Mexico Barbaro

Blu-ray Review

Donau Film, 30.08.2019

OT: México Bárbaro

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Oktologie des Schreckens

Horror-Anthologie aus Mexiko.

Inhalt

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Das Wirken der Narcos

Acht Kurzfilme, acht Regisseure – das Konzept hinter Mexico Barbaro – Grausame Legenden ist nicht neu. Kurzfilmsammlungen aus dem Horrorgenre gibt’s in vielen Ländern – siehe ABCs of Death (zweiter Teil) oder auch die Shocking Shorts. Hier kommen die versammelten Filmemacher aus Mexiko und bekamen ein Konzept vorgesetzt: Die acht Geschichten sollten sich allesamt auf verschiedene mexikanische Legenden oder Mythologien beziehen. Dabei ließ man den Regisseuren und Regisseurinnen freie Hand, in welchem Subgenre sie sich bewegen wollten. Herausgekommen ist ein Gesamtwerk, dessen roter Faden eben dieser Bezug auf die Mythen ist, der ansonsten aber sehr vielfältig erscheint. Ob es backwoodartiger Grusel ist wie in Muñecas, Rape’n’Revenge-Horror in Día de los Muertos oder Terror-Thrill in Tzompantli.
In Tzompantli stellt Laurette Flores eine Verbindung zwischen der Gewalt der Azteken und jener der Drogenkartelle Mexikos her – eine in sich allerdings kaum geschlossene Kurzgeschichte, die einfach aufzuhören scheint.
Jaral de Berrios nutzt die Legende um einen angeblichen Fluch, der auf der einst größten Hacienda Mexikos lasten soll. Zwei Gangster suchen Zuflucht in dieser Hacienda Jaral de Berrio und treffen dort auf einen weiblichen Dämon. Wesentlich atmosphärischer und in sich stimmiger kommt dieser zweite Film daher, der nicht mit coolen Kamerafahrten sowie etwas Erotik spart und sogar Spannung aufbaut.

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So zünftiger Troll-Schleim hat was von Vanillepudding

Drena ist sicher eine der krudesten Storys und erzählt von einer jungen Frau, die eine im Sand verbuddelte Leiche findet. Bei dieser entdeckt sie einen Joint, den sie kurzerhand mitnimmt. Nachdem sie das Rauchwerk Abends inhaliert hat, bekommt sie Visionen von unheimlichen Maskenmenschen, die sie beauftragen, Blut aus der Vagina ihrer Schwester zu zapfen und in ein Gefäß zu füllen. Angereichert mit Soundeffekten einer tickenden Uhr artet diese Episode eher in Erotik denn in Schrecken aus – zumal man vom Abzapfen des Blutes nicht wirklich etwas gezeigt bekommt.
Mit Trollen bekommt es ein junges Paar in einer abgelegenen Hütte im Wald zu tun, wenn Isaac Ezban sein La cosa más preciada im besten Grindhouse-Stil aufs Publikum loslässt. Der erste Film, in dem ein paar praktische Masken zu sehen sind und der sich überhaupt nicht ernst nehmen will.
Lo que importa es lo de adentro ist der Anstrengendste unter den Kurzfilmchen. Ist schon die junge Darstellerin der Laura in der Rolle einer geistig etwas Zurückgebliebene nicht überzeugend, nervt auch noch ihre Mutter mit ständigem Rumgebrülle. Während die Story an sich (das Mädchen fürchtet sich vor dem gruseligen Verwalter des Hauses und schafft es nicht, ihrer Mutter die Warnung zu vermitteln) Potenzial gehabt hätte, wären hier bessere Darsteller nötig gewesen.

Des Azteken Lieblingsbeschäftigung

Muñecas bietet tatsächlich als erster Film eine talentiertere Akteurin in der Hauptrolle und der in atmosphärischem Schwarzweiß gefilmte Short Cut baut geschickt Spannung auf, während die Frau ihrem Schlachter-Peiniger entkommt. Vom Setting über die Kameraarbeit bis hin zur schlüssigen Story der beste Film auf der Disk.
Siete veces siete ist dann eher mystischer Okkult-Horror mit ein paar CGI-Effekten, surrealen Bildern und traditionellem Wüsten-Setting.
Den Abschluss bildet dann Día de los Muertos, der mit Abstand aufwändigsten Produktion, die im Stile von From Dusk till Dawn einige übel behandelte Table-Dancer-Mädels blutige Rache nehmen lässt.
Sämtlichen Filmen ist gleich, dass man sie eher als Fingerübung einiger Amateufilmer sehen sollte, denn als echtes Profi-Genre-Werk. Als solcher bietet die Kurzfilm-Anthologie aber einen interessanten Einblick in das mexikanische Horrorgenre, das allerdings durchweg (fast) bessere Schauspieler verdient gehabt hätte.

