Midway – Für die Freiheit 4K UHD

Blu-ray Review

Universum Film, 20.03.2020
Universum Film, 20.03.2020

OT: Midway

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Schlafender Riese

Roland Emmerich führt uns mitten in den Pazifikkrieg des Jahres 1942.

Inhalt

Dick Best bildet die Speerspitze des Tauchbomber-Geschwaders

Dezember 1937: Der stellvertretende Marine-Attaché Edward Layton trifft sich mit dem gemäßigten Admiral Yamamoto. Bei den Gesprächen wird klar, dass Japan gerne zur Weltmacht aufsteigen würde. Dazu benötigt es allerdings Öl. Und 80% des Rohstoffs kommen aus den USA. Sollten die Vereinigten Staaten diesen Versorgungsweg kappen, würde dies zu drastischen Maßnahmen führen. Layton betont, dass niemand einen Krieg möchte. Doch vier Jahre später ist dieser Wunsch fromm. Die Welt liegt im Krieg und Japan hält weite Teile Chinas besetzt. Mit der Neutralität der USA ist es am 07. Dezember 1941 ebenfalls vorbei. Die Japaner greifen die US-Marine in Pearl Harbor an und fügen den vollkommen überraschten und unvorbereiteten Einheiten massiven Schaden zu. Einen Tag später erklären die USA Japan den Krieg, der sich zunächst vornehmlich im Pazifik abspielt und im Zweikampf mit den Japaner in der entscheidenden Schlacht von Midway gipfelt …

Chester W. Nimitz koordiniert die US-Marine im Pazifik

Roland Emmerich mag es groß und opulent. Er mag es, wenn Dinge kaputt gehen und es dabei wahlweise raucht, feuert oder eiskristallisiert. Kein Wunder, dass er nach zahlreichen Ausflügen ins Fantastische oder zum Katastrophenfilm irgendwann auch mal im zweiten Weltkrieg landen würde. Ausgesucht hat er sich die als Wendepunkt des Pazifikkriegs bezeichnete Schlacht nahe der Midway-Inseln.
Midway – Für die Freiheit beginnt geschickt, indem er das Logo des Filmverleihs langsam sepiafarben einfärbt und den Ton aus der Räumlichkeit hin zu einem monoartigen Wochenschau-Stil führt. Gefolgt wird das Ganze von Auszügen aus Roosevelts legendärer Quarantine Speech. Diese bezieht sich zwar nicht auf den Pazifik-Krieg (Roosevelt hielt sie bereits 1937), gilt jedoch als wegweisende Rede im Hinblick darauf, dass sich die USA von der „Epidemie der allgemeinen Gesetzlosigkeit“ isolieren sollte. Der damalige US-Präsident bezog sich mit dem Wort „Epidemie“ auf die aggressiven Kriegsakte Italiens, Deutschlands und Japans. Länder, die er allesamt unter „Quarantäne“ stellen wolle, während er die USA aufforderte, Stellung zu beziehen.
Inszenatorisch leitet Emmerich vor der ersten Bombast-Szene über in ein ruhiges, von gegenseitigem Respekt getragenes Gespräch zwischen US-Marine-Attaché (hervorragend zurückgenommen: Patrick Wilson) und dem japanischen Marine-Admiral. Was diese Szene von Beginn an vermittelt (ungewöhnlich für Emmerichs Actionfilme), ist eine gewisse Ausgewogenheit. Anders als in allen anderen Filmen des Regisseurs gibt er dem Gegner ein Gesicht. Yamamoto, der gemäßigte General wird von Etsushi Toyokawa nuanciert dargestellt und steht dafür, dass der Feind eben auch Gefühle und Bedenken hat.
Die Konzentration von Midway auf die Entwicklung der Geschichte und der Figuren, die nach dem spektakulären Angriff auf Pearl Harbor zunächst stattfindet, tut dem Film tatsächlich gut.

