine ganz persönliche Rechnung mit dem MI6 zu begleichen hat …

daniel-craig-collection-skyfall-szene-5.jpg
Ein neuer M tritt die Nachfolge der alten M an

Es war kein einfaches Unterfangen, das Sam Mendes da angehen musste, als er Anfang 2010 das Ruder bei Bond #23 übernahm.
Auch aus finanzieller Sicht lief es alles andere als glatt. MGM meldete im April Insolvenz an und nur durch das Einspringen von Sony Pictures konnte man das Ding doch noch auf die Beine stellen. Dann allerdings immerhin mit dicken 200 Mio. Dollar im Rücken.
Vor allem aus künstlerischer Sicht galt es aber Reparation zu betreiben und vergraulte Fans zurück zu gewinnen.
Denn während die einen Quantum Trost als konsequente Weiterentwicklung feierten, ließen die Meisten (außer an Craig) kaum ein gutes Haar an Forsters Film. Entsprechend groß waren die Vorbehalte gegenüber dem dritten Film.
Dass Skyfall aber wieder zu alter Stärke finden würde, konnte man möglicherweise bereits am vorab veröffentlichten Titelsong erahnen. Denn wo Chris Cornells You Know My Name aus Casino Royale sowie das Duett Another Way to Die zu Quantum Trost von Alicia Keys und Jack White kaum Wiedererkennungswert lieferten, beschwörte Adeles Skyfall sämtliche Tugenden der früheren Songs. Der erste Oscar für eine Bond-Song sowie 7 Mio.! verkaufte Singles waren der Dank für diesen äußerst starken Hit. Und wer die Historie kennt, der weiß, dass gute Titelsongs immer auch die Lust auf den Film selbst ankurbelten.
Skyfall war dann auch der erhoffte „Killer“. Denn die Reduktion auf eine sehr persönliche Geschichte, die das Verhältnis von Bond und M in den Mittelpunkt rückt, funktioniert vor allem aufgrund einer ganz bestimmten Tatsache hervorragend.

Raoul Silva hat sehr persönliche Gründe für sein Wirken

Darf man Mathieu Almaric als Dominic Greene zweifelsohne als einen der blassesten Bond-Gegenspieler aller Zeiten bezeichnen, gibt’s in Skyfall „mal eben“ einen der brillantesten Schurken der gesamten Bondhistorie. Der erblondete Javier Bardem als Ex-Agent und Cyberterrorist Raoul Silva ist so gut, dass es einem beim Zuschauen schon mal kalt den Rücken runter läuft. Nicht wenige Zuschauer hätten sich ihn als neuen Permanent-Gegner vorstellen können – wie dereinst einen Ernst Stavro Blofeld. Schon das erste Aufeinandertreffen zwischen ihm und Bond gerät zum packenden Schlagabtausch. Dass sich das Ganze dann vor allem auf eine persönliche Geschichte konzentriert, war auch Mendes‘ Verdienst. Der Regisseur hatte frühzeitig verkündet, dass sich Bond #23 vor allem um seine Hauptfigur drehen sollte.
Alles, was Quantum Trost vier Jahre zuvor vermissen ließ, war plötzlich wieder da: Spannung, persönliche Entwicklung, Emotionen und vor allem ein echtes Gefahrenpotenzial. Was Skyfall von Beginn an vermittelte, waren die Ernsthaftigkeit der Geschichte sowie die erbarmungslosen Absichten Silvas. Bardem lässt in seiner Charakterisierung des Bösewichts keinen Zweifel daran, dass er es ernst meint und dabei bis an – oder sogar über die Grenzen geht.
Nach einem ziemlich gelungenen Storytwist zur Hälfte des Films gipfelt das Geschehen dann in einem unglaublich intensiven Showdown rund um ein schottisches Herrenhaus in den Highlands. Atmosphärisch sensationell gefilmt und aufgrund der akuten Bedrohung unglaublich spannend avancierte Skyfall zum erfolgreichsten Film der Reihe überhaupt.

