John Wick: Kapitel 3 4K UHD

Blu-ray Review

Concorde Home Entertainment, 04.10.2019
Concorde Home Entertainment, 04.10.2019

OT: John Wick: Chapter 3 – Parabellum

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Regeln und Konsequenzen

John Wick gegen den Rest der (Killer)Welt.

Inhalt

New York ist ein verregneter Ort

John Wick wusste, was er tat, als er Santino D’Antonio im New Yorker Continental durch einen Kopfschuss tötete. Er wusste um die Tatsache, dass in den Continentals keine „Geschäfte“ gemacht werden und eine Immunität herrscht. Und er wusste darum, dass man ihm aufgrund seines Verhaltens in der Folge seiner Tat sämtliche Privilegien entziehen würde: Excommunicatio, wie der Lateiner (und Winston) sagt.
Sein Kopfgeld wird auf 14 Mio. Dollar festgesetzt, erhöht sich aber mit jeder Stunde. Kein Wunder, dass von dem Moment, da die Stunde 18h schlägt, sämtliche Killer dieser Welt hinter John her sind, um sich die Kohle einzustreichen. Mit Mühe gelangt der Gejagte zu einer altehrwürdigen Vertreterin der Zunft, der Direktorin. Diese gewährt ihm gegen ein Kruzifix freies Geleit nach Marokko, wo John hofft, auf seine alte Freundin Sofia zu treffen. Sofia leitet das Continental in Casablanca und kann ihm vielleicht den Weg zu den Ältesten weisen, wo John Abbitte leisten kann. Allerdings sind nach wie vor die Verfolger hinter ihm her. Allen voran ein gewisser Zero, den die Richterin auf John angesetzt hat, nachdem sie bereits Winston und den Bowery King abgestraft hat. Und Zero ist kein Kanonenfutter für John, sondern ein ebenbürtiger Gegner …

john wick kapitel 3 4k uhd blu-ray review szene 10
SEHR verregnet

Das muss man auch erst einmal schaffen: Ausgehend vom ersten John Wick über die Fortsetzung aus dem Jahr 2017 bis zum jetzigen dritten Teil verdoppelte jeder Film das Einspiel des Vorgängers. In einer Zeit, in der das Publikum oft die Nase voll hat von blutleeren Fortsetzungen, ist das ein erstaunlicher Erfolg. Und für das Team aus Drehbuchautor Kolstad, Regisseur Stahelski und Hauptdarsteller Reeves eine Bestätigung ihrer gemeinsam erschaffenen Kultfigur.
Man mochte 2015 kaum glauben, dass ausgerechnet der lange Zeit unglücklich durch Hollywood-B-Ware schlingernde Keanu Reeves mal wieder für einen echten Hit gut war – und sah sich umso erfreuter im Irrtum. Was Reeves nach monatelangem Training unter der Anleitung von Stunt-Koordinator und Neu-Regisseur Chad Stahelski in die Figur des Rache suchenden Ex-Killers legte, war frisch. Es war neu und es war verdammt hart. Die unmittelbaren Fights perfektionierten und erweiterten das, was Liam Neeson seinem Publikum in den 96-Hours-Filmen an handfester Action lieferte. Dabei blieben sie roh und wirkten (bewusst) etwas ungeschliffener als bspw. die tänzerische Ballett-Action, die Jason Statham in seinen Rollen verkörpert.
Dazu gelang es mit dem ersten Teil, das Publikum so zu emotionalisieren, dass es die folgende Walze der Gewalt nur zu gerne akzeptierte. Für die Damen reichte es, dass ein Hund getötet wurde, für die Herren gab’s noch den Diebstahl des Muscle-Cars. Welcher Mann würde da nicht ausrasten?

