Lebendig skalpiert [uncut]

Blu-ray Review

Busch Media Group, 24.04.2020

OT: –

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Die Fahne muss nach Hause!

Jochen Taubert hat wieder zugeschlagen.

Inhalt

Der General zeigt, wo’s lang geht

Der amerikanische Bürgerkrieg tobt. Nur der Gnade eines Generals der Südstaaten ist es zu verdanken, dass ein Apachen-Mädchen nicht zwischen die Fronten gerät und von seinen Soldaten vergewaltigt wird. Allerdings kann der General sie nicht ewig schützen. Und als er selbst schwer verletzt ist, beauftragt er seine rechte Hand Brutus damit, die Fahne zu tragen und auf des Generals Tochter aufzupassen. als Brutus verletzt wird, rettet ihn das Apachen-Mädchen durch den Einsatz eines Schlangengifts. Das allerdings bleibt nicht ohne Auswirkungen. Brutus‘ Gesicht wird entstellt und sein Verstand fällt dem Wahnsinn anheim. Nun ist fraglich, ob er seinem Auftrag noch nachkommen kann …

Das Apachen-Mädchen weiß sich zu wehren

Ich pisse auf deinen KadaverTurbo Zombies – Tampons of the DeadSpiel mir am Glied bis zum Tod … Diese Filme sagen euch nichts?
Dann aber schleunigst (okay, vielleicht auf die Nach-Corona-Zeit warten) die nächste Filmbörse aufsuchen und gezielt nach diesen Trashperlen suchen.
Was diese Streifen mit ihren unglaublichen Titeln gemein haben?
Nun, ihr Regisseur hört auf den Namen Jochen Taubert.
Taubert ist der Exzentriker unter den deutschen Independent-/Amateur-Filmern. Das „schreckliche Kind“, wie’s der Franzose sagen würde. Seine Werke strotzen vor Blut, Geschmacklosigkeiten und exzessiver Gewalt. Und damit ist er in bester Gesellschaft ganz ähnlicher Kollegen wie Olaf Ittenbach oder Andreas Schnaas.
„Westernmäßig“ geht es nun in Taubert neuestem (Mach)Werk zu. So richtig mit „Schießereien, Indianer, Cowboys, Pferde und hasse nich‘ gesehen“, wie der Regisseur mit hochgradiger Überpegelung ins Mikro zu verstehen gibt (siehe Bonusmaterial). Dazu gibt’s Tomaten- und Bananen-Slapstick, wie er hinzufügt.
Ah ja, das klingt doch schon mal spaßig.
Beginnen tut’s mit Archivaufnahmen von Wasserbüffeln, die sicherlich nicht vor der Münsteraner Kulisse gefilmt wurden, vor der der Rest des Films spielt. Das immerhin macht Taubert sogar ganz geschickt mit Einkopierungen seiner Darsteller.

Ralf Richter in Gefahr?

Ansonsten bitte das Ganze zu keiner Zeit allzu ernst nehmen. Das hier ist lupenreiner Amateurfilm-Trash der edelsten Sorte. Das Timing ist meist mies, die gedrehten Versatzstücke wurden weitgehend dilettantisch zusammen geschnitten und man merkt zu jeder Zeit, dass Ralf Richter (dessen Screentime eher kurz geraten ist) woanders gefilmt wurde als der Hauptteil der Story. Man MUSS Fan solcher Filme sein. Man muss goutieren, dass das alles überhaupt keinen Sinn macht. Man muss mögen, dass sämtliche Schauspieler talentfrei agieren und ebenso, dass Logik hier nicht stattfindet (warum zum Beispiel rennt einer der konföderierten Soldaten ständig mit offenem Hemd rum und lässt seinen Schmierbauch raushängen?)
Weil aber auch das mit Humor genommen wird, muss man das einfach irgendwie charmant finden. Da wird eine ausgediente Lok der Westfälischen Landes-Eisenbahn zum Schauplatz eines in den USA spielenden Films – warum auch nicht?
Lebendig skalpiert verwendet dafür eine Menge Zeit und Aufwand für seine Gore-Szenen. Da werden in Großaufnahme Hälse durchschnitten, blutige Kreuze in nackte (Frauen)Oberkörper geritzt und Eingeweide aus dem Bauch gerissen. Ein stattlicher Teil des Budgets wird für diese Aufnahmen drauf gegangen sein.
Dabei sollte man sich nicht vom Cover-Aufdruck irreführen lassen. Denn Lebendig skalpiert erhielt eine FSK-16-Freigabe von der Prüfstelle. Verantwortlich für den roten 18er-Button dürften vielmehr die Trailer einiger anderer 18er-Titel aus dem Bonusmaterial sein. Offenbar hat die FSK hier aber den überzogenen Witz verstanden und die teils drastischen Gewalteinlagen entsprechend locker eingeordnet.