Edward Layton ahnt die Schritte der Japaner voraus

Dann aber gibt’s doch noch diese typische Emmerich-Figur. Diesen strahlenden Helden, der selbst in der brenzligsten Situation noch mit lockeren Sprüchen dienen kann; der den Macho gibt und lieber als Fischfutter enden würde, denn als Kriegsgefangener. Ed Skrein (Alita – Battle Angel) spielt diesen Dick Best – und er nervt.
Weit weg von Glaubwürdigkeit nimmt er den Krieg so locker, als spiele er eine Runde Schiffe versenken in seiner Kajüte. Außerdem lässt seine Charakterisierung keinerlei emotionale Bindung an die Figur zu. Die Überheblichkeit, mit der er in die Luftgefechte startet, macht ihn zum arroganten Individualisten, den man in einem Team lieber nicht haben möchte.
Parallel dazu schaffen es zwei eigentlich vorzügliche Darsteller, weit unter ihren gewohnten Verhältnissen zu spielen. Während Woody Harrelson als Chester Nimitz klassisch fehlbesetzt ist (und mit silbernem Haar auch noch albern aussieht), würgt sich Dennis Quaid als William Halsey, Admiral und Kommandant der USS Enterprise, die militärischen Standard-Sprüche aus der Tiefe seines Halses, als hätte er ein großes Stück Kautabak im Weg sitzen. Das ist Schauspiel hart an der Grenze zum Knallchargen-Niveau. Wirklich gut funktionieren deshalb vor allem die Nebenfiguren. Ein Luke Kleintank als Clarence Dickinson oder ein Nick Jonas als Bruno Gaido, beispielsweise. Sie bilden die Seele des Films und stehen für den Mut der einzelnen Flieger, die im Anblick der japanischen Übermacht nicht viel mehr waren als Kanonenfutter.
Ebenfalls aus der Masse herausragend agiert Aaron Eckhart. Zunächst „nur“ einer der „besten Piloten, die das Land hat“, darf er im Angesicht der Kriegsgewalt auf chinesischem Boden erkennen, dass seine Aktionen auch Konsequenzen haben – ein seltener Moment der Selbstreflexion in Emmerichs Filmen. Eckhart spielt das glaubwürdig und ist nach gut 57 Minuten die erste Figur, die Emotionen zeigt und Gleiches beim Zuschauer bewegt.

Dick muss ran

Schade, dass sich Emmerich diese guten Momente torpediert, wenn er (mal wieder) unglaublich klischeehafte Frauenfiguren integriert. Während Layton bis spät in die Nacht arbeiten möchte, klaut ihm seine Frau die benötigte Brille, um ihn endlich mal aus der Verpflichtung zu lösen. Als Layton ihr die Dringlichkeit seiner Arbeit erklärt, antwortet sie allen Ernstes mit: „Ich mach dir ein Sandwich.“
Glücklicherweise bleiben solche Momente verhältnismäßig selten und die ganz große Patriotismus-Keule lässt Emmerich in Midway auch beiseite.
Erstaunlich akkurat hingegen bleibt er in Kooperation mit seinem Drehbuchautor Wes Tooke bei der Schilderung der Fakten. Und das betrifft nicht nur die Figuren und Ereignisse an sich, sondern auch kleine Anekdoten. So integriert der Film sogar die Tatsache, dass Regisseur John Ford (Rio Grande) im Rahmen seiner Dienste für die Field Photo Unit vor Ort auf den Midways war und kurzerhand vom Kriegsgeschehen Aufnahmen machte (die im Dokumentar-Propagandafilm Die Schlacht von Midway gipfelten).
Aber auch Details wie den Hautausschlag Halseys, der den Admiral zu einer Behandlung in den USA zwang, während die Schlacht selbst stattfand. Ja, selbst der für den Film erfunden wirkende Einsatz von Bruno Gaido gegen den brennenden japanischen Mitsubishi-Bomber aus dem Geschütz der an Deck der Enterprise befindlichen SBD Dauntless hat so stattgefunden.
Hauptsächlich war es Tooke aber wichtig, die Arbeit der auf Hawaii stationierten Kryptologen unter Layton und deren exzentrischem Vordenker Joseph Rochefort zu integrieren. Die Tatsache, dass ein regelrechter Streit zwischen seinen Interpretationen und jenen aus Washington ausbrach, ist ebenfalls verbürgt. Sogar das dargestellte Team aus Mitgliedern der Navy Bigband fußt auf Tatsachen.
Ehrlicherweise zeigt man auch, dass das US-Militär seinerzeit maximal als fünftstärkstes galt (hinter den Briten, Deutschland, der Sowjetunion und Japan). Immer wieder explodieren Torpedos nicht oder führt Unerfahrenheit zu schweren Unfällen.

