Leberkäsjunkie

Blu-ray Review

EuroVideo, 16.01.2019

OT: –

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Dreamteam

Eberhofer zum Sechsten.

Inhalt

Aufs Kind aufpassen – und das mehr als einen Tag. Der Eberhofer hätt‘ gern bittschön a Notfallnummer

Der Eberhofer hat’s mit dem Cholesterin. Ausgerechnet als er die verkohlte Leiche einer Unbekannten im ausgebrannten Anbau der Mooshammerin begutachtet und die Nachbarn befragen will, bricht er z’sammen. Der Arzt analysiert: Fitnesswerte jenseits von Gut und Böse. Ab sofort keine fetten Speisen und schon gar keine Leberkässemmeln mehr. Dem nicht genug steht auch noch die jetzt-aber-mal-echt-und-in-Wirklichkeit-Ex-Freundin Susi auf der Matte. Weil sie eine Fortbildung besucht, muss Eberhofer auf den gemeinsamen Sohn Paul aufpassen – das ganze Wochenende!
Drei Dinge auf einmal sind dann doch ein bisschen zu viel für den Eberhofer Franz. Ganz abgesehen davon, dass die Mooshammerin jetzt auch noch bei der Oma einzieht und der Papa sich in die Mutter der Verstorbenen verguckt. Ein Glück, dass Birkenberger als treuer Partner zur Seite steht – jedenfalls beim Mordfall. Denn mit Kindern hat er’s nun wirklich nicht …

Klare Sache: Gestorben durch stumpfe Gewalteinwirkung

Wer Dampfnudelblues, Winterkartoffelknödel, Schweinskopf al dente, Grießnockerlaffäre, und Sauerkrautkoma sagt, der muss auch Leberkäsjunkie sagen.
So, nachdem nun auf einfachstmögliche Weise alle bisherigen Verfilmungen der Rita-Falk-Vorlagen aufgesagt und mit ihren alten Reviews verlinkt sind, geht’s dem jüngsten Werk an den Kragen. Wobei die Reihenfolge der Adaptionen mittlerweile etwas durcheinander gekommen ist. Denn eigentlich kam in Rita Falks Chronologie ja noch Zwetschgendatschikomplott vor dem Leberkäse – also quasi die Nachspeise vor dem Hauptgang. Aber Käse hin oder her, ob mit Leber oder auf Zwetschgenkuchen – Eberhofer ist Eberhofer.
Und den durften dieses Mal auch ein paar mehr Leute im Kino sehen als noch die Jahre zuvor. Immerhin auf 145 Leinwänden außerhalb Bayerns und Österreichs weitete man die Auswertung des sechsten Films aus – drei Wochen NACH dem ursprünglichen Start.
Nach wie vor ist es dem Rezensenten dieser Seite nicht klar, warum man diese Politik bei einer Filmreihe verfolgt, die von Flensburg bis Passau Fans hat und in ihrer begrenzt-bundesweiten Kinoauswertung schlicht diskriminierend ist.
Ein Glück gibt’s die Heimkino-Veröffentlichung – und die ist ja dankenswerterweise nicht auf Süddeutschland beschränkt.

