Ma – Sie sieht alles

Blu-ray Review

ma sie sieht alles blu-ray review cover
Universal Pictures, 10.10.2019

OT: Ma

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Niemand spuckt auf den Boden!

Party bei Ma – klingt nach Spaß, oder?

Inhalt

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Die fünf neuen Freunde planen ihre Feier

Maggie ist gerade mit ihrer Mutter nach Ohio gezogen und froh darüber, dass sie in der High School ein paar Freunde findet. Diese laden sie dann auch bald zu einem kleinen Saufgelage in der nahen Gegend ein. Dumm nur, dass keiner von ihnen alt genug ist, um Alkohol zu kaufen. Während sie deshalb Erwachsene darum bitten und reihenweise abblitzen, taucht Tierarzthelferin Sue Ann auf. Auch sie wiegelt zunächst ab. Doch irgendetwas stimmt sie um und so bitten Maggie und ihre Freunde die so freundlich auftretende Dame, ihnen ein bisschen „Sprit“ zu besorgen. Sue Ann tut dies und bringt den Alkohol zu den Kids. Im Nachgang berichtet sie davon jedoch dem Vater eines der Jungen und schwärzt die Jugendlichen anonym an. Die so herbei eilende Polizei lässt die Kids allerdings mit einem mahnenden Zeigefinger wieder laufen.
Sue Ann, die von den Kids bald nur noch „Ma“ genannt wird, lädt die Clique anderntags jedoch sich nach Hause ein, um im Keller eine ausgelassene Party zu feiern. Während die Kids sich darüber freuen und gemeinsam mit ihrer Gastgeberin abrocken, wird Maggie und ihren Freunden das nach und nach etwas unheimlich – zumal Sue Ann sich immer wieder etwas aufdringlich verhält. Was die High-School-Clique nicht weiß: Ma ist seit einem Erlebnis in ihrer eigenen Schulzeit traumatisiert und keinesfalls so freundlich, wie sie vorgibt zu sein …

Die Partys in Mas Keller genießen die Kids in vollen Zügen

Tate Taylor lässt sich als Regisseur offenbar nicht gerne festlegen. Sein The Help war ein bewegendes und perfekt gespieltes Rassismus-Drama. Get on Up ein klasse besetztes Biopic über James Brown und mit Girl on a Train lieferte er einen vielschichtigen Thriller ab, der vielen Zuschauern tief unter die Haut fuhr.
Mit Ma – Sie sieht alles! arbeitet er nun erneut mit seiner guten Freundin Octavia Spencer als Darstellerin zusammen, beschreitet aber neue Pfade – und das ganz bewusst. Während gemeinsamer Gespräche zwischen den beiden gab die Darstellerin preis, dass sie es satt habe, immer die gleiche Rolle zu spielen und gerne mal eine echte Hauptfigur mimen würde.
Bei Taylor trat sie damit offene Türen ein. Denn auch der hatte vor, endlich mal etwas Außergewöhnliches zu machen. Und so wandte er sich an Jason Blum, den Chef der aktuell so erfolgreichen Horrorfilm-Schmiede Blumhouse. Mit den überlieferten Worten: „Ich möchte was richtig Abgefucktes machen“ gab Blum ihm das Skript zu Ma. Ursprünglich für eine weiße Hauptfigur geschrieben, trat der Regisseur daraufhin mit Spencer in Kontakt, die allerdings zunächst ob des Horrorgenres zögerte. Davon ausgehend, dass sie als Schwarze schlicht das klassische erste Opfer wäre, offenbarte Taylor, dass sie – ganz im Gegenteil – die Killerin darstellen dürfe. Das überzeugte die Schauspielerin und heraus kam dieser schön böse und abgrundtiefe Genre-Schocker.

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Maggies Mutter Erica kehrt an ihre alte Wirkungsstätte zurück

Und dass Ma Böses im Schilde führt, ahnt der Zuschauer – im Gegensatz zu den Kids – sehr früh. Sie stalkt ihre Partygäste in den sozialen Netzwerken, fällt bei der Arbeit in kurzzeitige Abwesenheit, während sie überlegt, was ihre nächsten Schritte sind und nimmt sich diese eine Sekunde zu viel Zeit, Entscheidungen zu treffen. Jene Sekunde, die den Zuschauer stutzig werden lässt und klar macht: Hier ist was im Busch. Taylor lässt sich dabei durchaus etwas Zeit, um Maggie und ihre Mutter etwas einzuführen und rollt nach und nach auch den Hintergrund für Mas Handeln aus. Denn gegenüber der ursprünglichen Story, die in der Hauptfigur eine grundlos und schlicht böse Killerin porträtierte, wandelte der Regisseur die Story ein wenig ab und gab Ma eine (bittere) Vorgeschichte. Diese erzählt der Film in Rückblicken und fügt damit nach und nach die Puzzleteile der Beweggründe für Sue Anns Handeln zusammen.
Für die Geschichte liefert das zwar einen runderes Gesamtbild, aber vielleicht wäre es tatsächlich noch mutiger gewesen, den Background wegzulassen. Ma wäre als eiskalte Mörderin vielleicht noch konsequenter, noch böser ausgefallen. Die Erklärung kommt dann auch leider arg klischeehaft rüber und wirkt wie eine Konzession an Sue Anns Hautfarbe.
Was ziemlich gut funktioniert, sind die Momente, in denen die Momente aus kumpeliger Freundschaft zwischen Ma und den Schülern plötzlich ins Übergriffige kippen. Der Fremdschämfaktor intensiviert sich und die Bedrohung nimmt zu – allerdings dauert es. Ziemlich lange sogar.