Bild- und Tonqualität

Mitglieder von Drogenkartellen gehen gern maskiert vor die Tür

So unterschiedlich wie die acht Kurzfilme, so unterschiedlich ist das Bild von Mexico Barbaro. Schon die Bildformate variieren zwischen 1,78:1, 2,00:1 und 2,35:1. Stilistisch geht’s mal scharf, mal sehr körnig und mal extrem weich zu. In „La cosa más perciada“ bemüht man zudem einen schmutzigen Grindhouse-Look mit über das Bild gelegten Rissen und Staubpartikeln (was ein bisschen arg amateurhaft wirkt). Außerdem offenbart die Folge auch noch krasses Banding (47’58).
Akustisch liegt die deutsche Fassung in 2.0 dts-HD-Master vor und hat so ihre Probleme. Bzw. könnte der Unterschied zur 5.1-dts-HD-Master-Spur des spanischen Originals teilweise kaum größer sein. Klingt die Erzählstimme des ersten Films über die deutsche Fassung verzerrt und weit weg, hört sich der O-Ton an, als würde man alleine in einem gigantischen Kino sitzen – so räumlich und verhallt wird hier gearbeitet. Leider ist der deutsche Ton auch noch viel zu leisen und die Stimmen zu dünn. Man muss schon weit aufdrehen, um alles zu verstehen und wird dann teilweise von fiependen Soundeffekten wieder unangenehm auf den Boden der Tatschen geholt.
Hier ist der spanische O-Ton die bessere Wahl – Untertitel gibt’s natürlich.
Ab dem zweiten Film relativiert sich das glücklicherweise wieder und die deutschen Stimmen sind fortan nicht mehr verzerrt und auch nicht mehr zu leise. Dafür schwankt die Musik immer mal wieder

Bonusmaterial

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Die Mädels im Club schlagen zurück

Im Bonusmaterial von Mexico Barbaro gibt’s neben diversen Originaltrailern noch eine Bildergalerie sowie drei Hinter-den-Kulissen-Featurettes zu „Day of the Dead“, „Tzompantli“ und „Javal de Berrios“. Jeder der kurzen Hintergrundberichte läuft zwischen 2’20 und 6’18, zeigt in der kurzen Zeit aber durchaus Informatives aus der Perspektive der Macher. „Szenen vom Dreh“ liefert nur drei kurze Impressionen aus der Story von „La cosa más preciada“ – und zwar ohne Ton.

Fazit

Mexico Barbaro bietet einen teils atmosphärischen, teils blutigen und teils etwas unglücklich erzählten Überblick über das mexikanische Horrorkino.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 50%
Tonqualität (dt. Fassung): 40%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 40%
Film: 50%

Anbieter: Donau Film
Land/Jahr: Mexiko 2014
Regie: Isaac Ezban („La cosa mas preciada“), Laurette Flores Bornn („Tzompantli“), Jorge Michel Grau („Muñecas“), Ulises Guzman („Siete veces siete“), Edgar Nito („Jaral de Berrios“), Lex Ortega („Lo que importa es lo de adentro“), Gigi Saul Guerrero („Día de los Muertos“),
Aaron Soto („Drena“)
Darsteller: Adrián Aguirre, Dulce Alexa, Leslie Arce, Leif Bridgman, Sara Camacho, Gabriel Carter, Ana Castro, Mayra Angelica Chavez, Shana Chow, Aria DeMaris
Tonformate: dts HD-Master 5.1: sp // dts-HD-Master 2.0: de
Bildformat: 1,78:1 // 2,00:1 // 2,35:1
Laufzeit: 107
Codec: AVC
FSK: 18 (geschnitten)

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Donau Film)

Trailer zu Mexico Barbaro

México Bárbaro – Official Red Band Trailer – (2015)

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