Der von Gürtelrose geplagte William Halsey wird durch Raymond Spruance ersetzt

All das kleidet Midway – Für die Freiheit in packende Schlachtszenen, die gerade im Zweikampf der Flieger gegen die Flakgeschütze der Kriegsschiffe beeindruckende Action liefern. Bisweilen ist man hautnah dabei, wenn Dick in seinem Cockpit sitzt und im Sturzflug auf die japanischen Flugzeugträger zurast. Das Schlachtengetümmel, das in einem rund 30-minütigen Showdown gipfelt, ist schon spektakulär. Umso schöner wäre es gewesen, wenn man die letzten ein bis zwei Millionen hätte loseisen können, um die CGIs perfekter zu machen. Ab und an sind die Trickeffekte wirklich erschreckend billig geraten – vor allem, wenn Flugzeugs ins Wasser crashen (91’17). Wer das Bonusmaterial anschaut, weiß aber auch, dass viele individuelle Sets gebaut wurden, um nicht alles am Rechner und vor Greenscreen drehen zu müssen. Und in Summe funktioniert das schon sehr gut. Aufgrund mangelnder Abwechslung ist es aber auch leider irgendwann ermüdend.
Dabei hätte es genau dafür Möglichkeiten gegeben. Denn eine der interessantesten Figuren, Jimmy Doolittle, begleitet der Film nur kurz und lässt ihn dann erst im Abspann wieder auftauchen. Zumindest im Ansatz zu zeigen, wie es ihm und seinem Team in China ergangen ist, hätte etwas Würze in die andauernden Luftgefechte gebracht.

Bruno Gaido ballert um sein Leben

Bild- und Tonqualität BD

Nimitz erwartet eine neue Aufgabe

Midway – Für die Freiheit wurde zwar digital gefilmt, im Anschluss aber extrem stark gefiltert und bearbeitet. Um das Kriegsgeschehen authentisch zu vermitteln, fügte man eine sehr deutliche Körnung hinzu und sparte auch nicht mit Kontrastüberhöhungen. Bisweilen sind Kontrastflanken arg steil und helle Bereiche hinter Objekten reißen des Öfteren bewusst aus. Das führt schon mal zu heiligenscheinartigen Umrissen von Köpfen und die Durchzeichnung in Himmels-Hintergründen dürfte auch besser sein (82’25). Die bewusst erdig gehaltenen Farben reflektieren die damalige Zeit indes sehr realistisch und passend.
Die Körnung lässt das Geschehen allerdings oft sehr schmutzig erscheinen und in Halbtotalen geht dadurch auch die Schärfe verloren, die in Close-ups noch sehr gut ist. Zwischen den real gefilmten Szenen und den gerenderten Sequenzen ist außerdem ein weiterer Abfall in der Plastizität zu sehen: CGI-Shots sind durchweg softer.

Wade McKlusky gehört zu den erfahrensten Piloten

Schon die Blu-ray von Midway – Für die Freiheit glänzt mit Dolby-Atmos-Spuren für beide Sprachen. Beide sind verlustfrei in True-HD kodiert und beide sind sensationell.
Nichts anderes hätte man allerdings auch von einem Roland-Emmerich-Kriegsfilm erwartet. Emmerich steht für technischen Bombast und liefert schon beim Anblick der USS Enterprise ab. Das vehemente Bassgrummeln, das ihren Auftritt begleitet (6’03) stimmt auf die folgenden 120 Minuten Akustik-Bombast ein.
Die Subwoofer-Aktivität dieser ersten Szene wird aber während des ersten Angriffs der Flieger noch übertroffen. Wenn das Geschwader auf die Schiffe einwirkt, bleibt der aktive Tieftöner kaum noch still und die von den abgeworfenen Bomben verursachten Explosionen krachen wirklich drastisch ins Heimkino. Der Szenerie unterliegt oft ein wabernder Grundton, der sich tief bohrend in den Teppich krallt und dort für Kribbeln in den Füßen sorgt. Bisweilen ist das schon fast zuviel des Guten.
Man muss aber schon mal gehört haben, wie räumlich ein Heimkino wirken kann, wenn es effektiv genutzt wird. Die Fliegerangriffe bieten eine Rundumakustik, wie man es selten (wenn überhaupt) gehört hat. Sämtliche Auseinandersetzungen haben praktisch Referenzcharakter.
Und wenn es nach knapp 90 Minuten unter Wasser geht, das U-Boot an einigen Wasserbomben vorbei manövrieren muss, scheppern die Gläser im Schrank des Nachbarzimmers. Bei all dem Bombast, all dem Druck bleiben die Dialoge stets sauber. Sie wirken nie aufgeregt oder spitz, sondern fügen sich harmonisch und verständlich ins Gesamtgeschehen ein.

