Karate Kid 4K UHD

Blu-ray Review

karate kid 4k uhd blu-ray review cover
Sony Pictures Entertainment, 29.05.2019

OT: The Karate Kid

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Daniel-san

Kultklassiker in hochauflösendem Gewand.

Inhalt

Daniel beeindruckt Ali schwer

Weil seine Mutter einen Job in einer Computerfirma angenommen hat, zieht Daniel mit ihr von New Jersey an die Westküste – von der Quasi-Provinz in die Großstadt Los Angeles. Dort ist der Anfang allerdings nicht leicht. Zwar verknallt sich Danny direkt in die hübsche Ali. Doch das passt deren Ex-Freund Johnny gar nicht. Der blonde Leader einer Gang von Jungen Karateschülern des Cobra Kai Dojo schickt Daniel gleich mehrfach auf die Bretter. Während sich die Wut auf die neue Lebenssituation in Daniel mehr und mehr formt, fällt er dem Hausmeister der Wohnanlage auf. Der aus Okinawa emigrierte ältere Herr wirkt mit seinem sanften Wesen wie eine Entspannungskur auf den pubertierenden Jungen. Doch Mr. Miyagi, so sein Name, hat noch mehr auf dem Kasten als die Pflege von Bonsai-Bäumen. Miyagi ist ein großer Karateka und schlägt Johnnys Gang bei einem weiteren Angriff auf Daniel in die Flucht. Die Bitte des Jungen, ihn in Karate auszubilden schlägt er zunächst aus und rät zur Versöhnung mit den Jungs des Cobra Kai. Das allerdings kommt für den aggressiven Betreiber Dojo nicht in Frage, woraufhin Miyagi Daniel doch ausbildet. Natürlich nur, damit er auf der Kampfmatte gegen Johnny besteht und nicht auf der Straße …

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Kreese lehrt seine Schüler eine sehr aggressive Form des Karate

Schon bei seiner Kinoauswertung im Jahr 1984 entpuppte sich das Martial-Arts-Coming-of-Age-Drama zum veritablen Hit. Für gerade mal acht Mio. Dollar produziert spielte er über das zehnfache seines Budgets wieder ein. Und nicht nur im Kino gewann Karate Kid eine treue Fangemeinde. Vor allem durch den späteren Video-Release (ja, das waren noch VHS-Zeiten) wuchs die Anzahl der Anhänger von John G. Avildsens Film. Aus heutiger Sicht mag das fast niedlich erscheinen, wenn man sich die doch etwas hölzernen Kampfchoreografien anschaut. Aber 1984 gab’s eben noch keinen The Raid oder aufwändige Kabel-Aufbauten, an denen die Darsteller durchs Studio fliegen konnten. Also musste man eben mit geschicktem Schnitt und halbwegs gelenkigen Jungdarstellern arbeiten. Ralph Macchio, der auch in den zwei Fortsetzungen wieder auftrat, hatte ein Jahr zuvor gezeigt, dass er gerade in Jugenddramen überzeugt. Als Johnny Cade in Francis Ford Coppolas The Outsiders gehörte er zum hochkarätigen Cast gerade aufkommender Jungstars wie C. Thomas Howell, Rob Lowe, Emilio Estevez, Matt Dillon oder Tom Cruise und bestand problemlos neben den Kollegen. Zwar reduzierte man ihn in der Folge gerne auf die Rolle es nicht wirklich erwachsen werdenden Teenies, doch bis heute ist er (wenn auch in zweiter Reihe) äußerst aktiv.

