Lord of War 4K UHD

Blu-ray Review

Capelight Pictures, 27.08.2021
Capelight Pictures, 27.08.2021

OT: Lord of War

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Acht von zehn

Brillante Waffenhändler-Satire von Andrew Niccol in Dolby Vision HDR.

Inhalt

Yuri und sein Bruder Vitaly sind in den USA zunächst mittellos

Yuris Familie wanderte einst aus der Ukraine in die USA ein. Yuri war damals noch ein Kind und gemeinsam mit dem jüngeren Bruder Vitaly wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Immer wissend, dass er diese Armut irgendwann zu den Akten legen wollte, liefert die Erschießung zweier Menschen vor seinen Augen die Wende in seinem Leben. Wenn doch ständig Menschen erschossen werden, scheint das Geschäft mit Waffen ein einträgliches zu sein. Irgendwoher müssen die Knarren ja kommen und irgendwoher müssen sich die potenziellen Täter ja mit dem Mordwerkzeug eindecken. Für Yuri steht fest, dass er genau in diesem Geschäft mitmischen will. Er beginnt mit kleineren Deals und kauft Uzis und M16-Gewehre aus dem Libanonkrieg auf, um sie weiter zu verschachern. Da sich die Geschäftsidee schnell als lukrativ herausstellt, wachsen die Umsätze bald an. Doch Yuris Erfolgssträhne soll erst richtig Schub erhalten, nachdem Gorbatschows Perestroika erfolgreich ist. Denn nun hat er die freie Auswahl aus nicht mehr benötigten Waffen und Kriegsgeräten bis hinauf zum Helikopter oder Panzer. Doch je größer die Deals werden, desto gefährlicher werden die Geschäftspartner. Gemeingefährlichen Despoten kann Yuri oft mit Geschick in Schach halten. Aber der Interpol-Agent Jack Valentine fängt langsam an, ihn zu nerven …

Doch dann kommt das Geschäft mit den Waffen und der finanzielle Aufstieg

Da setzt man sich nach wohlwollenden Kritik 2005 ins Kino, um dann von Cages Erzählstimme den Satz: „… das bedeutet auf diesem Planeten hat jeder Zwölfte eine Schusswaffe. Das führt zu der Frage: Wie bewaffnet man die anderen elf?“ um die Ohren geschlagen zu bekommen. Was für eine Eröffnung. Was für ein Statement zu Beginn einer bitterbösen Satire auf Waffenhandel und -schiebereien.
Doch Regisseur Niccol belässt es nicht bei diesem scharfen Monolog, sondern schließt daran kongeniale Bilder an, wie eine Gewehrpatrone gebaut, verschifft, gehandelt, geladen und im Kopf eines Jungen in einem Krisengebiet landet. Bäm. Keine fünf Minuten in Lord of War sind vergangen und man sitzt mit offenen Mund und verblüfftem Erstaunen vor der Leinwand. Man ist geneigt, sich zu kneifen, um zu erspüren, ob man das soeben Gesehene nicht doch nur geträumt hat.
Aber es ist Realität. Und zwar die bitterste der Bitteren. Andrew Niccol, bis dato vor allem bekannt durch die SciFi-Dystopie Gattaca, hatte sich schon länger Gedanken um das Thema gemacht und viel recherchiert. Dennoch erscheint es erstaunlich, dass er für das Schreiben des Drehbuchs nur wenige Monate brauchte. Denn die Geschichte strotzt vor Querverweisen zu realen Personen und Geschehnissen. Die genannten Krisenherde sind echt. Figuren wie André Baptiste haben aller Wahrscheinlichkeit nach ihre reale Entsprechung im liberianischen Staatspräsidenten von 1997 bis 2003, Charles Taylor. Auch die Art und Weise, wie der Waffenhandel mitunter finanziert wird, basiert auf Tatsachen. Und dass Lord of War relativ ausführlich beschreibt, dass die USA in internationale Waffendeals involviert sind, hat immerhin dazu geführt, dass der Film größtenteils mit Geld aus dem Ausland finanziert werden musste. US-Geldgebern war das Thema zu heiß.