Ein PS auf vier Füßen gegen 150 PS auf zwei Rädern. Wäre es nicht John Wick, wäre es ein ungleicher Kampf

Aber Spaß beiseite: Die Motivation hinter Wicks Taten war nachvollziehbar und die Regie schaffte es nicht nur, die Figur emotional aufzuladen, sondern auch den Spagat zur Action zu meistern.
Als dann der zweite Teil herauskam, fehlte zwar die hochgradige Initialzündung des Vorgängers, doch aufgrund der dauerhaften Bedrohung konnte man auch hier mitfiebern. Allerdings mangelte es etwas am Neuen und Innovativen und außerdem war der Widersacher etwas blass geraten. Umso gespannter durfte man auf den dritten Teil sein. Denn mal abgesehen von Avengers: Infinity War gab es zuletzt keinen so packenden Cliffhanger zwischen zwei Filmen wie jenen am Ende von John Wick: Kapitel 2.
Und hier sind wir nun: John ist aufgrund seiner Taten bei seiner Gilde Ungnade gefallen und damit vogelfrei. Er genießt keinerlei Schutz mehr und hat keine Verbündeten, auf die er zählen kann. Dafür trachtet ihm jeder verfügbare Killer nach dem Leben.
Es geht hier also nicht mehr um Rache oder um die Einlösung einer Blutschuld. Es geht ums nackte Überleben. John gegen 10.000. John gegen die Welt.
Und was ist John Wick: Kapitel 3 für ein fulminanter Actionfilm geworden. Da wird gleich mal zu Beginn in der Bibliothek ein Fight gegen einen hünenhaften Gegner präsentiert, der in Sachen Härte richtig zupackt und auf geniale Art und Weise ein Buch integriert. Doch auch das wird noch getoppt, wenn bei der Kampfsequenz im Waffenmuseum auch die Altersfreigabe von 18 konkret begründet wird. Wenn John dann zu Pferde gegen Motorradkiller anrückt, hat man so etwas genauso wenig schon gesehen, wie die sensationelle Szene mit Sofias trainierten Hunden.
Durchweg sind die Kampfszenen erneut dermaßen fantastisch choreografiert und ausgeführt, dass man jedem Akteur das monatelange Training (Halle Berry brach sich nach eigenen Aussagen bei den Proben drei Rippen) ansieht.

Die Richterin nimmt die Exekutive schon mal selbst in die Hand

Jetzt kann man kritisieren, dass sich bei 130 Minuten Laufzeit das Gekämpfe irgendwann wiederholt und repetitiv wirkt. Man kann. Oder man kann es lassen und einfach Spaß dran haben.
Zumal der dritte Teil den Kosmos eben auch um interessante Charaktere und Elemente erweitert. Der „Ältesten“, den der Film beispielsweise aus dem Hut zaubert, gibt John Wick; Kapitel 3 eine weitere, fast mythische Ebene.
Interessant gerät auch die Figur der Richterin der Hohen Kammer. Die von Asia Kate Dillon (Brandy Epps aus Orange is the New Black) verkörperte Instanz geht in ihrem Handeln scheinbar emotionslos vor und übt ihre Kompetenzen konsequent aus. Allerdings hätte das noch etwas mehr Potenzial gehabt.
Während der Vorgänger auch erzählerisch etwas auf der Stelle trat, man nur wenig Neues aus dem Kosmos der Killer erfuhr, legt Kapitel 3 hier gehörig nach. Der Zuschauer erfährt deutlich mehr über diese verschworene Gilde und vor allem über John Wick selbst. Wir bekommen seinen echten Namen, seine Nationalität sowie ein paar Hintergründe darüber, wie er wurde, was er ist. Wir lernen dabei so etwas wie seinen Mentor kennen und am Ende scheinen die 130 Minuten wie im Flug zu vergehen.

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Wick besucht die Direktorin

Was wiederum auch daran liegt, dass John Wick: Kapitel 3 keine Einführung braucht. Ganz im Gegenteil. Teil III schließt dermaßen nahtlos an den Vorgänger an, dass man meinen könnte, die Blu-ray des zweiten Teils gerade erst aus dem Player genommen zu haben. Keine Erklärung, was los ist. Keine Atempause. Volldampf voraus ist die Devise des auch in Sachen Schauplätze größer angelegten Film.
Die Tatsache, dass man nach Marokko ging, um dort auf Johns alte Weggefährtin zu treffen, erweitert den Film auch optisch. Bisher fanden Kämpfe und Handlung ja doch eher in der dunklen oder wahlweise verregneten Gegend New Yorks statt. Das helle und wüstenartige Setting sorgt hingegen für eine willkommene Abwechslung.
Und wenn es doch mal ein wenig zäh wird, sorgt die lockere Humornote nach wie vor für einige Gags. Vor allem die Kampfszenen, in denen John nicht mit herkömmlichen Waffen arbeiten kann und sich Alternativen suchen muss, zeugen davon. Wenn er sich beispielsweise mit den Asiaten im Waffenmuseum Kämpfe liefert und das Ganze in ein irrsinniges Messer-Gewerfe ausartet, darf man das durchaus auch mal komisch finden.
Gar nicht komisch ist Zero. Und damit hat der dritte Teil gegenüber dem direkten Vorgänger auch noch einen weiteren Pluspunkt: Den cooleren Antagonisten. Der glatzköpfige Ninja-Killer wird von Mark Dacascos gespielt – immerhin einem gelernten Kampfkünstler in verschiedenen Kampfstilen – der Reeves in Bewegungsfähigkeit voraus ist und damit mindestens ein gleichwertiger Gegner.
Und weil John Wick: Kapitel 3 die Messlatte noch mal höher legen kann, darf man gespannt auf den vierten Teil sein. Dieser folgt in zwei Jahren und wird (erneut) von einem gemeinen Cliffhanger angeteasert.

