Lawrence von Arabien 4K UHD

Blu-ray Review

Sony Pictures, 06.08.2020
Sony Pictures, 15.11.2012

OT: Lawrence of Arabia

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Filmhistorische Legende

Einer der größten Filmklassiker aller Zeiten liegt nun als 4K-UHD-BD vor.

Inhalt

Peter O’Toole war nicht die erste, nicht die zweite, nicht die dritte, sondern eher so die vierte Wahl

Der Erste Weltkrieg: Thomas Edward Lawrence ist britischer Offizier in Kairo. General James Murray lässt ihn dann allerdings auf die Arabische Halbinsel versetzen, um vor Ort die Perspektiven des Prinzen Faisal im Kampf gegen die Türken zu beobachten und zu dokumentieren. Als Lawrence die Armee Faisals jedoch als unorganisierten Haufen ausmacht, nimmt er Abstand von seinem Beobachterposten und greift aktiv in die Handlungen ein. Gegen den Wunsch von Colonel Brighton schlägt er dem Prinzen vor, die Hafenstadt Akaba vom Land aus zu überfallen. Da diese von dort verwundbar ist, während sie sich nur zum Meer hin als Festung präsentiert. Fiele Akaba, könnten die Briten die Versorgungskette auf die Arabische Halbinsel sichern. Das Problem: Die Landseite ist nur durch eine unwirtliche Wüste zu erreichen, die selbst von den Beduinen gemieden wird. Ein weiteres Problem: Lawrence ist sich ob der Motive der Briten unsicher, was diese mit der arabischen Gegend vorhaben, sollten die Türken besiegt sein …

Die Lage wird sondiert

Jetzt mal im Ernst und ohne Flachs: Was soll man über diesen Film (noch) schreiben? Was kann man zu einem Werk sagen, das schon vor fast 60 Jahren zur filmhistorischen Legendenbildung taugte und heute erst Recht zu den besten Filmen aller Zeiten gehört?
Jeder, der ihn kennt und liebt, wird seine Meinung zu ihm haben. Nichts, was man nun, 58 Jahre nach der Uraufführung noch groß beschreiben muss, um die Fans noch mehr zum Fan zu machen. Alles gesagt also? Alles geschrieben zu Lawrence von Arabien?
Vermutlich ja. Und deshalb richtet sich dieses Inhalts-Review ausdrücklich nicht an die Fans des Film – die technische Bewertung natürlich schon.
Nein, diese Inhaltskritik richtet sich explizit an jene, die den Film noch nicht gesehen haben. An die (entweder) junge Filmklientel oder an diejenigen, die sich bisher nicht getraut haben, sich auf ein solches Mammutwerk zu konzentrieren – ein Review für Lawrence-von-Arabien-Anfänger, sozusagen.
Zu denen auch ich irgendwann gehörte. Klar, man hat von diversen Klassikern immer wieder gehört. Auch in den 80ern, in denen meine Wenigkeit sich filmisch sozialisiert hat. Es fielen Werke wie Murnaus Nosferatu, Fritz Langs Metropolis oder Orson Welles‘ Klassiker Citizen Kane. Und eben auch Mammutwerke wie Doktor Schiwago und Lawrence von Arabien. Alles Filme, die man offenbar gesehen haben MUSSTE, um irgendwie verstehen zu können, auf welchen Säulen moderne Filme stehen.