Jimmy Doolitle ist in China gestrandet

Nehmen wir die Höhen-Ebene mit hinzu, wird die Ansage von Roosevelt direkt zu Beginn schon mal als Erstes mit auf die Heights gelegt und hallt von dort wider. Beim ersten Schwenk in die Cockpits der Einmotorigen setzt es dann sofort Windgeräusche, Knarzen und scheppriges Klappern, das zwar nicht ganz so heftig und vehement ausfällt, wie es bei Le Mans 66 der Fall ist, dennoch aber ein schön immersives Erlebnis garantiert.
Vehementer wird es dann beim ersten Luftangriff nach 10’30. Schon aus der Ferne hört man die Rotoren der Flieger, dann folgen Maschinengewehr-Geknatter und die krass-lauten Überflüge der Maschinen, begleitet von einem intensiven Pfeifen – eine wirklich tolle Atmos-Szene, die mit kurzen Unterbrechungen für insgesamt gut acht Minuten sämtliche Speaker in Atem hält und auch fetzige Explosionen liefert. Ob man das Getrampel der aufgeregten Soldaten in den Büroräumen oder das von OBEN gefilmte Zusammenbrechen eines Schiffs (17’00) aber wirklich auf den Heights gebraucht hätte?
Nun ja, im Kriegsgetümmel kann man ja schon mal die Übersicht verlieren. Für gut eine Viertelstunde ist dann zwar erst einmal Ruhe, doch der erste Angriff der US-Flieger wird dann auf ähnliche Weise in akustische Szene gesetzt. Ab Minute 35 geht es dann wieder los mit Windgeräuschen, klapprigen Visieren, MG-Salven, abdrehenden Flugzeugmaschinen und Propellergeräuschen, die sägend die Luft durchschneiden.

Nicht jede Anordnung stößt auf Gegenliebe

Nach 50 Minuten gibt’s dann mal einen 3D-Sound, der nicht aus Flugzeuggeräuschen, Wind oder Feuersalven besteht. Nein, es ist ein kleiner Kronleuchter, der zu Wackeln beginnt, als die Flieger übers Land donnern. Schön, dass man solche Geräusche nicht unterschlagen hat. Sehr schön auch der Regen, der metallisch klingend auf die Hülle der Zweimotorigen prasselt, während die Fallschirmspringer sich im Inneren vorbereiten (52’00). Auch nach etwas über 80 Minuten geht es noch einmal richtig hoch her – im wahrsten Sinne des Wortes. Selbst wenn die Geräusche an sich kaum Abwechslung bieten, macht das schon eine Menge Spaß.
Und dann, man erwartete es eigentlich gar nicht mehr, gibt’s doch noch eine Abwechslung. Denn nach 86 Minuten taucht die Kamera unter Wasser und gesellt sich zu einem U-Boot. Die typisch gedämpften Wasser-Sounds, das Drücken auf das Metall des U-Boots sowie ein Spannung erzeugendes Wummern sind die akustische Folge. Während des kurze Zeit später folgenden Angriffs von Dick prasselt es dann derart aus den Heights, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, mitten in einem Silvester-Feuerwerk zu stehen (99’50). Das ist schon Wahnsinn.In keinem anderen Film sind bisher derart viele Flugzeuge über die Köpfe der Zuschauer geflogen und es gab auch noch nicht derart viele MG-Salven, Einschüsse, Pfeifgeräusche und Windattacken über die Heights zu hören. Im Prinzip ist Midway das für den realistischen Actionfilm, was Godzilla: King of Monsters für den fantastischen Film ist. Bei so viel passender und wuchtiger Aktivität verzeiht man auch, dass der Film akustisch schon mal übers Ziel hinaus schießt und 3D-Sounds liefert, wo eigentlich keine hingehören.