Yuri macht Geschäfte mit jedem, der ihm Geld gibt

Und wo wir von Authentizität sprechen: Die im Film dargestellten Panzer sind echt und gehörten zum Drehzeitpunkt einem tschechischen Waffenhändler, der diese zeitig nach der Filmnutzung an Libyen verkaufte. Und weil 3000 echte Maschinengewehre günstiger zu erwerben waren als Nachbildungen zu bauen, kaufte man kurzerhand diese Anzahl an vz.58 Gewehren, um sie als AK47-Doubles einzusetzen.
Des Weiteren lud Niccols das Team in den Flieger, um die Hauptdrehzeit in Südafrika zu verbringen und dort möglichst realistische Umgebungen für das Szenario zu finden.
Und das wirkt auf den Zuschauer entsprechend ein. Es gibt sicherlich ein paar Filme, die im Subtext Kritik am Umgang mit Waffen oder gar mit dem Handel dieser üben, aber die zynische Direktheit, mit der Lord of War operiert, war seinerzeit ein Novum. Ein Novum, das Niccol auch noch mit einem glänzenden Nicolas Cage besetzten konnte. Vor 16 Jahren war der Neffe von Francis Ford Coppola noch ein angesagter Star der A-Kategorie und hatte mit Das Vermächtnis der Tempelritter ein Jahr zuvor Kassenrekorde gebrochen. Die Darstellung des Yuri rang ihm allerdings eine echte Meisterleistung ab. Und sie bot ihm Gelegenheit, Sätze und Momente für die Filmhistorie zu formulieren. Es gibt so viele One-Liner, die zu Klassikern wurden; so viele Szenen, in denen Sarkasmus aus der Leinwand trieft und so viele Momente, die denkwürdig sind. Wenn Yuri beispielsweise aus dem Off vom besten Weihnachtsgeschenk des Jahres 1991 redet, während man seinen frisch geschlüpften Sohnemann sieht, nur um im nächsten Moment zu offenbaren, dass er Gorbatschows Perestroika meint und nicht seinen Filius, ist das ebenso überraschend wie bitterböse.

Vasily geht an Erfolg und Reichtum zugrunde

Dass es Cage gelingt, diesen völlig gewissenlosen Yuri als Sympathieträger zu porträtieren, ist ein Geniestück, das man erst einmal hinbekommen muss. Und man kann das gar nicht genug hervorheben, weil man es als Zuschauer gar nicht infrage stellt. Man nimmt es Cage ab und wird erst dann stutzig, wenn sich das von Yuri so sorgsam aufgebaute Konstrukt in Wohlgefallen auflöst und er mit den Konsequenzen konfrontiert wird. Erst jetzt merkt der Zuschauer, welches Spiel Lord of War mit ihm getrieben hat. Und da darf man ruhig mal einen Moment in sich gehen und sich ob der Komplizenschaft mit dieser Figur und ihrem Handeln etwas schämen.
Dass man zwischendurch aber auch eine Menge zu Lachen hat, liegt an den so pointiert geschriebenen Dialogen, die stets auf dem schmalen Grat zwischen satirischer Überhöhung und möglicher Realität wandeln. Oft bleibt einem das Lachen auch im Hals stecken, wenn man für einen Moment reflektiert und merkt, wie realistisch das Szenario insgesamt ist.
Es gibt diesen Monolog Yuris, in dem er lapidar erzählt, dass er den Muslime Waffen aus israelischer Produktion verkauft und den Faschisten Munition aus kommunistischer Produktion. Was Cage als Erzähler so lapidar-witzig rüberbringt, ist eine Sequenz, in der deutlich wird, dass Waffen keine Ideologie haben und Waffenhändler einzig der Spur des Geldes folgen. Den Knarren ist’s egal, wen sie töten. Sie machen keine Unterschiede. Wie viel Wahrheit in diesem Motiv steckt, weiß man, wenn man sich mal etwas intensiver in die Rüstungsgeschäfte der Regierungen vertieft. Wie oft schon haben die großen Nationen dieser Welt in irgendwelchen Kriegen oder militärischen Auseinandersetzungen in die Läufe ihrer eigenen Waffen geschaut? Yuri mag ein privater Waffenhändler sein, der staatliche Rüstungshandel operiert indes kaum anders.

