Malignant

Blu-ray Review

Warner Home, 23.12.2021

OT: Malignant

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Rückwärtsgewandt

James Wan hat’s mal wieder getan. Wartet hier ein neues Franchise im Horrorgenre?

Inhalt

Die Schwangerschaft macht Probleme

Madison ist schwanger. Zum wiederholten Male, nachdem sie bereits mehrere Fehlgeburten hatte. Letzteres macht ihr Partner Derek immer wieder zum Vorwurf. Und nicht selten wird er handgreiflich. So auch dieses Mal. Während Madison sich am Kopf verletzt und daraufhin im Schlafzimmer einschließt, nächtigt Derek im Erdgeschoss. Als sie am nächsten Morgen nach ihm sieht, ist er tot – sein Genick grauenhaft gebrochen. Der Mörder ist noch im Haus, greift Madison an und verschwindet dann. Einige Wochen später ist sie zwar wieder gesund, hat aber erneut ihr Baby verloren. Und kaum kommt sie zurück ins Haus, mehren sich auch dort die seltsamen Ereignisse. Türen gehen selbständig auf, das Radio spinnt verrückt – Madison beginnt langsam an ihrem Verstand zu zweifeln, da sie in der Nacht auch von schaurigen Morden träumt. Morde, die, wie sich herausstellt, Wahrheit werden. Was aber sind das für Visionen? Wo kommen sie her? Und warum blutet sie immer wieder ihr Hinterkopf? Hat etwa Madisons imaginärer Freund aus der Kindheit damit zu tun?

Die eigentlich dunkelblonde Hauptdarstellerin  Annabelle Wallis gewinnt mit den dunklen Haaren in „Malignant“ jeden Angelina-Jolie-Lookalike-Contest

Bösartig. So lautet die direkte Übersetzung von Malignant. Und bösartig ist es durchaus, was der Hauptfigur in James Wans jüngstem Film widerfährt. Der Horror-Fan und Schöpfer einiger der erfolgreichsten Genre-Franchises (SAW, Insidious, Conjuring), der nur ab und an mal ins Blockbuster-Fach (FF7, Aquaman) wechselt, um Geld für weitere Independent-Produktionen zu verdienen, hat sich mal wieder etwas neues ausgedacht. Oder sagen wir: Etwas Neues, das auf etwas Bekanntem fußt. Denn seine Geschichte von der Frau, die von ihren alten Dämonen heimgesucht wird, ist ganz klar eine Hommage an das italienische Horror-Subgenre des Giallo. Und auch wenn sich in den letzten Jahren einige Horrorfilme von den Filmen eines Mario Bava oder Dario Argento inspirieren ließen, so ist es schon etwas anderes, wenn ein James Wan ein paar Euro (oder Dollar) mehr in die Hand nehmen darf, um das Ganze mit ansprechendem Budget umzusetzen. Wan liefert von all den Beispielen der letzten Jahre vielleicht den frischesten Ansatz – quasi eine Art Neo-Giallo. Er fokussiert sich dabei weniger auf die dem Subgenre anhaftende Optik, sondern eher auf die Grundmotive. Beispielsweise auf die Frau, die verrückt zu werden scheint und einige ziemlich üble Morde beobachtet. Hinzu kommt die (auch hier mal wieder) überraschende Wendung was den Täter betrifft, die dem Giallo üblicherweise ebenso innewohnt. Der optische Hinweis durch das Kinoplakat (aufgerissene Augen in Großaufnahme spielen dort immer wieder eine Rolle) rundet die Reminiszenzen ab.

Was sind das für Visionen, die Madison da hat

Inszenatorisch kann man Wan ohnehin nichts vorwerfen. Er weiß genau, wie man auf der Klaviatur der Angst spielen muss, um dem Zuschauer eine zünftige Gänsehaut zu verpassen. Bereits in der Introszene gelingt das gut, wobei hier eher der Terror herrscht. Wer’s gruseliger möchte, wartet auf den ersten Angriff in der Gegenwart, den Wan, sein Kameramann und die Beleuchter mit effektivem Licht- und (vor allem) Schattenspiel umsetzen. Der langhaarige Killer wird genau so umrisshaft dargestellt, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen. Dazu kommen innovative Kamerafahrten wie jene nach 24 Minuten, in der Madison aus der Vogelperspektive verfolgt wird, was wirkt, als bewege sie sich in einem Puppenhaus. Doch Malignant kann auch anders. Abseits von atmosphärischem Grusel geht’s immer wieder ziemlich zünftig zur Sache. Denn dem Killer ist der Begriff Gnade völlig fremd. Nachdem er den Gewinnerpokal eines der Opfer etwas zweckentfremdet hat, geht er mit dem derart geschärften Werkzeug nicht sonderlich zimperlich um. Entsprechende Aktionen schlagen die visuelle Brücke zwischen Slasher und Splatter. In Anbetracht der Szenen im Polizeipräsidium lässt sich die 16er Freigabe leidenschaftlich diskutieren. Denn das, was dort gezeigt wird, reicht bei anderen Filmen für eine Verweigerung der Freigabe.