Bild- und Tonqualität UHD

Doolittle ist auf Hilfe eines Übersetzers angewiesen

Trotz seines körnigen Looks wurde Midway – Für die Freiheit mit digitalen Kameras aufgezeichnet. Zum Einsatz kam die Panavision Millennium DXL2, die mit 8K aufnimmt. Beste Voraussetzungen also eigentlich für ein extrem plastisches und hoch aufgelöstes Bild.
Leider skalierte man für die UHD auf 2K runter, was schade ist, aber auf der Hand liegt, da der Film gefühlt zu 70% aus CGIs besteht. Möglicherweise entschloss man sich aus Gründen des konsistenten Looks für ein 2K DI, möglicherweise auch aus Gründen der Datenmengen, die ansonsten zwischen den Rechnern hin- und hergeschoben werden musste, um die Realaufnahmen mit gerenderten Elementen zu verschmelzen.
Der UHD hat man überdies noch einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum sowie die höhere Konstrastdynamik nach statischem HDR10 und dynamischem Dolby Vision mitgegeben.
Während DV gegenüber HDR10 noch mal die eine oder andere Nuance harmonischer und dynamischer abgestimmt ist, dunkle Bereiche etwas anhebt, sind beide HDR-Varianten der BD weit überlegen.
Man muss zwar damit klar kommen, dass der ohnehin schon mit sehr starken Kontrastflanken belegte Look der BD noch mal intensiviert wird, doch im laufenden Bild beeindruckt das durchaus. Sind viele UHDs in der Grundabstimmung erst einmal dunkler als die Blu-ray, knallt die Ultra-HD von Midway förmlich dem Zuschauer entgegen. Die Highlights sind spektakulär, das Weiß in den Augen der Protagonisten funkelt in dunklen Szenen gleißend aus dem Bildschirm und Farben sind durchweg intensiver. Die Körnung ist überdies etwas feiner, aber immer noch sehr deutlich und sicher nicht jedermanns Geschmack.
Die Tatsache, dass die UHD die Kontrastflanken noch mal etwas steiler setzt, sorgt allerdings nicht für eine bessere Durchzeichnung in hellen Bereichen. Dort kommen BD und UHD am Ende auf gleichem Niveau ins Ziel. Im Schwarz jedoch hat die UHD die Nase vorne. Zwar geht die Tendenz schon mal Richtung ganz dezentes Absaufen von Details. Man sollten den Film deshalb im Dunklen schauen, ansonsten tut man sich schwer mit dem Erkennen von Details, da die UHD sehr grenzwertig gemastert wurde. Allerdings fällt im direkten Vergleich dann auf, wie gräulich die Blu-ray dagegen ist. Ein gutes Beispiel dafür sind die Besprechungsszenen der Japaner nach einer Stunde, in denen zwischen den Uniformen über die BD und über die UHD Welten liegen. Leider hat man hierzulande nur auf eine 66GB-Disk gesetzt, was die Datenrate etwas gering hält, während die US-UHD mit einer 100er Scheibe mit mehr Datendurchsatz beglückt.

Update 29.03.2020:
Mittlerweile war es möglich, ein Auge auf die US-UHD zu werfen. Diese zeichnet im Schwarz besser durch. Selbst wenn das zu Lasten eines absoluten Schwarzwertes geht, liegt die amerikanische Scheibe damit als bester Kompromiss zwischen der deutschen Blu-ray und der deutschen UHD. Letztere ist im direkten Vergleich während der dunklen Szenen dann doch sichtbar weniger detailliert. Ich nehme aufgrund dieses Quer-Sichtungstests mit der UHD eine nachträgliche Abwertung der deutschen Disk vor.

Blu-ray (17’11): (Slider ganz nach rechts): In den Screenshots lässt sich leider nur andeuten, wie deutlich der Unterschied zwischen BD und UHD ist.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Dass die UHD deutlich stärker leuchtet, dabei aber nicht überstrahlt und auch nicht absumpft, muss man gesehen haben. Der Screenshots gibt diese Dynamik nur bedingt wieder.

Blu-ray (71’33): (Slider ganz nach rechts): Hier wird die Differenz vor allem aufgrund der Farben deutlicher.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD lässt das Grün strahlender und dynamischer erscheinen. Auch hier gilt: Die deutlich dunkleren Bereiche auf dem Flugzeugträger sind der Belichtung der Kamera geschuldet, nicht der UHD.

