Lords of Chaos

Blu-ray Review

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OT: Lords of Chaos

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Nächstes Level: Knast

Jonas Åkerlund knüpft sich ein düsteres Kapitel norwegischer Subkultur vor.

Inhalt

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Mayhem bedeutet: Laut sein und Party machen

„In Norwegen sind die Winter lang und das Land gehört zu den Nationen mit der größten Selbstmordrate“ – Øystein Aarseth sagt’s wie’s ist. Und er findet diesen Zustand so schlimm nicht. Immerhin bietet es ihm die Möglichkeit, seine Lebenseinstellung in lauter Musik darzustellen. Er gruppiert ein paar Freunde um sich, gründet die Band Mayhem und erfindet den norwegischen Black Metal. Als Per Yngve Ohlin, ihr zwischenzeitlicher Sänger, Selbstmord begeht, findet Aarseth ihn. Nach einer ersten Erschütterung sieht er darin die beste Möglichkeit, Mayhem zu pushen. Und als ein gewisser Varg Vikernes als neuer Bassist auftaucht, scheint die Band in ungeahnte Höhen aufzusteigen. Doch die beiden dominanten Herren beginnen, sich gegenseitig übertrumpfen zu wollen. Und was mit Kirchenverbrennungen anfängt, hört mit Mord auf …

lords of chaos blu-ray review szene 9
Per Yngve Ohlin ist selbst in den Augen von Euronymous ziemlich krass drauf

Norwegen, am 10. August 1993: Weil sich Bassist und Burzum-Gründer Varg Vikernes (aka Louis Cachet aka Count Grishnackh) von Gitarrist Øystein Aarseth (aka Euronymous) bedroht fühlt, ermordet er ihn mit insgesamt 23 Messerstichen. Nicht das erste Mal, dass es im Umfeld der Band Mayhem Tote gab. Denn zwei Jahre zuvor brachte sich Sänger Per Yngve Ohlin (aka: Dead) um, indem er sich die Pulsadern aufschnitt und im Anschluss den Kopf wegpustete. Euronymous fand damals die Leiche, machte Fotos von ihr, nahm „Andenken“ mit und presste das Bild des zersplitterten Kopfes auf eine Picture-Disk.
Der in Schweden geborene Jonas Åkerlund rollt diese Geschichte nun in einem Film mit dokumentarischen Bild-Einschüben auf und stellt seinem Lords of Chaos eine ernst gemeinte Mahnung voran. Er positioniert sich eindeutig, indem er seinen Film nicht als Glorifizierung sondern als provokante Form der Auseinandersetzung mit dem Thema dieser Jugendgewalt-Eskalation verstanden haben möchte. Allerdings hätte es diese Warnung eigentlich gar nicht gebraucht. Denn schon alleine der lockere Ton und die bewusst satirisch-überhöhten Szenen zu Beginn lassen darauf schließen, dass es hier kaum darum gehen kann, die gewalttätigen und kriminellen Auswüchse von Teilen der norwegischen Black-Metal-Szene zu verherrlichen. Zu Beginn nutzt der Film jede Möglichkeit, seine Figuren als reine Spaßmacher zu porträtieren, die viel umgänglicher und harmloser scheinen als ihre Musik oder die Verkleidungen vermuten lassen würden.

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Volle Montur für den Black Metal

Es wird Party gemacht, zu viel Alkohl getrunken und man tut so, als bete man den Teufel an. Mehr Jugendspielerei und albernes Posing als ernsthaftes Verhalten.
Euronymous ist zunächst sogar eher angeekelt von der morbiden Konsequenz, die ihr zukünftiger Sänger Dead an den Tag legt. Mit dessen Ankunft radikalisiert sich dann aber der Auftritt. Per Ohlin ist ein selbstmordgefährdeter Psycho, der sich auf der Bühne auch schon mal die Haut aufschneidet und das Blut ins Publikum spritzt. Vielleicht ist es ganz gut, dass Lords of Chaos zunächst mit dieser humoristischen Art an den Film herangeht. Denn spätestens bei den Szenen, in denen Dead Selbstmord begeht, dreht sich einem durchaus ein bisschen der Magen um. Besonders, wenn man weiß, dass der Film hier nicht gerade untertreibt und auch in Sachen Ausstattung (T-Shirt, Jacke, blauer Schlafsack) extrem authentisch bleibt. Denkt man zunächst noch, er läge nicht in der richtigen Position, so rückt Euronymous die Dinge in das für ihn rechte Licht – und macht Fotos davon. Szenen, die zart besaitete Zuschauer durchaus vor den Kopf stoßen können. Åkerlunds Lord of Chaos basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch und pickt sich dort die Geschichte rund um den Fall Øystein Aarseth und Varg Vikernes heraus. Letzterem, der seit 2009 nach 16 Jahren Gefängnis wieder auf freien Fuß kam, dürfte seine Darstellung kaum gefallen. Immerhin porträtiert ihn der Film als schüchternen Mitläufer. Als Poser, der anfänglich von Aarseth nur gemobbt wurde. Erst als Øystein das musikalische Talent Vikernes entdeckt, beginnt er ihn zu respektieren.

