Legacy of Lies

Blu-ray Review

Leonine Distribution, 27.11.2020

OT: Legacy of Lies

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Back in Business

Scott Adkins macht jetzt auf James Bond.

Inhalt

Baxter hat’s noch drauf

Seit vor zwölf Jahren ein Einsatz gründlich schief gegangen ist, schlägt sich Ex-MI6-Agent Martin Baxter als Sicherheitsmann einer Nobeldisko mehr schlecht als recht durch. Kein Wunder, dass er sich als Cage-Fighter noch ein paar Dollar hinzu verdient. Seine 12-jährige Tochter Lisa analysiert dafür zuvor seine Gegner und gibt ihm Tipps. Doch auch ihr fällt auf, dass er in der letzten Zeit ziemlich nachgelassen hat, nicht mehr auf ihre Ratschläge hört und den Fokus verloren hat. Die Dämonen der Vergangenheit suchten ihn zuletzt immer öfter heim. Einzig die starken Tabletten, die er nimmt, bringen ihn irgendwie über die Runden. Dann bekommt er eines Nachts in der Disko Besuch von einer jungen Dame. Die stellt sich als Sasha vor, die Tochter von dem Mann, dessen Leben Martin vor 12 Jahren nicht retten konnte. Damals ging es um gewisse Unterlagen, die brisante Informationen enthielten, welche dem Kreml schaden könnten. Auch nach dieser Zeit sind diese Unterlagen immer noch wertvoll und brisant, und die als Journalistin arbeitende Sasha möchte sie sicherstellen, um das Werk ihres Vaters zu vollenden. Doch kaum taucht das Mädchen bei ihm auf, wird die Diskothek von Bösewichten zu Kleinholz gemacht. Martin steckt wieder mittendrin in dem, was er konnte und was ihn nicht loslässt. Das Dumme ist: Sowohl seine Ex-Kollegen vom MI6 als auch die Russen setzen ihn unter Druck. Beide wollen die Unterlagen und beide haben schlagende Argumente dafür, dass Martin sie abliefert. Baxter muss ich entscheiden, auf welche Seite er sich stellt, während seine Tochter Lisa in höchster Gefahr schwebt …

Baxters Gegner schauen grimmig drein

Sollte sich Scott Adkins nach zig Z-Movie-Prügel-Filmen, in denen er stets den hölzernen und wenig begabten Darsteller gegeben hat, tatsächlich mal in einen guten Film verirrt haben?
Legacy of Lies beginnt jedenfalls erstaunlich spannend und nervenaufreibend. Mit atmosphärischen Bildern eines Linienbus-Friedhofs, indem eine Übergabe schiefgeht, eröffnet der Film von Langfilm-Debütant Adrian Bol. Zwar erzählt das von ihm selbst geschriebene Skript keine sonderlich originelle Geschichte und Scott Adkins bleibt darstellerisch nach wie vor limitiert, aber immerhin hält der Regisseur das Tempo hoch und stellt seiner Hauptfigur ein paar interessante Nebencharaktere zu Seite. Allen voran natürlich seine Filmtochter, die vielleicht ein bisschen zu abgeklärt wirkt, aber in ihrem harten Matilda-Style ein guter Gegenpol zu Adkins ist. Sie rebelliert auf angemessene Art und Weise gegen sein stockkonservatives Verhalten, was sie zu einem sympathischen jungen Mädchen werden lässt. Der Zuschauer schlägt sich schnell auf ihre Seite und sieht mit an, wie Honor Kneafsey (Das krumme Haus) ihrem Film-Vater nicht nur die knackigeren Analysen voraus hat, sondern Adkins glatt an die Wand spielt.
Was man Legacy of Lies zugute halten muss, ist sein Bemühen, die Agenten-Geschichte im Geiste von Jason Bourne oder Bond abzuliefern. Groß war die Gefahr, dass man hier „nur“ eine Spion-Story rund um zahlreiche Martial-Arts-Kampfeinlagen herum erzählt, um dem eigentlichen Talent des Hauptdarstellers entgegen zu kommen. Der bezieht zu Beginn allerdings erst einmal überraschend häufig richtig Prügel. Es dauert eine halbe Stunde, bis er selbst mal so richtig zulangen und zeigen darf, dass er es immer noch drauf hat. Dabei ist der Gewaltfaktor erfreulich niedrig  – vor allem, wenn man es mit seinen bisherigen Filmen vergleicht. Dass man hier etwas zurückhaltender mit den MMA-Einlagen umgeht, lässt auch darüber hinwegsehen, dass irgendwie immer alle Mitarbeiter von Geheimdiensten und anderen Ermittlungsbehörden wahre Martial-Arts-Kämpfer zu sein scheinen.