Vor Gabriel nimmt man sich besser in Acht

Details wie die Tatsache, dass sich der Täter stets irgendwie rückwärts zu bewegen scheint, werden im Showdown derart effektiv umgesetzt, dass man schon alleine aus Respekt vor der Leistung der Darstellerin (Tänzerin Marina Mazepa) den Hut ziehen muss. Zuvor wird das so geschickt eingesetzt, dass man immer denkt, hier stimmt irgendetwas nicht, ohne so richtig zu erfassen, was genau so ungewöhnlich ist. In der Verfolgungsjagd nach etwas über einer Stunde werden  Erinnerungen an Nolans Tenet wach. Sehr cool ist zudem (Fans werden es erkennen) eins der Musikthemen, das Pixies‘ Where is my Mind? mit Anklängen an die Nightmare-on-Elm-Street-Filmmusik in den Mixer geschmissen hat. Thematisch hat der Songtext (der allerdings nicht zu hören ist) natürlich einen Bezug zum Filmthema, was uns zu den überraschenden Wendungen des Films bringt. Hierfür werden immer wieder Hinweise gestreut, was vor allem deshalb gut gelingt, weil Wan auf füllende Szenen oder Dialoge verzichtet. Alles scheint auf die Story und die Figuren konzentriert und unnötige Charaktere gibt es erst gar nicht. Ob man die finale Auflösung nun kommen sieht oder nicht, spielt dabei nicht mal eine so große Rolle, denn die Figur des Killers ist einfach sehr stark und charismatisch. Dass das finale Bild die Option auf eine Fortsetzung zulässt, dürfte den Genrefan freuen. Denn derart gnadenlos, entfesselt und „unterhaltsam“ hat im Jahr 2021 ansonsten nur einer seine Opfer umgebracht: Michael Meyers in Halloween Kills.

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Format: Blu-ray
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Bild- und Tonqualität

Warum geht es einigen pensionierten Wissenschaftlern an den Kragen?

Malignant wurde digital gefilmt. Zum Einsatz kam eine ARRI Alexa SXT, die mit 3.4K aufzeichnet. Das Ganze wurde dann über ein 4K-DI gemastert, sodass die Ursprungsauflösung möglichst hoch war. Und das sieht man dem Film durchaus an. Seine Schärfe in Close-ups ist wirklich gut. Aufgrund der Giallo-Thematik hätte man einen deutlich farbverfremdeten Film erwarten können, wird hier aber entweder enttäuscht oder kann aufatmen – je nachdem ob man lieber einen neutralen oder einen thematisch-atmosphärischen Look hätte haben wollen. Denn Wan bleibt durchweg bei relativ natürlichen, manchmal vielleicht etwas kühleren Farben. Gut gelungen ist das Encoding, das auch in den schwierigen Nebel- oder den Rotlichtszenen zu Beginn kein Banding offenbart. Leider sind die Kontrastflanken etwas steil gesetzt, was oft zu Detailverlust auf dunklen Bereichen führt.
Leider gehört Malignant für Anbieter Warner wohl nicht zu den A-Titeln, denn fürs Deutsche spendierte man lediglich eine Dolby-Digital-Spur, wohingegen das Original in verlustfreiem DTS HD-Master tönen darf. Sieht man für den Moment aber davon ab, dass wir es mit einem Datendurchsatz von gerade mal 0.4 Mbps zu tun haben, funktioniert die DD-Spur ganz ordentlich. Die Introsequenz wird von satten Bassattacken und äußerst unangenehm wirkenden direktionalen Surroundeffekten begleitet. „Unangenehm“ ist hier im positivsten aller Gänsehaut-Sinne gemeint. Ja, das kann der englische DTS-HD-MA-Sound noch kräftiger und mit mehr Nachdruck (zerberstende Leuchtstoffröhren). Und ja, dessen Präsenz sorgt für noch mehr schaurige Dynamiksprünge. Aber für sich genommen klingt die DD-Fassung akzeptabel. Dialoge dürften allerdings etwas lauter sein. Der Hubschrauber zu Beginn von Kapitel drei flappt dafür wunderbar und jede Attacke von Gabriel wird mit tollen Soundeffekten unterstützt. Gerade auch die leiseren, atmosphärischen Geräusche funktionieren ganz gut.