Auch der Bowery King bekommt die eiserne Hand der Richterin zu spüren

Bild- und Tonqualität BD

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Ein Hund, wie ihn sich Berrada auch wünschen würde

John Wick: Kapitel 3 liefert über die Blu-ray ein ähnliches Bild wie sein Vorgänger. Mit deutlicher Filterung zwischen sehr warm (Marokko-Szenen) und unterkühlt (gläsernes Museum in Kapitel 11) variiert der Look. Mit grundsätzlich sehr guter Dynamik präsentiert die BD die Farben, die bisweilen sehr lebhaft und bunt gestaltet wurden. Auf der anderen Seite herrscht doch sehr oft Nacht. Und im Verbund mit dem Dauerregen wird hier und da schon mal ein Detail verschluckt. Alles in allem ist aber auch der Kontrastumfang sehr gut und Schwarz kommt für eine Blu-ray sehr prägnant rüber.
Ebenfalls gut ist die Schärfe, die Close-ups (bspw. die seitlichen Aufnahmen der Telefonistinnen in der Zentrale der Hohen Kammer) sind von hervorragender Detailauflösung und auch Ian McShanes charismatisch-faltiges Konterfei bietet dreidimensionale Plastizität. Im Prinzip gibt’s hier kaum etwas auszusetzen, wenn man von den teils etwas harschen Kontrastübergängen absieht.

Sofia „darf“ nun ihre Schuld bei John einlösen

Beim Ton schöpft John Wick: Kapitel 3 aus dem Vollen und präsentiert die deutsche und englische Sprachfassung in dts-HD-Master mit 7.1 Spuren. Verlustfrei kodiert sollte es hier doch mit dem Teufel zugehen, wenn man keinen referenzhaften Sound erhält. Und, keine Sorge: Es geht NICHT mit dem Teufel zu. Wir sind ja auch nicht bei Disney, die immer wieder für undynamische Tonspuren sorgten, trotz verlustfrei kodierter Original-Tonspuren.
Ehrlich gesagt, muss man hier sogar etwas nach dem Makel suchen. Denn der Sound von JW 3 verdient ein Prädikat für besondere Feinzeichnung und Atmosphäre. So ist die Surround-Kulisse in den entsprechenden Szenen herausragend gut gelungen. Gerade die Gung-Fu-Szenen mit einer unzähligen Vielfalt an Schüssen sorgt für perfekte Direktionalität, wenn Querschläger nur so um die Ohren fetzen (ab 58’00). Das Schöne an John Wick 3 ist, dass er keine Überfülle an Sound-Action liefert. Also nicht etwa wie ein Fast & Furious, um mal einen Vergleich zu ziehen. Deshalb bleiben die Punches, Schüsse und klirrende Glasscheiben stets definiert und gehen nicht in einem fetten Soundbrei unter. Dennoch kann der Ton auch mal feste zupacken, wenn vor dem letzten Viertel zu virtuoser Musik Granaten explodieren (ab 92’50). Gleichzeitig beherrscht der Ton aber auch die feinen Signale wie das Tappen der Ballett-Tänzerin nach 25 Minuten, was für eine hervorragende Dynamikspreizung spricht. Vielleicht hätte der Tiefbass-Bereich insgesamt noch etwas mehr Punch haben dürfen, wobei die Schüsse aus den Pumpguns dann durchaus heftig ausfallen (ab 98’50).