Blu-ray (42’32): (Slider ganz nach rechts): Eindrucksvoll auch die Unterschiede auf Gesichtern.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Dennis Quaid hat über die UHD viel mehr Dynamik und ein noch kräftigeres Gesicht. Der leichte Grauschleier der BD ist passé. Natürlich muss man diesen ohnehin stark stilisierten, kontrastdynamisch etwas überhöhten Look auch mögen.

Blu-ray (29’24): (Slider ganz nach rechts): Ein gutes Beispiel für den etwas trüben Look der Blu-ray.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD kommt hier kontrastreicher und prägnanter rüber.

Blu-ray (94’19): (Slider ganz nach rechts):Auf den ersten Blick wirkt die BD neutraler. In Wirklichkeit ist sie flauer und flacher.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD ist in allen Belangen dynamischer, dreidimensionaler und griffiger. Da kommt die BD nicht mit.

Blu-ray (60’05): (Slider ganz nach rechts): Nehmen wir uns mal einen Bildausschnitt, dann zeigt sich außerdem durchaus ein Unterschied in der Detailauflösung.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Über die UHD sind die Schriftzeichen klarer, die feinen Linien deutlich und die Körnung feiner.

Zum Größenvergleich des Ausschnitts hier das komplette Bild (mit abgeschnittenem Untertitel)
Die UHD liefert den identischen Ton, den auch die Blu-ray bereits hat: Dolby Atmos in True HD für beide Sprachen. Man kann das oben geschriebene also 1:1 auf die UHD übertragen.

Bonusmaterial

Er wird mit den Gefangenen keine Gnade haben

Im Bonusmaterial von Midway findet sich zunächst der Audiokommentar von Emmerich. Den findet man auf der BD und auf der UHD. Leider ist er ein wenig nüchtern geraten und auch nicht untertitelt.
„Getting it Right“ ist ein viertelstündiges Making-of, das die Darsteller zu Wort kommen lässt und sie schildern lässt, dass es Zeit war, die Story, historisch akkurat darzustellen. Um diese Authentizität geht es dort dann auch hauptsächlich.
„The Men of Midway“ kümmert sich dann um die Besetzung des Films, während „Roland Emmerich: Man on a Mission“ die Konzentration für fünf Minuten auf den deutschen Regisseur legt und auch die langjährige Entwicklung schildert. „Turning Point“ geht noch einmal näher auf die Bedeutung dieser Schlacht ein und lässt auch Historiker zu Wort kommen. „Joe Rochefort: Breaking the Japanese Code“ gibt noch mal sehr intensive Einblicke in die Arbeit des Kryptologen, der die entscheidenden Informationen lieferte. In „We Met at Midway: Two Survivors Remember“ werden dann noch einmal zwei Zeitzeugen der Schlacht interviewt. Was ein bisschen fehlt, ist eine aufschlussreiche Hintergrund-Doku über die CGIs. Außerdem gibt’s auch für die Featurettes keine Untertitel.

Fazit

Midway – Für die Freiheit ist für einen Emmerich-Film erstaunlich ausgewogen geworden. Und das nicht nur, weil am Ende sowohl den us-amerikanischen, sondern auch den japanischen Soldaten gedacht wird, die während des Pazifikkriegs ihr Leben verloren. Auch während des Films bekommen die Japaner ein Gesicht, das weit entfernt ist von der üblichen Dämonisierung der Kriegsgegner. Sogar für (ein bisschen) Selbstkritik bleibt Zeit. Nicht verschweigen sollte man allerdings, dass nur wenige Figuren wirklich berühren und die Inszenierung schon mal ziemlich unübersichtlich zwischen den diversen Schauplätzen wechselt. Außerdem sind die CGIs nicht durchweg gelungen.
Technisch gesehen liefert schon die Blu-ray einen fantastischen Dolby-Atmos-Sound für beide Sprachen. Da geht aktuell nicht viel dran vorbei. Ebenso wenig wie an der UHD, die sich in Sachen Bilddynamik, Schärfe und Plastizität deutlich von der BD absetzen kann, im Schwarz bisweilen aber absäuft. Zudem sollte man kein Problem mit Körnung haben.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 75%
Bildqualität UHD: 75% (nachträgliche Abwertung durch Gegentest mit der US-UHD)