Recherche in der Gruppe für Sex-Süchtige

Das wäre ja auch was, wenn plötzlich am Weißwurst-Äquator ein illegaler Handel mit DVDs und Blu-rays der Eberhofer-Filme stattfinden würde. Ein Skandal wäre das. Denn dann kämen die Nicht-Bayern nicht in den Genuss eines Films, dessen Form- und Witzkurve nach dem etwas durchhängenden Sauerkrautkoma wieder deutlich nach oben zeigt. Leberkäsjunkie beschränkt sich wieder auf den Mikrokosmos Niederkaltenkirchen und lässt die Großstadt Großstadt sein. Das tut dem Tempo gut, das tut der Atmosphäre gut und das tut den Figuren gut. Letztere dürfen dieses Mal überraschend Tiefgründiges von sich geben, was dem Film erstaunlich gut steht. Genauso gut übrigens wie der bissige Kommentar auf Rassismus im Fußball.
Natürlich ist auch hier das Lösen des Kriminalfalls eher eine Nebensache – zumal der findige Zuschauer schon relativ früh ahnt, wer hinter dem Mord stecken könnte. Aber darum geht’s nicht und ging’s noch nie. Wer kompliziert gestrickte Mörderhatzen will, schaltet Sonntags den Tatort ein und schaut sich keinen Eberhofer an – Zefix!
Wie immer geht es vielmehr um den lakonischen Humor der G’schicht und den transportiert Stammregisseur Ed Herzog wieder treffischerer als zuletzt zum Zuschauer. Auch weil die Charaktere wieder schrulliger geraten sind (großartig: Eva Mattes als Liesl Mooshammer) und der titelgebende Leberkäs-Sonderfall für einige (wenn auch unappetitliche) Gags sorgt.
Außerdem ergeben sich zahlreiche brüllkomische Situationen durch Franz‘ Aufpasserjob auf den den kleinen Pauli. Wenn der Sohnemann auf dem Seziertisch des Pathologen gewickelt wird, mit elektrisierten Haaren im Bällebad sitzt oder von Birkenberger etwas unorthodox durch den den Spielzeugladen getragen wird, darf man schon mal beherzt Tränenlachen.
Und außerdem gibt’s ja noch Eisi Gulp. Der heimliche Star der sechs Filme darf hier nach anfänglich-gewohnter Rumgrantelei seiner Figur mal ganz andere Seiten von sich zeigen. Wenn der Papa Eberhofer mit gewaschenen Haaren im Anzug auf ein Date geht, ist das mindestens ebenso charmant wie seine Schimpftirade auf das gesunde Essen der Oma. Darauf ein zünftiges: „Wegen dem Hirschen do könn‘ mir jetzt unser’n Komboschthauf’n z’sammfress’n“

Ungewohnte Verhaltensweisen bei Papa Eberhofer

Bild- und Tonqualität

Eberhofers Bruder wird zum Bürgerrechtler

Leberkäsjunkie bleibt seiner Optik treu. Vor allem die Close-ups und Zooms mit Weitwinkel-Objektiven stellen diesen ganz eigenwilligen Look her, der stets von messerscharfen und für faltige Haut wenig schmeichelhafte Bildern dominiert wird. Körnung gibt’s nur wenig. Und selbst wenn’s mal etwas unruhiger wird, ist es nicht störend. Farben kommen wie bei allen bisherigen Filmen der Reihe sehr kräftig, bisweilen sogar neonartig rüber. Susies Lippenstift oder ihre Fingernägel knallen schon ordentlich. Der Kontrastumfang ist hoch und lässt das Bild in hellen und dunklen Szenen sehr dynamisch wirken.
Akustisch waren die Eberhofer-Filme nie sonderlich effekt- oder gar druckvoll. Dafür ist letztlich auch zu wenig los. Dialoge sind gut verständlich (wenn man von der Mundart mal absieht) und wenn Autos von hinten heranrauschen, werden auch mal die Surroundspeaker genutzt. Echte Dynamik oder Bass gibt’s aber nicht mal während der Jahrmarktszenen.

Bonusmaterial

Kindergeburtstag mit abschließendem Bobby-Car-Rennen

Ein Making-of mit einer Laufzeit von 27 Minuten klärt über die Dreharbeiten auf und lässt Rita Falk ebenso zu Wort kommen wie den Regisseur und die Darsteller des Films. Entspannte Aufnahmen vom Set sind ebenso dabei wie ein paar erklärende Kommentare der Schauspieler zu ihren Figuren.
Fünf Featurettes ergänzen die Geschichte mit einem kurzen Fake-Jobgesuch oder spirituellen Selbsterkenntnissen von Rudi. „Foodsimpeleien“ klären dann unter anderem über Superfood auf – bspw. über Schweinshaxen. Außerdem darf Oma Eberhofer noch sechs kurze Weisheiten zum Besten geben.

Fazit

Die Gagdichte, die man sich beim Vorgänger noch höher wünschte, hat wieder deutlich angezogen. Leberkäsjunkie lässt den etwas faden Sauerkrautkoma deshalb wieder vergessen, unterhält prima über die volle Laufzeit und ist ein weiterer Beweis dafür, dass der gerade abgedrehte siebte Teil endlich mal flächendeckend deutschlandweit im Kino laufen sollte – Kruzifix noch amol.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Bonusmaterial: 50%
Film: 80%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Ed Herzog
Darsteller: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Eisi Gulp, Sigi Zimmerschied, Robert Stadlober, Eva Mattes
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de // dts 2.0: Deutsch für
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 96
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter EuroVideo)

Trailer zu Leberkäsjunkie

LEBERKÄSJUNKIE - offizieller Trailer
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