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Ann-Marit hält die Jungs für Poser

Nicht ganz so glaubwürdig erscheint dann die arg ruckartige Wandlung von Varg, nach der er ziemlich zügig zum tonangebenden Kirchenverbrenner und gegenüber Aarseth ziemlich arrogant auftretenden Macho wurde. Lords of Chaos entlarvt sowohl Varg als auch Aarseth als überhebliche Hähne, die sich in ihren albernen Schwanzvergleichen in immer drastischeren Unsinn steigerten und dabei dem jeweils anderen vorwarfen, sich mit fremden Federn zu schmücken. Dass dabei am Ende mehrere Menschen sterben mussten (ob nun durch Mord oder Freitod) und nicht nur eine Kirche brannte – das schildert der Film in bedrückend ruhigen Bildern. Wo er zuvor viel Ironie, viel Sarkasmus nutzte, bremst er sich dann ein, hält inne, stoppt die Filmmusik und beeindruckt gerade durch dieses Zurückgenommene. Während des Selbstmords von Ohlin sind das besonders heftige Momente. Der zwischenzeitliche Sänger von Mayhem scheint an seinem Körper zu experimentieren, zu spielen, wenn er sich mehrere Schnitte setzt. Wie ein neugieriges Kind schaut er sich dabei zu, wie das Blut aus ihm rinnt, bevor er dann doch zum Äußersten greift. Das ist emotional wie visuell herausfordernd und nimmt kein Blatt vor den Mund. Ähnliches gilt für die beiden quälend langen Morde, die der Film noch schildert – ganz und gar nicht einfach zu konsumieren.

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Varg sucht den Weg in die Öffentlichkeit

Bild- und Tonqualität

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Die Kirchen Norwegens brennen

Lords of Chaos zeigt ein relativ schmuddeliges, etwas körniges und an den Randbereichen immer wieder etwas unscharfes Bild. Der Kontrastumfang ist eher mittelprächtig und die Schärfe kommt nur in Close-ups richtig aus den Hufen. Farben gibt’s nur wenig und helle Bereiche überstrahlen schon mal etwas.
Beim Ton gibt’s nicht sonderlich viel Anlass für extreme Dynamik oder Effekte-Gewitter. Es dominieren Dialoge und während der Musiknummern entsprechendes Gebrüll. Letzteres kommt ebenfalls nicht sonderlich dynamisch, sondern eher etwas flach (obschon laut) rüber. Ab und an gibt’s mal Surroundeffekte, wenn bspw. ein Gewitter über die Nacht hereinbricht.

Bonusmaterial

Hier findet sich lediglich der Trailer zum Film.

Fazit

Lords of Chaos wirk inszenatorisch vielleicht zunächst etwas unentschlossen, weil die humorvoll-sarkastischen Momente nicht ganz zu den brutalen und erschütternden Szenen passen wollen. Insgesamt wird jedoch ein Schuh draus, wenn man verhindern wollte, dass jeder Zuschauer im Anschluss an den Film ebenfalls mit Selbstmordgedanken herausgeht. Außerdem bietet der Film damit eine Interpretationsmöglichkeit, warum und wieso die Beteiligten so handelten wie sie es taten. Ob es eine Fehleinschätzung ist, die Beteiligten als eher naive Partymacher mit ein bisschen Provokationswut zu porträtieren, muss dann jeder für sich entscheiden.
Timo Wolters


 

Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 5%
Film: 70%

Anbieter: Studio Hamburg
Land/Jahr: GB/S/NW 2018
Regie: Jonas Akerlund
Darsteller: Rory Culkin, Emory Cohen, Jack Kilmer, Sky Ferreira, Valter Skarsgard, Wilson Gonzalez
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 118
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Studio Hamburg)

Trailer zu Lords of Chaoos

Lords of Chaos – Official Film Trailer (HD)

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