Treffen mit dem türkischen Bey

Viele der genannten Klassiker habe ich lange vor mir her geschoben. Teils aus Respekt, teils aus Zweifeln, dass sie mich heute (also damals in den 80ern) noch unterhalten könnten, wo sie doch teils bereits 50 Jahre alt waren. Erst als ich im Fernsehen seinerzeit meinen ersten epischen Film gesehen hatte (Spartacus) verlor ich die Furcht vor Filmen mit drei Stunden (und mehr) Laufzeit. Schiwago folgte einige Zeit später. Und irgendwann in den End-80ern dann auch Leans zweites (bzw. vorheriges) Epos Lawrence von Arabien.
Was aus heutiger Sicht (und mit ein bisschen technischem Background-Wissen) schon mal etwas niedlich wirkt – wie bspw. die gespeedeten Szenen mit dem Motorrad zu Beginn, war seinerzeit schlicht innovativ. Und es offenbart schon in der Eröffnungsszene, dass die Hauptfigur das Abenteuer und das Risiko liebt – ob nun als weißer Beduine in der Wüste oder als geschwindigkeitsverliebter Führer eines Motorrads, der sein Leben tatsächlich nach einem Unfall mit dem Zweirad verlor.
Wie viel innerhalb des Skripts von Robert Bolt und Michael Wilson nun aber wahr ist und wie viel eher fiktional, soll nicht Gegenstand dieser Kritik sein. Auf Basis der Erzählungen von Lawrence‘ Die sieben Säulen der Weisheit dichtete der Film sicherlich nicht nur das „eine oder andere“ hinzu.
Was aber viel bemerkenswerter ist, ist der immense Produktionsaufwand. Filme wie dieser würden heute selbst von einem James Cameron finanziell nicht mehr gestemmt werden können. Ein Dreh vor Ort in der Wüste von diesen Ausmaßen (was Laufzeit und Statisten-Anzahl angeht) ist heute absolut undenkbar. Während Drehpläne der Moderne vollkommen durchgeplant und strukturiert sind, waren Verschiebungen und Verzögerungen von mehreren Monaten damals keine Seltenheit. Etwas, das heute jede Filmproduktion in die finanziellen Knie zwingen würde.

Lawrence erweist sich als Anführertyp

Man stelle sich vor, dass der komplette Stab seit Wochen in der jordanischen Wüste ist und „on location“ dreht. Dann jedoch verhärteten sich die Fronten zwischen den jordanischen Behörden und der britischen Produktion, obwohl König Hussein selbst sehr oft am Set war. Gleichzeitig war man bereits massiv über dem Zeitplan und hatte nicht mal ein Drittel des Films fertig gedreht. Die Bedingungen vor Ort waren hart und der finanzielle Bogen wurde überspannt. So zog der damalige Produzent Sam Spiegel das Team komplett zurück. Nach einigen Wochen Zwangspause (und der Suche nach einer Alternative) zog man dann in die spanische Region rund um die andalusische Stadt Almeria, um den Film zu Ende zu drehen. Dort zog man „mal eben“ 300 falsche Gebäudefronten hoch, pflanzte Palmen, die man aus Alicante per LKW anlieferte und brachte rund 450 Pferde und 150 Kamele aus Marokko an den Drehort – man muss ein paar dieser Produktionsbedingungen einfach kennen, um nachvollziehen zu können, WIE episch diese Produktion war.
Umso bedauerlicher, dass man sie nach ihrer Uraufführung praktisch augenblicklich um 20 (und später noch einmal um 15 Minuten) kürzte. Das Resultat war eine deutliche Reduktion der Charakterisierung der Titelfigur. Seitdem die Urfassung Ende der 80er (siehe nähere Infos direkt im nächsten Kapitel der Rezension) wieder restauriert wurde, erhält man wieder den kompletten Einblick in die Seele des T.E. Lawrence. Ob dies nun wirklich (gerade in puncto seiner Homosexualität, seines Egoismus und dem Hang zum Masochismus) authentisch ist, darüber streiten Historiker noch heute. Offenbar finden sich genug Hinweise für beide Ansichten.
Was tatsächlich eindeutig ist: David Leans Lawrence von Arabien romantisiert seine Hauptfigur und dessen Taten. Nüchterner und weniger dramatisch wäre es wohl ausgefallen, wenn man sich streng an den historischen Fakten entlang gehangelt hätte. Aber mal ehrlich: Genau die Art, wie der Film seine Figuren porträtiert, ist das, was ihn so reizvoll und fesselnd macht. Und das auch heute noch. Und selbst für junge Filmeinsteiger. Ja, man muss sich mal vier Stunden Zeit nehmen, das Handy ganz weit weg legen und die Konzentration auf eine betont ausgedehnte Erzählweise legen. Tut man dies, wird man mit einem vierstündigen Epos belohnt, das schlicht und ergreifend definiert, wofür Kino steht und was Kino für eine gesellschaftliche Bedeutung hat.
Und wer unbedingt zwischendurch mal dem Kumpel eine Kurznachricht schicken will oder aber das stille Örtchen besuchen muss: Es gibt nach etwas über zwei Stunden eine Intermission …

