Mile 22

Blu-ray Review

mile 22 blu-ray review cover
Universum Film, 25.01.2019

OT: Mile 22

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Trojanisches Pferd

Auftakt einer Trilogie oder doch nur ein Einzelfall von adrenalinhaltiger Action?

Inhalt

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James Silva wird immer dann gerufen, wenn es den offiziellen Behörden zu brenzlig wird

James Silva war einer der härtesten Marines und leitet nun die mit dem CIA assoziierte Spezial-Einheit Overwatch. Diese wird immer dann gerufen, wenn es ein wenig inoffizieller und semi-legaler zugehen muss. Als sie den Auftrag erhalten, in einem russischen Safehouse in den USA Cäsium sicher zu stellen, bevor es waffenfähig gemacht werden kann, geht die Aktion schief und einer der Overwatch-Agenten stirbt.
16 Monate später werden Silva und sein Team nach Südostasien gerufen. Dort sollen sie einem gewissen Li Noor sicheres Geleit geben. Der lokale Polizist will außer Landes gebracht werden und bietet dafür im Gegenzug wichtige Informationen über den Verbleib  des Cäsium an. Allerdings wollen die lokalen Behörden Li Noor gerne ausgehändigt sehen – immerhin wird ihm Spionage vorgeworfen. Dass es Li mit seinem Ausreise-Vorhaben ernst meint, wird den Overwatch-Agenten klar, als er einen Anschlag auf die Botschaft im Alleingang vereiteln kann. Nun jedoch müssen Silva und sein Team den kampfkunsterprobten Überläufer zum 22 Meilen entfernten Flughafen bringen – und das werden verdammt lange 22 Meilen voller Angriffe feindlicher Agenten …

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Taffe Overwatch-Agentin: Alice Kerr

Peter Berg ist immer dann zur Stelle, wenn es handfest und ruppig zugeht. Spätestens seit Operation: Kingdom ist er der Mann für Action, die sich gerne mit historischen Fakten oder Zuspitzungen mischt. Was ihm in Kingdom, Deepwater Horizon oder auch Boston gut gelang, geht aber auch schon mal in die Hose, wenn er es zu patriotisch anlegt – wie beispielsweise in Lone Survivor. Man kann Berg also durchaus nicht vorwerfen, dass er vor kontroversen Filmen scheut.
Mit Mile 22 übernimmt er nun drei auf Tatsachen beruhenden Filmen wieder die Regie für ein fiktives Werk, besetzt aber erneut seinen Hauptdarsteller aus den vergangenen Werken: Mark Wahlberg.
Die beiden scheinen ein gutes Team zu sein und wissen mittlerweile, wie man miteinander umgeht. Dass Berg dennoch auch mal daneben greift, mussten er und das Produzenten-Team mit Mile 22 schmerzhaft erfahren. Denn die eigentlich als Trilogie geplante Story ging mit 66 Mio. Dollar weltweitem Einspiel dann doch unerwartet deutlich unter. Auch die Reaktionen der Kritiker waren nicht sonderlich gut, warf man dem Film doch vor, ausgerechnet in den Actionszenen zu versagen. Zu wirr und chaotisch sei das Ganze.

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Will sicheres Geleit: Li Noor

Aber fangen wir doch von vorne an:
Mile 22 beginnt als klassischer Thriller im modernen Gewand. Wenn James Silva als Agent mit Söldner-Attitüde mit seinem Team ein Safehouse des Gegners hoch nimmt, ist das eine straff inszenierte und geradlinige Actionszene, die mit Knalleffekt aufhört.
Was man Berg in der Folge weiterhin zugute halten muss: Er weiß, wie er Dramatik anschwillen lässt. Die Momente vor dem Angriff auf Li Noor montiert er so geschickt, dass man sukzessive mit jeder Faser des Körpers gebannt auf den Bildschirm schaut – wissend, dass es gleich zur Eruption kommt.
Allerdings stimmt es: Die Abfolgen sind wirr und chaotisch. So springt Mile 22 zwischendurch in der Zeit, ohne dass der Film es irgendwie eingeführt hätte. Dazu sind die Dialoge und Informationswechsel in der Botschaft hektisch und vermitteln den Eindruck, dass dort nicht einer der Verantwortlichen den Überblick hat.
Den Überblick verliert man dann auch auf den Straßen der Stadt, wenn die Agenten zum Spielball der Hundertschaft werden, die man ihnen auf den Hals jagt.
Was Bergs Film in die Waagschale werfen kann, ist sein Pfund an Darstellern. Über Mark Wahlberg muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Er ist in Actionfilmen immer ein Gewinn. Allerdings muss man das für Mile 22 etwas einschränken, denn seine völlig überzogene und arrogante Figur nervt bisweilen extrem. Lauren Cohan emanzipiert sich derweil immer mehr von ihrer Rolle als Maggie aus The Walking Dead. Schon in The Boy konnte sie überzeugen und dass sie auf harte Action machen kann, hat sie in der Zombie-Show schon oft bewiesen. Dazu gesellt sich John Malkovich als Agenten-Chef mit strammem Militär-Haarschnitt. Der größte Coup (und ein Zugeständnis an die asiatische Auswertung des Films) ist aber The-Raid-Darsteller Iko Uwais. Der extrem fähige Pencak-Silat-Kämpfer war in allen seinen bisherigen Filmen extrem charismatisch und sein Fight-Stil ist schlicht sensationell. Schon seine erste Kampfszenen ist famos durchgeführt. Und, so viel muss man Mile 22 lassen: Wenn es nach gut 50 Minuten in einen über halbstündigen Showdown auf den Straßen der fiktiven asiatischen Stadt geht, ist ein Durchatmen kaum noch möglich. Bei allem Chaos und all den logischen Lücken – die Action ist handfest, ruppig, blutig und ziemlich unterhaltsam.