daniel-craig-collection-skyfall-szene-11.jpg
Zwei Ikonen der Filmhistorie

Bild- und Tonqualität BD

daniel-craig-collection-skyfall-szene-18.jpg
Silva knöpft sich Bond vor

Als erster volldigital aufgenommener Bond ist Skyfall von Anfang an ziemlich weit weg vom analogen Korn der beiden Vorgänger. So weit weg, wie es nur geht. Tatsächlich ist die Blu-ray von Craig-Bond #3 noch heute eine mustergültige Scheibe, wenn es um die Wiedergabe-Qualität von digital aufgezeichneten Filmen geht.
Die Bildruhe sucht immer noch ihresgleichen, während Close-ups dermaßen knackig sind, dass man aber auch jede einzelne Falte in Judi Denchs Gesicht erkennen kann (11’53, 19’00, 70’23). Das Gleiche gilt praktisch für jede Naheinstellung von egal welchem Darsteller. Besser geht das mit Full-HD-Signalen nicht.
Auch in Sachen Kontrast gibt es hier nichts zu meckern. Ob es die etwas kühleren Szenen in London sind oder die warme Farbgebung während Bonds Rekonvaleszenz: ob man die satten Schwarzwerte bei der Totalen auf das nächtliche Shanghai nimmt, die fantastischen Neonfarben in Kapitel 12 oder die eher graublauen Töne in den Highlands – stets bleibt die BD Herr über jede Situation.
Möchte man etwas kritisieren, dann vielleicht die etwas zu hellen Einstellungen in der Eröffnungssequenz, die ab und an etwas kontrastschwach und wenig detailreich erscheinen. Auch Craigs Antlitz beim Close-up während der Motorrad-Verfolgung auf den Dächern von Istanbul gerät ein wenig – sagen wir – künstlich (5’28). Der gröbste, allerdings sehr kurze Schnitzer, sind die ein/zwei Momente sichtbaren Bandings während des Titelsongs und der Ab-, bzw. Aufblendungen in den dortigen Unterwasserszenen (13’09). Nur hierfür gibt’s einen leichten Punktabzug. Ansonsten liefert die BD immer noch Referenzwerte.
Auch akustisch, da wiederholt man sich gerne, gibt es kaum etwas zu meckern. Der zwar auch hier auf reguläres dts runterkomprimierte Sound ist selbst nach heutigen Maßstäben immer noch ein absoluter Genuss. Vielleicht mangelt es hier und da etwas am sattesten Tiefbass und in den ganz hektischen Actionszenen klingen Dialoge schon mal etwas dünner, aber was hier an Direktionalität, Surround-Umgebung und Feinzeichnung geboten wird, ist allererste Sahne. Schon die Eröffnungsszene lässt keine Wünsche offen und beendet das Ganze auch noch mit mustergültiger Stille, nachdem Moneypenny ihren Schuss abgegeben hat. In diesen Momenten wird klar, dass das Sounddesign so clever gestaltet wurde, dass sowohl die immensen Dynamikattacken als auch die leisen Geräusche extrem präzise wiedergegeben werden. Richtig großartig wird es dann nach knapp zwei Stunden, wenn Bond und M auf dem Anwesen von zahlreichen Typen belagert werden und die Schusswaffen minutenlang sprechen. Eins ist klar: Skyfall macht akustisch auch heute noch richtig Spaß – trotz komprimierter Tonspur.

Bild- und Tonqualität UHD

daniel-craig-collection-skyfall-szene-20.jpg
Moneypenny darf auch in den Außendienst

Skyfall ist, wie gesagt, der erste Craig-Bond, der komplett digital gefilmt wurde. Mit einer Mischung aus drei unterschiedlichen ARRI-Alexa-Kameras sowie einer Red Epic gab’s auch am Ausgang unterschiedliche Auflösungen von 2.8K bis 5K. Ausgehend davon wurde ein 4K-DI erstellt, weshalb wir es also  FAST mit einer nativen 4K-Scheibe zu tun haben.
Ebenso wie bei den beiden anderen wurden auch hier ein erweiterter Farbraum sowie HDR10 und Dolby Vision integriert, um dem Bild die entsprechende Dynamik mitzugeben. Auch hier zeigt sich bei Dolby Vision ein maximal hauchfeiner Unterschied. Betrachtet man die reine Datenmenge der UHD (mit etwas über 60GB für einen 145-Minuten-Film nicht eben viel), darf man durchaus die Frage stellen, ob man seitens 20th Century Fox überhaupt dynamische Metadaten hinterlegt hat.
Da die UHD nicht mit analoger Körnung dealen muss, kann sie sich ganz darauf konzentrieren, das bereits fast perfekte Bild der Blu-ray auf ihrem eigenen (fast) 4K-Level noch mal dieses Quäntchen feiner zum Betrachter zu bringen. Zunächst sei gesagt, dass die HDR-Kontrastdynamik hier zuvorderst für intensiveres Schwarz während der nächtlichen Totalen über Shanghai und (zwei Kapitel später) über London sorgt. Das sind dann schon sehr beeindruckend-kontrastreiche Momente. Auch können die Spitzlichter hier nochmal deutlichere Akzente setzen, weil die leuchtenden Schriften und Lichtelemente auf den Wolkenkratzern der chinesischen Millionenstadt noch etwas mehr strahlen und klarer abgegrenzt sind. Die BD macht das zwar schon sehr gut, die UHD kann’s aber noch ein bisschen besser. Allerdings ist der über Shanghai noch bessere Schwarzwert bei der Totalen über Macau nach 51’41 eher schwächer – eine Szene, bei der die BD einzelne Gebäude im Hintergrund etwas knackiger schwarz darstellt.
Schön hingegen, dass die UHD es nicht mit der Farbintensivierung übertreibt, sodass die sehr rotbräunliche Szene in der Bar zu Beginn von Kapitel 15 nicht überkontrastiert. Probleme dieser Art hat man bei UHDs in solchen Momenten durchaus schon gesehen. Die noch ganz dezent vorhandenen Kompressionsartefakte der Blu-ray (bspw. rund um Big Ben bei 134’49) sind der 4K-Disk dann ohnehin fremd. Von der Farbgebung selbst sind die Unterschiede nur gering. Aufgrund des dunkleren Masterings wirken Hautfarben noch etwas wärmer und neutrale Oberflächen tendieren etwas mehr ins Grünliche – das war’s dann aber auch schon.
Vielleicht fehlt am Ende die ganz große Differenz zur Blu-ray, um noch einmal für einen Wow-Effekt zu sorgen, wo die BD einfach schon sensationell gut ist, aber dennoch (und trotz ein paar wenigen schwachen Momenten im Schwarz) dürfte Skyfall zu den besten UHD-Realfilm-Umsetzungen überhaupt gehören.