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Bild- und Tonqualität BD

Rumgefuchtel kann Yuri nicht leiden

Die bisherige offizielle Blu-ray von Lord of War datierte vom März 2011. Die Sondereditionen, die 2017 und 2018 veröffentlicht wurden, nutzten technisch die identische Disk. Beiden gleich: Sie waren ziemlich bunt. Gerade in den Szenen, die vor afrikanischem Hintergrund spielen, kommen Farben sehr kräftig rüber und die Haut ist etwas überbräunt. Zum Look des Films konnte man das allerdings durchaus als passend bezeichnen. Auch die teils sehr grün eingefärbten Oberflächen in der Küche Vitalys wirken authentisch. Die Körnung des analog gedrehten Films hätte allerdings etwas mehr Authentizität vertragen. Man sieht immer mal wieder Artefakte rund um feine Objekte und Oberflächen haben bisweilen eine clusterartige Anhäufung von Körnung. Schaut man sich die Laternenmasten bei 8’09 an, sind diese etwas soft im oberen Bereich. Vielleicht doch Hinweis auf eine geringfügig eingesetzte Rauschfilterung. Größtes Manko der Scheibe: Versumpfende Details auf dunklen Oberflächen. Insgesamt aber dennoch ein Bild, das man sich auch heute noch ganz gut anschauen kann.
Die neue Blu-ray beruht grundsätzlich auf dem bekannten Master, da man keinen neuen 4K-Scan anfertigte und das Digital Intermediate nach wie vor bei 2K verharrt. Allerdings hat man die Blu-ray hierzulande neu encodiert. Aufgrund des 2K-DI sollte man indes keine Quantensprünge erwarten – vor allem nicht in puncto Auflösung. Tatsächlich tut sich hier im Gegensatz zur bisherigen Blu-ray fast nichts. Da die Scheibe ebenso wie die alte AVC kodiert ist, aber neu encodiert wurde, könnten hier Differenzen zu erkennen sein. Und so ist es. Nimmt man sich das Bild aus der Totalen bei 8’09 (bzw. 8’00 über die neue Disk), so werden die feinen diagonalen Linien etwas sauberer gezeichnet. Auch die Laternenmasten bekommen im oberen Bereich wieder etwas mehr Korn und wirken dadurch homogener ins Gesamtgeschehen eingebettet. Der Hintergrund erscheint gleichmäßiger körnig. Da die Körnung des 35-mm-Filmmaterials ziemlich ausgeprägt ist, lässt sich gut beurteilen, ob hier vereinzelt matschige Cluster auftreten oder nicht. Und im Großen und Ganzen sieht das Bild sauberer aus. In Sachen Defektfreiheit gibt’s auch nicht viel zu meckern. Schmutz ist eigentlich kein großes Thema. Lediglich ein paar Blitzer schleichen sich hier und da ein. Was am deutlichsten auffällt, ist das leider immer noch zu stark versumpfende Schwarz. Nicht nur in Innenraumszenen (bspw. bei 8’12, 67’24), sondern auch bei etwas schlechterem Tageslicht gehen Details und Zeichnung auf dunklen Oberflächen fast komplett verloren. Rund um die 83. Minute und später noch mal beim nächtlichen Gespräch zwischen Yuri und Ava kann man kaum mehr etwas erkennen. Aber da die alte BD unter dem gleichen Problem litt, herrscht hier wenigstens Gleichstand. Sehr auffällig ist die nun nicht mehr so drastische Farbgebung. Die neue Blu-ray reduziert die sehr warmen und fast überkontrastierenden Töne der alten Blu-ray wieder etwas, was fürs Auge angenehmer ist. Ob man jedoch lieber MEHR Farbe oder lieber etwas mehr Neutralität hat, ist am Ende wohl Geschmackssache.

Blu-ray 2011 (16’31): (Slider ganz nach rechts): Schon für sich genommen gut zu erkennen, wie bunt und kräftig die alte Blu-ray war.
Blu-ray 2021(Slider ganz nach links): Die aktuelle Blu-ray reduziert die starken Farbkontraste etwas.