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Bestens ausgebildet

Bild- und Tonqualität

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Bishop leitet die Operation von außen

Mile 22 wurde mit der modernen Panavision-Millennium-DXL-Kamera aufgenommen, die am Ausgang 8K lieferte. Zwar gibt es aktuell keine Pläne, dem Film hierzulande (oder auch woanders) in 4K auf UHD zu veröffentlichen, doch das verwendete 4K-Digital-Intermediate bildet auch die Basis für diese Full-HD-Blu-ray. Und das bedeutet für Close-ups, dass sie bisweilen absolut rattenscharf sind (8’00). Ein ganz leichtes Korn wurde zwar hinzugefügt, fällt aber nicht ärgerlich auf, sondern sorgt gerade in südostasischen Gegend für einen hohen Grad an filmischem Look. Innenraum-Szenen sind allerdings in aller Regel extrem ruhig und rauscharm. Körnung zeigt sich meist in Totalen bei Außenaufnahmen. Ab und an sind die unteren Randbereiche bei Halbtotalen etwas unscharf geraten (Damen-Umkleide 20’20). Auch ein paar Zooms auf Schauspieler sind etwas weicher geraten. Ansonsten darf man sich über sehr knackiges Schwarz und kräftige Farben bei gleichzeitig sehr guter Neutralität freuen.
In Sachen Tonqualität hat man zunächst mal eine kleine Hemmschwelle zu überwinden. Denn beide dts-HD-Master-Tonspuren sind wesentlich leiser als jene vergleichbarer Filme. Also fürchtet man im ersten Monat, dass es hier nicht sonderlich dynamisch zugehen wird. Doch kaum wird der Funkkontakt zwischen den Agenten aktiv, ist schon mal klar, dass Mile 22 sehr räumlich ist. Fliegt die Drohne durchs Bild, wird der LFE-Bereich bereits tüchtig gekitzelt und beim Einsatz des Schneidbrenners spratzelt es wunderbar aus allen Speakern. Und wenn das Feuer im Haus ausbricht, bekommt man ein paar schöne Subsonic-Wellen ins Heimkino. Währenddessen bleiben die Stimmen gut verständlich. Richtig fetzig wird’s, wenn der russische Aufklärer nach etwa einer halben Stunde abhebt und das Wohnzimmer zum Flughafen macht. Echtes Hosenflattern bekommt man dann, wenn auf offener Straße Sprengsätze explodieren (53’55) und kurz darauf heftige MP-Salven durchs Heimkino fegen. Gerade die Direktheit und Brachialität der abgefeuerten Schüsse sowie der Geschosse des Granatwerfers sucht im Action-Genre seinesgleichen. Gleichzeitig ist die Straßen-Atmosphäre immer lebhaft und komplettiert den rundum gelungenen Tonsektor, der (wie erwähnt) nur etwas zu leise abgemischt ist.

Bonusmaterial

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Alice hat Wut im Bauch

Im Bonusmaterial von Mile 22 finden sich sechs, teils sehr kurze Interviews mit Cast & Crew, die teilweise auch ausgefadet werden, bevor die Antworten komplett gegeben wurden. Die zusätzlichen fünf Featurettes sind jeweils mit kaum zwei Minuten ebenso kurz und nicht viel mehr als kurze Teaser zu den Stunts und der Action.

Fazit

Peter Berg kann Action. Das weiß man. Und zwischen Minute 50 und 82 ist sein Mile 22 ein atemlos nach vorwärts preschender Genrefilm mit teils unglaublichen Shoot-outs und noch unglaublicheren Kampfszenen Iko Uwais. Allerdings muss man darüber hinwegsehen, dass gerade Mark Wahlbergs Charakter kolossal nervt und die Story völlig konfus erzählt wird. Die wahre Bedrohung rückt zudem völlig in den Hintergrund, sodass die Action rein selbstzweckhaft erscheint. Das aber immerhin extrem unterhaltsam. Ob’s eine (der geplanten zwei) Fortsetzung(en) gibt? Status derzeit ungeklärt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 85%
Tonqualität (dt. Fassung): 90%
Tonqualität (Originalversion): 90%
Bonusmaterial: 30%
Film: 65%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Peter Berg
Darsteller: Mark Wahlberg, John Malkovich, Lauren Cohan, Iko Uwais, Ronda Rousey, Alexandra Vino
Tonformate: dts HD-Master 7.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 95
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universum Film)

Trailer zu Mile 22

Mile 22 – Trailer (deutsch/ german; FSK 12)

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