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Bild- und Tonqualität BD

Feiern lässt er sich gerne

Die Restaurierungs-Geschichte von Lawrence von Arabien ist derart umfassend und hoch spannend, dass man alleine darüber eine komplette Doktorarbeit schreiben könnte. Viel zu erschöpfend jedenfalls, um das an dieser Stelle ausgiebig zusammen zu fassen. Wichtig in dem Prozess ist natürlich vor allem die Restaurierung, die 1986 unter der Leitung von Robert A. Harris begann. Harris, der zuvor schon an der Restaurierung des 1927er Napoleon beteiligt gewesen war, trat von sich aus auf Columbia Pictures zu und schlug vor, die ursprüngliche Premierenfassung wieder zu beleben. Diese lief ganze 222 Minuten lang, wurde aber kurz nach ihrer Premiere bereits von David Lean auf 202 Minuten gestutzt, was wiederum für den 1970er Kino-Re-Release um weitere 15 Minuten auf 187 Minuten gekürzt wurde. Harris gelang es in akribischer Recherche- und Klein- und Kleinstarbeit, die originale Laufzeit wieder herzustellen. Addiert um die Ouvertüre und Schlussmusik (gekürzt um ein paar von David Lean persönlich vorgenommene Schnitte) läuft die seit 1988 verfügbare Version nun 228 Minuten. Zwei Jahre Vollzeit-Arbeit für Harris und den später hinzugestoßenen Lean nahmen ihr Ende und zeigten den Klassiker endlich wieder in seiner Urform.

Manche Bilder des Kriegs erschrecken ihn

Doch es sollte nicht das letzte Mal sein, dass man Hand an das Material legte. Denn bevor sich der Tag der Premiere von Lawrence von Arabien zum 50. Mal jährte, begann man 2009 damit, den Film auch technisch/optisch auf Vordermann zu bringen. Zwar hatte die 88er Restaurierung den Film AN SICH wieder ins gewünschte Format gebracht. Technisch jedoch gab es 20 Jahre später natürlich viel bessere Möglichkeiten, auch die Qualität auf Vordermann zu bringen. Und so begann erneut ein akribischer Prozess, vom Original-Filmmaterial einen kompletten Digital-Scan vorzunehmen. Dieser wurde bei Fotokem in Hollywood auf zwei großen 8K-Scannern vorgenommen, um die größtmögliche Auflösung aus dem 65mm-Filmnegativ heraus zu holen. Alleine dieser Prozess nahm rund 1.200 Stunden Arbeit in Beschlag. In der Folge wurde das Material zu verschiedenen Einrichtungen geschickt, um Schmutz, Kratzer, Unebenheiten und andere Bildprobleme zu beseitigen, das Color Grading neu abzugleichen und den Ton zu remastern. Das Resultat wurde dem (deutschen) Heimkino-Publikum dann erstmals in der Blu-ray zum 50. Jubiläum präsentiert – und zwar im November 2012.
Und das Ergebnis ist nicht anders denn als fantastisch zu bezeichnen. Was schon die Blu-ray an Auflösung, Schärfe, Kontrastdynamik und Authentizität darstellt, ist für einen Film, der damals ein halbes Jahrhundert alt war, schlicht atemberaubend. Nie sah O’Tooles Gesicht plastischer aus, nie strahlte der blaue Himmel hinter dem Wüstensand ähnlich und noch nie wirkten die Farben derart kräftig. Auflösung, Schwarzwert, Kontrastumfang, Natürlichkeit der Körnung. Praktische alle Parameter, die eine BD gut abbilden muss, sitzen hier praktisch perfekt. Eine Blu-ray, die das maximal Mögliche ihres Mediums für eine 60 Jahre alte Analogproduktion darstellt. Noch heute Referenz für Filme ähnlicher Herkunft und Produktion.