Bild- und Tonqualität UHD

John trifft auf eine Institution

Gefilmt mit Arri-Alexa-Mini- und Arri-Alexa-SXT-Plus-Kameras lagen am Ausgang 3.2K an. Im Gegensatz zum ersten Teil, der mit einer Basis von 2.8K ein 4K-DI erhielt, skalierte man bei John Wick: Kapitel 3 genauso wie beim Vorgänger aber auf ein 2K Digital Intermediate runter, um von dort wieder auf 4K hoch zu rechnen und die UHD damit auszurüsten. Es ist also leider keine (beinahe) nativ aufgelöste Disk wie beim ersten Teil.
Zusätzlich spendierte man der UHD natürlich noch einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum sowie die höhere Bilddynamik im statischen HDR10 und dynamischen Dolby Vision.
Nimmt man sich den Film nun im direkten Vergleich mit der Blu-ray vor, fällt neben der etwas dunkleren Abstimmung auf, dass HDR10 hier keine Probleme im Schwarz hat (wie zuletzt einige andere Titel).
Ganz im Gegenteil: Konstrastumfang und Bilddynamik sind klasse. Farben kommen extrem knackig aus dem nächtlichen Anfangs-Szenario und bei der Totalen zu Beginn von Kapitel 10 sorgen fantastische Spitzlichter für einen echten HDR-Wow-Effekt. Gut sichtbar sind die Vorteile der UHD bspw. bei einzelnen LED-Lämpchen wie den grünen Leuchtdioden bei 94’14, die über die Blu-ray beinahe ineinander verlaufen, von der UHD aber sauber getrennt werden.
Dazu ist die Auflösung trotz des noch hochskalierten Bildes sichtbar besser. Nimmt man sich die Vogelperspektive nach fast 32 Minuten, bleiben Feinheiten wie Antennen auf den Wolkenkratzern oder Brücken-Verstrebung bis in den Hintergrund besser zu erkennen. Wer sich dieses Bild im direkten Vergleich mit der Blu-ray auf einer zwei Meter großen Leinwand (oder mehr) anschaut, wird nie mehr über hochskalierte UHDs meckern. Zumal auch Close-ups knackiger erscheinen und noch dreidimensionaler wirken. An und für sich also ein sehr gutes UHD-Bild …

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Schützenhilfe in Marokko

… an und für sich. Denn dann offenbart sich plötzlich etwas, das einer UHD (vor allem im direkten Vergleich mit der BD) nicht passieren dürfte:
Beim Sonnenaufgang zu Beginn von Kapitel 9 zeigen sich entlang des orangefarbenen Leuchtens deutliche Artefakte. Spielt man den Übergang von Kapitel 8 auf 9 ab, versuchen diese sich zu fangen und pulsieren dabei. Zum Schluss gelingt das dann, doch solche Schwierigkeiten in der Farbauflösung sollten einer UHD (die ja ein Plus an Farbtiefe bietet) nicht passieren. Der Blu-ray sind diese Artefakte an der Stelle tatsächlich fremd.
Dolby Vision löst diese Sequenz besser auf als HDR10, zeigt kaum Artefakte und zuckt auch nicht unangenehm. Das wird zum einen an der mit 12 Bit noch größeren Farbtiefe liegen, aber auch an der Datenrate. Denn während HDR10 und die Blu-ray an dieser Stelle gleichermaßen mit etwa 20-25 Mbps laufen, liegt Dolby Vision hier bei 35-55 Mbps.
Zwar bleibt dieser Moment praktisch einzigartig und Dolby Vision macht es immerhin so gut, dass man es nur noch bedingt sieht, aber hier hätte man mehr Sorgfalt üben können.

Blu-ray (9’09): (Slider ganz nach rechts): Die Blu-ray liefert schon ein recht ansprechendes, kontraststarkes Bild.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD kann das allerdings schon per HDR10 noch dynamischer. Die Lichter bleiben definierter und wirken im Verbund mit dem knackigeren Schwarz noch prägnanter.

Blu-ray (63’30): (Slider ganz nach rechts): Die Wüste kommt über die BD etwas gelber rüber.

UHD Dolby Vision (Slider ganz nach links): Die UHD intensiviert die Rotbraun-Anteile im Sand und wirkt von der Stimmung her etwas nachmittäglicher.

