Late Night – Die Show ihres Lebens

Blu-ray Review

Universal Pictures, 09.01.2019

OT: Late Night

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Die letzte Staffel

Ein Blick hinter die Kulissen der Talk-Shows – mit der großen Emma Thompson in der Hauptrolle.

Inhalt

Star ihrer Sendung und eine TV-Ikone: Katherine Newbury

Mehr als 6000 Sendungen, ein paar Dutzend TV-Preise – Katherine Newbury ist eine Instanz! Sie war die erste Late-Night-Talkerin der USA und ihre Zuschauer und Fans verehren sie. Was die Menschen an den Bildschirmen aber nicht wissen: Katherine ist hinter den Kulissen eine fast herrische Chefin, die ihre Autoren nicht mal beim Namen kennt und offenbar vor allem eine latente Frauenhasserin ist. Und weil das akut mal wieder auf den Tisch kommt, stellt sie eine Autorin ein: Molly ist Quereinsteigerin und kommt eigentlich aus der Chemiebranche. Innerhalb ihres Werks hat sie gerne mal Stand-up gemacht – über Lautsprecher aus ihrem Beobachtungs-Kabuff heraus. Doch weil sie hartnäckig und streitfähig ist, stellt man sie ein. 13 Wochen lang darf sie sich unter Beweis stellen. Offenbar wird sie schon sehr bald gefordert, denn die Senderchefin eröffnet Katherine, dass sie ihre Gallionsfigur absetzen möchte. Die aktuelle Staffel wird ihre Letzte sein. Immerhin ist ihr die Konkurrenz in Sachen Quote voraus und auch die geladenen Gäste sprechen ein jüngeres und moderneres Publikum an. Katherines Sendung braucht also eine Runderneuerung, wenn sie weiter vor der Kamera aktiv bleiben möchte. Und vielleicht kann Molly diese gewünschte Frischzellenkur liefern …

Molly geht mit großen Schritten einem neuen Leben entgegen

Der Blick hinter die Kulissen von Talkshows und Newssendungen ist derzeit schwer in Mode. The Newsroom mit Jeff Daniels, The Morning Show mit Jennifer Aniston – zwei ebenso erfolgreiche wie bissige TV-Serien, die das Business hinter den Talkern und TV-Machern aufs Korn nehmen. In die gleiche Kerbe schlägt nun Late Night mit Emma Thompson. Allerdings konzentriert sich Regisseurin Nisha Ganatra hier mehr auf die individuellen und persönlichen Aspekte und nicht zwingend auf die Themen. Im Hintergrund schwingt natürlich mit, dass knapp 30 Jahre an der einst erfolgreichen Show nicht spurlos vorüber gegangen sind und die Konkurrenz jünger, lebhafter und hipper geworden ist. Aber vordergründig geht’s um das Aufbrechen einer Figur, deren aristokratisch wirkende Überheblichkeit mit dafür gesorgt hat, dass das Arbeitsklima innerhalb der Redaktion so mies und die Gags offenbar flacher geworden sind.
Neben der ohnehin schon schwer misanthropischen Katherine bekommt es Molly (die natürlich die Identifikations-Rolle des Zuschauers einnimmt) gleichzeitig noch mit sieben anderen Autoren zu tun, deren Egos nicht minder groß und deren Vorbehalte einer Frau gegenüber (noch dazu einer, die nicht vom Fach ist) riesig sind.
Das Repertoire an sarkastischen Seitenhieben auf verletzten Männerstolz, altmodische Geschlechterbilder. Social-Media-Hate oder die #MeToo--Überkorrektheit ist groß, auch wenn nicht jeder Gag wirklich zündet.

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Katherins Autoren kommen selten gut weg

Tatsächlich sind die beiden größten Stärken von Late Night aber die Entlarvung des männerdominierten TV-Business. Das wird vor allem dadurch deutlich, weil die beiden weiblichen Gallionsfiguren des Senders (Katherine und Sender-Chefin Morton) sich praktisch ebenso machtpolitisch verhalten wie ihre männlichen Kollegen im ohnehin maskulin dominierten Gewerbe. Zur gleichen Zeit bildet das siebenköpfige Männer-Autoren-Team die klischeehaft-untergeordneten und vor ihrer dominanten Chefin kuschenden Angestellten – sozusagen eine umgekehrte Rollenverteilung.
Erst als Katherine beginnt, von diesem erlernten Machoverhalten abzurücken und ihre eigene Persönlichkeit, ihre eigenen Gefühle einzubringen, brechen die Strukturen auf. Das ist ein bisschen klischeehaft und gleichzeitig auch etwas romantisiert, aber es wirkt aufgrund seiner beiden Darstellerinnen.
Denn die bilden gemeinsam die zweite Stärke des Films. Emma Thompson ist idealbesetzt als etwas überhebliche Britin, die über die Jahrzehnte im ewig gleichen Trott festgefahren ist und lernen muss, was das Publikum von heute so möchte. Mindy Kaling (Ocean’s Eight) als Molly spielt ihr Gegenüber und tut das mit einer charmanten Mischung aus Selbstbewusstsein, Stolz und Bewunderung für ihre Chefin – ein nicht allzu einfacher Spagat, den sie wirklich gut hinbekommt. Vielleicht auch deshalb, weil man ihr die Rolle auch aufgrund ihres eigenen Hintergrunds als Migrantin vollkommen abnimmt. Da Kaling auch das Drehbuch zum Film verfasste, mag man gerne glauben, dass die Story durchaus autobiografische Züge enthält. Late Night hilft das in Sachen Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit – auch wenn sich am Ende vielleicht alles ein bisschen zu leicht auflöst.

