Lovecut – Liebe, Sex und Sehnsucht

Blu-ray Review

Meteor Film, 16.10.2020

OT: –

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Das Gefühl der Jugend

Feinfühliger Film über die Generation Z.

Inhalt

So langsam wird’s Jakob unheimlich

Luka hat Ben beim Swipen auf Tinder entdeckt. Beim ersten Date wird geknutscht und vielleicht ist er ja irgendwie besser als der letzte Kerl. Wobei auch das für Luka nicht relevant ist. Denn echte Gefühle scheint sie nicht investieren zu wollen. Und dass Ben gerade eine Verlängerung seiner Bewährung bekommen hat, erzählt er ihr auch erst einmal nicht. Momo, Lukas Freundin, ist das genaue Gegenteil. Sie wünscht sich echte Liebe und scheint sie beim Skypen mit Alex zu finden. Jedenfalls nimmt sie das an, während sie gemeinsam vor dem Bildschirm virtuellen Sex haben. Dass Alex im Rollstuhl sitzt, verschweigt er ihr.
Anna und Jakob sind bereits ein Paar. Und leben das offen aus. Sie drehen Videos von ihrem Sex und kommen auf die Idee, die Clips für Geld ins World Wide Web zu pusten. Dass Anna noch keine 18 ist, ignorieren sie. Erst als sie immer mehr will, zieht Jakob die Reißleine …

Ben hat nur noch Augen für Luka

Ja, der Vergleich mit Larry Clarks Kids wird immer wieder fallen, wenn man sich über den Jugendfilm Lovecut von Iliana Estanol und Johanna Lietha unterhält oder Kritiken über ihn liest. Waren es für den US-Filmer 1995 Themen wie Drogen, Party, Sex und AIDS, tauscht Lovecut Letzteres gegen die Mechanismen der Generation Z aus. Soziale Netzwerke, überall greifbare Smartphones mit Kameras, Apps wie Tinder – das ganze Programm der moderenen Kommunikationskultur.
Das zugrundeliegende Thema bleibt gleich: Jugendliche, die nach dem Sinn des Lebens suchen und dabei über Freiheiten verfügen, die vor ihnen keine Generation hatte. Keine Generation wuchs in ähnlicher Freizügigkeit auf (sexuell, technisch und sozialpolitisch). Keine Generation vor der jetzigen nahm sich ähnliche Dinge raus und kam damit ähnlich problemlos durch. In all dieser scheinbaren Leichtigkeit und Offenheit steckt aber genau das Problem: Der tief im Inneren doch verwurzelte Wunsch nach etwas Verbindlichem. Nach Halt, echter Freundschaft, tiefer Beziehung und etwas Struktur.
Dass die Protagonisten dabei in die eine Richtung (meist zu den Eltern) das eine sagen und in die andere Richtung komplett anders handeln, ist eh klar (um mal im Dialekt des Films zu bleiben). Doch wir waren alle mal 16, oder? Wir haben alle mal rebelliert und aufbegehrt. Mal aufs System geschimpft, mal gedacht, dass man alleine ja viel besser klar kommt.

Luka will aber keine echten Gefühle

Doch im Nachhinein hätten wir uns ob unseres Verhaltens vermutlich selbst den Hintern versohlt. Als erwachsener Zuschauer ertappt man sich dabei, dass man sich auf keinen Fall solche 16-jährige wünscht. Jedenfalls nicht die Ausreißer und Kleinkriminellen. Aber je länger man sich mit dem Film und seinen Figuren beschäftigt, desto mehr wachsen sie einem ans Herz. Was vor allem am äußerst natürlichen, praktisch überhaupt nicht gekünstelten Schauspiel seiner jungen Darsteller liegt. Die beiden Debüt-Regisseurinnen haben ihre weiblichen und männlichen Darstellern hauptsächlich „von der Straße“ weg gecastet. Dafür, dass sie dabei auf derart talentierte und ebenso frei wie mutig aufspielende Akteure treffen, muss man höchsten Respekt zollen – sowohl den Darstellern als auch den Filmemacherinnen. Keine Szene, keine Sequenz und kein Moment wirkt gekünstelt, befremdlich oder gar hölzern. Was Lovecut dabei zugute kommt, ist seine sehr behutsame Art und Weise, die Sexualität zu inszenieren. Sicher ist der Film der beiden Regisseurinnen freizügig, aber nie plump oder gar ein Vorlagefilmchen für simple Lustbefriedigung. Nacktheit findet statt, ist aber nie selbstzweckhaft. Die erste echte Sexszene – abseits von den Spielereien, die zuvor meist im richtigen Moment überblendet werden – ist voller Poesie und Zärtlichkeit. Die beiden Figuren sind in diesem Moment maximal verletzlich und der Film nutzt das nicht im Geringsten aus. Die Inszenierung wird ruhiger, das sonst genutzte Handkamera-Gewackel bleibt aus und die Filmmusik setzt aus – behutsamer kann man das nicht inszenieren. Und auch nicht spielen. Was wiederum als Kompliment für die Amateurdarsteller gelten darf.

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(Stand von: 2020/09/27 8:30 pm - Details
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Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Fri, 16 Oct 2020
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Bild- und Tonqualität

Anna riecht Geld und damit Unabhängigkeit

Lovecut ist nicht nur inhaltlich und inszenatorisch episoden- und amateurhaft gehalten. Auch das Bild der Blu-ray unterstützt das. In dunklen Szenen wird es schon mal ziemlich unruhig und matschig. Helle Sequenzen sind ruhiger und klarer. Die Schärfe geht dann in Ordnung – zumindest dann, wenn die Protagonisten mal ruhig im Bild zu sehen sind und nicht von der Handkamera begleitet werden. Farben kommen ansprechend daher, auch wenn der Kontrastumfang ein wenig reduziert wirkt. Ab und an sind Randunschärfen sichtbar – beispielsweise bei 34’16.
Akustisch liegt Lovecut in unkomprimiertem DTS-HD-Master vor, was für die hauptsächlich authentisch eingefangenen O-Töne eine gute Basis bietet. Natur- und Umgebungsgeräusche werden dezent mit auf die Rearspeaker verteilt und wenn es mal in die Disko geht, gibt’s sogar ein bisschen Druck im Bassbereich mit noch besserer Räumlichkeit (7’20). Stimmen werden trotz der natürlichen Umgebungsatmosphäre verständlich reproduziert.

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Bonusmaterial

Das Bonusmaterial hält lediglich den Trailer zum Film parat.

Fazit

Lovecut muss den Vergleich mit Kids zu keiner Zeit scheuen. Eher im Gegenteil. Was Larry Clark seinerzeit für bloße Provokation nutzte, bleibt hier authentisch(er) und echter. Besonders glaubwürdig wird der Film durch seine behutsame Inszenierung und die überaus glaubwürdigen Darsteller. Anhand von sechs jungen Menschen bekommen die Generation X und Y einen Einblick in die Gefühlswelt der Generation Z. Denen, so viel ist klar, geht es am Ende doch um sehr ähnliche Themen. Sie werden nur von anderen Faktoren abgelenkt als ihre Vorgänger.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Bonusmaterial: 5%
Film: 80%

Anbieter: Meteor Film
Land/Jahr: Österreich 2020
Regie: Iliana Estanol, Johanna Lietha
Darsteller: Sara Toth, Karem Abdelhamed, Luca von Schrader, Max Kuess, Melissa Irowa, Valentin Gruber
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 98
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Meteor Film)

Trailer zu Lovecut – Liebe, Sex und Sehnsucht

Lovecut - Liebe, Sex und Sehnsucht (Offizieller deutscher Trailer)

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