Blu-ray (63’19): (Slider ganz nach rechts): Das Vergleichsbild mit der oben im Text angesprochenen Farbauflösungs-Problematik. Die BD zeigt hier nur mit Adleraugen ein ganz leichtes Banding.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD offenbart mit HDR10 deutliche und sehr unschöne Artefakte. Es bleibt zwar bei dieser einen Szene, aber schade ist das für HDR10-Nutzer dennoch. (Zur Verdeutlichung wurde leicht ins Bild gezoomt. Man sieht etwa 70% vom vollen Bildinhalt).

Blu-ray (74’50): (Slider ganz nach rechts): Dass die UHD trotz der obigen Problematik die bessere Wahl ist, zeigt dieses Bild. Die Blu-ray ist zwar satt schwarz, aber die Lichter fransen etwas aus und die beleuchteten Fenster sind nicht so klar definiert.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD liefert hier einen mustergültigen HDR-Spitzlichter-Wow-Effekt mit intensiven Highlights und dennoch sattem schwarz.

Blu-ray (83’58): (Slider ganz nach rechts): Hauttöne werden von der Blu-ray etwas heller/gräulicher wiedergegeben.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD hinterlässt hier einen etwas wärmeren Eindruck.

Blu-ray (31’49): (Slider ganz nach rechts): Im laufenden Bild eine der deutlichsten Szenen für den Auflösungsunterschied.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Trotz der „nur“ hochskalierten Disk erkennt man hier durchweg mehr Details und das Bild ist in der Tiefe wesentlich ruhiger.

Blu-ray (31’49): (Slider ganz nach rechts): Zoomt man ins Bild, wird der Abstand zwischen BD und UHD noch deutlicher.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die Ultra-HD zeigt die Querstreben sowie die vier dreieckigen Spitzen an der Antenne, wo die BD sie verschweigt.

Showdown mit dem Ninja

Große Freude beim Sound. Gegenüber den meisten großen Anbietern (Warner und Universal oftmals ausgenommen) liefert Concorde John Wick: Kapitel 3 mit Dolby-Atmos-Spuren für beide Sprachfassungen aus – und zwar mit verlustfreiem True-HD-Codec. Erfreulich ist das vor allem deshalb, weil Teil I und II zwar auch Atmos-Fassungen hatten – allerdings nur für die Originalsprache.
Und wo der dts-HD-Master-Sound der Blu-ray schon ordentlich hinlangte, gelingt der Atmos-Vertonung das genauso gut. Auf der regulären Ebene heißt es hier deshalb, dass man kaum Unterschiede zum dts-HD-Pendant der BD hört. Aber wir haben ja noch die Höhen-Ebene obendrauf und ohne zu übertrieben zu formulieren: Der 3D-Sound von John Wick 3 ist richtig klasse:
Beginnend mit dem Donner nach 1’36 geht es über einen herrlich-atmosphärischen „Wusch“-Sound nach 2’45 weiter mit Regengeräuschen nach 3’50. Straßengeräusche (hupende Autos) gesellen sich hinzu und immer wieder hört man leise den Regen – auch wenn er auf das Dach des Doktors prasselt (13’30). Drei Minuten später hört man dann erstmalig Schüsse aus den Heights, was in der Folge durch Querschläger sowie ein zischendes Messer aus der oberen Etage ergänzt wird (18’29). Nach 35 Minuten hört man den austretenden Dampf und ein Stampfgeräusch im Krematorium und kurz darauf wieder Regen auf den Schirmen. Klasse sind die Einzel-Tropfgeräusche kurz darauf in der Höhle, die richtiges Gänsehautfeeling hervorrufen – gerade weil sie so dezent einfügt werden (39’07).

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Zwei, die sich ebenbürtig sind