Der Trick, William Potter, ist, sich nichts daraus zu machen, dass es weh tut

Im Gegensatz zum phänomenalen Bild der Blu-ray erging es der deutschen Tonfassung nicht wirklich gut. Sie kam zum einen nur mit Dolby Digital 5.1 und litt zum anderen darunter, dass sie aufgrund der Restaurierung der lange geschnittenen Szenen nachbearbeitet und -synchronisiert werden musste – mit entsprechend anderen Synchronsprechern, versteht sich.
Die betreffenden Szenen sind tonal hörbar anders. Da es sich oft nicht um ganze Sequenzen, sondern addierte Momente innerhalb von Szenen handelt, hört man leider auch die Übergänge. Aber auch komplette Szenenschnitte von der alten in die restaurierte Fassung leiden unter hörbaren Unterschieden (von verrauscht und krachig auf recht ausgewogen und rauschfrei bei 12’27). Dazu kratzt es oft merklich. Dies aber heute zu revidieren/anzugleichen, würde sicherlich sehr schwierig.
Der DD-Spur fehlt es im Vergleich zur DTS-HD-Master-Fassung des Originals außerdem an Bassfundament. Selbst wenn das zu Beginn in der Ouvertüre und auch beim Motorradunfall für sich genommen ganz ordentlich klingt.
Geht man aber ins Kampfgeschehen, wird deutlich, wie viel schwachbrüstiger die Synchro klingt. Das Maschinengewehr nach zweieinhalb Stunden rattert im Hoch-Mitteltonbereich unmotiviert vor sich hin. Macht man lauter, klingt’s gar unangenehm. Was der O-Ton hier an Tiefbass-Unterstützung liefert, sind im direkten Vergleich Welten. Da kommt die deutsche Fassung absolut nicht mit, wobei der O-Ton es sogar ein wenig übertreibt.

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Format: Blu-ray
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Bild- und Tonqualität UHD

Pläne schmieden

Im Kapitel zur Blu-ray steht oben beschrieben, welchen Aufwand man betrieb, um vom Original-65mm-Filmnegativ des mit Mitchell-FC- und BFC-Kameras gedrehten Films die 8K-Abtastung zu ziehen und diese dann über ein 4K DI zu mastern. Für die UHD gönnte man dem Film dann noch die erweiterten Kontrastformate HDR10 und Dolby Vision. Das Resultat ist atemberaubend!
Es gibt genau EINEN Kritikpunkt an der UHD-BD von Lawrence von Arabien: Die Konsistenz der Körnung. Zum einen hat man hin und wieder ein wenig das Gefühl, das in einigen Einstellungen eine Filterung sichtbar wird, das Ganze etwas soft erscheint. Zum anderen flackert es im Hintergrund der Körnung ganz leicht. Gut zu sehen ist das bei Totalen der Wüste, aber auch manchmal um bewegte Objekte herum (ab 61’58). Hier und da wirkt das ein wenig, als würde das Korn an bestimmten Stellen etwas dunkler/intensiver agieren (etwa wie ein säulenartiger Fliegenschwarm). Das ist bei der BD allerdings auch sichtbar, wenngleich durch die geringere Kontrastdynamik und das weniger feine Korn nicht ganz so auffällig. Letztlich ist das aber kein Problem der UHD-BD, sondern filmimmanent.
Selbst wenn die Körnung hier und da noch etwas gleichmäßiger sein könnte, selbst wenn hier eine leichte Filterung zum Einsatz kam – das Bild von Lawrence von Arabien über die UHD-BD ist einfach famos. Kaum zu glauben, dass der Film 60 Jahre auf dem Buckel haben soll, wenn man sich die Kraft der Farben, den Kontrastreichtum und das satte Schwarz anschaut. Und wenn man gerade so dabei ist, das Bild zu bestaunen, soll auch noch ein Wort zur HDR-Dynamik sowie dem erweiterten Farbraum verloren werden. Unabhängig, ob man die UHD-BD per HDR10 oder Dolby Vision abspielt, zeigt sich in fast jeder Einstellung, um wie viel strahlender und dynamischer das Bild rüberkommt. Alleine die roten Farbanteile in den Gewändern und am Geschmeide der berittenen Kamele sind ein Augenschmaus. Dazu kommt ein blauer Himmel wie er kräftiger kaum sein könnte. Einstellungen wie jene des weiß bewandeten Lawrence mit seinem goldenen Reif auf dem Kopf vor blauem Himmel sind absolut fantastisch (87’00). Hautfarben erscheinen gegenüber der BD etwas um Gelbanteile reduziert, was sie natürlicher erscheinen lässt. Dass die Darsteller mitunter etwas arg sonnengebräunt daherkommen, ist kein Problem der 4K-Scheibe, sondern resultiert wohl eher aus etwas zu intensiver Nutzung von Schminke. Wie gut die Scheibe ihre knapp 1300 Nits Helligkeit nutzt, wird in den Szenen des nächtlichen Sternenhimmels deutlich. Jeder einzelne entfernte Planet funkelt mit dem jeweils anderen um die Wette. Und auch die Reflexionen in den Augen der Darsteller sind fast gleißend hell, wenn man es mit der BD vergleicht.
Sicher, die BD ist für sich und ihr Medium genommen praktisch perfekt. Sicher, die UHD hat bei genauestem Hinsehen nicht immer absolut konsistentes Korn und bekommt (nur deshalb) leichten (symbolischen) Abzug. In Summe ist sie aber – vor allem im laufenden Bild – noch einmal genau der kleine Schritt mehr, der das Anschauen des Films noch einmal in eine andere Sphäre treibt.

