Look Away

Blu-ray Review

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Splendid Film/WVG Medien, 21.02.2019

OT: Look Away

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Verkorkst und entstellt

Atmosphärischer Grusler mit herausragender Hauptdarstellerin.

Inhalt

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Zum Geburtstag gibt’s ne Schönheits-OP vom Papa

Maria hat wohlhabende Eltern und lebt in einem schicken Zuhause. Was sie nicht hat, ist Selbstbewusstsein und Freunde. Und das nimmt sie ebenso mit wie die Tatsache, dass sie in der Schule ständig gemobbt wird. Auch Mama und Papa sind kaum eine Hilfe. Gerade ihr schönheitschirurgender Papa macht es ihr nicht leichter, wenn er vornehmlich daran interessiert ist, dass Maria hübsch zur Schule geht. Ein echtes Ohr für ihre Probleme hat er jedenfalls nicht. Dann, eines Abends, bewegt sich Marias Spiegelbild – und zwar nicht so, wie Maria (und jeder andere) es erwarten würde. Tags drauf ist es noch schlimmer. Denn die Dame, die ihr mit gleichem Antlitz entgegen schaut spricht zu Maria. Und sie macht ihr Vorwürfe, dass sie so weich ist und sich von allen rumschubsen lässt. Offenbar schaut Maria ihrer bei der Geburt verstorbenen Zwillingsschwester in die Augen. Und Airam, so heißt sie, hört Maria zu. Erstmalig hört jemand ihr zu. Eltern und Bekannte kommen bei der Spiegelbild-Schwester nicht gut weg. Doch während Maria denkt, dass Airam ihr hilft, zeigt sich bald, dass auch diese das schüchterne Mädchen nur für ihre Zwecke ausnutzt …

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Keine Angst: So dunkel wie die Szenenbilder ist der Film dann doch nicht

Look Away beginnt mit einer recht beklemmenden Ultraschall-Live-Aufnahme, in der man sieht, wie ein Zwilling den anderen im Mutterleib tritt und drangsaliert. Der Name der Mutter ist bekannt: Amy Brennan. Wenn dann die Zeit 18 Jahre in die Zukunft schwenkt, weiß man, dass Maria einer der beiden seinerzeit noch ungeborenen Föten ist. Und es ist zweifelsfrei nicht der Dominante der Beiden. Den erblickt sie gemeinsam mit dem Zuschauer dann im Spiegel. Und Maria sieht dort alle Wesenszüge, die sie selbst nicht hat und bei sich vermisst: Härte, Selbstbewusstsein und Entschlossenheit …
Der israelische Regisseur Assaf Bernstein widmet sich elf Jahre nach seinem Polit-Drama-Langfilmdebüt „The Debt“ nun dem Mystery-Thriller. Sein Look Away nimmt sich Zeit, die Sorgen, Ängste und unterdrückten Aggressionen seiner Hauptfigur zu schildern, auf dass der Zuschauer sich mit Maria identifiziert. Das klappt vor allem aufgrund des authentischen Spiels von India Eisley (Curse of the Sleeping Beauty), die schon als rothaarige Killerin Sawa in Kite – Engel der Rache neben Samuel L. Jackson überzeugte.
Inhaltlich vermischt Bernstein in der von ihm selbst geschriebenen Story Körpertausch-Elemente mit Coming-of-Age-Drama und Rache-Thriller – keine unkluge Mixtur. Denn mit der Geschichte gelangen die Ängste der heutigen Teenager an die Oberfläche. Sie erfahren über die Figur der Airam einen reinigenden Effekt, eine Art Katharsis.