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 100%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (dt. Fassung): 90%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (dt. Fassung): 90%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 100%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 90%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 90%

Bonusmaterial: 60%
Film: 70%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Roland Emmerich
Darsteller: Ed Skrein, Patrick Wilson, Woody Harrelson, Luke Evans, Mandy Moore, Luke Kleintank, Dennis Quaid, Aaron Eckhart, Keean Johnson, Nick Jonas, Etsushi Toyokawa, Tadanobu Asano
Tonformate BD/UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 139
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66
Real 4K: Nein (2K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: 1500 Nit
FSK: 12

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Universum Film)

Trailer zu Midway

Midway - Für die Freiheit (deutsch/german Trailer FSK 12)

17 thoughts on “Midway – Für die Freiheit 4K UHD

  1. Avatar hook

    CAN vs. GER

    https://screenshotcomparison.com/comparison/797

    im vergleich zur CAN UHD scheint irgendwas mit der deutschen UHD nicht ganz zu stimmen.

    • Schwierig zu sagen, welcher Look hier jetzt gewollter ist.
      Im zweiten Bild, ganz klar, ist die dt. Fassung dunkler und tendenziell sicher zu dunkel. Im ersten Bild gefällt mir der Kontrastumfang der dt. Disk allerdings besser.

  2. Avatar hook

    wobei man sagen muss, dass bild 1 bei der CAN UHD realistischer ist und bei bild 2 säuft das schwarz der deutschen UHD regelrecht ab. ich frage mich auch, warum musste man die deutsche UHD unbedingt auf eine BD66 quetschen. auch hätte ich es gerne gesehen, wenn die farbigen einblendungen deutsch wären. so wie z.b. auf der SUI bluray von ascot elite schweiz.

    https://screenshotcomparison.com/comparison/798

    • Tatsächlich ist die Datenrate relativ niedrig, korrekt. Man hätte mit einer 100er mehr rausholen können.
      Dennoch würde ich hier gerne die kanadische Disk mal komplett gegenchecken. Anhand von zwei Screenshots ist mir der Vergleich etwas mau.
      Die Durchzeichnung in dunklen Szenen ist hart an der Grenze, wenn man die dt. Disk anschaut, aber bei entsprechender Verdunklung geht das gerade noch in Ordnung.
      Mir persönlich ist das Bild 1 im Screenshotvergleich angenehmer und kontrastreicher. Aber es ist halt nur diese eine Momentaufnahme. Da müsste man einfach mehr von sehen.

  3. Avatar Rüdiger Petersen

    Endlich wieder ein Film mit toller Tonspur……..geht doch. Freue mich doppelt weil ich den Film wegen Umzugsstress nicht schauen könnte. Ich habe alle Emmerich Filme auf Blu-ray und da ist kein einziger Streifen dabei der eine schlechte Tonspur liefert. Gerade der Film 2012 ist Bombastisch so wie es da scheppert. Oder The Day after Tomorrow anzuschauen macht immer wieder Spass.

  4. Avatar Nemesis200SX

    Die kanadische Disc ist nicht notwendig, auch die US Scheibe hat ein sichtbar helleres und auch leicht bunteres Bild als die deutsche UHD. An die US Disc kommt man vielleicht einfacher ran als an das kanadische Release. Noch dazu bietet die US UHD englisches Dolby Atmos, die kanadische UHD nur DTS-HD.

    • Hi Nemesis.
      Danke dir für die Hinweise. Vielleicht stolpere ich ja tatsächlich mal über die US-UHD.

    • Avatar hook

      Die US hat aber englische hardcoded Subs, die CAN dagegen nicht.

      • Avatar Nemesis200SX

        dafür hat die US UHD englischen Atmos Ton, die CAN hat nur DTS-HD.

        Ging hier auch rein um einen Bildvergleich, da sollten hardcoded Subs zu verschmerzen sein

  5. Avatar Heimkineast

    Im Original „Schlacht um Midway“ aus dem Jahre 1976 werden die Japaner auch nicht „dämonisiert“ – das ist wohl ein Privileg, das alleine Deutschland bzw. dem 3. Reich vorbehalten bleibt. Selbstverständlich verpasst auch Emmerich die Gelegenheit, mit dem Siegermärchen des „Überfalls“ aufzuräumen. Aber das wird wohl auch sobald nicht geschehen. Vae victis sozusagen.