Blu-ray (9’37): (Slider ganz nach rechts): An der Blu-ray gibt’s grundsätzlich nichts zu kritisieren.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD reduziert die gelblichen Hauttöne etwas und wirkt insgesamt kontrastintensiver.

Blu-ray (27’53): (Slider ganz nach rechts): Ein ähnliches Bild hier: Die Blu-ray hat mehr gelbe Farbanteile.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD ist erdiger und kontrastdynamischer.

UHD HDR10: (Slider ganz nach rechts): Das gleiche Bild noch mal zwischen HDR10 und Dolby Vision.

UHD Dolby Vision (Slider ganz nach links): Dolby Vision hat einen Hauch mehr Strahlkraft.

Blu-ray (89’39): (Slider ganz nach rechts): Die Belichtung liegt hier auf den hellen Sandflächen.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Gut zu sehen, dass die UHD etwas mehr Farbdifferenzierung bietet. Dunkle Bereiche versumpfen im laufenden Film nicht. Dies ist der Belichtung auf die Sandflächen geschuldet.

Blu-ray (21’06): (Slider ganz nach rechts): Schon die BD kann richtig sattes Schwarz und helle Sterne.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Über die UHD strahlen die Sterne noch prächtiger. Man beachte auch die stärkere Farbdifferenzierung in Richtung Grün bei der Sterne-Ansammlung im mittig-linken Bildbereich.

Blu-ray (198’26): (Slider ganz nach rechts): In so mancher Einstellung bei bestimmter Ausleuchtung übertreibt’s die BD mit der Farbe auf Gesichtern etwas.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Hier ist es ein Segen, dass die UHD etwas neutralere Hautfarben bietet. Gut auch zu sehen, dass das weiße Gewand mehr Strahlkraft hat.

Blu-ray (17’43): (Slider ganz nach rechts): Der Sonnenaufgang ist über die BD schon kräftig.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Aber auch das kann die UHD intensiver. Banding ist beiden Disks hier absolut fremd.

Blu-ray (123’13): (Slider ganz nach rechts): Nehmen wir aus unten stehendem Bild mal einen Ausschnitt, zeigt sich, dass die Blu-ray dann doch flacher erscheint und die ganz feinen Linien in Quer- und Längsrichtung nicht genauso gut auflöst.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Hier zeigt die UHD ihren Auflösungsvorteil dann doch sichtbar.

Das Bild aus dem Zoom in kompletter Darstellung
Blu-ray (144’28): (Slider ganz nach rechts): Ähnliches gilt für die Schrift auf der Visitenkarte.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Über die UHD kommen die Linien besser definiert und klarer rüber.

Die Visitenkarte in vollem Bildumfang zum Vergleich
Blu-ray (220’55): (Slider ganz nach rechts): Der Ausschnitt aus der Zeitung wirkt über die BD etwas trüber und nicht so kantenscharf abgebildet.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Auch hier ist die UHD sichtbar im Vorteil.