Blu-ray 2011(8’00): (Slider ganz nach rechts): Ein Bild, das bei der alten Blu-ray leichte Probleme im Encoding zeigt.
Blu-ray 2021(Slider ganz nach links): Die neue Blu-ray ist homogener um die Laternenköpfe herum und auch im schwierigen Muster auf dem Gehweg sauberer.

Blu-ray 2011(30’55): (Slider ganz nach rechts): Über die alte Blu-ray wirkt das Gras etwas gelblicher.
Blu-ray 2021(Slider ganz nach links): Die neue BD zeigt es natürlicher.

Blu-ray 2011(74’29): (Slider ganz nach rechts): Vielleicht der deutlichste Unterschied zwischen alter Blu-ray und neuer BD: Die Gesichter während der kontrastreichen Szenen vor afrikanischer Kulisse. Hier übertreibt es die alte BD.
Blu-ray 2021(Slider ganz nach links): Die neue ist hingegen fast etwas zu farblos.

Nicht jeder Geschäftspartner ist ein Geschäftsfreund

In Sachen Ton nutzte die alte Blu-ray eine reguläre DTS-Spur, die von einer unkomprimierten englischen DTS-HD-Master-Fassung begleitet wurde. Unabhängig davon, dass die Synchro eine komprimierte Tonspur enthält, klingt Lord of War wirklich hervorragend. Die Räumlichkeit während der Schießereien ist exemplarisch gut. Immer wieder setzt es Querschläger und dedizierte Feuergeräusche der Waffen aus den einzelnen Speakern – hervorragend ortbar und mit erstaunlich viel Dynamik und Druck (16’40). Dass hier wirklich schon Wucht im Spiel war, zeigen die Szenen mit den Jets nach 69 Minuten. Die Interpol-Düsenflugzeuge donnern vehement aus den Speakern und sorgen für bebenden Boden. Ob das die neue Tonspur noch besser kann, die – gute Neuigkeit – erstmals in DTS HD-Master vorliegt?
[Die 2018er Fassungen hatten zwar DTS HD-Master als Angabe auf dem Cover, verfügten aber ebenfalls nur über den regulären DTS-Ton der ersten Blu-ray.] Entsprechend hat die neue Blu-ray erstmals unkomprimierten deutschen HD-Sound. Und der legt tüchtig los, wenn’s drauf ankommt – beispielsweise während der Explosion nach 50’15, die den Tiefbass genauso ordentlich kitzelt wie über die englische Atmos-Fassung. Allerdings ist das sehr vergleichbar mit der alten DTS-Spur. Was nicht schlimm ist, denn die war, wie gesagt, wirklich sehr gut. Einziges Manko der deutschen Fassung(en): Die gegenüber dem O-Ton etwas muffiger klingenden Dialoge.

Jack Valentine ist Yuri auf der Spur, kommt aber immer einen Schritt zu spät

Highlight dürfte für viele Fans des Films allerdings der englische Atmos-Sound sein, den man bereits auf der neuen Blu-ray integriert hat. Und der ist nicht von schlechten Eltern. Mit dedizierten und ziemlich coolen Effekten begleiten wir die Produktion der Munition nach knapp zwei Minuten. Zahlreiche Maschinengeräusche rattern von oben auf die Patronen und somit den Zuschauer ein. Im weiteren Verlauf klingelt es dann schön, wenn die metallenen Hülsen aufeinander rasseln. Und spätestens beim Wusch-Geräusch des abgeschossenen Projektils sitzt man dann mittendrin. Da lässt es sich verschmerzen, dass die Filmmusik immer dann auch abrupt von oben zu hören ist, wenn explizite Geräusche auf die Heights gemischt wurden. Die Trennung war offenbar nicht möglich. Schön aber auch die Stimme von Cage, der immer dann auch von oben spricht, wenn er sich als Erzähler an den Zuschauer wendet. Und das passiert, wer den Film kennt, weiß das, sehr häufig. Und es macht Spaß, von Cages warm klingendem Organ beständig rundherum benetzt zu werden.
Aber es gibt auch weiterhin 3D-Sounds. Wenn Jared Leto nach 15 Minuten in der Halle mal die automatische Waffe abfeuert, hallt es nach den vernehmbaren Schüssen auch noch prächtig nach. In der Folge passiert zwar nicht wirklich viel, was entsprechend auch keine 3D-Sounds ermöglicht, doch es gibt ein paar Szenen, in denen die Naturgeräusche hinzukommen. Vogelzwitschern oder Möwengekreisch beispielsweise. Und wenn nach 50’15 der Rolls in die Luft fliegt, gibt’s mal wieder ordentlich was aus den Heights. Ebenso wuchtig taucht der Jet nach knapp 69 Minuten über die Höhenspeaker auf und dreht dort dann lautstark wieder ab, bevor er hörbar einige Warnschüsse ausführt. Noch massiver wird’s dann bei der Landung der Transportmaschine kurz darauf. Mehrfach donnern deren Propellertriebwerke von oben über die Köpfe der Zuschauer. Der dynamischste Soundeffekt erfolgt allerdings bei 104’36, wenn erneut eine Explosion ins Heimkino drischt und den Zuschauer aus jedem Traum reißt.