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Bonusmaterial

Das Bonusmaterial von Malignant besteht aus dem knapp viertelstündigen Featurette „James Wans Visionen“, das den Regisseur und Horror-Mastermind von seiner Idee erzählen lässt, etwas Frisches ins Genre zu bringen und nicht wieder die x-te Wiederholung zu inszenieren.

Fazit

Malignant wird nicht jedem gefallen. Wahrlich nicht. Viele werden sich an dem dezenten Trashfaktor stören. Für manche könnte das Setting absurd wirken. Tatsächlich hat aber schon lange kein Horrorfilm mehr so genüsslich in Zitaten geschwelgt und war dabei so unterhaltsam. Gleichzeitig werden Splatterfans ihre wahre Freude am Showdown haben, der für eine 16er Freigabe fast schon unglaublich heftig ausfällt.
Technisch ist die Blu-ray aufgrund etwas schwieriger Kontraste in dunklen Umgebungen und dem leider nicht ganz ausgewogenen (und komprimierten) Sound leider nicht so gut wie sie sein könnte.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 40%
Film: 80%

Anbieter: Warner Home Video
Land/Jahr: USA 2021
Regie: James Wan
Darsteller: Annabelle Wallis, George Young, Maddie Hasson, Michole Briana White, Jean Louisa Kelly, Christian Clemenson, Zoe Bell
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // Dolby Digital 5.1: de
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 112
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Warner Home Video)
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Trailer zu Malignant

MALIGNANT - Offizieller Trailer #1 Deutsch German (2021)


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Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
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Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild“verbesserern“ zu verfälschen.

6 thoughts on “Malignant

  1. Rüdiger Petersen

    Ich fande den Film sehr gut gelungen wobei alle Parameter wie Bild und vor allem der Ton sehr gut. Da hatte ich nix zu Meckern. Den Film kann ich ohne Bedenken weiterempfehlen.

  2. PatrickB

    Gibt’s bei Prime Video auch in 4K. 😉 Hat mir sehr gut gefallen… der Twist war großartig!

  3. blobbb

    … und auf HBO Max mit DV …

    im ’netz‘ gibt es das auch mit HDR+DV inkl. deutschen ton 😉

  4. ondy

    Jup ist ein wirklich guter film, keine langeweile und schön blutig. Etwas mehr spannung wer gut gewesen aber auch so wunderbar anzusehen. Ich hoffe er kommt auch auf uhd.

  5. Oliver

    Hm, für mich aber spielte es in der Tat eine große Rolle, dass ich nach noch nicht mal der Hälfte wusste, wer der Killer Gabriel ist und was es mit ihm auf sich hat.
    Und ich gehöre wahrlich nicht zu den Besserwissern, welche meinen immer alles im Voraus erahnen zu können.
    Hier aber verdichtet sich doch schon zu Beginn vieles, so dass die finale Auflösung für mich nur die Bestätigung war.

  6. Marco

    Richtig gefallen hat mir der Film leider nicht.

    Bei Horrorfilmen ist es ja wie bei Dates, du weiß eigentlich schon nach 2 Minuten ob es dir zusagt oder nicht.
    Willst du dir das weiter geben weil es klick gemacht hat oder würdest du die nächsten 100 Minuten lieber überspringen und zum nächsten Date gehen ?

    Obwohl ein paar „nette und frische“ Ideen enthalten sind war ich Größenteils schon gelangweilt von der belanglosen einschläfernden Erzählweise in Musikvideooptik und gewisse Dinge haben hier einfach nicht reingepasst.

    Die erste Hälfte des Films ist quasi eine langweilige Version von „the Grudge“und dann ändert sich komplett das Genre so ab der Hälfte und es kommen brutale 360 Grad Zeitlupenkämpfe !???? WTF.

    Leider nicht mein Fall. Eine Mischung aus Twilight Zone, Dr. Jekyll und Mr. Hyde und Krimi.

    Note 3/4.

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