Blu-ray (19’07): (Slider ganz nach rechts): Die Blu-ray ist heller und sehr scharf.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD ist dunkler und sehr scharf.

Blu-ray (38’28): (Slider ganz nach rechts): Während der hellen Außenaufnahmen kann die BD im direkten Vergleich nicht ganz mithalten.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD ist im Hintergrund weniger trüb und dadurch kontrastreicher.

Blu-ray (86’47): (Slider ganz nach rechts): Eine der wenigen Szenen, in denen die Farbgebung recht unterschiedlich ist.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD kommt mit kräftigerem Beige in der Jacke und etwas grünlicherer Wand im Hintergrund.

UHD HDR10 (105’50): (Slider ganz nach rechts): Ein Vergleich zwischen HDR10 und Dolby Vision.

UHD Dolby Vision (Slider ganz nach links): DV zeigt einen Hauch mehr Helligkeit, mehr nicht.

Blu-ray (17’13): (Slider ganz nach rechts): Man muss schon sehr nahe ranzoomen, um in der Auflösung zwischen BD und UHD einen Unterschied zu erkennen.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Wer entsprechend genau hinsieht, bemerkt, dass die UHD die leichten Artefakte um die Buchstaben tilgt – wirklich detailreicher/schärfer ist sie nicht.

Wie man anhand des Vollbilds sieht, ist der obige Bildausschnitt schon sehr stark eingezoomt
Wie bei den ersten beiden Bonds auch, ändert sich der Ton bei Skyfall nicht. Enthalten sind auf der UHD die identischen Spuren, die man über die Blu-ray bereits kennt.

Bonusmaterial

Bond in der Klemme

Im Bonusmaterial von Skyfall, das erneut auf der Blu-ray vorliegt (ausgenommen der beiden Audiokommentare, die auch über die UHD abrufbar sind) finden sich zwei Featurettes. „Die Filmpremiere“ zeigt einige Bilder vom roten Teppich der Weltpremiere in London, was für Komplettisten sicher ganz nett ist. Kernfeature aber ist „Die Entstehung des Films“. Dieses gut einstündige Making-of ist in 14 Teile aufgesplittet und beleuchtet tatsächlich fast alle Bestandteile der Produktion. Von der Entstehung der Story über die Integration von Figuren wie Silva oder die Actionszenen und Stunts ist hier alles am Start.

Fazit

Skyfall schafft, was nur Wenige wirklich vermutet hätten. Er lässt den schwachen Quantum Trost vergessen, vereint die alten Tugenden des Agenten mit einer sehr persönlichen Geschichte, die in einem der besten Showdowns gipfelt, die das Franchise kennt. Dazu ein Schurke von echtem Format und treffsichere Action. Viel besser geht’s nicht.
Die UHD macht aus der fast perfekten Blu-ray eine ebenso hervorragende 4K-Scheibe mit (fast) echtem 4K.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 95%
Bildqualität UHD (HDR10 & Dolby Vision): 95%

Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 95%
Tonqualität BD/UHD (Originalversion): 95%

Bonusmaterial: 80%
Film: 90%

Anbieter: 20th Century Fox Home Entertainment
Land/Jahr: USA/Großbritannien 2012
Regie: Sam Mendes
Darsteller: Daniel Craig, Javier Bardem, Dame Judi Dench, Ralph Fiennes, Naomie Harris, Ben Whishaw
Tonformate BD/UHD: dts 5.1: de // dts-HD-Master 5.1: en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 143
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD 66
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: Keine Angabe
FSK: 16

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots: © 2015 Danjaq, LLC and Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. TM Danjaq, LLC. All Rights Reserved.)

Trailer zu Skyfall

James Bond - Skyfall - Offizieller Trailer in Deutsch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.