Preis: 27,98 €
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Format: Blu-ray
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Bild- und Tonqualität UHD

Flucht vor dem Zugriff der Behörden

Andrew Niccols Film wurde 2005 analog auf 35 mm Filmmaterial aufgezeichnet. Eingesetzt wurde die damals beliebte Panavision Panaflex Platinum sowie (für die High-Speed-Aufnahmen) die Photo-Sonics 4E.
Bereits seit 2019 gibt es Lord of War als UHD Blu-ray in den USA – dort erschienen über das Label Lionsgate. Von denen hat Capelight nun das grundsätzliche Master lizensiert, hierzulande aber neu encodieren lassen – und das direkt in Dolby Vision. Das macht aus dem 2K DI natürlich immer noch keine native 4K-Auflösung, aber immerhin wurde nach den aktuellen Standards encodiert. Und so ist es auch kein Wunder, dass Helligkeit, Dynamik und Grading bei der deutschen UHD-BD doch ein bisschen anders aussehen als bei der US-Disk – was natürlich auch für die HDR10-Wiedergabe gilt, die vom Dolby-Vision-Encode downkonvertiert wurde.
Der erste sichtbare Vorteil der UHD Blu-ray gegenüber den beiden Blu-rays ist der etwas bessere Umgang mit den Schwarzwerten. Details saufen auf dunklen Bildinhalten nicht mehr so drastisch ab und man kann bspw. bei Minute 84 noch etwas erkennen, was von der BD komplett verschwiegen wird. Selbst wenn der Schwarzwert dadurch etwas aufgehellt erscheint, ist es schön, noch ein paar Details zu erhalten. Erstaunlich ist, wie viel besser die HDR-Funktionalität im Zusammenspiel mit dem erweiterten Farbraum umgeht. So sieht man bei 8’01 noch das feine rote Seil zwischen den Laternen, das bei der Blu-ray fast komplett als eher graue Linie vor dem Hintergrund verschwindet. Auch die roten Punkte auf den Laternenköpfen und das Fahrrad, das am Geländer lehnt, erhalten nun mehr Farbe. Bei diesem extrem schwierigen Bild mit feinen diagonalen Linien, die in gegenläufigen Richtungen angeordnet sind, lassen sich auch die Unterschiede im Encoding erkennen. Sämtliche Feinheiten werden etwas klarer konturiert dargestellt. Die Ränder rund um Objekte sind besser umrissen und die diagonal Richtung schwarze Flecken auf dem Boden verlaufenden Holzbohlen bleiben erkennbar(er), wohingegen sie von der Blu-ray etwas vermatscht werden. Und diesen Vorteil liefert die UHD-BD nicht aufgrund einer höheren Auflösung (die ja faktisch nicht da ist), sondern einzig durch ihr Encoding und (im Falle der Farbdarstellung) durch die HDR-Dynamik. Denn die ist wirklich herausragend. Mit einer Spitzenhelligkeit 2508 Nit und sehr hohen Durchschnittshelligkeitswerten ist die UHD-BD wesentlich heller und strahlender als die Blu-ray. Da macht das Anschauen des Films gleich noch mehr Spaß – auch wenn der Wehrmutstropfen der fehlenden 4K-Auflösung natürlich bleibt.
Dolby Vision, im Übrigen, hinterlässt auf dem CX9 von LG zwar immer einen leichten Hang zum Grün, arbeitet die Kontraste von Lord of War aber noch etwas besser raus und wirkt im Schwarz knackiger.