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Miyagi schlägt eine „Aussprache“ auf der Kampfmatte während eines Turniers vor

Was Karate Kid so herausragend werden ließ, war neben den emotional aufgeputschten Kampfszenen aber vor allem die Beziehung zwischen Daniel und seinem Mentor Miyagi – und damit sind nicht die zahlreichen Szenen gemeint, die heute aus der Filmkultur kaum wegzudenken sind („Auftragen rechte Hand, polieren linke Hand“). Vielmehr geht es um den Vater-Ersatz, den Daniel in Miyagi findet. Und um die daraus resultierende innere Ausgeglichenheit, die ihm zuvor fehlte. Den Halt und die Besonnenheit, nicht in jeder Situation einen Streit anzufangen. Das gelingt dem Film so gut, dass er sogar heute noch ans Herz geht. Was wiederum auch an der famosen Darstellung von Pat Morita liegt. Mit hintergründigem Witz und einer praktisch buddhistischen inneren Ruhe dominiert er den Film in jeder Szene. Und das, wo man ihn anfänglich gar nicht haben wollte, da er aufgrund seiner Nähe zur Stand-up-Comedy „vorbelastet“ schien. Doch am Ende reicht der graue Kinnbart aus, um ihn ikonisch werden zu lassen. Apropos ikonisch: Was Karate Kid seinerzeit fast „nebenbei“ bewirkte, war eine Popularisierung des Karate-Sports in den 80ern. Die zahlreichen Dojos dieser Welt erfreuten sich im Anschluss jedenfalls großer Nachfrage.
Erstaunlicherweise funktioniert sogar die Liebelei zwischen Daniel und Ali. Und das vor allem, weil Macchio eine Menge improvisierten Witz ins Spiel bringt. Da kann man auch fast darüber hinwegsehen, dass die 80er-Jahre-Filmrollen für Frauen nichts als Klischees und piepsig-hysterisches Getue vorsahen. Leider machte die Synchronisation der damaligen Zeit das nicht besser. Gerade Frauen wirken durch die dt. Übersetzung und Personalisierung noch naiver und aufgeregter. Gleiches gilt allerdings auch für die Kinder-/Jugendrollen, sodass der O-Ton eigentlich zur Pflicht wird.

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Legendär: „auftragen, polieren, nicht vergessen atmen – das sehr wichtig“

Bild- und Tonqualität BD

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„Wer Fliege fangen mit Stäbchen, der vollbringen alles.“

Die bisherige Blu-ray ist – wie von Backkatalog-Titel des Anbieters Sony Pictures bekannt – NICHT im Set mit der UHD enthalten. Die folgende Beurteilung bezieht sich dementsprechend auf die seit 2010 erhältliche Blu-ray von Karate Kid.
Da der Film natürlich ein analoges Master hat, wurde seinerzeit ein 2K-Scan vorgenommen, der auf der positiven Seite erstaunlich defektfrei ist und die Körnung auf ein wirklich erträgliches Maß reduziert. In Close-ups ist der Transfer sogar annehmbar detailliert und die Farben kommen sehr lebhaft rüber. Gerade der rote Pulli, den Daniel zu Beginn trägt, knallt ordentlich. Was die Schärfe angeht, sollte man jedoch bei Totalen nicht immer genau hinschauen. Wenn Daniel und seine Mutter zu Beginn im Auto unterwegs sind, kann man in den Vogelperspektiven kaum ein Detail oder gar einen Baum ausmachen. Beim Kontrast hätte es etwas satteres Schwarz benötigt, um wirklich zu überzeugen. Zudem sind viele Außenaufnahmen bei Sonne etwas stilisiert und haben einen leichten Schein um die Umrisse der Personen. Das allerdings lässt sich nicht der Disk anlasten, sondern erscheint gewollt.
Beim Ton setzt die damalige BD auf eine dts-HD-Master-Spur, die zwar verlustfrei daherkommt, aber hörbare Kompression abliefert. Das filtert zwar das Rauschen der Originalspur weitgehend weg, lässt die Stimmen bisweilen aber auch etwas unharmonisch abgehackt erscheinen. Echte Surroundaktivität ist ebenfalls Mangelware und von Dynamik sollte man auch nicht wirklich sprechen. Die zum größten Teil elektronisch angehauchten Pop-Songs des Soundtracks bieten jedenfalls kaum Druck und Actionszenen bleiben ziemlich dünn.