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Wenn sich der Spiegel völlig unangepasst verhält

Selbst wenn Look Away dafür tief in die Klischee-Kiste des Schulmobbings greifen muss. Denn so richtig will man nicht glauben, dass der zwar schüchternen, aber beileibe nicht hässlichen oder sonstwie seltsamen Maria so übel mitgespielt wird. Sei’s drum: Für die Motive der Rache funktioniert’s und wird emotional so aufgeladen, dass man es den „Opfern“ durchaus gönnt. An India Eisley ist es dabei, beide Rollen überzeugend zu spielen. Und das tut sie. Schon die anfänglichen Szenen mit ihrem Spiegel-Gegenüber funktionieren sehr gut und sind inszenatorisch auf den Punkt getimt. Wenn sie sich dann vom schüchternen Entlein zum dominanten Schwan entwickelt, merkt man ihr die Freude am Spiel dieser zwei unterschiedlichen Charaktere durchaus an.
Leider verlässt Look Away von dem Moment des Rachepfads an die zunächst sorgsam aufgebaute Atmosphäre und konzentriert sich zu sehr auf die Einzelaktionen der Airam. Die schüchterne Maria wird arg in den Hintergrund gedrängt und die Bestrafungs-Aktionen sind außerdem nicht sonderlich originell oder rasant inszeniert. Das durchweg eher gemächliche Tempo führt zwar dazu, dass man bei den Figuren bleibt und Bernstein nimmt die Probleme der Teenies wirklich ernst, aber es ist schon etwas seltsam, dass das manipulative Verhalten der „neuen“ Tochter bei den Eltern nur bedingt Verwunderung hervorruft.

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Tja, dumm gelaufen für Maria.

Bild- und Tonqualität

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Alptraumhaft

Look Away beginnt mit einem blitzsauberen und sehr hellen Bild. Die Schärfe in Close-ups ist so gut, dass man das Make-up der Darsteller erkennen kann und selbst auf uniformen Hintergründen sieht man praktisch kein Korn. Während der Innenraumszenen ist die Kontrastierung angenehm, wobei Schwarzwerte etwas knackiger sein könnten. Die Tatsache, dass die Tageslicht-Einstellungen sehr aufgehellt erscheinen, unterstützt die kühle Atmosphäre, die der Film effektiv aufbaut. Gleichzeitig wirken die warmen Farben bei Restaurant-Besuchen angenehm und schmeichelhaft – alles in allem ein qualitativ wirklich hochwertiges Bild.
Der Ton von Look Away beginnt noch relativ unspektakulär und liefert ein paar atmosphärische Umgebungs-Geräusche aus den Surrounds. Doch spätestens, wenn Maria mit ihrer Zwillingsschwester zu kommunizieren beginnt, wird dies genutzt um die Surround-Speaker mit Informationen zu füllen. So hörte man Airam aus allen Speakern und wird von ihrer Stimme so eingenommen wie Maria selbst. Außerdem gibt’s während des Filmscores immer mal wieder erstaunlich satten Subwoofer-Einsatz (34’25). Während der Disko on Ice kratzen die Kufen dann mit direktionalen Sounds um den Zuschauer herum (41’00). Wenn die dynamischen Momente nicht ganz so krachig wären und die deutsche Synchro etwas kräftiger eingebettet wäre, wäre hier noch mehr drin gewesen.

Bonusmaterial

Programmtipps und Originaltrailer – mehr Bonus gibt’s nicht auf der Blu-ray von Look Away.

Fazit

Look Away beginnt atmosphärisch und nimmt seine Hauptfigur ernst. Auch das unterschwellig vorhandene Grundmotiv der Schizophrenie wird deutlich herausgearbeitet und mit den ganz alltäglichen Problemen junger Teenager vermischt. Das eher gemächliche Tempo und die vorhandenen Logikbrüche verhindern aber, dass der Film im Ganzen aus einem soliden Grusel-Mystery-Thriller noch mehr macht.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 90%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 10%
Film: 65%

Anbieter: Splendid Film / WVG Medien
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Assaf Bernstein
Darsteller: India Eisley, Mira Sorvino, Jason Isaacs, Penelope Mitchell, Harrison Gilbertson, Kristen Harris
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 104
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Splendid)

Trailer zu Look Away

Look Away – Trailer Deutsch HD – Ab 22.02.2019 im Handel!

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