    Ich warte dann mal auf die 4K Version des Originals – das war zwar Pathos pur aber dafür viel authentischer und spannender wie ich finde.

  6. Avatar Christian P.

    Habe den Film auch gesehen und fand ihn prinzipiell auch nicht schlecht, aber sehe das mit den Charakteren genauso wie du.
    Was mir den Film aber wirklich richtig vermiest hat, ist die Tatsache, dass das CGI sowas von schlecht war. Jedes Battlefield oder Call of Duty sieht gefühlt besser aus. Allein die Anfangsszene mit dem Flugzeugträger, bei der die Matrosen trainiert haben. Gruselig, da hätte man wirklich noch mal ein bisschen Geld in die Hand nehmen müssen…

    • Avatar Frank Halbe

      Also das Bild ist für eine 4K die absolute Frechheit. 1. der Kontrast ist derart überzogen das Bildinhalte förmlich absaufen.2 die Bildkörnung ist derart prägnant,dass das Bild schon wie Ameisen übereinander wirkt.Das hat mit Stilmittel nichts mehr zu tun die Detailliertheit oder Schärfe erinnert an eine DVD .Sorry aber wie man dafür 85% geben kann ist mir ein Rätsel oder dem geschuldet das die Beurteilung auf einem TV statt fand.Inhaltlich schreibe ich nichts mehr,da ich nach 20 min abgebrochen habe,weil ich diesen Ameisenlook unerträglich fand.
      Schrott !

      • Tatsächlich handelt es sich bei den Überkontrastierungen und der Körnung um bewusst eingesetzte Stilmittel in der Postproduktion des Films.
        Wir haben es also mit einer Körnung zu tun, die so intendiert ist und von der UHD sehr sauber reproduziert wird.
        Man kann kritisieren, DASS so etwas gemacht wird, wenn die Kamera eigentlich ein absolut sauberes und ruhiges Bild liefern kann. Dann müsste man aber die Kritik an den Regisseur weiter reichen, nicht an das Mastering der BD/UHD.
        Was man der deutschen UHD augenscheinlich zu Lasten legen kann, ist, dass sie im Schwarz gegenüber der US-UHD deutlich absäuft. Da mir die UHD zum Testzeitpunkt nicht zur Verfügung stand, war ein 1:1-Vergleich leider nicht möglich. Vermutlich würde dieser aber im Nachhinein zu einer Abwertung führen.
        Selbstverständlich wird das Bild übrigens nicht nur über einen TV, sondern auch über einen Beamer bewertet. Und natürlich stellt eine drei Meter breite Leinwand die Körnung subjektiv noch heftiger oder auch störender dar. Letztlich ist das aber ein subjektives Kriterium, kein objektives. Denn die UHD, wie beschrieben, reproduziert diese bewusst eingesetzte Körnung sehr sauber.

  7. Avatar M.B.

    Unglaublich wie der Film bei euch die Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 100%
    bekommen hat.
    Der Film hat überhaupt keine Dynamik, Tiefbass Fehlanzeige.
    Ein vorbei fliegendes Flugzeug erzeugt den selben Bass wie ein explodierender Flugzeugträger.
    Vergleicht mal den Terminator: Genisys ab der 35 Minute da liegen Welten zwischen beide Filme.

    • Analog zu praktisch weltweit mit der Höchstnote versehenen Tonbewertungen für den Film, lieferte MIDWAY auch bei meinem Setup eine mächtige Vorstellung ab.
      Der Film lief hier insgesamt drei Mal komplett durch. Einmal im kompletten Setting, einmal getrennt lediglich die Höhenkanäle und einmal getrennt lediglich der Subwoofer.
      Dies dann im Vergleich zu einem GODZILLA 2. Dessen Vehemenz erreicht MIDWAY nicht. Und auch ein TERMINATOR SALVATION hat bisweilen noch etwas mehr Punch. Die Auslenkung des Subs war aber teilweise annähernd so deutlich wie eben bei einem GODZILLA 2 und die Dynamik in meinem Setup war gegenüber flach klingenden und tot komprimierten Marvel-Filmen wie AGE OF ULTRON um besagte Welten besser.

  8. Avatar Dennis

    Schafft er es im die Liste mit den Referenzfilmen?

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