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Katherine erfindet sich neu

Bild- und Tonqualität

Die Talk-Oma trifft die Generation Influencer

Late Night wurde mit der in Filmproduktionen nur selten anzutreffenden Panasonic VariCam 35 aufgezeichnet. Die Digitalkamera steht im Ruf, besonders filmische Bilder zu produzieren und liefert am Ausgang bis zu 4K. Um der filmischen Authentizität zu entsprechen, hat man dem fertigen Bild in der Postproduktion noch eine gewisse Kornstruktur hinzugefügt. Diese bleibt allerdings äußerst fein und wirkt deshalb in der Tat sehr analog und sieht nicht nach digitalem Blockrauschen aus. Grundsätzlich bleiben die Aufnahmen bei Tageslicht sehr lichtdurchflutet und hell. Farben wirken in Außenszenen etwas entsättigt, die Schärfe in Close-ups ist dafür wirklich gut. Halbtotale und Figuren im Hintergrund lassen allerdings etwas nach und wirken schon mal weicher. Kontraste sind gut, ohne das allerletzte Quäntchen an Schwarz heraus zu kitzeln. Wenn es dunkler wird, nehmen Farben eine etwas erdigere Tönung an – vor allem in den Innenraumszenen, wo sie tagsüber eher kühl gestaltet wurden. Öfter wird ein dezenter Weichzeichner eingesetzt, der Figuren-Umrisse heiligenscheinartig wiedergibt. Insgesamt ein sehr gut zum Film passendes, analog wirkendes Bild, das aber die Fans von glattem Digitallook nicht befriedigen wird.
Late Night beginnt mit räumlicher Darstellung der Stimmen, die Katherine ankündigen. Auch Straßengeräusche in New York werden sehr breit aufgefächert und erscheinen authentisch. Ansonsten ist hier nicht viel Außergewöhnliches zu vermelden. Eingestreute Filmmusik legt sich harmonisch auf die Speaker und die filmbestimmenden Dialoge bleiben jederzeit klar und gut verständlich. Echte Dynamik oder Bassgewalt sucht man selbstverständlich vergeblich – gibt auch keinen Anlass dafür.

Bonusmaterial

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Late Night hält im Bonusmaterial drei Featurettes bereit. „Im Autorenraum“ ist eine kurze Zusammenfassung des Films mit Interview-Schnipseln. Das Making-of mit einer ähnlichen Laufzeit ist ähnlich oberflächlich und liefert auch keine wirklich erhellenden Hintergründe zum Film selbst. „Weibliche Comedians“ kümmert sich noch mal um das Drehbuch, um die Darstellerin der Molly und um Regisseurin Nisha Ganatra. Natürlich wird hier auch deutlich, dass die Autorin/Darstellerin und auch die Regisseurin sich sehr gut in Molly wiederfinden konnten.

Fazit

Late Night hätte noch etwas bissiger sein dürfen und wird zum Ende ein bisschen pathetisch. Aber die gut aufgelegten Darsteller und das ausgewogene Drehbuch trösten über ein paar Längen und Stereotypen hinweg.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 40%
Film: 70%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Nisha Ganatra
Darsteller: Emma Thompson, Mindy Kaling, John Lithgow, Hugh Dancy
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 102
Codec: AVC
FSK: 0

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universal Pictures)

Trailer zu Late Night

Late Night - Trailer HD deutsch / german - Trailer FSK 0

 

One thought on “Late Night – Die Show ihres Lebens

  1. Avatar Sascha

    Im Gesamten betrachtet hatte der Streifen für mich persönlich keine wirklichen „Längen“ – aber das mag sicher auch Geschmacksache sein 😉 Bezüglich deinem Fazit „es hätte dürfen noch etwas bissiger ausfallen“ gebe ich Dir wiederum völlig recht… wenngleich ich mich auch von Anfang bis Ende nahezu durchweg köstlich amüsiert habe und einige sarkastische Äußerungen wirklich vorzügliche Volltreffer für mein Zwerchfell waren. Ebenso wenig hat man an Klischees gespart – immer schön auf die 12 😀

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