Bild- und Tonqualität UHD

Daniel bereitet sich auf das Turnier vor

Karate Kid wurde 1984 natürlich analog gefilmt – und zwar mit Panavision-Kameras auf 35mm. Für die UHD wurde vom Original-Filmmaterial ein neuer 4K-Scan vorgenommen, sodass wir es mit einer Real-4K-Disk zu tun haben. Integriert wurde natürlich auch ein im Rahmen von Rec.2020 erweiterter Farbraum sowie die höhere Bilddynamik nach HDR10-Standard.
Das laufende Bild zeigt sich der Blu-ray dann durchweg überlegen. Und das trotz der sichtbar dunkleren Abstimmung, die mache Außenszene noch ein wenig schmuddeliger wirken und Miyagis Übungen auf dem Baumstamm am Meer wie Schattenspiele erscheinen lässt. Sehr authentisch hat man das Original-Korn reproduziert und nicht brutal weggefiltert. Filmfans, die glatten Digital-Look bevorzugen seien gewarnt: Die Körnung ist deutlicher als über die Blu-ray.
Auf der anderen Seite zeigt sich die UHD deutlich besser aufgelöst. Praktisch jede Szene profitiert vom 4K-Master, es sei denn, die Kameras und Optiken selbst waren originär bereits schwach fokussiert. Ansonsten sind Close-ups detaillierter, Umrisse klarer und der Sand am Meer zeigt eine richtige Körnung, wo die Blu-ray nur undefinierten Matsch präsentiert. Dazu gelingen Farben durchweg natürlicher. Aus den Gesichtern weicht das rosafarbene, Rot ist kräftig und weniger orangelastig und Grün hat den Namen nun endlich verdient. Alles in allem ein durchweg besseres Bild als jenes der Blu-ray – trotz einiger etwas sehr dunkler Einstellungen.

Blu-ray (81’11): (Slider ganz nach rechts): Irgendwie scheint die BD im Vergleich nur gelbe Farben zu haben. Es gibt viel weniger Differenzierung zwischen gelbem Handtuch, grünbraunem Fahrzeug und dem Gesicht von Pat Morita als über die UHD.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD zeigt diese unterschiedlichen Farbnuancen und -abstufungen viel deutlicher. Außerdem ist Moritas Gesicht sichtbar schärfer.

Blu-ray (08’57): (Slider ganz nach rechts): Auch hier wirken Hauttöne über die Blu-ray nicht so natürlich. Texturen sind verwaschener und die Büsche im Hintergrund arg lindgrün.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD holt die Natürlichkeit und Detailliertheit wieder ins Bild zurück.

Blu-ray (35’32): (Slider ganz nach rechts): Ein schönes Beispiel dafür, wie matschig die Farben über die Blu-ray erscheinen.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Im direkten Vergleich ist die UHD zwar deutlich dunkler, was im laufenden Bild aber nicht so krass auffällt wie hier beim Screenshot. Dafür sind die Farben um Welten differenzierter und/oder kräftiger. Man beachte das grüne Tuch in der Mitte.

Blu-ray (78’04): (Slider ganz nach rechts): Die Hauptaufmerksamkeit sollte hier auf dem Sand im Vordergrund liegen.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Bereits beim Komplettbild ist deutlich erkennbar, wie viel mehr Details die UHD liefert (okay, auch deutlicheres Korn).

Blu-ray (78’04): (Slider ganz nach rechts): Nimmt man einen kleineren Detailausschnitt, wird der Unterschied noch eklatanter.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Wo die BD lediglich ein undefiniertes Etwas zeigt, kann man das Stück Blatt oder ausgetrocknete Stück Seealge über die UHD klar umrissen erkennen.