Blu-ray (16’31): (Slider ganz nach rechts): Gegenüber der vielleicht etwas zu reduzierten und leicht ins Grünliche tendierenden neuen Blu-ray …
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … bietet die UHD Blu-ray mehr Farbintensität und spielt in solchen Szenen ihre hohe Durchschnittshelligkeit hervorragend aus.

HDR10 (16’31): (Slider ganz nach rechts): Das gleiche Bild zwischen HDR10 und Dolby Vision.
Dolby Vision (Slider ganz nach links): Dolby Vision wirkt im Kontrast noch etwas satter.

Blu-ray (8’00): (Slider ganz nach rechts): Wer sich die Mühe macht und diese Szene mal im direkten Vergleich zwischen neuer BD und der UHD Blu-ray anschaut, wird die Differenzen sehen.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die Ultra HD Blu-ray liefert hier noch mehr Ruhe und Klarheit in den schwierigen diagonalen Mustern. Auch das Korn auf dem Sandhintergrund ist konsistenter und das Encoding ist noch besser.

HDR10 (30’55): (Slider ganz nach rechts): Ein Vergleichsbild zwischen HDR10 und Dolby Vision.
Dolby Vision (Slider ganz nach links): Auch hier kann Dolby Vision mit etwas mehr Intensität im Schwarz punkten und lässt das Bild insgesamt etwas knackiger erscheinen.

Blu-ray (74’29): (Slider ganz nach rechts): Während die neue BD die Hauttöne hier etwas zu farblos bot …
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … liefert die UHD-BD den besten Kompromiss zwischen der zu bunten alten BD und der etwas blasseren neuen Blu-ray.

Ausgehend von der neuen Blu-ray keine Änderung (siehe Beschreibung oben). Auch die UHD-BD liefert den deutschen Ton in DTS HD-Master und den englischen in Dolby Atmos.
Preis: 24,99 €
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Bonusmaterial

Kein schönes Leben an der Seite eines Waffenhändlers

Im Bonusmaterial von Blu-ray UND UHD Blu-ray liegt zunächst der Audiokommentar von Regisseur Andrew Niccol, der untertitelt wurde. Dazu gesellen sich sieben entfallene Szenen und ein Making-of, das man von damals schon kennt. Es läuft gut 20 Minuten und ist ebenfalls untertitelt. Hierin gibt Niccol sehr freizügig preis, wie er an die unterschiedlichen Waffen gelangte und was es für ein ernüchterndes und beängstigendes Gefühl gewesen ist. Im Featurette „Ein lukratives Geschäft: Internationaler Waffenhandel“ gibt’s dann dokumentarische Einblicke in das internationale Waffengeschäft. Ein weiteres Featurette kümmert sich um die Spezialeffekte und drei Interviews mit dem Regisseur, dem Produzenten und dem Szenenbildner vollenden das Bonusmaterial.

Fazit

Lord of War gehört für mich zu den Filmhighlights des ersten Jahrzehnts im neuen Jahrtausend. Und es ist zweifelsohne einer der besten Cages überhaupt. Da das Thema (leider) komplett zeitlos ist, funktioniert er auch heute noch hervorragend. Und weil die UHD Blu-ray das Ganze in prächtigem HDR und mit einem gegenüber der alten Blu-ray deutlich saubereren Encoding liefert, hat man den Film hierzulande auch noch nicht besser gesehen. Dazu kommt ein im Deutschen bereits toller Tonsektor, der vom englischen Atmos noch etwas übertrumpft wird.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD (2011): 70%
Bildqualität BD (2021): 75%
Bildqualität UHD: 85%

Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 85%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 90%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 70%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 85%

Bonusmaterial: 70%
Film: 100%

Anbieter: Capelight Pictures
Land/Jahr: USA 2005
Regie: Andrew Niccol
Darsteller: Nicolas Cage, Jared Leto, Bridget Moynahan, Ethan Hawke, ian Holme, Jared Burke
Tonformate BD/UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // dts-HD-Master 5.1: de
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 122
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Nein (2K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: 2508
FSK: 16

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Capelight Pictures)
*Affiliate-Links sind mit * gekennzeichnet. Für Einkäufe über diese Affiliate-Links erhalten wir eine Provision. Für den Käufer entstehen keine Mehrkosten. Infos zum Datenschutz findet ihr hier.