Eine der intensivsten Szenen für den 3D-Sound ist die sich ab der 52. Minuten ankündigende, etwa zehnminütige Sequenz auf dem Anwesen von Berrada. Es beginnt mit hörbarem, entferntem Meeresrauschen, bis nach 56’14 ein Schuss die Stille durchreißt und gleich mehrfach von den Heights nachhallt. Daraufhin entbrennt eine Schießerei, die unzählige Querschläger sowie das Hundegebell von oben herabfetzen lässt – klasse. Ebenso klasse wie die U-Bahn, die nach 75’30 quietschend über die Köpfe hinweg rattert. Kurz vor und während des Finales sorgen dann immer wieder mal zersplitternde Glaskästen für sehr direkte und laute Signale aus der oberen Ebene.
Was man jedoch für die deutsche Fassung weggelassen hat, ist der leichte Anteil an Filmscore, den man über die englische Atmos-Version auch über die Heights bekommt. Das kann zum Beispiel bei der Szene mit dem Pferd sein oder auf dem Basar nach etwas über 38 Minuten und vielen anderen Situationen. Die deutsche Atmos-Version belässt es bei den isolierten 3D-Soundeffekten, ohne Filmmusik-Anteil. Das hört sich allerdings subjektiv stimmiger an, weil die dedizierten Effekte deshalb prägnanter hervorstechen und nicht in der Musik untergehen.
Wer aber gerne möglichst viel von oben bekommen möchte, der wird vermutlich den O-Ton mit der zusätzlichen Filmmusik bevorzugen.
Insgesamt aber in beiden Sprachen eine deutlich aktivere Atmos-Spur als bei der englischen Fassung des zweiten Teils.

Bonusmaterial

Sofias Hunde sind echte Kämpfer

Insgesamt neun Featurettes warten im Bonusbereich von John Wick: Kapitel 3. Allesamt liegen sie auf der BD und der UHD vor. Es beginnt mit „Das Vermächtnis der hohen Kammer“, in dem Regisseur und Hauptdarsteller erklären, wie sie die zweite Fortsetzung angingen, um es noch einmal originell zu gestalten. „Excommunicado“ beschäftigt sich mit den Einflüssen, die den dritten Teil auch optisch veränderten – bspw. die Integration von Ninjas. „Das Ziel vor Augen“ kümmert sich dann um das erneut intensive Training, das Reeves so weit bringen sollte, selbst eine Art Martial-Arts-Stundtman zu werden. „Aufsatteln“ nimmt sich die Sequenz mit dem Pferd vor und „Motorräder, Klingen, Brücken und Bits“ jene mit den Bikes auf der Brücke – die erste große CGI-Sequenz der Filmreihe. „Das Continental in der Wüste“ schildert, wie das Team in der marokkanischen Wüste filmte, um die Geschichte noch viel tiefer zu verwurzeln. „Dog Fu“ gibt Einblicke in die Arbeit mit den Hunden, die hier sagenhafte Stunts hinlegen mussten. „Das Haus aus Glas“ nimmt sich dann das Setpiece vor, das eine der originellsten Szenen ausmacht. „Aufnahme für Aufnahme“ beschließt das reichhaltige Angebot von gut 80 Minuten Gesamtlaufzeit und taucht noch einmal tiefer in die Filmarbeit (Schnitt, Dialoge, Beleuchtung etc.) ein.

Fazit

John Wick: Kapitel 3 liefert praktisch so viel Action wie Teil I und II zusammen. Nur ganz selten wirkt das mal zu ausgedehnt und anstrengend wie kurz vor dem finalen Fight mit den beiden Kollegen von Zero. Dafür entschädigen aber die sensationellen Szenen in Marokko, die nicht nur eine sensationell fitte Halle Berry zeigen, sondern einige der atemberaubendsten Hunde-Stunts, die man jemals gesehen hat.
Visuell setzt die UHD das sehr gut um, sieht man von der kurzen Problematik der Farbauflösung per HDR10-Wiedergabe ab. Dolby Vision ist hier die insgesamt harmonischere Wahl.
Akustisch gibt’s hingegen gar nichts zu meckern. Die regulären Ebene ist schon wunderbar räumlich und sehr präzise. Dazu gesellen sich sinnvoll eingesetzte und das Rundum-Erlebnis erweiternde 3D-Sounds. Selbst wenn’s hier nicht dauernd von oben kracht (weil es auch optisch keinen Sinn macht), macht auch die Höhen-Ebene Spaß.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 90%
Bildqualität UHD (HDR10): 85% (Abwertung aufgrund leichter Probleme in der Farbauflösung einer Szene)
Bildqualität UHD (Dolby Vision): 90%

Tonqualität BD (dt. Fassung): 90%
Tonqualität BD (Originalversion): 90%

Tonqualität UHD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 90%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (dt. Fassung): 80%

Tonqualität UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 90%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 65%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 80%