Mal wieder macht sich Johnny über Daniel lustig

Beim Ton der UHD erfährt der deutsche Sound (ausgehend von der Blu-ray) ein Downgrade, während der O-Ton ein Upgrade erhält. Und so bietet der hiesige Ton nur noch Dolby Digital (640 kBit/s), wo er über die BD noch in unkomprimiertem dts-HD-MA vorlag. Das äußert sich ganz dezent in den etwas zischelnderen Dialogen, bleibt ansonsten aber ohne Auswirkung. Denn was in dts-HD-MA schon schwachbrüstig war, ist in Dolby Digital sehr ähnlich – Dynamik gibt’s über beide Tonspuren nicht.
Im Gegensatz dazu kommt der O-Ton nun mit einer Dolby-Atmos-Kodierung daher (True-HD-basiert), die allerdings natürlich auch keine Wunder aus dem vorhandenen Material zaubert. Allerdings ist dessen Räumlichkeit bedeutend besser und klarer. Wenn die Motorräder von Johnny und seiner Gang an den Kameras vorbeisausen, fahren sie tatsächlich mitten durchs Heimkino. Auch die Stimmen klingen akzentuierter und weniger rauschig. Da es insgesamt nur wenig echte Actionszenen gibt, bleibt allerdings auch nicht viel Raum für akustische Eskapaden. Das Tosen und Rauschen der Meereswellen nach knapp 90 Minuten jedenfalls hört sich nicht sonderlich natürlich an. Da klingen die Möwen schon besser und verteilen sich auch aktiver im Raum.
Hört man sich nun die Höhen-Ebene mal genauer an, so spielt der Soundtrack praktisch beständig von oben mit, was für eine leichte Erweiterung der Atmosphäre sorgt. Auch hörbar aus der Höhe kommen Vogel-/Möwen-Geräusche am Meer sowie Gemurmel auf dem Sportplatz, in der Kantine der Schule oder beim Halloween-Fest während der Toiletten-Szene (38’55).
Der deutlichste 3D-Sound-Effekt ist dann Kreese‘ Stimme im Dojo nach gut 49 Minuten. Ansonsten sind es dann wieder Zikaden, die des Nachts zirpen oder die Atmosphäre beim Turnier in den letzten Kapiteln. Allerdings geht Letzteres auch im normalen Surround-Umfeld etwas unter, da auch die anderen Speaker dann recht laut sind. Es bleibt also eine Atmos-Spur, die vornehmlich auf der regulären Ebene räumlicher und ausgewogener klingt als ihr dts-HD-Pendant der BD. Von oben kommt im Rahmen der Möglichkeiten ein wenig Unterstützung, aber eben nicht wirklich innovativ oder viel.

Bonusmaterial

Mein Gott, diese 80er-Jahre-Klamotten. Elisabeth Shue gebührt nachträglich eine Tapferkeits-Medaille

Normalerweise gibt’s auf UHDs ja nur selten Bonusmaterial. FAST so geht es auch der 4K-Scheibe von Karate Kid. Denn sämtliche bisher bekannten Extras der Blu-ray fehlen. Dafür hat man aber ein ganz frisches, zehnminütiges Featurette integriert, das Macchio, Johnny-Darsteller William Zabka sowie Kreese-Akteur Martin Kove Revue passieren lässt, wie sie zu dem Film kamen und was sie in ihren Rollen heute noch sehen.

Fazit

Karate Kid ist auch heute noch gut anschaubar – vor allem im Original. Die UHD poliert das Bild im Rahmen dessen, was das Originalmaterial hergibt auf. Besser sah der Film noch nie aus und so sollte er auch für die Zukunft konserviert bleiben. Während der deutsche Ton noch nie sonderlich gut war, ist die True-HD-kodierte Originalfassung erstaunlich ausgewogen. Dass es kaum 3D-Sounds gibt, ist bei einem Film, der praktisch keinerlei Anlass dazu gibt, sicherlich verschmerzlich.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 65%
Bildqualität UHD: 80%

Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 55%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 70%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 30%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 50%

Bonusmaterial: 30%
Film: 70%

Anbieter: Sony Pictures Entertainment
Land/Jahr: USA 1984
Regie: John G. Avildsen
Darsteller: Ralph Macchio, Pat Morita, Elisabeth Shue, Martin Kove, Randee Heller
Tonformate BD: dts-HD-Master 5.1: en, de
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // Dolby Digital 5.1: de
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 127
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66
Real 4K: Ja (4K DI vom 35mm Film)
High Dynamic Range: HDR10
Maximale Lichtstärke: 3815
FSK: 12

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots: © 1984 Columbia Pictures Industries, Inc. All Rights Reserved.)

Trailer zu Karate Kid

The Karate Kid Trailer (Original) HD

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