Trailer zu Lord of War

LORD OF WAR Trailer (Deutsch)


So testet Blu-ray-rezensionen.net

Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.

Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:

Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild“verbesserern“ zu verfälschen.

12 thoughts on “Lord of War 4K UHD

  1. Benjamin

    In der Tat einer der besten Cage Filme. Werde nach deinem Review wohl auf die UHD upgraden…

    Ich bin ja sehr gespannt auf „Pig“…

  2. U. Michi

    Nicolas Cage wird immer für mich der beste bleiben seid den Jerry Bruckheimer Produktionen Legende dieser Typ…kommt eventuell noch ne Review von Willys Wonderland Blu Ray oder Anatomie 1 und 2 im Mediabook Blu Ray diese neue von just bridge entertainment ….das wäre zu genial….wenn ja
    Mfg

    • Hallo U. Michi.
      Derzeit sind beide nicht geplant. Beide Anbieter versenden leider keine (oder nur sehr spärlich) Rezensionsmuster raus. Ich wurde hier leider nicht bemustert.

  3. blooob

    ist die deutsche UHD anders als die US UHD mit Dolby Vision oder gleiche source ?????

    bitte schau dir die compare mal an. ich weiß, link wird nicht gepostet, weil …

    • Ich kenne den Vergleich bei Caps.
      Ja, die dt. UHD-BD ist anders als die US-Fassung. Sie wurde in Deutschland neu encodiert. Mit einem anderen Dolby Vision Encoder.
      Sie nutzen aber das gleiche 2K-DI als Master. Ich gehe davon aus, dass Capelight das DV-Encoding von Lionsgate nicht lizensieren durfte und deshalb ein eigenes gemacht hat.

  4. dc_coder_84

    Bekommen beide, Dolby Vision und HDR 10 eine Grafikwertung von 85 %, oder wie ist die Wertung zu verstehen?

    • Korrekt, ja. Ich trenne das nur noch, wenn die Differenzen wirklich extrem auffallend sind und eins von beidem deutlich besser oder schlechter ausfällt. War zuletzt aber in dem Maße nicht mehr der Fall.

      • dc_coder_84

        Interessant finde ich ja, dass es bei ihrer 4K Bildreferenz Mortal Engines egal ist, ob man Dolby Vision oder HDR10 nutzt. Das spricht jetzt nicht so sehr für Dolby Vision. Dolby Vision macht das Bild oftmals wenn überhaupt nur geringfügig kontrastreicher bzw. dynamischer so wie eben in diesem Test zu Lord of War. Dolby Vision scheint somit in die Kategorie zu fallen „nice to have“. So gesehen wundert es mich auch nicht so sehr, das Sony bei der PS5 bei Games nicht auf den Dolby Vision Zug aufgesprungen ist so wie Microsoft.

        • dc_coder_84

          Man hat das Gefühl Dolby Vision ist mehr Marketing als wahres Eye Candy…

        • Es hängt oft auch davon ab, wie die jeweiligen TVs das umsetzen.
          Dolby Vision greift auf sehr fest verankerte Tables zu, die man auch durch eine Kalibrierung kaum verändern kann. Und Dolby lässt sich auch nur ungerne bis gar nicht in die Karten schauen, was genau sie zur Vorgabe machen und was nicht. In Summe ist es oft schon so, dass ein Film über Dolby Vision in gewissen Situationen mehr Kontrastdynamik rausholen kann. Aber HDR10 ist insgesamt besser als mancher es gerne hätte.

  5. Christian

    Durch dein Review bekomme ich direkt Lust den Film mal wieder zu schauen. War auch schon 15 Jahre her oder so.
    Hab mir mal das Mediabook geordert und werde die Disc am Wochenende mal einlegen.

    Danke dafür!

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