Bonusmaterial: 70%
Film: 80%

Anbieter: Concorde Home Entertainment
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Chad Stahelski
Darsteller: Keanu Reeves, Halle Berry, Ian McShane, Laurence Fishburne, Anjelica Huston, Mark Dacascos, Asia Kate Dillon, Lance Reddick, Jerome Flynn, Dana Schick Jason Mantzoukas
Tonformate BD: dts-HD-Master 7.1: de, en
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 132
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Nein (2K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: keine Angabe
FSK: 18 (ungeschnitten)

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Concorde Home Video)

Trailer zu John Wick: Kapitel 3

JOHN WICK: KAPITEL 3 | Trailer | Deutsch | Offiziell | Kinostart 23. Mai 2019

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8 thoughts on “John Wick: Kapitel 3 4K UHD

  1. Avatar Tim

    Ich freu mich schon auf den Streifen.
    Einfach mal wieder abschalten und zuballern lassen 🙂
    Hat mich im Kino gut untehalten.

  2. Avatar Patrick Bach

    Hallo! Wie immer Top Rezension. 🙂 Aber… ich finde, qualitativ liegt er hinder den beiden anderen Teilen. Die Action kannibalisiert sich zunehmend selbst und ist einfach ermüdend, da kann diese noch so gut gemacht sein. Auch geht er gefühlt 20 Minuten zu lange und die Story wurde nur der Action zuliebe konstruiert. Noch ein Teil und die Saga ist hoffentlich abgeschlossen. Auch der Coolness Faktor ist irgendwie abhanden gekommen… die Schauwerte sind aber der Hammer!

    • Es zeigt sich tatsächlich, dass der dritte Teil die Meinungen spaltet.
      Die Konstruktion von Action ist meiner Meinung nach im zweiten Teil ebenbürtig – da unterscheiden sie sich nicht.
      Hätte man es rein um der eigentlichen Story Willen gemacht, hätte nach dem ersten Film Schluss sein müssen.
      Interessant ist aber, dass sich das Gefühl des „zu lang“ bei mir eher beim zweiten Teil eingestellt hatte, während ich Kapitel 3 nun wieder deutlich kurzweiliger empfand.
      Aber so ist das mit dem Filmgeschmack 😉

  3. Avatar Rüdiger Petersen

    Habe die Blu-ray seit Samstag in meinem Regal stehen und freue mich riesig ihn zu Hause zu schauen. Die Bild und Tonwerte ziehen mir vor Freude die Schuhe aus. Habe den Film schon im Kino gesehen und war begeistert. Aber sowas kann man sich natürlich immer wieder anschauen. Da knallt es in allen Preislagen. TV an , und Blu-ray rein Surround System schön aufdrehen und los geht’s. Meine armen Nachbarn…….

  4. Avatar Ralf

    Hi Timo,

    kannst du sagen, wie Concorde hier mit den stylischen englischen Untertiteln vorgegangen ist? Beim zweiten Teil hatte hier jemand auf deiner Seite geschrieben, dass die entfernt wurden und nur über den Player zuschaltbar sind und ich wüsste gerne ob man das hier vielleicht anders gelöst hat.

    • Hi Ralf.
      Ich meine mich zu erinnern, dass die Untertitel deutlich geringer ausfallen als bei den Vorgängern, aber im Film zu sehen waren.
      Bei einer kurzen Kontrolle eben, konnte ich die Untertitel zumindest bei den fremdsprachig gesprochenen Teilen sehen. Da im Menü des Players zwei Untertitel zu finden sind, im Menü der Disk aber nur „Deutsch für Hörgeschädigte“ zugeschaltet werden kann, müsste es also aktiviert sein.

      • Avatar Ralf

        Hi Timo, ja, es waren weniger Untertitel insgesamt meine ich. Sind die Untertitel im Bild denn dann auf Englisch und in dem gewohnt „comichaften“ Look? Über die Fernbedienung kann man ansonsten playergenerierte Zwangsuntertitel meist auch ansteuern wenn sie nicht im Menü aufgeführt sind. Ein englisches Bildmaster wäre natürlich schön, aber Concorde muss ja auch deutschen Kunden dann da irgendwie deutsche Untertitel zeigen in den Szenen. Ich bin da etwas speziell, weil ich einen Film gerne in Ton und Bildsprache einheitlich gucken will und das heißt bei mir in diesem Fall Englisch. Hab bei Teil 1 und 2 daher zu Importen gegriffen.

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