Blutig geht‘ schon zu

Was den Witz angeht, muss man ihn auch ein bisschen in der absurden Amateurhaftigkeit des Geschehens finden. Oft ist Tauberts Film unfreiwillig komisch, wobei man aber nie den Eindruck hat, dass man ein Problem damit hat, wenn das jemandem auffällt.
Taubert selbst entgegnet der Frage, wie er mit Kritik umgeht in einem Interview mit den Worten: „Kritik ist der Keilriemen des Fortschritts. Wir nehmen uns ja nicht mal selber ernst. Andere sollten das auch nicht machen. Entweder man liebt uns oder man hasst uns. Dazwischen gibt es nichts.“ (Quelle). Wenn man dann im Abspann den Fun beobachtet, den alle bei der Arbeit hatten, kann man fast nicht umhin, das Ganze irgendwie zu mögen.

Und Nacktheit hat noch nie geschadet

Bild- und Tonqualität

Geschossen wird auch – oder zumindest so getan als ob

Auch dem Bild und dem Ton merkt man seine Amateur-Herkunft durchweg an. Zwar lässt sich beim Bild kein Körnchen erkennen, dafür ist es durchweg wachsweich und frei von Schärfe. Dazu ist es bewusst dunkel abgestimmt, was schon in Schattenbereichen zu Detailverlust führt. Dazu gibt’s deutliche Kompressionsartefakte, die man vor allem in den Bildhintergründen erkennen kann. Im Prinzip sieht das genauso aus wie zu VHS-Zeiten, nachdem man einen Film zwei-/dreimal hin- und her kopiert hat. Ein Bild ist also durchaus da, aber von Qualität sollte man hier nicht sprechen.
Ähnliches gilt für den Ton. Der liegt einerseits nur in Stereo vor und leidet durchweg unter seiner Unausgewogenheit. Mal hört man Hintergrundrauschen, mal nicht. Mal sind Stimmen viel zu laut, mal zu leise. Die Soundeffekte sind nachträglich eingefügt, was ebenfalls in der Lautstärke stark schwankend ist und somit deutlich offenbart, dass man sie erst im Nachhinein aufgespielt hat. Ab und an sind die Stereo-Direktionalität auch mal vertauscht, sodass jemand von links schreit, der eigentlich rechts zu sehen ist. Der Erzähler der Story immerhin bleibt gleichmäßig ausgepegelt und gut verständlich.

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Bonusmaterial

Ein bisschen Nekromantik gibt’s obendrauf

Das Bonusmaterial von Lebendig skalpiert hält ein Interview mit Taubert selbst sowie eins mit Alina Lina parat. Dazu gibt’s Bilder von der Premierenparty, ein Musikvideo „Es war einmal im Weste(r)n“ sowie den Titelsong live vorgetragen bei einer Premierenfeier. Die beiden Behind-the-Scenes-Clips sind mit zusammen knapp neun Minuten nicht sonderlich lang ausgefallen, zeigen aber, dass so eine Amateurproduktion durchaus ein stattliches Team im Hintergrund hatte – selbst wenn die meisten wohl eher Angehörige waren, die auf Kind, Hund und Kegel aufgepasst haben.

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Fazit

Nach filmischen Maßstäben ist Lebendig skalpiert vielleicht eine 10%-Bewertung wert. Nach Trash-Aspekten liegen wir hier allerdings bei 100%. Und nur unter solchen Voraussetzungen sollte man sich Tauberts jüngsten Erguss aus Blut, Schleim, Sperma und Geseier anschauen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 40%
Tonqualität (dt. Fassung): 40%
Bonusmaterial: 50%
Film: unbewertbar

Anbieter: Busch Media Group
Land/Jahr: Deutschland 2020
Regie: Jochen Taubert
Darsteller: Taynara Wolf, Ralf Richter, Alina Lina, Heiko Bender, Christian Stock, Markus Beyer
Tonformate: dts HD-Master 2.0: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 87
Codec: AVC
FSK: 18 (uncut)

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Busch Media Group)

Trailer zu Lebendig skalpiert

LEBENDIG SKALPIERT - Offizieller Trailer

 

2 thoughts on “Lebendig skalpiert [uncut]

  1. Avatar Der Name

    ist das eigentlich porno oder nur so fsk18? weirdes zeug.

    jedenfalls spellchecker:

    Allerdings kann der Generell sie nicht ewig schützen.

    -> Korrektur: General.

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