Das Szenenbild in absoluter Größe
Epische Bilder liefert der Film satt und genug

Die UHD von Lawrence von Arabien bietet akustisch eine Hochstufung fürs Deutsche – zumindest, was die Komprimierung angeht: DTS HD-Master ersetzt die alte Dolby-Digital-Spur. Im direkten Vergleich empfiehlt sich eine deutliche Anpassung des Pegels, die alte DD-Fassung war fast 10 dB lauter. Hat man das aneinander angeglichen, um die BD mit der UHD zu vergleichen, atmet die DTS-HD-MA-Spur viel freier als ihr DD-Pendant. Das wird spätestens während der Motorradfahrt zu Beginn deutlich. Schon das Anlassen der Brough Superior SS100 offenbart mehr Obertöne. Der Crash und das Quietschen des Gummis wird präsenter erzeugt und das Schießen des Bikes in den Busch ist feiner. Zwar kann man sich das nicht bei vollem Pegel anhören, weil’s dann mitunter krachig wird, aber das gilt für die alte DD-Version genauso (bspw. das Entgleisen des Zugs nach 150 Minuten). Schade, dass es gerade in den Actionszenen etwas drucklos ist. Es muss ja nicht direkt so viel Bassgewalt sein wie im englischen O-Ton, aber so ein bisschen Wums bei den MG-Salven oder abgefeuerten Schüssen hätte nicht geschadet. Davon ab, hört man ihr eindeutig an, dass sie besser aufgelöst ist und in jeder Hinsicht luftiger klingt als die Dolby-Digital-Fassung der Blu-ray. Was der DTS-HD-Master-Fassung natürlich ebenso misslingt, ist eine homogenere Einbettung der nachträglich synchronisierten Stellen. Feinere Auflösung beseitigt nicht die tonal völlig andere Gestaltung sowie deren teils kratziges und verrauschtes Verhalten.
Die englische Fassung erhält ein Upgrade auf True-HD-basiertes Dolby Atmos, das dem Film noch einmal eine ganz neue Dimension mitgibt. Und zwar in jeder Hinsicht. Sowohl in puncto Dynamik als auch in der Surround-Aktivität und Räumlichkeit. Was hier für einen so alten Film an Bassdruck erzeugt wird, ist schon als phänomenal zu beschreiben (Ritt auf die Stadt bei Minute 61 oder Beschuss des Zugs mit der MG nach ca. 151 Minuten, beides Disk 2).
Filmmusik schon während der Ouvertüre auch aus der Höhe addiert. Motorrad- und Windgeräusche kommen vor dem Crash hinzu und den Busch, in den Lawrence hinein fährt, hört man recht deutlich rascheln. Besonders atmosphärisch wird’s während der Szenen, in denen die Berge den Hall des Gesangs und des Klatschens zurückwerfen (35’40). Und auch der Doppeldecker mitsamt seinem Verfolger gelangen ebenso wie die entfernten Detonationen sehr dreidimensional ins Heimkino. Fliegen die beiden bewaffneten Flugmaschinen dann über die Köpfe ihrer Gegner hinweg, meint man tatsächlich, in einem modernen Actionfilm zu sitzen, dessen Sound bereits für Atmos produziert wurde. Geradezu extrem satt kommt der Hall des Schusses nach gut 88 Minuten rüber. Fast erschrickt man ob der druckvollen Unterstützung von den Heights. Während des Sandsturms ab Minute 116 hält man sich dann besser geduckt, um nicht selbst in der Wüste zu versinken. Hier hat man das fegende Geräusch schon sehr aggressiv mit nach oben gelegt. Ebenso wie das Signalhorn des Dampfers nach 122’25. Auf der zweiten Film-Disk geht’s nach der Intermission weiter nach 21 Minuten, wenn die Leuchtpistole abgeschossen wird und rauschend über die Köpfe hinweg zieht. Knapp acht Minuten später weht der Wind zugig vor der Höhle und die Stimmen hallen effektvoll von den Wänden wider.

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Bonusmaterial

Gleich geht’s rund

Das Bonusmaterial von Lawrence von Arabien ist 1:1 jenes von der 2012er Doppel-Disk-Blu-ray. Entsprechend gibt es auf der Blu-ray-Filmdisk den „Bild-in-Grafik“-Track, der grafische Infos über die Entstehung des Films sowie den echten T.E. Lawrence enthält. Bisweilen ist das wirklich sehr informativ und spannend – von kleineren Anekdoten über wirklich erstaunliche Infos.
Weiter geht’s dann auf der vierten Scheibe des Sets, der reinen Bonus-Disk. In „O’Toole erinnert sich an Lawrence von Arabien“ zeigt sich ein äußerst entspannter und aufgeräumter O’Toole, der sich äußerst detailliert an die Produktion und sein Engagement erinnern kann. Das 61-minütige Making-of lässt zu einem großen Anteil auch Historiker zu Wort kommen, die dem Film entweder als Berater dienten oder aber vor der eigentlichen Produktion konsultiert wurden. Es geht aber auch um die schwierigen Produktionsbedingungen in der Wüste, die der Crew alles abverlangten. Das Filmmaterial selbst wurde beispielsweise im Kühlschrank eines Catering-Wagens aufbewahrt. Und um Sand aufzuwirbeln, kamen zwei Jeeps zum Einsatz, die im großen Bogen um die Produktion herum fuhren.
Es folgte eine gelöschte Szene sowie weitere kleinere Featurettes. Ein Gespräch mit Martin Scorsese und Steven Spielberg ist ebenso dabei wie eines, das König Hussein am Set des Films zeigt.
„Verliebt in die Wüste“ aus dem Jahre 2000 läuft noch einmal 84 Minuten und wird von Produktions-Requisiteur Eddie Fowlie präsentiert. Er erzählt von den Drehorten und ist ein wandelndes Anekdoten-Lexikon des Films. „Lawrence mit 50“ gibt für eine knappe Viertelstunde Einblicke in die 4K-Restaurierung.