Martins Tochter ist sein bester Coach

Nein, Legacy of Lies ist kein simpler Haudrauf-Film und konzentriert sich durchaus darauf, eine halbwegs spannende und nicht ganz an den Haaren herbeigezogene Spionage-Geschichte zu erzählen. Dass das Feindbild-Schema USA vs. Russland so plakativ und banal rüber kommt wie zu „besten“ Rocky-IV – oder Rambo-III-Zeiten, muss man halt akzeptieren. Immerhin gibt’s im Kern ein paar Details, die sich mit aktuellen Geschehnissen decken (Stichwort: Sergej Skripal / Nowitschok) – selbst wenn die Vermutungen, der Kreml könnte hier seine Hände im Spiel haben, nicht bestätigt sind. Während aber schon die realen Ereignisse kaum dazu beitragen, das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen zu bessern, gräbt Legacy of Lies den Graben noch ein Stück tiefer – da kann er die russische Agentin Olga so kinderfreundlich darstellen wie er möchte.
Sieht man über diese wenig geglückte politische Stimmungsmache des Films hinweg, liefert der Spionagethriller neben Adkins und ein paar schön choreografierten Kämpfen vor allem atmosphärische Bilder. Entgegen der bisherigen B-/C-/ und Z-Movies mit dem Schauspieler sieht man diesem Film an, dass er durchaus einige Euro Budget hatte. Zu Beginn sind es kühle, aber ziemlich stylische Bilder, die Regisseur Bol und sein Kameramann Simon Rowling für ihren Film finden. Später wird es dann grauer und authentisch rau, wenn der Showdown in Kiew die ukrainische Hauptstadt dann mal nicht im Hochglanz eines Touristenprospekts zeigt und jene Gegenden besucht, die noch etwas Renovierung bedürfen. Das ist visuell durchaus reizvoll und sehr dynamisch. Zwar werden viele Actionfilme der letzten Jahre günstig in Osteuropa gedreht, aber hier sieht man Kiew, wie man es möglicherweise noch nicht in einen Film geliefert bekam. Insgesamt dürfte nach dem Sichten von Legacy of Lies unbestritten sein, dass ein Film mit Scott Adkins in der Hauptrolle noch nie so hochwertig ausgesehen hat.
Die Geschichte selbst schlägt am Ende noch einmal den Bogen zur aktuellen Problematik von Medienberichterstattung vs. Fake News und nimmt dabei erneut Bezug auf reale Ereignisse wie die Verfolgung von unliebsamen Journalisten in Russland. Das Plädoyer für freie Meinungsäußerung und seriösen Journalismus mag etwas aufgesetzt wirken, ist aber durchaus ernst gemeint. Und dann bekommen am Ende auch nicht nur die Russen, sondern auch die derzeitige Noch-Administration von Donald Trump in den USA ihr Fett weg.