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Wenn Blicke töten könnten …

Etwas über eine Stunde nimmt sich der Film Zeit, bis er sein wahres Gesicht zeigt – das dann allerdings mit einer erinnerungswürdigen Szene. Denn wenn Ma nach exakt 70 Minuten dermaßen unvermittelt ernst macht und das mit zwei nicht zitierbaren Schimpfworten kommentiert, sitzt man durchaus für einen Moment mit aufgeklappter Kinnlade vor der Leinwand oder dem TV.
Octavia Spencer bleibt in ihrer Rolle zwar hinter den oscarwürdigen Leistungen der Vergangenheit zurück, zeigt aber durchaus, dass sie sichtlich Spaß daran hatte, gegen den Strich, bzw. gegen ihre bisherigen Rollen zu agieren. Wenn sie von einem Moment auf den nächsten zwischen diabolischer Abgründigkeit und bemitleidenswerter Krankheitsshow wechselt, zeigt das, dass sie ihr vorhandenes Talent auch in einer Genre-Rolle einzusetzen weiß. Auf der anderen Seite zeigt Juliette Lewis als Maggies Mutter, dass sie entspannter und lockerer agiert, je reifer sie als Darstellerin wird. Unverständlich hingegen, wie arg sich Luke Evans mittlerweile in der zweiten (oder eher dritten) Reihe verheizen lässt. Seine Rolle als Ben bleibt blass und vor allem höchst unsympathisch. Für den aus Der Hobbit oder als Fast-&-Furious-Bösewicht bekannten Schauspieler ist das einfach zu wenig.
Am Ende wird man trotz überraschend heftiger Gewalteinlagen in den letzten 20 Minuten das Gefühl nicht los, dass Ma durchweg böser und konsequenter hätte ausfallen dürfen. Das (umgeschriebene) Drehbuch wirkt immer wieder etwas lasch und zäh.

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Hausarbeit interpretiert Ma auf ihre ganz eigene Art und Weise

Bild- und Tonqualität

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Tödliche Hintergedanken

Ma wurde digital gefilmt und lieferte eine Auflösung von 2.8K. Ausgehend davon zeigt sich das Bild wunderbar rauschfrei und fast ohne jedes Korn. Lediglich in dunklen Szenen wird’s mal etwas wuselig. Gleichzeitig sind Nahaufnahmen angenehm scharf und die Bilder offenbaren auch keine Schwächen zu den Rändern hin. Die Farbgebung ist durchweg warm, bietet angenehm braune Gesichtstöne, gleichzeitig aber neutralgraue Oberflächen. Der Kontrastumfang dürfte besser sein, was aber vor allem am unterdurchschnittlichen Schwarzwert liegt, der nie wirklich satt ist.
Der Ton von Ma liegt fürs Deutsche in regulärem dts vor und beginnt mit den warmen Klängen von Zach Rogues und Tim Myers Horizon. Die klingen zwar im Chorus etwas phasenverschoben, aber das könnte auch schlicht ein Problem des Songs sein. Jedenfalls lässt sich dieses Problem nicht auf den Film an sich übertragen. Auch die coolen Kompositionen des eigentlichen Scores (außergewöhnliche Arbeit von Gregory Tripi) kommen sehr luftig zum Ohr. Bei „Funkytown“ von Lipps, Inc. verursacht die Surround-Aktivität allerdings erneut einen ganz leichten Hang zum Flanging-Effekt – allerdings bei durchaus trockenen und druckvollen Bass-Beats. Letztere unterscheiden sich im Übrigen nicht vom englischen dts-HD-Master-Ton, was zeigt, dass die reguläre dts-Spur erstaunlich dynamisch wirkt. Vor allem während der auch im Finale wirksamen Bassläufe und -attacken setzt der Ton hier wirklich kräftige Akzente.

Bonusmaterial

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Ma zieht andere Saiten auf

Neben zwölf deleted Scenes und einem alternativen Ende, das zu Recht nur ein alternatives Ende ist, weil es weniger stimmig wirkt, gibt’s noch zwei kurze (zwei und drei Minuten lange) Featurettes über die Figur der Sue Ann und über die Entstehung des Films. Hier schildern Regisseur und Hauptdarstellerin noch einmal, warum sie beide unbedingt diesen Film machen wollten.

Fazit

Ma glänzt mit guten Darstellern und einigen ziemlich deftigen Morden. Davon ab schleppt sich das Drehbuch etwas und lässt einige Figuren arg blass erscheinen. Auf der technischen Seite gibt’s aber ein sehr ruhiges und scharfes Bild sowie einen druckvollen Ton.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 40%
Film: 70%

Anbieter: Universal Pictures Germany
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Tate Taylor
Darsteller: Octavia Spencer, Missi Pyle, Diana Silvers, Luke Evans, Juliette Lewis, Allison Janney, McKaley Miller
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // dts 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 99
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universal Pictures)

Trailer zu Ma

Ma – Trailer HD deutsch / german – Trailer FSK 12

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One thought on “Ma – Sie sieht alles

  1. Avatar Simon

    Ich muss gestehen, dass mir der Trailer so viel gezeigt hat, dass ich mir den Film gespart habe.
    Schade, weil eigentlich Genre, Thema, Beteiligte, … eigentlich genau mein Geschmack ist.

    Aber wenn der Trailer nicht absichtlich irreführend ist, kann im tatsächlichen Film nicht mehr viel Überraschendes kommen.

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