Fazit

Lawrence von Arabien ist ein filmhistorischer Meilenstein. Ein Epos. Ein Grundpfeiler, ohne den Filme des Genres heute kaum denkbar wären. Nun liegt er auf einer 4K UHD-BD (innerhalb der Columbia Classic Collection) vor, die nahezu das Maximum aus Medium und Vorlage herausholt. Noch einmal besser als die bisherige Blu-ray was die Feinauflösung und vor allem die Farbgewalt und den Kontrastreichtum angehen, können ganz kritische Augen zwar eine leichte Filterung wahrnehmen. Aber das ist Mäkeln auf allerhöchstem Niveau. Jeder, der dieses Haar in der Suppe nicht sucht, wird ansonsten schlicht weggeblasen von diesem unfassbar plastischen Bild eines 60 Jahre alten Films. Da auch der deutsche Ton ein hörbares und technische Upgrade erhält und die englische Atmos-Fassung ein kleines Träumchen ist, gibt’s den uneingeschränkten Daumen nach oben. Aktuell ist der Film natürlich nur innerhalb der Columbia Classics Box zu bekommen. Aber vielleicht lohnt sich aus der ja noch der eine oder andere Transfer. Die kommenden Reviews der Filme aus der Box werden es zeigen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 100%
Bildqualität UHD: 95%

Tonqualität BD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 55%
Tonqualität UHD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 65%

Tonqualität BD (Originalversion): 80%
Tonqualität UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 90%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 60%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 80%

Bonusmaterial: 100%
Film: 100%

Anbieter: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 1962
Regie: Sir David Lean
Darsteller: Peter O’Toole, Sir Alec Guiness, Omar Sharif, Anthony Quinn, Jack Hawkins, José Ferrer, Anthony Quayle
Tonformate BD: dts-HD-Master 5.1: en // Dolby Digital 5.1: de
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // dts-HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,20:1
Laufzeit: 139’23
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66 & BD-100
Real 4K: Ja (4K DI vom 8K Scan)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: 1289
FSK: 16

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots: © 1962, renewed 1990, © 1988 Columbia Pictures Industries, Inc. All Rights Reserved.)

Trailer zu Lawrence von Arabien

Lawrence of Arabia - 50th Anniversary 4K Restoration Trailer (HD)

5 thoughts on “Lawrence von Arabien 4K UHD

  1. Avatar Kisi

    Wieder eine klasse Review. Ich muss gestehen habe den Film leider noch nie gesehen. Ist der Film auch auf zwei Disks wie in den USA? Die Box steht auf meiner Wunschliste und ich werde sie mir zu Weihnachten kaufen. Hoffe du besprichst auch die anderen Filme. Auf Ghandi bin ich auch gespannt. Danke schon mal.

    • Die UHD-BD ist auf zwei Disks verteilt, ja. Und die anderen kommen auch nach und nach ins Review. Wird allerdings ein paar Wochen dauern, bis alle online sind.

  2. Avatar Gigi

    Klasse Rezension zu einem fantastischen Film. Ist für mich das absolute Highlight der gesamten Box. Gerade die Atmos Tonspur ist unglaublich. Da wird ja bei vielen neueren Filmen gesagt, dass halt im Original nur Stereo oder 5.1 vorliegt und drum kein Atmos möglich sei. Diese Disc zeigt, was wirklich möglich ist, wenn man will. Einfach nur genial, auch das Bild.

  3. Avatar Dennis

    Ist der Film auf beiden Discs verteilt bei der UHD? Oder sind auf der zweiten lediglich die Extras?

    • Der Film ist zweigeteilt, korrekt. Macht bei der Laufzeit auch Sinn. Der Wechsel passiert bei der Intermission des Films.
      Disk 3 ist dann die Blu-ray und Disk 4 liefert das Bonusmaterial.

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