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Format: Blu-ray
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Bild- und Tonqualität

Sacha möchte das Werk ihres Vaters vollenden

Der digital gefilmte Legacy of Lies nutzt zahlreiche unterschiedlich gefilterte Szenarien, die von der Blu-ray ziemlich authentisch wiedergegeben werden. Ob das die gelbliche Stimmung nach dem Cage Fight oder in Martins Wohnung ist oder das blaugrüne Szenario der Nobeldisko-Küche und der ersten Begegnung zwischen ihm und Olga – optisch passt das einwandfrei zur Story und den gewählten Bildern. Die Schärfe liegt aufgrund der verwendeten Optiken oft nur im zentral-mittleren Bereich des Bildausschnitts, ist dort aber sehr gut. Zu den Rändern wird’s dafür oftmals unschärfer. Was den Kontrast angeht, so könnten Schwarzwerte noch etwas satter sein. Hier fehlt’s ein bisschen an Punch. Außerdem sind Schattenbereiche oft nicht gut durchzeichnet, was schon mal ein paar Details versumpfen lässt. Graue Lagerhallen vor blauem Himmel sehen dafür wirklich klasse aus (49’50). Während der totalen auf Kiew fängt die Blu-ray allerdings nicht immer die feinen Details perfekt ruhig ein.
Was dem etwa zeitgleich rezensierten Guns Akimbo im Bass fehlt, holt Legacy of Lies schon während der Intro-Titel raus. Die Unterwasser-Aufnahmen werden von einem wabernden Bass begleitet, der vom kommenden Unheil zeugt. Räumlich geht’s dann hinein in den Busfriedhof, wenn die Schritte der High-Heels von hinten ankommen und durch das Heimkino bis zur Front spazieren. Kurz darauf zischen vereinzelte Schüsse derart präzise durch die Luft und schlagen in herumstehendes Bleich ein, dass man sich wirklich mitten im Geschehen wähnt. Weiterhin wummert der Bass abgründig innerhalb des Scores und treibt das Adrenalin in die Höhe. Vielleicht ist das hin und wieder etwas zu viel des Guten, weshalb jene, die mit ihren Nachbarn keinen Streit wollen, den Subwoofer unter Umständen ein paar dB runter regeln sollten.
Während des Cage-Fights kurz danach sitzen die Faustschläge satt und wenn akustisch dargestellt wird, dass Martin die Ohren klingeln, setzt das authentische Taubheitsgefühl mit üblem Feedback ein. Die jeweiligen Actionszenen werden durchweg hochwertig, dynamisch und satt wiedergegeben, die Stimmen bleiben jederzeit gut verständlich.

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Bonusmaterial

Notfalls halt mit Gewalt

Das Behind-the-Scenes-Featurette, das sich im Bonusmaterial neben den Trailern versteckt, blickt relativ ausführlich hinter die Kulissen der Dreharbeiten. Zwar ist es nicht untertitelt, doch wer des Englischen etwas mächtig ist, kann die Kommentare von Regisseur, Kameramann und anderen Beteiligten ganz gut nachvollziehen. Völlig sinnfrei ist das Fehlen von Untertiteln allerdings, wenn polnische oder ukrainische Drehteam-Mitglieder Interviews geben – vorausgesetzt, es gibt in Deutschland weniger Menschen, die osteuropäische Sprachen beherrschen als Englisch.

Fazit

Näher dran am Schauspiel war Scott Adkins noch nie – und das darf man durchaus auch mal als Kompliment sehen. Für einen Film mit dem Taekwondo-Schwarzgürtelträger ist die Story noch dazu überraschend spannend geraten. Umgeben von guten Co-Stars und mit ebenso wertig fotografierten wie atmosphärisch gestylten Actionsets kann man das durchaus mal machen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 40%
Film: 60%

Anbieter: Leonine Distribution
Land/Jahr: Niederlande/Großbritannien/Polen/Ukraine/USA 2020
Regie: Scott Adkins,
Darsteller: Adrian Bol, Honor Kneafsey, Yuliia Sobol, Tetiana Nosenko, Sami Karim, Martin McDougall
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 102
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Leonine Distribution)
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Trailer zu Legacy of Lies

Legacy of Lies | Official Trailer [HD] (Scott Adkins)

 

One thought on “Legacy of Lies

  1. Avatar Michael

    Ich hatte versucht, das gute Stück bei einem Gewinnspiel abzustauben, was aber leider misslang. Nun warte ich mal auf ein günstiges Angebot…

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